Frankreich: "Gaddafi finanzierte Sarkozy"

03.05.2012 | 18:37 |  Von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER (Die Presse)

Der ehemalige libysche Ministerpräsident Baghdadi al-Mahmudi bestätigte Finanzhilfe für Nicolas Sarkozys Wahlkampf 2007. Sein Herausforderer François Hollande überraschend unterdessen stark bei einer TV-Debatte.

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Das könnte die Chancen von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zur Wiederwahl nun endgültig versenken: Der ehemalige libysche Ministerpräsident Baghdadi al-Mahmudi bestätigte am Donnerstag Berichte über eine angebliche finanzielle Wahlkampfhilfe des mittlerweile verstorbenen libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi für Nicolas Sarkozy im Jahr 2007.

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„Al-Gaddafi, sein Regime und die Verantwortlichen, die mit ihm arbeiteten, haben den Präsidentschaftswahlkampf Sarkozys 2007 finanziert“, ließ er durch einen Anwalt, Bechir Essid, am Donnerstag in Tunis ausrichten. Es sei um rund 50 Millionen Euro gegangen. Mahmudi ist in Tunesien in Haft, laut Essid bestätigte er, dass das Geschäft von Libyens Ex-Geheimdienstchef Mussa Kussa „auf Anweisung Gaddafis geschlossen wurde“.

Der französische Internet-Enthüllungsdienst „Mediapart“ hat am Samstag ein Dokument von Ende 2006 veröffentlicht, in dem es hieß, Libyen sei bereit, Sarkozys Wahlkampf mit 50 Millionen Euro zu unterstützen. Ob das Geld tatsächlich floss, ließ Mediapart offen.

Sarkozy hatte gegen den Bericht Anzeige erstattet und das Papier „Fälschung“ genannt. Libyens Übergangsregierung sprach am Mittwoch von einem „falschen und vorgefertigten“ Brief.

 

TV-Debatte endet in Patt

In der letzten TV-Diskussion der Präsidentschaftswerber Sarkozy und François Hollande vor der Stichwahl am Wochenende war die Libyen-Affäre in der Nacht auf Donnerstag kein Thema. Sarkozy indes hatte zuvor versprochen, er werde in der TV-Debatte diese „Null“ von Hollande „platzen lassen wie einen Ballon“ – doch verlief das Duell vor 18 Millionen Zuschauern dann doch nicht ganz so, wie dies der amtierende Präsident gehofft hatte: „Sarkozy hat sich am ,Pudding‘ (eines der Schimpfwörter über Hollande, Anm.) die Zähne ausgebissen“, konnte man auf der Website des Radiosenders „Europe 1“ lesen. „Für Hollande ging es darum zu zeigen, dass er das Format eines Präsidenten hat. In diesem Bereich hat er gepunktet“, kommentierte „Nord-Eclair“. „In Auftreten und Haltung wirkte Hollande mehr wie ein Präsident“, meinte „Le Républicain Lorrain“. Tatsächlich geben aktuelle Umfragen Hollande einen Vorsprung von 53 zu 47 Prozent.

 

„Sie lügen!“

Dieser durfte zuerst die Debatte eröffnen, fackelte nicht lange und machte Sarkozy ob dessen Bilanz den Prozess. Wie ein MG nannte er Zahlen, um zu belegen, wie sehr Frankreich heruntergewirtschaftet worden sei. „Sie lügen, die Zahlen sind falsch!“, schrie Sarkozy zurück. Von einem Sozialisten, dessen Genossen Griechenland, Spanien und Portugal zugrunde gerichtet hätten, wolle er sich nicht belehren lassen.

Er beklagte sich darüber, dass er im Wahlkampf von links mit Franco, Pétain und Laval verglichen worden sei. „Und warum nicht auch noch mit Hitler?“

Vom sonst so umgänglichen Hollande konnte er aber keine Entschuldigung kriegen: „Jetzt hören Sie doch auf, sich ständig als Opfer aufzuspielen“, meinte dieser.

Sarkozy ist eine Kämpfernatur. Seine Taktik war es, aus der Defensive mit Gegenangriffen die Unstimmigkeiten seines Kontrahenten aufzudecken. Das gelang ihm beim Thema Immigration: Hollande redete um den heißen Brei herum und versuchte, seine rechten Gegner auf fremdenfeindliche Positionen und Islamhass festzunageln. Sarkozy kannte die Falle, blieb die Antwort schuldig und konterte, Hollande habe an der Parlamentsabstimmung über das Burka-Verbot nicht teilgenommen.

Sarkozy spielte auch seine Erfahrung aus: „Monsieur Hollande, sie haben keine Ahnung von Europa. Ich war auf allen Gipfeln, Sie nicht.“ Hollande hielt ihm einen Kniefall vor Merkel vor: „Was haben Sie (in den Verhandlungenüber den Stabilitätspakt) herausgeholt? Gar nichts!“ Zum Thema „Wie präsidieren?“ wollte er dem „Hyperpräsidenten“ gern den Rest geben: Wie auf den Tisch pochend begann er gleich 15-mal mit „Moi, Président de la République“ (Ich, als Präsident der Republik) sein Credo, wie er sich von Sarkozys Stil abzugrenzen gedenke. Sarkozy steckte die Kritik weg und holte seinerseits zu einem letzten Tiefschlag aus: Wenn es nach den Sozialisten gegangen wäre, säße ihm heute der (diskreditierte) Dominique Strauss-Kahn gegenüber. Was die Zuschauer nicht sahen: Nach diesem verbalen Schlagabtausch ohne Pardon stand Hollande lächelnd auf, ging zu Sarkozy und reichte ihm die Hand zum Gruß. Oder zum Abschied?

Auf einen Blick

Am Sonntag wählt Frankreich einen neuen Präsidenten. Zur Stichwahl treten Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und sein sozialistischer Herausforderer François Hollande an. Ihr hitziges Fernsehduell vom Mittwochabend änderte nur wenig an der Ausgangssituation: Hollande geht als klarer Favorit ins Rennen, in Umfragen führt er deutlich mit 53 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2012)

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78 Kommentare
 
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Ja ja und 100x ja!!! Und das gleiche war in Italien mit der Lega Nord, in Deutschland mit der SPD, und in Österreich mit dem BZÖ. Wie hätte denn sonst ein JH das alles machen können? Nur mit den Spenden der Kärntnern und das IQ-Potenzial seiner Gefolgschaft? (lauter Kellner, Köche, Türsteher, Autoverkäufer, usw. in bester Haider-Bubi Tradition?) l-m-a-a


Re: Ja ja und 100x ja!!! Und das gleiche war in Italien mit der Lega Nord, in Deutschland mit der SPD, und in Österreich mit dem BZÖ. Wie hätte denn sonst ein JH das alles machen können? Nur mit den Spenden der Kärntnern und das IQ-Potenzial seiner Gefolgschaft? (lauter Kellner, Köche, Türsteher, Autoverkäufer, usw. in bester Haider-Bubi Tradition?) l-m-a-a

bei ihnen blubbert schon um 6 uhr morgens die bong? oag...

Antworten Gast: Glosse1
04.05.2012 10:57
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Re: Ja ja und 100x ja!!! Und das gleiche war in Italien mit der Lega Nord, in Deutschland mit der SPD, und in Österreich mit dem BZÖ. Wie hätte denn sonst ein JH das alles machen können? Nur mit den Spenden der Kärntnern und das IQ-Potenzial seiner Gefolgschaft? (lauter Kellner, Köche, Türsteher, Autoverkäufer, usw. in bester Haider-Bubi Tradition?) l-m-a-a

Die letzten vier Buchstabe zeigen Ihre verorkste Sozialistion auf und somit ist Ihre Art zu kommentieren verständlich aber leider nicht glaubwürdig.
MfG
Glosse1

als nicht-franzosen interessieren mich natürlich mehr die auswirkungen auf europa.

was sarko in dieser hinsicht zustandebringt, hat er in seiner amtsperiode ja bewiesen. eher nicht bewiesen!

hollande ist da noch ein unbeschriebenes blatt. was aber auffällt: in frankreich waren immer die sozi-präsidenten die besseren europäer (ich denke da natürlich an mitterand, aber auch an jaques delors, den ich in seiner bedeutung mit einem nationalen präsidenten für durchaus gleichwertig halte) . die konservativen haben sich (chirac und sarko) haben sich eher durch selbstdarstellungen hervorgetan.

mit 'besserer europäer' meine ich: sich vermehrt in die europäische politik einbringen. die achse deutschland-frankreich ist nun mal der motor der eu. sie ist allerdings zu einem zugpferd deutschland mit dem anhänger frankreich verkommen. das geht auf dauer nicht gut!

Antworten Gast: L.P.
04.05.2012 11:04
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Re: als nicht-franzosen interessieren mich natürlich mehr die auswirkungen auf europa.

Sie haben den besten Präsidenten Frankreichs unterschlagen: De Gaulle!
Und der war wohl alles andere als ein Sozi! Aber einer der besten Europäer!

"Nach diesem verbalen Schlagabtausch ohne Pardon.."

ohne pardon?
naja, wenn ich von obigen ablaufsschilderungen ausgehe, lagen die tiefschläge doch ausnahmslos auf seite von sarkozy.
oder hab ich da was überlesen?

Antworten Gast: G.D.
04.05.2012 11:01
1 1

Re: "Nach diesem verbalen Schlagabtausch ohne Pardon.."

Liegen auf Seite von Sarkozy
oder
kommen von Seite Sarkozys

Drücken Sie sich immer so "inintelligibel" aus?

Re: Re: "Nach diesem verbalen Schlagabtausch ohne Pardon.."

man kann versuchen, sinnerfassend zu lesen.
oder man kann sich als wortklauber betätigen.

man hat die wahl....


Gast: pariser
03.05.2012 22:45
1 0

die geldgier(krankheit) regiert die welt. und die mächtigen machen überall mit.


Pecuniam

Geld ist Geld

Gast: G.D.
03.05.2012 20:57
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Aber klar doch....

..wird der das behaupten, wenn Sarkozy der Hauptinitiator des Sturzes von Gaddafi durch den Angriff auf Libyen war.
Was denn sonst...
Komisch auch, dass jetzt auf einmal Sarkozys Herausforderer in der Debatte als überraschend stark bezeichnet wird und dann doch zugegeben werden muss, das die Debatte mit einem Patt endetet.
Wer dreht denn da schon wieder an diversen Hebelchen?

Gast: Sécurité Extérieure
03.05.2012 19:28
2 0

Der ehemalige libysche Ministerpräsident Baghdadi al-Mahmudi bestätigte Finanzhilfe für Nicolas Sarkozys Wahlkampf 2007.

Jetzt ist Schukri Ghanim ganz umsonst ertrunken.

so klingt es dann, wenn die Herrschaften ihre "Freunde" bestialisch quälen lassen bis ihr Tod eintritt ...

....des mittlerweile verstorbenen libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi ... schöner kann es die Saudi-Arabische Schmuddelpresse wirklich kaum ausdrücken .....

Gast: kroww
03.05.2012 18:59
0 0

.

"ha-haa"
Nelson Muntz

Sarko als unberechenbarer Populist

braucht sich nicht einmal die Nase zuzuhalten, wenn er um die Le Pen Stimmen buhlt. Das sollte bereits reichen, ihn nicht mehr zu wählen.

Dass er auch noch flegelhaft mit arrogantem Grinsen argumentiert, nur um sich an der Macht halten und den Juniorpartner für Merkel abgeben zu können, diskreditiert ihn ebenfalls.

Seine Romajagden und seine Binnengrenzen-Sperraktionen tun ihr übriges.

Politiker seines Zuschnitts sind zum Glück Auslaufmodelle geworden. Sanftes Auslaufen, lieber Sarko!

kandidat der märkte steht gegen den kandidaten des volkes


dem ersteren gibt nat. diese zeitung den vorzug, dem zweiteren, also hollande, wird das französiche volk in freier wahl mehrheitlich das vertrauen aussprechen.

sarkozy in nichts als ein lakai der millionäre und des marktliberalismus gewesen, mit dem resultat, dass die frz. wirtschaft am boden liegt, schulden UND arbeitslosigkeit massiv angestiegen sind. sein rezept dagegen: mehr von der gleichen politik, die bereits gescheitert ist und die erst zur krise geführt hat.

diese widersinnigen vorschläge finden jenseits der nobelviertel aber keinen anklang, daher musste ein thema her, mit dem er mehr mobilisieren kann. also präsentiert er sich jetzt auch als der bessere rech.ts.ex.treme und signalisiert jedem, der es hören will seine xenophobe grundhaltung. aber das wird ihm nichts nutzen.

der kandidat der millionäre kann sich noch so oft als verteidiger des "starken frankreich" zu camouflieren versuchen, es weiß jeder, dass er merkels pudel ist. er steht eben nicht für "la france forte", vielmehr sind er und seine partei "LE PARTI DE L'ÉTRANGER", um genau zu sein, die partei merkel-deutschlands. und eine solche ist in frankreich leider, leider, nicht mehrheitsfähig.

adieu, sarko!

Re: kandidat der märkte steht gegen den kandidaten des volkes

Sarkozy als „Merkels Pudel“?

Stimmt, und Hollande wird eben „Merkels Pudding“ sein, und sie wird ihn zum Frühstück verspeisen ;-)

Re: Re: kandidat der märkte steht gegen den kandidaten des volkes

Sorry, du hast Frankreich mit Österreich verwechselt!

2 0

Re: Re: kandidat der märkte steht gegen den kandidaten des volkes

Merkel verspeist alle zum Früstück.

Re: kandidat der märkte steht gegen den kandidaten des volkes

Ca sera une victoire historique pour les socialistes francaises! merci bien!

Selbst die "Finacial Times Deutschland" assistiert dem Wirtschaftsberater von Holland Bestnoten und ...

meint, dass Merkels Wirtschaftsberater in diesem Ranking nur Kreislage wären!

Antworten Antworten Gast: Quasi Modo
03.05.2012 21:02
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Re: Selbst die "Finacial Times Deutschland" assistiert dem Wirtschaftsberater von Holland Bestnoten und ...

Ha, ha, ha.... Sie sind ja ein witziges Kerlchen.

Antworten Gast: Der mit der Wölfin tanzt
03.05.2012 15:39
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Re: kandidat der märkte steht gegen den kandidaten des volkes

Ihre geistige Selbstenblößung als Ultralinken werden Hollande genauso wenig zum Sieg verhelfen wie Ihre politischen Träumereien.
Realtität ist, dass der Großteil der Wähler mehr Vertrauen zu Sarkozy hat.
Und dass die Sympathisanten der Nationalen Front, und das sind ja nicht wenige, ihrer Stimme Sarkozy und nicht Hollande geben werden ist wohl unstrittig.
Somit wird der Wahlkampf anders ausgehen als von Ihnen gewünscht, erträumt und gerne herbeiphantasiert.

Antworten Gast: Gut informiert
03.05.2012 14:46
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Parole d un con

Ihr Kommentar klingt nicht besser als die Thesen von Lenin. Sarkozy ist Kandidat der Armen und Sie der Fuersprecher der Idioten.

Sarkozy mit den Reichen assoziieren, dieser Schmaeh zieht nicht mehr. Hollande verdient zwei Mal mehr als Sarkozy und frisst in teureren Restaurants (chez Laurent) als die orientale Kantine des Fouquets, die ihm die Sozialisten dauernd vorgeworfen haben.

Frankreich ist haus hoch ueberschuldet. Die Armut in der ganzen Welt kommt von den unrealistischen Versprechungen der Parteien, die letztere benuetzen, um an die Macht zu kommen. Mit Hollande wird das nur schlimmer, weil der Staat noch mehr ausgeben wird. Sein Wahlbezirk Correze ist einer mit der hoechsten Ueberschulduing in ganz Frankreich.

Zahlen werden es die Franzosen. Das haben sie auch verdient.

Es bleiben ihnen dann nur mehr so undurchsichtige Geschaefte wie den Oesterreichern mit Timoschenko, die eine Simulantin und Kriminelle ist und mit Hilfe ihrer Geschaeftsfreunde aus dem Westen freikommen will.

Frankreich hat so was schon zur Zeit von Mitterand gekannt,

Wenn ich richtig verstanden habe, ist das diese Art von Gesellschaft, die Sie fuer ideal halten.


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Re: Parole d un con

"Zahlen werden es die Franzosen. Das haben sie auch verdient. "

Zahlen werden die restlichen EU-Länder, unteranderem Österreich und Deutschland.

Hollandes herkunft erklärt seine absurden weltfremden Ideen.

 
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