Die tödlichen „Sternschnuppen“ im iranischen Waffenarsenal

13.04.2012 | 18:08 |   (Die Presse)

Just Israel gab Iran „Anschubhilfe“ zum Bau ballistischer Raketen. Heute bedrohen sie Ziele in bis zu 2000 Kilometer Entfernung.

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Ironischerweise war es Israel, dem der Iran die Mittel verdankt, mit denen er konventionelle und nukleare Bomben in einen weiten Umkreis, ja bis Südosteuropa, bringen könnte: Um 1977 herum gründete das westfreundliche Regime des Schahs im Iran und in Israel ein geheimes Joint Venture („Operation Flower“), im Rahmen dessen der Iran Öl an Israel lieferte und Jerusalem umgekehrt beim Bau einer Fabrik für ballistische Raketen nahe Sirdschan im Südiran half.

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Mit der Islamischen Revolution 1979 endete das Projekt natürlich, nun traten China und später vor allem Nordkorea als Projektpartner und Waffenlieferanten auf. Schon im Golfkrieg mit dem Irak 1980–88 setzte der Iran Raketen vom ursprünglich russischen Modell „Scud“ ein, sie fliegen über etwa 300 Kilometer. Die Scuds wurden mithilfe der neuen „Freunde“ weiterentwickelt, dazu kam die Technik hausgemachter nordkoreanischer Modelle, sodass der Iran heute ein vielfältiges, zahlenmäßig aber schwer schätzbares Raketensortiment besitzt.

An Scud-Abkömmlingen (die im Iran auch „Shahab“, also Sternschnuppe, heißen) gibt es etwa 200 bis 450. Dazu kommen etwa 175 chinesische CSS-8 Kurzstreckenraketen (Reichweite bis 150 km). Herzstück des Raketenarsenals ist aber die „Shahab-3“, ein Derivat der nordkoreanischen Nodong-1, ihre Reichweite beträgt bis zu 2000 Kilometer. Umstritten ist ihre Zielgenauigkeit: Die „Circular Error Probability“ (jener Radius, innerhalb dessen 50 Prozent der abgefeuerten Raketen landen) wird mit 200 Metern bis zwei Kilometern angegeben; in jedem Fall wäre die wenig zielgenau – und gäbe eigentlich nur mit einem Atomgefechtskopf Sinn, der ein großes Gebiet zerstören kann.

 

Platzproblem für die Bombe

Noch aber dürfte der Iran nicht imstande sein, eine Bombe zu bauen, die klein genug ist, um in die beengte Spitze einer Shahab-3 zu passen. Indizien zufolge arbeitet Teheran aber daran – so wie an einer Shahab-Rakete, die bis zu 10.000 Kilometer weit fliegen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2012)

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