Berlin/Ag/Wb. Guttenberg sei wieder auf dem Weg „dorthin, wo man abhebt“, scherzte CSU-Chef Horst Seehofer. Es war eine doppeldeutige Anspielung auf den ehemaligen deutschen Verteidigungsminister, der sich gerade auf dem Weg zum Flughafen befand. Knapp ein Jahr, nachdem ihm sein Doktortitel aberkannt worden ist, hat Karl-Theodor zu Guttenberg seinen Weggefährten in der CSU eine Abfuhr erteilt. Sie wollten ihm in seiner Heimat Oberfranken einen sicheren Listenplatz für die Wahlen 2013 bereitstellen.
Guttenberg kehrte zurück in die USA, wo er für die renommierte Denkfabrik CSIS arbeitet. Außerdem ist er als Berater für die EU-Kommission zum Thema Internetfreiheit tätig. Dabei – so die Ironie der Geschichte – muss er sich mit dem Hauptthema seines Scheiterns befassen: dem Thema Urheberrechte. Am 1. März 2011 war er zurückgetreten, nachdem ihm die Universität Bayreuth wegen zahlreicher Plagiate den Doktortitel aberkannt hatte.
Guttenberg hat zwar eine Rückkehr in die Politik nicht ausgeschlossen. In seinem erfolgreichen Buch „Vorerst gescheitert“ lässt er dies bewusst offen. Aber die Zeit ist noch nicht gekommen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov würden nur 34 Prozent der Deutschen seine Rückkehr unterstützen. 51 Prozent sind dagegen. Allerdings wird die Arbeit Guttenbergs als Verteidigungsminister immer noch positiv eingeschätzt.
Guttenberg, so machte er in einem Brief an seine Parteifreunde klar, will sich vorerst rarmachen. „Diese Phase der Aufarbeitung von Verfehlungen, eigenem Verschulden und meiner persönlichen Neuorientierung beinhaltet auch einen notwendigen Rückzug aus dem Licht der deutschen Öffentlichkeit.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2012)
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