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Mali: Der Putsch der Frustrierten

22.03.2012 | 18:30 |  ALFRED HACKENSBERGER (Die Presse)

Junge Soldaten setzten den Präsidenten von Mali, Amadou Touré, ab. Sie wollen nicht länger im Kampf gegen die Tuareg-Rebellion "verheizt" werden. Erst am Morgen kam die Hauptstadt Bamako wieder zur Ruhe.

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Las palmas/Bamako. 20 Jahre lang nur friedliche Machtwechsel – Mali war eine kleine demokratische Erfolgsgeschichte in Westafrika. Bis gestern. Während der ganzen Nacht auf Donnerstag waren schweres Geschützfeuer und Schüsse in Bamako zu hören. Erst am Morgen kam die Hauptstadt wieder zur Ruhe, die Spitäler vermeldeten keine neuen Verletzten.

Gegen vier Uhr früh war im Staatsfernsehen eine Gruppe von 20 Soldaten aufgetreten und hatte bekannt gegeben, dass Mali nun unter der Kontrolle eines „Nationalen Komitees für die Wiedereinführung von Demokratie und Wiederherstellung des Staates“ stehe: „Wir repräsentieren die gesamte Armee und alle Sicherheitskräfte. Wir haben beschlossen, die Verantwortung zu übernehmen und das inkompetente und desavouierte Regime von Präsident Amadou Toumani Touré zu stürzen.“

Kurz zuvor war der Präsidentenpalast gestürmt worden. In der Stadt wurden Checkpoints eingerichtet. Über den Aufenthaltsort des gestürzten Staatsoberhaupts herrschte zunächst Unklarheit: Erst hieß es, er habe in der US-Botschaft Zuflucht gesucht, später erklärten Anhänger, er befinde sich mit ihm ergebenen Soldaten auf einem Militärstützpunkt. Touré leugnete, dass es einen Putsch gegeben habe. Via Twitter sprach der abgesetzte Präsident nur von einer „Meuterei“, die im Gange sei.

Hintergrund des Coups ist nicht mangelnde Demokratie oder Machtmissbrauch Tourés, sondern das schlechte Management der Regierung bei der Bekämpfung der Rebellion der Tuareg. Die Nomaden kämpfen seit den 1960ern für einen unabhängigen Staat oder zumindest weitgehende Autonomie im Norden Malis.

 

Schwere Waffen aus Libyen

1990, 1991 und zuletzt 2006 war es zu Aufständen gegen die Regierung gekommen. Im Jänner starteten die Tuareg eine neue Offensive, eroberten einige Grenzstädte zu Algerien und eine Kaserne. Aufgrund der Kämpfe mussten laut UNO 180.000 Menschen fliehen.

Die Armee ist völlig überfordert. Früher kämpften die Tuareg mit alten Kalaschnikows und ausgedienten Granatwerfern. Heute haben sie laut Regierung Panzer- und Luftabwehrwaffen sowie schwere Maschinengewehre. Diese seien auf Pick-ups montiert, wie man es aus dem Bürgerkrieg in Libyen kenne. Von dort stammen die neuen Waffen auch, die das Militär so in die Bredouille bringen.

Viele Jahre lang dienten tausende Tuareg in der libyschen Armee. Nach dem Sturz des Diktators kehrten sie zurück – nicht ohne sich in den unkontrollierten Waffenlagern ausgiebig zu bedienen.

Die Soldaten haben das Gefühl, „verheizt“ zu werden. Trotz schlechter Ausrüstung werden sie in den Kampf gegen einen weit überlegenen Gegner geschickt. Als Verteidigungsminister General Sadio Gassama am Mittwoch eine Kaserne besuchte, dachte er, Gemüter zu beruhigen und keinen Putsch auszulösen. Aber angesichts hoher Todesraten, mangelnden Proviants und schlechter Bewaffnung haben die jungen Soldaten genug. Sie trieben den Minister mit Steinen in die Flucht und stürmten die Waffenkammern.

Auf einen Blick

Amadou Toumani Touré (63), von Freund wie Feind meist nur „ATT“ genannt, war 1991 selbst per Putsch an die Macht gekommen, übergab sie aber bald an eine Zivilregierung. 2002 und 2007 wurde er zum Präsidenten gewählt. [Reuters]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2012)

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21 Kommentare
Gast: Hoelle - Hoelle - Hoelle - Hoelle - Hoelle - Hoelle
23.03.2012 06:00
0 0

Wahnsinn...

...wie unbedarft politische Berichterstattung heutzutage ist in der Neuen Freien Presse. Wen habt Ihr denn da gefragt?

Einen Augustinverkaeufer aus Mali?

Wird Österreich wieder Hilfstruppen für die französischen Fremdenlegionäre stellen...

für den Fall dass die neue Regierung nicht sofort einen Freundschafts- und Beistandspakt mit Frankreich abschließt?

Gast: freund?
22.03.2012 18:04
1 0

DAS wäre auch was für uns



in österreich !

Antworten Gast: strelnikov
22.03.2012 19:05
1 0

Re: DAS wäre auch was für uns

Ein unfähiges Regime hätten wir auch, nur gehört der Verteidigungsminister dazu-erste Reihe fussfrei. Aber für Griechenland wäre wieder ein Militärputsch angesagt, damit die Leute dort wieder "Manieren" lernen. Hat schon früher bestens funktioniert.

Wieso kann so etwas nicht auch

bei uns geschehen?

Soldaten haben wir ja (noch...), und ein unfähiges Regime auch.

3 0

Re: Wieso kann so etwas nicht auch

Geht nicht.

Die regierungstreuen Eliteeinheiten fehlen....

na klar

die uno , als unnötiger plappervereib ist wieder besorg und ruft zur ordnung. ist vielleicht das geldscheffeln der weltaussauger und parasiten gefährdet?

Gast: krachmandel80
22.03.2012 14:48
1 0

Nicolas

verschiffe bitte sofort die Legion nach Mali,die Fallschirmjägerlegionäre sind eh in Dschibuti stationiert.

Immerhin hat Mali eine riesige Goldproduktion und die werden wir uns ja hoffentlich nicht von den Russkis und Chinesen wegnehmen lassen.

Legio Patria Nostra

Die könnten einen Trupp nach Österreich schicken, und beim Absetzen von unfähigen Regierungen gleich mit Faymann/Spindelegger weitermachen!!!


Putschende Soldaten setzen "unfähiges Regime" ab

Mit dem Darabos als Verteidigungsminister können wir auch diese Hoffnung vergessen.

Eh klar!

Beim Militär, das einen korrupten absetzt, ist es ein Putsch.

Bei der Al-Kaida der "arabische Frühling".


Gast: gagamehl
22.03.2012 10:17
5 0

Der

UNO-Sicherheitsrat rief zur Ruhe auf blablabla blubblubblub.

China,Reissack

Putschende Soldaten setzen "unfähiges Regime" ab

Jetzt habe ich mich schon gefreut, daß in Österreich endlich was weitergeht, aber nein, Mali war's.

Nicht umsonst hat man bei uns das Heer ruiniert. Das könnte wahrscheinlich nicht einmal mehr eine Jagdgesellschaft von Mensdorff-Pouilly angreifen ohne dabei völlig aufgerieben zu werden.

2 0

Re: Putschende Soldaten setzen "unfähiges Regime" ab

. . . der 'Mephisto' trifft den Nagel auf den Kopf.
Doch wie viele kapieren das schon?
Beängstigend!

Antworten Gast: schlÄchter
22.03.2012 13:34
8 0

Re: Putschende Soldaten setzen "unfähiges Regime" ab

sg modestus!

"Nicht umsonst hat man bei uns das Heer ruiniert. Das könnte wahrscheinlich nicht einmal mehr eine Jagdgesellschaft von Mensdorff-Pouilly angreifen ohne dabei völlig aufgerieben zu werden."

:-)))
für mich das posting des tages!

+

mfg
s.

Gast: Karl Huber
22.03.2012 08:44
1 1

Frage in die Runde

Hat irgendwer was gelesen von einem angeblichen Putsch in China? Chinesische Bloggs sind (oder besser waren) voll davon.

Antworten Gast: schlÄchter
22.03.2012 14:06
0 0

Re: Frage in die Runde

sg herr huber!
ich nicht.
mfg
s.

Antworten Antworten Gast: Karl Huber
23.03.2012 06:05
0 0

Re: Re: Frage in die Runde

Grüß Gott Herr Schlächter.

Danke für die Antwort.

Schöns Tägle
Karl Huber :)

Gast: Einer geht noch
22.03.2012 08:36
9 0

Putschende Soldaten setzen unfähiges Regime ab. Ist das die Erklärung, wieso die SPÖ gegen die allgemeine Wehrpflicht ist?

:-)

1 0

Re: Putschende Soldaten setzen unfähiges Regime ab. Ist das die Erklärung, wieso die SPÖ gegen die allgemeine Wehrpflicht ist?

Das war der Grund, warum die SPÖ gegen ein Berufsheer und FÜR die allgemeine Wehrpflicht war.

Zumindest bis sie das Verteidigungsministerium in die Finger bekommen hat. Jetzt würden sich in einem Berufsheer aber wohl eine ganze Menge Spitzenpositionen für qualifizierte Söhne auftun, die bisher halt leider nicht Büroleiter im ORF geworden sind....

Antworten Gast: gasti
22.03.2012 11:48
3 1

Re: Putschende Soldaten setzen unfähiges Regime ab. Ist das die Erklärung, wieso die SPÖ gegen die allgemeine Wehrpflicht ist?

wenn sie schon so eine analogie ziehen wollen, wo auf der welt haben jemals grundwehrdiener geputscht?