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François Hollande ante portas: Muss sich Europa fürchten?

02.05.2012 | 18:14 |  ALBERT ROHAN (Die Presse)

Amtsinhaber Nicolas Sarkozy hat am Sonntag bei der Stichwahl um die französische Präsidentschaft die schlechteren Karten.

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Falls nicht noch etwas Unerwartetes eintreten sollte, wird der nächste Staatspräsident Frankreichs François Hollande heißen. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy hätte nur dann eine Chance, wenn ihm am nächsten Sonntag sämtliche Anhänger Marine Le Pens ihre Stimme geben würden. Dies wird aber nicht geschehen. Für viele ist der Hass auf Sarkozy stärker als die Abneigung gegenüber der Linken, und einige im ersten Durchgang von den markigen Sprüchen der „Front National“-Chefin angezogene Sozialisten könnten nunmehr zu Hollande zurückkehren.

Noch entscheidender aber ist das strategische Interesse Le Pens an einer Niederlage Sarkozys. Sie sieht sich als Führerin einer „neuen Rechten“ und kann dieses Ziel nur erreichen, wenn die Sarkozy-Partei UMP, die derzeit das konservative Lager repräsentiert, implodiert.

Ebenso müsste es dem Front National bei der Parlamentswahl im Juni gelingen, erstmals in die Assemblée einzuziehen. Eine Wiederwahl Sarkozys würde die UMP stärken und einen Erfolg bei der Juniwahl wahrscheinlich machen. Im Fall seiner Niederlage hingegen wäre mit dem raschen Ausbruch einer Führungsdebatte und der Schwächung der Partei zu rechnen.

Wie zu erwarten, hat Marine Le Pen keine Wahlempfehlung für ihre Anhänger ausgegeben. Ihr Hinweis jedoch, dass sie selbst „weiß“ wählen wird, und die wiederholt gemachte Äußerung, dass „Sarkozy erledigt ist“, wird von ihren Wählern sicherlich richtig verstanden werden. Für Sarkozy wäre es bereits ein großer Erfolg, könnte er die Hälfte der Le-Pen-Wähler an sich ziehen. Für einen Sieg würde dies allerdings nicht ausreichen.

 

Die Unbekannte in der Rechnung

François Hollande auf der anderen Seite kann mit der soliden Unterstützung der kleineren Linksparteien rechnen, die im ersten Wahlgang zusammengenommen nicht viel weniger Stimmen erhalten haben als Le Pen. Die Unbekannten in dieser Rechnung sind die Höhe der Wahlbeteiligung und die Frage, welcher der beiden Kandidaten seine Wähler besser wird mobilisieren können.

Was würde ein Wahlsieg Hollandes bedeuten? Und sind die von manchen geäußerten Befürchtungen gerechtfertigt?

 

Gift für Frankreichs Wirtschaft

Am gefährlichsten scheinen die von Hollande für Frankreich selbst angekündigten politischen Vorhaben. Hierbei handelt es sich um überholte Versatzstücke der linken Gewerkschaften – von einer Kürzung der Arbeitszeit, der Herabsetzung des Pensionsalters, der Schaffung neuer Posten im staatlichen Bereich bis zu einer exorbitanten Reichensteuer. Diese Maßnahmen wären Gift für die bereits in größten Schwierigkeiten befindliche französische Wirtschaft.

Auf europäischer Ebene ist die Forderung, den Fiskalpakt durch eine Ankurbelung der Wirtschaft zu ergänzen, durchaus vernünftig. Schuldenabbau und Austeritätspolitik sind notwendig, treiben aber die Wirtschaft in die Rezession. Selbst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die „Sparmutter Europas“, sprach sich kürzlich für Wachstumsimpulse aus.

Apropos Merkel: Diejenigen, die fürchten, die deutsch-französische Achse würde bei einer Wahl Hollandes auseinanderbrechen, können beruhigt sein. Auch die Beziehungen zwischen Helmut Schmidt und Valéry Giscard d'Estaing oder François Mitterrand und Helmut Kohl waren keine Liebesheirat – und „Merkozy“ ist nicht schon bei der ersten Begegnung entstanden. Die deutsch-französische Zusammenarbeit beruht auf politischem Interesse und der gemeinsamen Verantwortung für Europa, unabhängig von den jeweiligen Amtsträgern.

Albert Rohan (*9. 5. 1936 in Melk) war von 1995 bis 2001 Generalsekretär im österreichischen Außenministerium.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2012)

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9 Kommentare
Gast: rouan
06.05.2012 06:30
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was man eigentlich sagen wollte ...


Der schlafräuberische größte Vollmond der nächsten 1 000 Jahre (welch eine passende Zeitspanne für einen Wechsel!) läßt ein Bauchgefühl verstärken als müßte der Herausforder am Ende des Tages auf ein nächstes Mal vertröstet werden. Der Kelch mit seinem Inhalt im Vorbeigehen ...
Schwer zu kapieren bleibt indessen, wie sich die Franzosen so eine Alternative zum grottenschlechten Amtsinhaber geben. Der würde sich bestenfalls zum UHBP dies- und jenseits des Inn eignen.

"die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!


dieser böse linksbolschwik hat doch tatsächlich GEWAGT an den dingen zu rühren, die jedem presse-journalisten HEILIG sind - er will millionäre höher besteuern!

das kann natürlich für eine zeitung, die besteuerung im allgmeinen und jene von vermögenden (=leistungsträger!) im besonderen als "diebstahl" durch einen "raubritterstaat" ansieht und in KHG das ideal eines gesetzestreuen staatsbürgers und engagierten citoyens gefunden hat, nicht in frage kommen.

dementsprechend bleibt der einzige trost für uns treue presse-leser, dass demokratische entscheidungen des volkes eh wurscht sind, weil der heilige freie und allein seelig machende MARKT ohnehin das letzte wort hat, wie uns herr schellhorn allwöchentlich versichert.

und ausgerechnet diese mentalität nennt sich dann "frei seit 1848"!

Antworten Gast: rouan
06.05.2012 06:13
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Re: "die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!


Wos haaßt hier "frei" seit 1848 - sakrisch demokratisch, mit Verlaub. Würdigung beim Schandmaul der Nation hinterlegt.

Re: "die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!

Gut gebrüllt, Löwe! - Bin schon längst der Meinung, dass "Die Presse" das Zentralorgan der österreichischen Borniertheit ist, sowohl was die politische Ausrichtung ihrer Redakteure als auch die ihrer Leser betrifft - ein Blick in die Postings genügt, um zu diesem Schluss zu kommen. Dass ein verkniffener katholischer Marktgläubiger Chefredakteur ist, der nur mit Schaum vor dem Mund schreiben kann, wenn's gegen "die Linken" geht (und "links" ist bei ihm schon die ÖVP) zeugt aber immerhin von Konsequenz und Linie!

Antworten Antworten Gast: Bademeisterin
05.05.2012 13:37
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Re: Re: "die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!

Bravo, man sollte doch auch den fortschrittlichen Kräften Raum geben,
so wie hier beim Maiaufmarsch der Genossen am Ring.

http://sosheimat.files.wordpress.com/2012/05/maiaufmarsch-der-linken-in-der-spc3b6.jpg?w=400&h=266

Ein Hoch den linken Massenmördern!
Da geht einem ja wirklich das Herz auf!

Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
03.05.2012 19:41
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Re: Re: "die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!

Müsst's Euch ja hier nicht rumtreiben, hat Euch keiner g'schafft!

Antworten Antworten Antworten Gast: rouan
06.05.2012 06:14
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Re: Re: Re: "die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!


Vorsicht! Den Kopf nicht zu lange unter Bademeisterin Element halten - es ist kein Sand, da gehen einem die Lungen zu.

Re: Re: Re: "die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!

alte Gewohnheit von mir: konservativ bis in die Knochen war "Die Presse" schon immer - aber borniert ist sie erst unter Fleischhacker geworden.

Re: Re: Re: Re: "die presse" fürchtet sich schon seit monaten vor hollande!


konservativ waren sie früher einmal. jetzt sind sie marktliberal und beten den götzen markt an.