Prag/Hjs. Der Freitag ab 13 Uhr ist den Tschechen heilig. Da lassen sie gewöhnlich Arbeit Arbeit sein und verziehen sich kollektiv in ihr Wochenendhäuschen. So war der Stoßseufzer des Fraktionschefs der Kommunisten im Prager Abgeordnetenhaus, der angesichts der Marathonsitzung über die Vertrauensfrage der Regierung fluchte, verständlich: „Ich wäre jetzt auch lieber auf der Datscha.“ Doch das Fernsehen übertrug die Sitzung live, und das war auch für die Hinterbänkler Gelegenheit, sich einmal dem Volk zu zeigen.
Dabei stand das Ergebnis der von Premier Petr Nečas angestrengten Vertrauensabstimmung schon vor Sitzungsbeginn fest: Seine bürgerliche Regierung würde weitermachen können, wenn auch knapp und in anderer Zusammensetzung als bisher. Nach einem Korruptionsskandal innerhalb der kleinsten Regierungspartei, „Öffentliche Angelegenheiten“, zerbrach die bisherige Koalition. Acht ihrer Abgeordneten kehrten der Partei den Rücken und stellten sich an Nečas' Seite, um zu retten, was zu retten ist.
Kommt nun ein Generalstreik?
Die Regierung Nečas fährt einen harten Sparkurs, kürzt die Ausgaben, erhöht aber vor allem fortlaufend die Steuern, um die Staatsverschuldung nachhaltig zu deckeln. Vergangenes Wochenende demonstrierten in Prag 100.000 Menschen gegen diesen Kurs, an dem der Premier aber auf jeden Fall festhalten will.
Und schon jetzt haben die Gewerkschaften weitere massive Proteste bis hin zu einem Generalstreik angekündigt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2012)
BilderMord an Soldaten schockiert Großbritannien
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
