Aktivist: "Will mit Clintons Flugzeug in die USA fliegen"

03.05.2012 | 15:15 |   (DiePresse.com)

Der blinde Bürgerrechtler will China mithilfe der US-Außenministerin verlassen. Seiner Familie werde mit dem Tod gedroht, auf ihn "enormer Druck" ausgeübt.

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In einem Appell an US-Präsident Barack Obama und US-Außenministerin Hillary Clinton hat der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng die USA gebeten, ihm jetzt doch bei der Ausreise aus China zu helfen. In einem Telefoninterview mit dem amerikanischen TV-Sender "CNN" begründete der blinde Aktivist seinen Meinungswechsel mit Sorgen um seine Sicherheit: „Wir sind in Gefahr." Der 40-Jährige berichtete von massiven Drohungen gegen seine Frau. Seine Familie sei auch als Druckmittel eingesetzt worden, damit er die US-Botschaft verlasse, so der Aktivist. „Die Botschaftsleute drängten mich, zu gehen, und versprachen, dass sie Leute hätten, die mit mir im Krankenhaus bleiben", so Chen. „Doch kurz nachdem wir dort ankamen, waren sie alle weg."

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In einem Telefoninterview mit der "Newsweek" äußerte der Aktivist am Donnerstag die Bitte, unter dem Schutz von Clinton das Land verlassen zu können. „Meine größte Hoffnung ist, dass es für mich und meine Familie möglich wäre, mit Clintons Flugzeug in die USA zu fliegen." Er sei in der US-Botschaft unter „enormen Druck" von US-Vertretern geraten - „nicht denen von der Botschaft, sondern anderen", fügte er offenbar unter Hinweis auf angereiste Regierungsbeamte hinzu. „Ich war isoliert", sagte der 40-Jährige. Menschenrechtler üben wegen des Umgangs der US-Beamten mit Chen mittlerweile scharfe Kritik an den USA.

Frau zweit Tage lang an Stuhl gefesselt

Weiters appellierte der Bürgerrechtler an Obama, „alles zu tun", um ihn und seine Familie aus China herauszubringen. Nach seiner Flucht aus 19 Monaten Hausarrest habe die Polizei seine Frau zwei Tage lang an einen Stuhl gefesselt. „Dann brachten sie Knüppel und drohten, sie zu Tode zu prügeln." Er sei gewarnt worden, dass seine Frau und seine zwei Kinder von Peking wieder in die Heimatprovinz Shandong gebracht würden, wenn er die Botschaft nicht verlasse. „Sie sagten, sie würden sie zurückschicken und Leute würden sie verprügeln."

Die USA zeichneten indes ein anderes Bild: Zu keinem Zeitpunkt habe ein US-Vertreter mit Chen über Drohungen gegen seine Frau oder Kinder gesprochen, erklärte das Außenministerium in Washington. Zu seinem Ausreisewunsch hieß es am Donnerstag: "Wir müssen mit ihnen darüber beraten und verstehen, was sie genau wollen und ihre Möglichkeiten ausloten", sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland.

Abgeschirmt im Krankenhaus

Von der Botschaft hatte sich Chen wegen einer Fußverletzung, die er sich bei der Flucht zugezogen hatte, in das Pekinger Chaoyang Hospital begeben. Er wurde abgeschirmt und konnte am Donnerstagmorgen nicht mehr auf seinem Handy erreicht werden. In der Nacht hatte auch seine Frau Yuan Weijing in dem CNN-Interview die USA gebeten, ihnen bei der Ausreise zu helfen. „Wenn wir hier bleiben oder nach Shandong zurückgeschickt werden, stehen unsere Leben auf dem Spiel."

Die Vorwürfe des Aktivisten und seiner Familie überschatteten am Donnerstag den Beginn einer neuen Runde des Dialogs zwischen China und den USA in Peking. Zum Auftakt der Gespräche rief Chinas Präsident Hu Jintao zu engerer Kooperation auf. Beide Länder sollten neue Wege gehen, um ihre Beziehungen im Zeitalter der wirtschaftlichen Globalisierung zu entwickeln. Zu dem zweitägigen Treffen sind US-Außenministerin Hillary Clinton und Finanzminister Timothy Geithner nach China gereist.

(Ag./Red.)

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20 Kommentare
Gast: Beno
03.05.2012 19:25
0

bleiben

Wenn der Mann in China bleibt ist er für die USA und EU viel nützlicher.

Gast: noch einer
03.05.2012 10:58
5

Erbärmlich

Wie ist doch diese
"wir sind die Guten" Inszenierung erbärmlich .
Durch die US Armee werden weltweit
Millionen getötet , gefoltert unterdrückt ,in die Flucht getrieben ,ausgebeutet
und unsere Medien präsentieren diese Schmierenkomödie

Re: Erbärmlich

weltweit Millionen getötet ??? Woher nehmen Sie eigentlich Ihre Information ? Aus Nordkorea ????

Re: Re: Erbärmlich

Haben Sie in der Volksschule gefehlt als die Addition durchgenommen wurde?

Antworten Antworten Gast: fructato
03.05.2012 13:20
1

Re: Re: Erbärmlich

Denken Sie mal nach wer vom Verhalten der Amis gegenüber den anderen am meisten profitiert.

Abgesehen davon,dass es ihnen darum geht Weltmacht zu bleiben.

Wem wird denn durch die Amis die ganze Drecksarbeit auf der ganzen Welt abgenommen ?

Uns unfähigen EU'lern,wir schaffen es nämlich nichtmal unsere EU Außengrenzen dicht zu halten.

Und wer übernimmt den für die EU immer die "Drecksarbeit" ?

GB,F,BRD und Polen und dann schauen Sie mal wo diese Länder dann stehen wenn es hart auf hart geht.

Bei den Amis und nicht bei der EU.
Das sagt alles.

Antworten Gast: der daneben ist
03.05.2012 12:06
2

HEUL DOCH!

in china gibts kein politisches system sondern lediglich die mafia!

Re: HEUL DOCH!

Das sagt jemand, der in einem Land lebt in dem es möglich ist Glühbirnen zu verbieten und giftige Quecksilberdampflampen quasi vorzuschreiben.

Kommunismus

der Kommunismus ist und bleibt das groesste politische übel auf dieser Welt! man kann den Chinesen nur wünschen, dass sie sich irgendwie von dieser ekelhaften Ideologie selbst befreien!

Re: Kommunismus

Haben sie das nicht schon längst getan? Wollen Sie behaupten, das heutige China sei kommunistisch?

Re: Kommunismus

Haben sie doch schon längst. Die Ideologie ist doch nur mehr Folklore. Das ZK ist jetzt das HQ der Mafia, die Machtkämpfe sind dieselben wie immer, aber China ist ein einziger, riesiger Konzern.

Re: Kommunismus

Gut gesprochen !!!

schwarzer Peter

Schon erstaunlich, dass wieder die USA allein in dieser Affäre ihr Fett wegkriegen! Immerhin soll dieser Chen ja durch China verfolgt werden......

Antworten Gast: Chen Chu
03.05.2012 10:12
0

Re: schwarzer Peter

Kein Wunder, die Europäer sind zu feige!

Da machen sich die USA aber beliebt bei China.

Die könnens nicht lassen. Müssen sich dauernd überall einmischen.

Antworten Gast: Chu Chen
03.05.2012 13:18
1

Re: Da machen sich die USA aber beliebt bei China.

Die müssen ja von den eigenen Untaten ablenken. Darum bewerfens die anderen mit Dreck. Und unsere Medien spielen mit.

Antworten Gast: resa
03.05.2012 10:14
4

Re: Da machen sich die USA aber beliebt bei China.

Wenn du in einem Land wohnen würdest, in dem man dich umbringt, weil du grundlegende Menschenrechte für dich und deine Nation verlangst, die dir rechtlich gesehen nämlich sogar zustehen (immerhin gibt China nach außen hin an, dass es für seine BürgerInnen "sorgt"), und sie dich und deine Familie dafür dann umbringen wollen, würdest du sicherlich der erste sein, der sich wimmernd gen Westen wendet. Nur weil wir das Glück haben, in Österreich zu sein, berechtigt es uns noch lange nicht dazu, tatenlos zuzuschauen und bodenlos sinnlose Kommentare zu Themen abzugeben, in denen es um Menschenleben geht. Vielleicht wäre es besser, Kommentare wie deines in Zukunft unausgesprochen zu lassen.

Re: Re: Da machen sich die USA aber beliebt bei China.

Vergessen Sie nicht die menschenfreundliche Bombardierung Libyens. Das war aber für eine gute Sache, nämlich Erdöl.

Antworten Antworten Gast: G.F.-W
03.05.2012 19:00
0

Re: Re: Da machen sich die USA aber beliebt bei China.

Ganz China erzittert, die “Gutmenschen-resa“ rücken an !

Antworten Gast: Chen Chu
03.05.2012 10:11
0

Re: Da machen sich die USA aber beliebt bei China.

Wohl ein Freund von Folter und Verfolgung!!!

Antworten Antworten Gast: Rubin F.
03.05.2012 19:19
0

Re: Re: Da machen sich die USA aber beliebt bei China.

S.g. Chen Chu, bitte um mehr Klarheit: meinen Sie damit nun die USA oder China?

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