Nach dem Sieg von Sozialist Francois Hollande bei der ersten Runde der Präsidentenwahl und dem starken Abschneiden der rechtsextremen Front National (FN) von Marine Le Pen beginnt der Kampf um die Wähler des rechten Lagers. Immerhin liegt dieses in 15 der 101 Départements nur knapp auf dem zweiten, in vielen sogar auf dem ersten Platz. Da die drittplatzierte FN aber nicht zur Stichwahl am 6. Mai zugelassen wird, beginnt nun das Rennen um die Rechten.
Der als Favorit gehandelte Hollande erklärte daher am Dienstag, dass er die rechtsextremen Wähler von sich und seinem Programm „überzeugen" möchte. Immerhin komme ein Teil von ihnen aus dem linken Lager, sagte er der Zeitung „Libération". Weiters betonte er, dass seine Wahlkampf-Strategie drei Teile umfasse.
"Soziale Wut" brachte FN den Erfolg
Der sozialistische Präsidentschaftskandidat will demnach zunächst diejenigen mobilisieren wolle, die nicht zur Wahl gegangen seien. An zweiter Stelle wolle er alle „ernsthaften Republikaner" ansprechen, denen das Wohl Frankreichs am Herzen liege. Und dann gehe es um die Wähler der Rechtsextremen Marine Le Pen: „Ich muss sie überzeugen, dass es die Linke ist, die sie verteidigt", sagte Hollande. Diese Wähler seien nicht automatisch Anhänger rechtsextremer Ideen, sondern würden vor allem eine „soziale Wut" zum Ausdruck bringen.
Doch auch auf die Stimmen aus der linken Wählerschaft will er nicht verzichten. Ein Umschwenken auf einen extrem rechten Kurs sei von seiner Partei daher nicht zu erwarten. „Ich werde nicht den Fehler begehen, nur zu den anderen zu sprechen und unsere zu vergessen", so Hollande. Die unterlegenen linken Kandidaten, darunter Jean-Luc Mélenchon, haben bereits ihre Unterstützung für Hollande in der Stichwahl gegen Präsident Nicolas Sarkozy deutlich gemacht.
Amtsinhaber Nicolas Sarkozy will ebenfalls um die Wählerschaft von Marine Le Pen rittern. Bereits im Wahlkampf hatte er auf die „rechte Karte" gesetzt.
Der Sozialist François Hollande gewann die erste Runde mit 28,6 Prozent der Stimmen vor Nicolas Sarkozy (27,2 Prozent). Die Rechtsextreme Marine Le Pen kam auf 17,9 Prozent, der Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon auf 11,1 Prozent, der Zentrumspolitiker François Bayrou auf 9,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 80 Prozent.
Während in 95 der 101 Départements am Sonntag gewählt wurde, gingen in den sechs Überseegebieten Französisch-Guyana, Guadeloupe, der Karibikinsel Saint Martin sowie Saint Pierre und Miquelon die Wahlberechtigten schon am Samstag zu den Urnen. Dort siegte ebenfalls Hollande vor Sarkozy.
(Ag./Red.)
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