Der Atompoker geht weiter

14.04.2012 | 18:38 |  von Jan Keetman (Die Presse)

In Istanbul fanden am Samstag die Atomgespräche zwischen dem Iran, den Vetomächten im Sicherheitsrat und Deutschland statt. Iran sollte sein Atomprogramm "ausgeredet" werden. Das gelang vorerst nicht: Die Verhandlungen werden im Mai fortgesetzt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Der große „Atomgipfel" in Istanbul über das umstrittene iranische Atomprogramm hatte am Samstag einen guten Start: Teilnehmer betonten, erste bilaterale Treffen seien „konstruktiv" und in guter Atmosphäre verlaufen; am Abend fand eine Verhandlungsrunde aller Unterhändler aus dem Iran und der „5+1-Gruppe" statt; die umfasst die USA, China, Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Deutschland.

Mehr zum Thema:

Das Treffen galt als letzte Chance, Angriffe Israels auf Irans Atomanlagen abzuwenden. Es gibt aber offenbar immer noch eine neue Chance: Am späten Abend wurde der Gipfel unterbrochen, er soll am 23. Mai fortgesetzt werden - just in Iraks Hauptstadt Bagdad. EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte nach den Verhandlungen, Ziel sei nun, den Streit um das iranische Atomprogramm „Schritt für Schritt" beizulegen. Grundlage der Gespräche solle der Atomwaffensperrvertrag sein, wobei die 5+1-Gruppe das Recht Irans auf die friedliche Nutzung der Atomenergie achte.

Bis zum Treffen in Bagdad werde es darum gehen, weiter gegenseitiges Vertrauen zu schaffen, sagte die Britin Ashton. Sie wertete es jedenfalls als Erfolg, dass nach den Gesprächen in Istanbul Zeit und Ort für ein weiteres solches Treffen überhaupt vereinbart worden seien.
Eine Überraschung gab es zu Beginn: Irans Verhandler Saeed Jalili stellte sich mit einem ganz neuen Titel vor: als „persönlicher Vertreter des obersten Führers". Gemeint ist der religiöse Führer Ali Khamenei. Der demonstriert damit, dass er mit Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Clinch liegt, dieser unwichtig ist und Khamenei die Gespräche ernst nimmt.

Letzteres war zuvor nicht immer klar: So hatten iranische Offizielle etwa vorgeschlagen, das Treffen im umkämpften Damaskus abzuhalten.
Nach der ersten Gesprächsrunde am Vormittag äußerte sich Michael Mann, Sprecher der EU-Beauftragten für Außenpolitik Catherine Ashton, sehr positiv. Dagegen zitierte die Agentur AFP aus dem Umfeld der iranischen Delegation eine andere Einschätzung: Dort habe man die Position des Westens „enttäuschend" gefunden.

Allgemein wurde schon zu Beginn erwartet, dass die Gespräche in den nächsten Wochen weitergehen. Dabei wird es darum gehen, dem Iran einen Stopp der Urananreicherung und weitere Infos über sein Atomprogramm abzuringen, von dem man annimmt, dass es auch militärischen Zwecken dient. Umgekehrt bot man bisher wirtschaftliche und sicherheitspolitische Kooperation an, etwa ein Ende von Handelsembargos, zivilen Technologietransfer und Sicherheitsgarantien.

Bericht über Bombenexperimente. Es liegt eine große Last auf den Gesprächen, denn sie könnten über Krieg und Frieden entscheiden. US-Präsident Barack Obama nannte sie „letzte Chance der Diplomatie". Schon dass der Iran ohne Vorbedingungen kam, ist ein Erfolg für Obama und die türkischen Gastgeber. Die bisher letzten Atomgespräche endeten nämlich vor 15 Monaten ebenfalls in Istanbul im Desaster. Seither drohten die Israelis immer offener mit Militäraktionen, USA und EU drehten an der Sanktionsschraube, worauf Teheran zusehends weich wurde.

Neben dem Anreicherungsstopp und der Verbringung von mehr als 110 Kilogramm angereicherten Urans in ein Lager außerhalb des Iran will der Westen die volle Zusammenarbeit Teherans mit Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Weil aber vor allem die USA einige Forderungen auf Öffnung fallen ließen bzw. zurückstellten, muss sich Obama Kritik von seinem Herausforderer bei der Präsidentenwahl im November anhören: Obama sei zu weich gegenüber Diktaturen wie dem Iran und Nordkorea, warf ihm Mitt Romney vor.

Wasser auf Romneys Mühlen dürften neue Berichte über iranische Experimente mit einem Zündmechanismus für Atombomben anno 2003 sein. Die Berichte fußen in einer nicht näher genannten Geheimdienstquelle und sind an sich nicht neu: Allerdings soll diesfalls ein russischer Techniker „geplaudert" haben, der den Iranern bei Zündsimulationen behilflich gewesen sein soll. Diese wurden angeblich von den iranischen Physikern Majid Schahriari und Ferydun Abbasi-Dawani geleitet. 2010 waren beide Ziele von Sprengstoffattentaten: Schahriari starb, Abbasi-Dawani wurde verletzt und leitet heute Irans Atomenergiebehörde. Als Urheber der Anschläge wird Israels Geheimdienst Mossad vermutet.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

38 Kommentare
 
12

alles cool in istanbul...

warum schreibt man hier nicht , dass es "nützlich und konstruktiv" var ...

der nächste Kandidat

Iran
den man in einen Bürgerkrieg manövrieren wird
laut dem Politmagazin Iranicum wurden bereits im Jahr 2005 Mitglieder der Exiliranischen Volksmudjahedin MEK,die in USA eigentlich als terroristische Vereinigung eingestuft sind, in der Wüste von Nevada von amerikanischen Militärs ausgebildet
das ganze sieht eher aus wie ein riesiges Gebäude aus Lügen und Intrigen

Gast: crest.lima-city.de
14.04.2012 15:37
0

crest.lima-city.de

Kann ich nicht glaube schaut mal hier rein : crest.lima-city.de

Gast: Andy Bergmann
14.04.2012 15:36
12

Zionisten und USA wollen Weltherrschaft

daher sitzt auch Deutschland mit am Verhandlungstisch in Istanbul. Die Deutschen haben dort nichts verloren; Deutschland ist KEINE Atmommacht und dennoch muss es brav mitmachen, damit es nur ja nicht aus der Reihe tanzt.
Auch atomare U-Boote muss Deutschland zum Teil an Israel verschenken, was nach deutschem Grundgesetz ein Verbrechen ist, denn Israel ist ein kriegführender (gegen Gaza) und kriegshetzerischer Staat...
Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass es hier um Macht geht, die sich die USA, Israel und das UK untereinander teilen wollen...

Re: Zionisten und USA wollen Weltherrschaft

Tja, so ähnlich hat jemand vor ca. 70 Jahren auch argumentiert; schön, dass sie uns auslöschen wollen, wie der Iran....

Re: Re: Zionisten und USA wollen Weltherrschaft

Wahnsinnig lächerlich, wie können Sie diese Kriegsverbrechen wieder mit der Vergangenheit argumentieren? Stellen Sie sich mal vor Israel wäre ein Islamischer Staat. Was glauben Sie wie lange die Welt dabei zusehen würde wie sie Kriegslüstern ihre Nachbarstaaten terrorisieren und Zivilisten bombadieren?

Gegen welche Staaten hat Iran in den letzten 15 Jahren Krieg geführt? Welche Staaten haben sie bedroht? Welche haben sie in den letzten 100 Jahren invadiert? Nun zum Vergleich: Gegen wieviele Staaten haben USA/Israel in den letzten 50 Jahren Krieg geführt? Wieviele Staaten invadiert und wieviele bedroht?

Solche Fakten können Sie nicht schön reden. Iran-auch wenn die Regierung ihre Bevölkerung untergräbt und mit etlichen unmoralischen Gesetzen NOCH im Zaum hält-ist International gesehen ein friedliches Land.

Antworten Antworten Gast: Andy Bergmann
14.04.2012 17:45
4

Re: Re: Zionisten und USA wollen Weltherrschaft

Dachte ich mir doch, dass sie wieder mit der schrecklichen Vergangenheit aufwarten, um die Verbrechen der Gegenwart zu entschuldigen...

An Zensor

warum werden meine postings zensuriert?
ich habe die Leserschaft eingeladen vorzustellen, was wäre wenn Hitler eine Atombombe hätte. Nicht genehmigt. OK. Das Leben geht trotzdem weiter. Der Zensor hält weiter Wache im Büro. Ich gehe dann spatzieren.

Antworten Gast: netter gast
14.04.2012 15:40
3

an sir leo

"wenn Hitler"
ist ein absurde Spekulation .
Wir wissen aber
dass die USA, die in WK2 die Atombombe bauten
die Bombe auch gegen die Zivilbevölkerung Hiroschima/Nagasaki eingesetzt haben

Re: an netten gast

biite nicht ideen der anderen als absurde spekulationen abtun. das arrogant. entspannen Sie sich und stellen Sie sich das ein mal vor, ohne sich auf gewohnte denkschablone abzulenken. nachher sagen sSie was Sie wollen

Antworten Antworten Antworten Gast: ATTACK
14.04.2012 19:21
1

Re: Re: an netten gast

@sir leonardo, sowie,@netter gast: Der Argumentation des netten gastes-ist nicht hinzuzufügen, sir leonardo!!
Hitler/die Nazis-HATTEN KEINE A-BOMBE, die YANKEES SCHON, und was die damit gemacht haben, ist der Welt bekannt!!
Also ist-Ihre Spekulation-in mehrfacher Hinsicht-ABSURD!!
Und, was sir leo-an den Ausführungen des netten gastes ist-SCHABLONENHAFT, ich kann dies leider nicht erkennen, Sir!!

Antworten Antworten Antworten Gast: netter gast
14.04.2012 18:35
0

Re: Re: an netten gast

MW hat sich H. sogar gezielt gegen die Entwicklung einer Atombombe entschieden.
Die
was wäre wenn der oder die in der Vergangenheit
dies oder jenes .....
Spekulationen führen ins Endlose und zu keinem Ziel

Re: Re: Re: an netten gast

aha?höre zum ersten mal, bitte um klitzkleinen belegchen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: uburoi
14.04.2012 23:00
0

Re: atom

wenn mans wirklich genau wissen will, wäre wiki ein aufschlußreicher partner.
klar, nur für den anfang.

massenhysterien?

wie kams dazu, daß österreich 1938 jubelte?

ZENSUR

POSTER-versteckt Euch und-VERBRINGT EURE ZEIT SINNVOLLER, denn an den Wochenenden ist,s noch schlimmer als sonst!!
Der PRESSE-ZENSOR mit dem "HACKBEIL" geht um, ein wohlargumentierter Angriff auf-"Israel, und den Westen"-und -HACK,HACK,HACK-schon liegt-DIE FREIE MEINUNG AM BODEN!! Soviel zur Österreichischen Verfassung und deren Grundrechten- nach der Meinung-DER PRESSE!!

Antworten Gast: netter gast
14.04.2012 14:36
5

Re: ZENSUR


Der Iran sucht sicher keinen Krieg
weil der Iran gegen die MVW der USA keine Chancen hätte .
Der Iran hat ,
im krassen Gegensatz zu den USA(auch Israel) kein Militär außerhalb seines Staatsgebietes .

Die Behauptung ,
der Iran baue geheim an Atombomben ,
ist ein klarer Kriegsvorwand ,
es gibt keinen Beweis .


Antworten Antworten Gast: Dum
15.04.2012 15:40
0

Der Iran sucht sicher Uran.

Einen der führenden Plätze hat Kasachstan bei den Vorkommen von Uran.

Re: Re: ZENSUR

Jajaja; es gibt aber dafür Beweise, dass die USA das WTC selbst gesprengt haben und nie auf dem Mond gewesen sind. Ihre Meinung ist leider falsch und fast lächerlich.

Antworten Antworten Antworten Gast: ADVOCATUS DI
14.04.2012 19:33
3

Re: Re: Re: ZENSUR

Kraut und Rüben, so bezeinet man Ihre Meinungsäußerung-im logischen Sinne-Liberaler B.!!
Und, dass das WTC so wie von der USA-Regierung dargestellt-NICHT EINGESTÜRZT SEIN KANN, haben REPUTIERTE INGENIEURE-weltweit nachgerechnet und bewiesen!!
Von der Flugzeugattacke allein wäre das, wie demonstriert-NIEMALS MÖGLICH GEWESEN!!
So einfach ist das, aber nur dann wenn die Diskutanten DIE GRUNDSÄTZE DER GRIECHISCHEN LOGIK-als Basis der diskursiven Auseinandersetzung-ALS BASIS AKZEPTIEREN!!
Und, um offen zu sein-HABE ICH DIESEN EINDRUCK BEI IHNEN NICHT-Liberaler Bürger!!

Antworten Antworten Antworten Gast: netter gast
14.04.2012 18:07
2

Re: Re: Re: ZENSUR

"lächerlich"
ist eine Unterstellung
und kein Argument .

"WTC selbst gesprengt haben"
Immerhin ,sie sehen den Einsturz ,
Statikern folgend richtigerweise als Sprengung ---
die unmittelbar folgende Frage ist natürlich : Wer konnte die WTC sprengen .

welches Problem sie mit dem Mond haben ,verstehe ich nicht

JAN KEETMAN, ein Beispiel für sachlichem Journalismus

JAN KEETMAN hat hier einen ziemlich ausgewogen wirkenden Bericht zu der aktuellen Situation gemacht. Informationen wie diese sind in den letzten Monaten äußerst selten erschienen. Die PRESSE sollte Journalisten von solcher Qualität öfter zu Wort kommen lassen!

Re: JAN KEETMAN, ein Beispiel für sachlichem Journalismus

Was, an diesem Artikel von KEETMAN-SOLL BITTE SEHR-AUSGEWOGEN SEIN!!
Kein Wort zur Verantwortung der Israelis & YANKEES!!
Lesen Sie den Intelligenten und-"tatsächlich ausgewogenen Beitrag" von-HANS GANZ, von 10,54h!!
Der nämlich, führt das Geschwafel des Journalisten Keetman-ad absurdum!!

Re: Re: JAN KEETMAN, ein Beispiel für sachlichem Journalismus

mein Herr, ich erteilte KEETMAN keinen Persilschein der vollendeten Berichterstattung, daher schrieb ich auch von "ziemlich (soll bedeuten einigermaßen) ausgewogen" und nicht wie von ihnen unterstellt "sehr ausgewogen".

Die Deutsche Sprache bietet eine sehr präzise Beschreibung, zumindest für jene, die damit umgehen können.


irre

immer wieder unverständlich, wie sich jemand auf Krieg gegen die USA einlassen kann. Am Ende ist das Leben einer ganzen Generation zerstört.

Gast: Andrew Carnegie
14.04.2012 11:24
15

Israel und die USA

brauchen einen Krieg. Afghanistan und der Irak sind zerstört; Truppen sind wieder frei verfügbar und daher müssen sie wieder eingesetzt werden, um das hohe Verteidigungsbudget der USA zu rechtfertigen.
Israel muss von seiner illegalen und kriminellen Siedlungspolitik ablenken: also wird der Iran verteufelt.
So einfach ist das.

Re: Israel und die USA

Ein neuer Krieg ist so ziehmlich das aller letzte was die USA gebrauchen können, wie kommen Sie auf eine derart absurde Schlußfolgerung?

 
12
AnmeldenAnmelden