20.05.2013 01:19 Merkliste 0

Griechenland: "Historischer Moment für die Linke"

08.05.2012 | 16:13 |   (DiePresse.com)

Der Chef des Linksbündnisses SYRIZA, Alexis Tsipras, erhält den Auftrag zur Regierungsbildung. Die Konservativen gaben zuvor auf. Zusagen zum milliardenschweren Rettungspaket erklärte Tsipras für null und nichtig.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mit einer Frontalattacke gegen die internationalen Geldgeber Griechenlands hat der Chef der Radikalen Linken, Alexis Tsipras, sein Mandat für Sondierungsgespräche in Athen übernommen. Beim Treffen mit Präsident Karolos Papoulias sprach Tsipras am Dienstag von einem "historischen Moment für die Linke". Die bisherigen Regierungsparteien rief er auf, gegenüber Brüssel zu erklären, dass ihre Unterschriften unter dem Spar- und Stabilisierungsprogramm nicht mehr gelten.

Alle Verträge, die Griechenland mit den Geldgebern geschlossen habe, seien nach dem Ergebnis der Parlamentswahl null und nichtig. Bei der Abstimmung war am Sonntag das Bündnis der Radikalen Linken (Syriza) überraschend zweitstärkste Kraft geworden. 

VIDEO: Athen ringt weiter um eine neue Regierung

Athen ringt weiter um eine neue Regierung /

Die Regierungsbildung in Athen wird zur Nervenprobe. Eine regierungsfähige Koalition ist nicht in Sicht. Nach den Konservativen versuchen nun die radikalen linken ein Kabinett auf die Beine zu stellen.

Der Chef der konservativen Nea Dimokratia, Antonis Samaras, reagierte empört auf die Forderungen. "Was Herr Tsipras da verlangt, führt direkt zum Austritt Griechenlands aus der Eurozone", sagte Samaras. Er war zuvor mit seinem Versuch zur Bildung einer neuen Regierung gescheitert. Die Nea Dimokratia war trotz massiver Verluste als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl am Sonntag hervorgegangen.

"Rückzahlungsmoratorium"


Tsipras kündigte für den Fall einer Regierungsübernahme ein "Rückzahlungsmoratorium" für griechische Schulden an. Internationale Kontrollore sollten prüfen, wie hoch genau die Schulden Griechenlands seien - und ob sie rechtmäßig seien. Außerdem müssten auch alle "arbeiterfeindlichen" Gesetze zurückgenommen werden.

Griechenland braucht dringend frisches Geld - bis Ende Juni sollen es 30 Milliarden Euro sein, andernfalls droht die Staatspleite. Nach Tsipras geht das Sondierungsmandat an die Sozialisten. Die Zeit drängt: Bis Mitte Mai muss Griechenland eine handlungsfähige Regierung haben. Sollten alle Gespräche scheitern, muss binnen 30 Tagen neu gewählt werden.

Wirtschaftskreise in Athen reagierten alarmiert auf die Äußerungen Tsipras. Der deutsche Aktienmarkt ging aus Sorgen über die Zukunft Griechenlands auf Talfahrt. Der Dax landete bei 6444,74 Punkten auf dem tiefsten Schlussstand seit Jänner.

Ob es Tsipras gelingt, eine Regierungskoalition zu schmieden, ist fraglich. Samaras hatte das Mandat nach kurzer Zeit am Montag niedergelegt. Er sah keine Chance für ein stabiles Parteienbündnis, das im neuen Parlament eine Mehrheit hat. Die Radikalen Linken, eine Sammelbewegung, stellen 52 der 300 Parlamentsabgeordneten. Sie wollen Griechenland zwar in der Eurozone halten, allerdings - wie Tsipras unterstrich - vorerst keine Schulden mehr zurückzahlen. Für die pro-europäischen Konservativen und die Sozialisten, die bislang gemeinsam regierten und nun keine Mehrheit mehr haben, ist dies unrealistisch.

Tsipras plant zunächst Treffen mit kleineren linken Parteien und Gruppierungen, wie ein Syriza-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa sagte. Auch mit Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und linken außerparlamentarischen Gruppierungen will er sprechen. Wie es aus dem Pressebüro des Syriza hieß, sollen die Treffen mit den Chefs der Konservativen und Sozialisten am Donnerstagabend stattfinden. Zunächst waren sie am Freitag geplant - dann endet gegen 13 Uhr auch die Frist für Tsipras.

Griechische Medien werteten das Vorgehen des neuen Politstars als "Show". Ein Erfolg der Syriza-Partei bei den Bemühungen um die Regierungsbildung sei unwahrscheinlich. Selbst wenn sie das zersplitterte linke politische Lager vereinigen könnte, würde das nur für 97 Sitze reichen. Die Regierungsmehrheit von 151 Mandaten im Parlament mit seinen 300 Sitzen würde klar verfehlt. Auch für die Bildung einer Minderheitsregierung, die von anderen Parteien geduldet wird, reicht es ganz offensichtlich nicht. Dafür sind mindestens 120 Stimmen notwendig.

Der Vorsitzende der griechischen Sozialisten, Evangelos Venizelos, hat die pro-europäischen Parteien unterdessen zur Bildung einer Einheitsregierung aufgerufen, um eine Neuwahl zu vermeiden. Er appelliere an die Bürger seines Landes, den Vorschlag der PASOK zu unterstützen, sagte Venizelos am Dienstag. Die Einheitsregierung sollten all jene Parteien bilden, die wollten, dass Griechenland weiterhin zur Euro-Zone und zu Europa gehöre. 

''Fürchtet euch, wir kommen'': Radikale Parteien jubeln

Alle 10 Bilder der Galerie »

(Ag.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

46 Kommentare
 
12
0 0

aufklaerung

"Griechenland braucht dringend frisches Geld - bis Ende Juni sollen es 30 Milliarden Euro sein, andernfalls droht die Staatspleite.Griechenland braucht dringend frisches Geld - bis Ende Juni sollen es 30 Milliarden Euro sein, andernfalls droht die Staatspleite."

was heisst das eigentlich. was definiert eine pleite? ... in der wirtschaft ist sie letztendlich damit definiert, dass zinsen nicht mehr bezahlt werden koennen.

griechenland steht schlicht vor der wahl mit dem vorhandenen geld zinsen an de/fr zu zahlen oder sie in die heimische wirtschaft zu stecken.

kein unternehmer wuerde das riskieren, aber ein staat? ...

uebrigens war das bei unternehmern im reichen westen ueber jahrzehnte so ueblich. "die firma schick in konkurs und mach was neues" ...

so lange das geld niht in griechenland landet und fuer die menschen dort verwendet wird, kann man nicht verlangen, dass sie verstehen, das sie dafuer zu tode gespart werden.

griechen raus aus der

eu und dem euro !

lieber ein kurzes chaos in europa nach ausscheiden der griechen als das dieses dä ml ich e volk noch länger unsere hilfsbereitschaft ausnutzt !

4 0

wer zahlt was?

gut, die griechen wollen nicht mehr. eigentlich kann man ihnen das ja nicht veruebeln. wenn man ueberlegt, was diese sparpakete eigentlich heissen und wen sie betreffen ist das keine ueberraschung. gut, die euro-zone will nichts mehr an griechenland zahlen. was entsteht daraus? da das geld ja nicht die griechen erhalten, sondern die banken in deutschland und frankreich, macht das fuer die griechen ja keinen unterschied. der unterschied besteht lediglich darin, dass sie dann auch auf dem papier pleite sind - konkurs, weil die zinsen (und die werden mit dem geld gezahlt) nicht mehr bedient werden koennen.

im wesentlichen ist das nur ein enormer verlust fuer die banken in der euro-zone. denn deren gefaehrliche geschaefte bezahlen wir hier.

ich kann die griechen verstehen. aber ich will auch nichts mehr an griechenland zahlen muessen. ich wuerde ihnen helfen, wenn mit diesem geld die menschen und die wirtschaft in griechenland unterstuetzt werden wuerde. aber lediglich zinsen an ohnehin reiche laender zu zahlen und dafuer die griechen bluten zu lassen ...

was tut denn ein unternehmer (ich bin einer) der alles vergeigt hat. was tut denn eine einzelne person die fuer unternehmenskredite privat haftet und das spiel verliert. richtig, privatkonkurs. aus. zahle nicht.

ich versteh die griechen.

Gast: Hassan Türkfrau
09.05.2012 07:05
1 0

Die Linken Griechenlands würden gut zu unseren Roten passen

In der EU wollen sie bleiben, aber ihre Schulden wollen sie nicht begleichen.


0 0

Re: Die Linken Griechenlands würden gut zu unseren Roten passen

kein unternehmen, das pleite gegangen ist zahlt seine schulden - keines.

wenn die private haftung der unternehmer so gross ist, dass sie damit den rest ihres lebens zinsen zahlen wuerden und am existenzminimum dahin krebsen, dann gehen sie in privat-konkurs. ...

das tun die griechen hier. fuer griechenland koennte das funktionieren, dann waere diese last weg.

sehen sie nach island. die haben genau das getan. sie haben beschlossen diese schulden nicht zu bezahlen. hat 2-3 jahre gedauert und wir haben wieder ein wachstum in island.

das war zu erwarten


Gast: Hubertus
09.05.2012 00:28
2 1

7 Jahre Party

Die Griechen haben 7 Jahre party auf unsere Kosten gemacht. Jetzt geht es ans Zurückzahlen. Da ist aber schnell Schluß mit lustig. Die Verträge sind null und nichtig. Wir zahlen einfach nicht,ätsch, weil wir sind die Wiege der Demokratie.Genau so stelle ich mir die Leute vor, denen ich gerne Geld leihe und mit denen ich in einem Club, in einer Währungsunion leben möchte.

Re: 7 Jahre Party

Was werden Sie schreiben, wenn´s bei uns soweit sein wird?
Ok, mehr als 7 Jahre - aber strukturell passiert dasselbe: Verschuldung jenseits der Leistungsfähigkeit.

2 1

Re: 7 Jahre Party

was sie schreiben ist nachhaltiger und wertbeständiger schmafu.

Antworten Antworten Gast: freund?
09.05.2012 08:41
0 0

Re: Re: 7 Jahre Party



NED feeeee zur hex' sogn !

3 3

die linken sind weltmeister

im nehmen

null und nichtig

alle verträge null und nichtig.

soll heissen, dass alle hilfsgelder in den wind geschrieben bzw. in den büchern der frz. und dt. banken verbucht werden können.

aber unsere politiker greifen ja auch in bestehende verträge ein und kürzen.
(bis auf die eigenen)

also so fern ist das griechische system nicht.

ich bin echt gespannt, WIE man weitere hilfszahlungen weiter gerechtfertigen würde.

nur als beispiel war heute auf ZDF eine doku mit dem titel "die griechenland lüge".

mir tut wirklich die normale griechische bevölkerung, die studentin, der kellner, der schneider, der taxifahrer, die verkäuferin, der u-bahn-fahrer leid, denn die hat die krot zu fressen.
wie immer, die arbeitende bevölkerung!

daher sollte man die vasiliaku zur ökologisierung nach athen schicken.

Antworten Gast: b52
09.05.2012 11:43
1 0

sollte man die vasiliaku zur ökologisierung nach athen schicken

wollte sie doch eh vor ein paar jahren, aber als sie gesehen hat wie es dort zugeht, wurde ihr die sache wohl doch zu heiss..

da lässts sichs in wien viel einfacher, bequemer und sicherer aus der 2. reihe einsackeln..

5 3

Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken ...

... in diesem Land einen EU Sachwalter einzusetzen, der es saniert und umerzieht

Re: Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken ...

Wunderbare Idee. Da würde sofort und endlich wieder Friede einkehren. Und alle wären sich einig.
Den armen verwirrten Leuten muss schliesslich geholfen werden.

2 1

Re: Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken ...

achso? so einen sachwalter brauchen wir - bei 30% strache wähler, nicht die griechen...

Antworten Antworten Gast: Walter Sach
09.05.2012 11:47
0 0

Re: Re: Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken ...

Was du meinst, ist kein Sachwalter, sondern ein bewaffneter Links-Revolutionär, der über Leichen steigend für eine gute Sache und die "Befreiung des Landes" kämpft.

Taten sie das nicht alle von A bis Z?


Gast: freund?
08.05.2012 22:25
4 4

auf




WIEDERSCHAUN, GRIECHEN !!!


jaaa, vassi, du auch !

0 0

Re: auf

Sie verlassen und? Gute Idee!

Gast: Till vom Ulenspiegel
08.05.2012 22:15
6 1

Genau hinhören

sie wollen in der EU bleiben und keine Schulden zurück zahlen. Alles klar?! Der Parasit will nicht vom Wirt weichen.

Gast: Michael Häuplchen
08.05.2012 22:06
8 5

Anstatt der nächsten Steuergeldhilfszahlung schicken wir den Griechen die Vasiliaku. Die passt dort unten fabelhaft dazu. Und ihre linkslinken Helferlein passen genau so perfekt in dieses Land.


paaaaaast eh!

solange WIR Trotteln den Rest der Welt finanz. unterstützen! (siehe auch Berichte: wie wohlhabene Griechen agieren)

und das wollen die ???

die Nichtigerklärung der Sparzusagen würde dazu führen, dass Griechenland sofort ohne Geld und ohne zukünftige Kredite dastehen würde. Gehälter für Staatsbedienstete könnten nicht mehr ausbezahlt werden. Mehr als eine Million Menschen wären über Nacht und auf Jahre hinaus ohne Einkommen - bis auf die Wenigen, die trotzdem noch einen Job finden. Unmittelbare Folge wäre eine Hungersnot. Ohne Kreditzusagen und Geld käme der Import von Waren und Dienstleistungen innerhalb weniger Wochen zum Erliegen und wäre mindestens auf Jahre ausgesetzt. Die Energieversorgung würde in vielen Landesteilen zusammenbrechen. Es gäbe in einigen Regionen überhaupt keinen Strom. Die Menschen würde ohne Licht und ohne Nahrung in ihren Wohnungen sitzen.

Re: und das wollen die ???

Ist ja nicht unlogisch. Jede politische Vereinigung lebt davon (und *nur davon*), Feindbilder zu haben. In diesem Fall wär´s dann das böse Ausland.
Politisch ein Supergeschäft.
Oder denken Sie, AT sei das einzige Land, in dem die sog. Volksvertreter ausschliesslich ihre eigene Position im Blick haben?

Re: und das wollen die ???

und extremisten würden in folge an die macht kommen

Das darf ja nicht wahr sein!!

Wollen die uns wirklich verarschen?!

Es bringt nichts leute, kommt ihr noch immer nicht drauf????

Ich kann das schon nicht mehr hören, Griechenland RAUS sofort, es ist besser für EU + Griechenland selbst

 
12