US-Präsident Barack Obama hat bei einem Überraschungsbesuch in Afghanistan den Willen seiner Regierung nach einem baldigen Abzug der Soldaten aus dem Land bekräftigt. Der Sieg über die Terrororganisation al-Qaida sei "in Reichweite", sagte Obama auf dem US-Stützpunkt Bagram in einer Rede, die in der Nacht zum Mittwoch live im US-Fernsehen übertragen wurde. Die Reise war bis zuletzt streng geheim gehalten worden.
"Wir sind durch ein Jahrzehnt unter der dunklen Wolke des Krieges gereist", sagte der Präsident mit Blick auf die Konflikte im Irak und in Afghanistan nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Der Krieg im Irak sei vorbei, in Afghanistan erscheine das "Licht eines neuen Tages" am Horizont. Die USA würden an dem mit internationalen Partnern vereinbarten Zeitplan festhalten und "die Afghanen bis Ende 2014 voll verantwortlich für die Sicherheit ihres Landes sein." Derzeit sind noch rund 87.000 US-Soldaten in Afghanistan stationiert.
Gegen einen früheren Abzug führte er unter anderem die Bedrohung durch das Terrornetzwerk al-Qaida ins Feld, deren Bekämpfung gefährdet wäre. Das Ziel, die Gruppe zu zerstören, sei in greifbare Nähe gerückt. "Wir haben die Führung von al-Qaida niedergeschmettert", betonte Obama.
Pakt über Truppenabzug
Zuvor hatten Obama und der afghanische Präsident Hamid Karzai eine Vereinbarung über eine strategische Partnerschaft unterzeichnet. Diese sieht die Möglichkeit vor, dass nach dem geplanten Abzug aller ausländischen Kampftruppen Ende 2014 weiterhin amerikanische Truppen im Land stationiert bleiben werden. Die Soldaten sollen nach Angaben des Weißen Hauses danach weiter afghanische Sicherheitskräfte ausbilden und Anhänger von al-Qaida im Land bekämpfen. Genaue Angaben zur Truppenstärke wurden nicht gemacht.
Die Unterzeichnung des Abkommens in Kabul erfolgte symbolträchtig am ersten Jahrestag der Tötung des al-Qaida-Anführers Osama bin Laden durch ein US-Kommando. Der Terrorpate war am 2. Mai 2011 in der nordpakistanischen Garnisonsstadt Abbottabad von einem US-Spezialkommando erschossen worden. Die Hubschrauber der Navy Seals waren von Bagram aus zu dem Einsatz gestartet.
Explosion nach Obama-Besuch
Kurz nach dem Besuch von US-Präsident Barack Obama in Kabul ist die afghanische Hauptstadt am Mittwochmorgen von einer heftigen Explosion erschüttert worden. Nach Angaben des Innenministeriums sind bei dem Anschlag elf Menschen ums Leben gekommen, darunter vier Angreifer. Bei einem der Opfer handelt es sich um ein Schulkind. Auch zwei Wachmänner seien getötet worden, einer davon stammte aus Nepal. Zudem seien insgesamt 17 Verletzte zu beklagen, unter ihnen viele Kinder.
Ein Attentäter sprengte sich vor einem von westlichen Ausländern genutzten Gebäudekomplex in einem Auto in die Luft. Drei weitere seien auf das Gelände vorgedrungen. Einer davon habe dort seine Sprengstoffweste gezündet. Die beiden anderen seien nach einem fast fünfstündigen Feuergefecht mit Wachleuten und Sicherheitskräften erschossen worden. Die US-Botschaft löste Alarm aus.
Westliche Ausländer kamen nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden. Einer der Ausländer, der in einem Bunker Zuflucht gesucht hatte, sagte per Telefon, alle seien in Sicherheit. Bei dem betroffenen Gebäudekomplex handelt es sich um das sogenannte Green Village, in dem auch Polizisten aus Nato-Ländern untergebracht sind.
Ein Taliban-Sprecher sagte, ein Gotteskrieger habe sein Fahrzeug zur Explosion gebracht, dem "Feind" seien "schwere Verluste zugefügt worden.
(Ag./Red.)
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