Der ungarische Staatspräsident Pal Schmitt war eigentlich lange ein Glückskind. Der zweifache olympische Teamsieger im Degenfechten und langjähriger Sportfunktionär erreichte im Jahr 2010 den Höhepunkt seiner politischen Karriere und wurde Staatsoberhaupt Ungarns. Doch in der vergangenen Woche geriet der ehemalige Präsident des Ungarischen Olympischen Komitees (MOB) wegen seiner 1992 eingereichten Doktorarbeit plötzlich ins Straucheln: Der Senat der Budapester Semmelweis-Universität erkannte ihm am Donnerstag wegen Plagiaten seinen Doktortitel ab. Seine Weigerung daraufhin zurückzutreten, löste am Wochenende zahlreiche Proteste aus. Am Montag erklärte Schmitt schließlich seinen Rücktritt.
Beobachter beschreiben Schmitt persönlich als umgänglich, polyglott, weltgewandt, diplomatisch und loyal - für die parlamentarische Opposition ist er sogar ein bisschen zu loyal gegenüber Premier Viktor Orban. Schmitt könne das Land nicht als gesamtes repräsentieren, weil er bloß ein "Parteisoldat" von Orbans rechtskonservativer Partei Fidesz-MPSZ sei, hatten die oppositionellen Sozialisten (MSZP) bereits im Vorfeld seiner Wahl kritisiert.
Der Politiker wurde 1942 in Budapest geboren. 1968 und 1972 errang er mit seinem Degenfecht-Team die olympische Goldmedaille, 1970 und 1971 erhielt er den Teamweltmeistertitel. Nach dem Ende seiner Sportlerkarriere Mitte der 70er Jahre konzentrierte sich der studierte Wirtschaftswissenschaftler zunächst auf seine Managementtätigkeit in der Hotellerie.
Ab Anfang der 80er Jahre engagierte er sich dann zunehmend sowohl im Ungarischen als auch im Internationalen Olympischen Komitee (MOB bzw. IOC). Von 1990 bis 2010 bekleidete er ununterbrochen das Amt des MOB-Vorsitzenden. Nach dem Ende des Kommunismus nahm er zudem als Botschafter in Spanien (1993-97) und der Schweiz (1999-2002) auch diplomatische Agenden wahr.
In die große Politik stieg Schmitt erst 2002 ein, als er bei der Kommunalwahl zunächst formell als Unabhängiger - allerdings mit Unterstützung von Fidesz und des konservativen MDF - erfolglos gegen Budapests langjährigen liberalen Bürgermeister Gabor Demszky kandidierte. Im Jahr darauf trat er Fidesz offiziell bei und konnte bei der ersten ungarischen EU-Wahl 2004 als Spitzenkandidat der Fidesz-Liste einen großen Erfolg feiern, als die damals oppositionelle Partei aus dem Stand die Hälfte der 24 ungarischen EU-Mandate auf sich vereinigen konnte.
2009 wurde er als erster Ungar zu einem der Vizepräsidenten des EU-Parlaments gewählt. Nach seiner Wahl ins Budapester Parlament im Rahmen des überragenden Wahlsiegs von Fidesz im April 2010 und seiner Berufung zum Parlamentspräsidenten verzichtete Schmitt auf sein EU-Mandat.
Der 68-Jährige ist mit einer Turnerin verheiratet und Vater dreier Töchter. Er spricht nach Angaben auf seiner Homepage Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch sowie etwas Russisch.
(APA/Petra Edlbacher)
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