PRO: Irans Mullahs lassen sich nur durch härtere Gangart stoppen

27.03.2012 | 09:53 |   (DiePresse.com)

PROMit langwierigen Verhandlungen und halbherzigen Drohungen ist der Iran nicht von seinem Atomprogramm abzubringen.

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Der Iran schreitet mit seinem Atomprogramm immer weiter voran - bislang ungehindert. Auch wenn das Regime US-Informationen zufolge noch keine Entscheidung über den Bau von Atomwaffen gefällt hat: Technisch soll es dazu schon in einem Jahr in der Lage sein. Um endlich ein Einlenken im jahrelangen Atomstreit zu erreichen, muss der Westen den Druck deutlich verstärken. Von gutem Zureden und halbherzigen Drohungen lassen sich die iranischen Mullahs nicht beeindrucken. Neben weiteren Wirtschaftssanktionen darf auch eine glaubhafte Drohung mit einem Angriff auf die Atomanlagen kein Tabu sein. Vier Argumente für eine härtere Gangart.

Eine Atommacht Iran kann nicht akzeptiert werden

Mehr als einmal hat der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad gesagt, Israel müsse „von der Landkarte gefegt" werden. Aber nicht nur wegen der Gefahr eines Nuklearschlages darf die internationale Gemeinschaft es nicht zulassen, dass der Iran Atomwaffen herstellt. Allein der Besitz solcher Waffen würde das Regime massiv stärken. Es könnte dann frei schalten und walten, ohne eine Intervention des Westens fürchten zu müssen. Außerdem ist zu befürchten, dass der Iran die Technik an Verbündete wie die libanesische Hisbollah weitergeben könnte. Und nicht zuletzt würde der Aufstieg des Iran zur Atommacht ein Aufrüsten in der gesamten Region bewirken - Staaten wie Ägypten und Saudi-Arabien würden ebenfalls nach Atomwaffen streben.

Teheran narrt den Westen

Man habe „eigentlich keine Einwände", den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO Zugang zur militärischen Forschungsanstalt Parchin zu gewähren, behauptete das iranische Regime Mitte März. Kurz zuvor war ein Inspektoren-Team zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen mit leeren Händen aus dem Iran abgereist, weil ihnen den Zugang zu Parchin verweigert wurde. Immer wieder spielt das Regime dieses Spiel: Man verspricht der internationalen Gemeinschaft Kooperation, hält Zusagen aber dann doch nicht ein. In der Zwischenzeit kann in Ruhe am Atomprogramm weitergearbeitet werden.


Hoffnung auf „konstruktiven Dialog" ist naiv

Schon seit Jahren versucht der Westen mit Verhandlungen und wirtschaftlichen Sanktionen, den Iran von seinem Atomprogramm abzubringen. Der bisheriger Erfolg: gleich Null. Nun wollen die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland (die sogenannte Sechsergruppe) „demnächst" die Gespräche wieder aufnehmen. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton hat erklärt, sie hoffe auf einen „konstruktiven Dialog" mit dem Iran. Das klingt angesichts der bisherigen Erfahrungen naiv. Zuletzt wurden die Verhandlungen der Sechsergruppe im vergangenen Jahr wegen Ergebnislosigkeit abgebrochen. Und erst Mitte März betonte der geistliche Führer Ayatollah Ali Khamenei, dass der Iran keine Kompromisse zu seinem Atomprogramm eingehen werde. Dem Iran kommen langwierige neue Gespräche entgegen, um weiter auf Zeit spielen zu können. Verhandlungen sind also nur dann sinnvoll, wenn der Westen sein Drohpotenzial erhöht.


Die Zeit wird knapp

Das Regime hat damit begonnen, seine Urananreicherungsanlagen unter die Erde zu verlegen, um sie vor Luftangriffen zu schützen. Schon jetzt sollen US-Berichten zufolge Teile der iranischen Atomanlagen so tief unter der Erde liegen, dass sie selbst mit den neuesten bunkerbrechenden US-Bomben nicht mehr erreicht werden können. Die Möglichkeit eines Präventivangriffs schwindet daher - und damit auch die Möglichkeit, dem iranischen Regime mit einem Präventivschlag zu drohen.

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(Red.)

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12 Kommentare

Schluß mit der Farce

Es stellt sich langsam die Frage, wie lange man den Iran noch ins Eck stellen und herabwürdigen will. Selbst wenn es dem Land gelingt, Atomwaffen herzustellen, so ist es noch ein Hort der Stabilität im Vergleich zu anderen A-Waffen-besitzenden Ländern, wie z.B. Pakistan. Mit dem Besitz "gefährlicher" Technologien steigt auch die Verantwortung für seine Umgebung. Ein atomarer Erstschlag scheint absurd- ein solches Land hätte wohl endgültig "ausgesorgt". Man sollte den Iran auch in die Pflicht nehmen bei der Stabilisierung der Region, anstatt ein sonst stabiles Land zu destabilisieren. Allerdings muss auch der Kreis derer wachsen, die Israels Sicherheit garantieren - ausser Israel selbst. Und darin liegt wohl die Quadratur des Kreises.

Gast: netter gast
27.03.2012 14:58
1 8

Absurd

Allein die Themenstellung ist absurd .

Wenn atomare Rüstung bekämpft werden soll
dann in Ländern die tatsächlich Atombomben haben und besonders
bei denen ,die bereits Atombomben gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt haben

Hardliner wollen mit allen Mitteln einen Krieg vom Zaun brechen .

Antworten Gast: schwarzseher
27.03.2012 18:13
1 2

Re: Absurd

sie haben recht. die usa waren die ersten die atombomben einsetzten. ein furchtbares kriegsverbrechen.

0 0

Re: Re: Absurd

Die USA waren nicht nur die ersten, sondern die einzigen, die Atombomben eingesetzt haben...

7 3

Es ist nicht naiv dialogbereit zu sein.

Es ist naiv, zu glauben, dass ein Krieg das Problem lösen kann.

Antworten Gast: seid_nicht_so_naiv!
27.03.2012 13:04
8 2

Re: Es ist nicht naiv dialogbereit zu sein.

Das nennt man Appeasement-Politik. Wohin die geführt hat, ist ja bekannt. Es ist leider so: nicht alle Probleme lassen sich mit "Dialogbereitschaft" lösen. Dazu müssen nämlich beide Seiten guten Willens sein. Den hat der Iran ganz offensichtlich nicht.

Wenn ich das Thema Iran lese kommen mir immer mehr zweifeln auf

Mal nüchtern gesehen gibt es schon einen Gewinner,die Rüstungsindustrie.Und ich glaube kaum das die sich ins Handwerk pfuschen lassen.Ich denke es hätte schon längst einen militärischen Übergriff gegen den Iran gegeben damit sie in Atomprogramm wieder auf Null sind,wenn nicht manche westlichen Nationen ihre High-Tech Arsenale verkaufen wollen.Das zweite ist natürlich Öl und davon hat Iran mal genügend auf das die Welt scharf ist und Israel kann von seiner innenpolitischen Lage ablenken.

Gast: slevin
27.03.2012 11:56
4 7

Einer der..

..schlechtesten Artiekl zur Iran-Krise..

1) Die arabische Sprache ist sehr komplex und man kann viel in die einzelnen Worte rein interpretieren.. Ahmadinejad hat nie behauptet man müsse "Isreal von der Landkarte fegen".. Er hat damals behauptet, dass "das Bestzerregime Israels Geschichte werden müsse"..

2) Es ist nur selbstverständlich, dass ein Land keinen Einblick in millitärische Einrichtungen gewährt.. Das würde kein Land der Welt machen, denn das wäre ein Schuss ins Knie..

3) Diese Hetzte ist ein Witz.. Schon seit 30 Jahren kursieren Berichte, dass Iran "kurz vor der Atombombe steht"..

Antworten Gast: gast345
27.03.2012 20:15
5 0

Re: Einer der..

im Iran wird persisch gesprochen. Persisch (Farsi) mit arabisch zu verwechseln , ist ungefaehr so, wie Finnisch mit Polnisch zu verwechseln.

mit freundlichen Gruessen,

ein Iraner :))

2 1

Re: Einer der..

Vollste Zustimmung zu 1, 2 und 3!

ad 1) einfach googlen "umstrittenes Zitat Ahmadinejads".
ad 2) Abgesehen davon: Der Iran ist eingekesselt von Nato und Rivalen (Irak, Afghanistan, Arabien etc.) - da muss man Stärke zeigen, und das wissen die Amerikaner! Alles offen legen wäre ein Gesichtsverlust, und das beim kulturell bedingten iranischen Stolz.
ad 3)Von der Atombombe sollen sie seit Jahren einmal Wochen, dann Monate und manchmal Jahre entfernt sein. Wer dem noch glauben schenkt ist selber schuld. Wie war das gleich im Irak?

Nur bitte: die iranische Sprache nennt sich PERSISCH und ist näher verwandt mit Deutsch als mit Arabisch/Türkisch.

Antworten Antworten Gast: slevin
27.03.2012 17:57
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Re: Re: Einer der..

Danke fürs aufklären.. Wieder was gelernt..

Antworten Gast: Irani
27.03.2012 12:32
5 1

Re: Einer der..

grundsätzlich gebe ich Ihnen recht, nur dass im Iran farsi = persisch gesprochen wird offiziell.

MfG


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