Gipfel in Chicago: Hollande irritiert Nato-Verbündete

21.05.2012 | 17:54 |  Von Christian Ultsch (Die Presse)

Die Nato schwört sich darauf ein, Afghanistan auch nach dem Abzug 2014 nicht im Stich zu lassen. Doch Frankreich geht seinen eigenen Weg.

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[Chicago] Gemeinsam winkten sie freundlich für das Gruppenfoto in Chicago. Doch hinter den Kulissen des Nato-Gipfels brachen unter den angereisten Staats- und Regierungschefs Konflikte um den Einsatz in Afghanistan auf. Für Unruhe sorgt der Neue in der Runde: Frankreichs Präsident François Hollande bekräftige sein Wahlkampfversprechen, die 3300 französischen Soldaten nicht erst Ende 2014, sondern schon heuer aus Afghanistan abzuziehen. Frankreich habe eine Vereinbarung getroffen, mit der auch Kabul einverstanden sei, erklärte Hollande in Chicago.

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Letztlich machten alle gute Miene zu dem Kompromiss, dass nach dem vorzeitigen Abzug der französischen Kampftruppen immerhin Ausbilder für die afghanischen Streitkräfte im Land verbleiben. Auch Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel stellte ihre anfängliche Kritik zurück. Es gebe zwar Unterschiede zwischen ihr und Hollande. Doch sie habe bei dem französischen Präsidenten den Geist gespürt, vernünftige Lösungen zu finden. Sie sehe keinen Abzugswettlauf aus Afghanistan, erklärte Merkel. Auch Außenminister Westerwelle schraubte seine Vorwürfe zurück.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und Gastgeber Barack Obama versuchten Optimismus zu verbreiten. „Unser Ziel bleibt ein sicheres und demokratisches Afghanistan in einem stabilen Umfeld", sagte Rasmussen. Und der US-Präsident wies auf Fortschritte im Kampf gegen die Taliban und beim Aufbau afghanischer Truppen hin.

4,1 Milliarden Dollar für Kabul

Der Fahrplan steht: Schon jetzt, sechs Wochen vor der Zeit, hat die afghanische Armee 195.000 Soldaten unter Waffen. Nun soll sie in einer Provinz nach der anderen das Kommando übernehmen. Nächstes Jahr werden die internationalen Isaf-Truppen - die derzeit 130.000 Soldaten, darunter 100.000 amerikanische, umfassen - noch in Afghanistan bleiben, aber bereits im Hintergrund agieren. Bis Dezember 2014 sollen die Kampfeinheiten komplett abgezogen sein.

Doch auch danach will die Nato Afghanistan nicht im Stich lassen. Und darum geht es in Chicago. Es soll verhindert werden, dass die radikalen Taliban wieder die Macht übernehmen und Terroristen Unterschlupf gewähren.
Obama schloss am 1. Mai in Kabul ein Partnerschaftsabkommen mit Afghanistans Staatschef Karzai. Darin versprechen die USA, die afghanischen Streitkräfte auch nach 2014 mit Rat, Rüstung und Geld zu unterstützen. Und in diesen Rahmen wollen die Amerikaner auch andere Staaten einbinden. Mit 4,1 Milliarden Dollar pro Jahr soll Afghanistans Sicherheitsapparat aufgepäppelt werden.

Schon vor dem Gipfel gingen die Amerikaner mit dem Klingelbeutel durch die Welt. Doch nicht alle zuckten die Börse so schnell wie Österreichs Regierung. „Das ist keine Geldeintreibungskonferenz. Erwarten Sie nicht, dass der Betrag schon in Chicago zusammenkommt", wiegelte Rasmussen ab.

Grünes Licht für Raketenabwehr

Klare Kante zeigte der Däne beim Raketenabwehrschild, für dessen erste Aktivierungsphase die Nato in Chicago grünes Licht gab. Russland könne sich beteiligen, doch es sei Sache der Nato, ihre Bevölkerung zu schützen. „Russland kann das nicht blockieren." Hollande schlug auch da andere Töne an: Der Dialog mit Moskau sei unerlässlich.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22. Mai 2012)

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144 Kommentare
 
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Gast: Lingus
22.05.2012 09:59
1 0

Wer verbündete wie

Hollande hat, sollte immer selbst für Rückendeckung sorgen.

....

wen man eine atombombe abwehrt explodiert es ja trotzdem !! und das allaein ist schon sehr tragisch...

Re: ....

Eine Nuklearwaffe kann durch konventionelle Sprengmittel nicht gezündet werden!

Gast: starwarsineurope
21.05.2012 22:19
4 2

der neue kalte krieg gegen rußland wird mit diesen raketensystemen vorbereitet und von Obama und den USA herbeigeführt- und europa geht wieder mal vor die hunde.


Antworten Gast: yeppengucker
21.05.2012 23:49
1 0

Re: der neue kalte krieg gegen rußland wird mit diesen raketensystemen vorbereitet und von Obama und den USA herbeigeführt- und europa geht wieder mal vor die hunde.

yep. so stellt sich das der kleine krieger aus der starwarsuppe vor

Rotschwarze Außenpolitik

Mit unserem Geld müssten sich doch ein paar Söldner ausgehen?

Gast: Angewählt durch Mehrheit
21.05.2012 21:45
6 3

Auch DARUM wurde Hollande gewählt

und Sarkozy abgewählt! Vielleicht will die Mehrheit in Europa nichts mehr von dieser gewaltbereiten NATO wissen.

Antworten Gast: DF12
21.05.2012 23:50
2 3

Re: Auch DARUM wurde Hollande gewählt

Sie kennen die Mehrheit der "neutralen" Österreicher vielleicht, aber sicherlich nicht die Mehrheit der Europäer. Unter Garantie.

Antworten Gast: Überschrift neu
21.05.2012 23:16
3 0

Französische Wähler irritieren NATO

Die gewaltbereite NATO hat sich unterzuordnen, nicht die Franzosen!

0 0

Re: Französische Wähler irritieren NATO

.....denn die sollten schleunigst ihre Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen!

Gast: Holy shit!
21.05.2012 21:33
2 0

Yes Erika....

.....The reading is over....and I think, in the next Year you sitz on the selb Plotz wia unser Fischer, im Cosy Erleichterungsplace.....oba shit di net on!

Gast: recherchiertdochmal
21.05.2012 19:11
6 2

vielleicht sollte man ...

... auch erwähnen, dass us-veteranen anlässlich des gipfel aus protest gegen die kriegshetzer ihre ehrenmedaillen zurückgegeben haben und im video sehen sie, WIE die übliche ty ran nei darauf reagiert:

Violent clashes between Chicago police and anti-NATO protesters

http://www.youtube.com/watch?v=8H8EIo2xfGY

Antworten Gast: Natostrategie in Afghanistan ist okay
21.05.2012 20:36
2 4

Re: vielleicht sollte man ...

Quatsch. Das sind Einzelfälle, aus denen du jetzt schon wieder eine Massenbewegung herausliest. Nun ja, so kann man sich halt alles zurechtbiegen, wie man es braucht, gelle?

Hab den Eindruck,

es braut sich etwas zusammen. Die Menschen lassen sich die grosse Verarsche nicht mehr lange gefallen

Antworten Antworten Gast: Beim Teutates
21.05.2012 20:43
1 0

Re: Hab den Eindruck,

Ja, ich habe auch das Gefühl, dass uns bald der Himmel auf den Kopf fällt, mindestens.

Oder dass sonst etwas Schlimmes passiert, irgend was halt, aber auf jedenfalls etwas Schlechtes und sicher nichts Gutes.

Nein, etwas Gutes kann sicher nicht passieren, undenkbar!

Antworten Antworten Antworten Gast: Globusdreher
21.05.2012 21:09
2 1

Re: Re: Hab den Eindruck,

Also ich habe sogar das Gefühl, dass uns ein riesiger Meteorit trifft oder, noch schlimmer, die Erde aus der Umlaufbahn gestoßen wird, weil sie einen Lachkrampf bekommen hat ob der Kommentare von celsius und Konsorten :-))

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: schoneherdas
22.05.2012 10:04
0 0

Re: Re: Re: Hab den Eindruck,

lachkrampf habe ich eher von asterix-zitierer und globusdreher :-)

0 0

Re: Re: Re: Hab den Eindruck,

warum ist es schlimmer wenn die Erde aus der Umlaufbahn fliegt als wenn sie von einem hinreichend grossen Himmelskörper getroffen wird??

Gast: =EHM=
21.05.2012 19:09
12 1

Und Recht hat er

der USA kostet der Einsatz 5 Mrd USD im MONAT

Die Frage stellt sich für WAS?

wenige Jahre nach dem Abzug werden die Taliban entweder teilweise oder ganz wieder die macht übernehmen.

das land wird wie der Islam in rund 600 Jahren auf dem stand von europa sein, also Rückzug ALLER Kräfte und zwar SOFORT

Antworten Gast: NFY
21.05.2012 20:37
1 5

Re: Und Recht hat er

Du sollst hier sachliche Kommentare schreiben und nicht, wie du es gerne haben würdest, weil es dir so in den Kram passen täte, weil du was gegen die USA und ihre Verbündeten hast, Träumerchen.

1 1

Schutzschirm - reloaded

es gibt seit 1957 US-Atomwaffen in Deutschland. Das ist ein so genannter Schutzschirm der USA.

Antworten Gast: Nato-Fan
21.05.2012 20:54
2 0

Re: Schutzschirm - reloaded

Ja, es gibt sie, es werden jedoch nicht mehr so viele benötigt, weil der Kalte Krieg bekanntermaßen Geschichte ist.
Und es sind nur noch taktische Atomwaffen. Der Einsatz dieser Atomsprengköpfe in Bomben oder Raketen ist ja weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Nato-Doktrin. In Deutschland zum Beispiel trainiert das Jagdbombergeschwader 33 der Deutschen Luftwaffe täglich den Einsatz dieser Atomwaffen. Es ist auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz stationiert und mit dem Waffensystem „Panavia Tornado IDS“ ausgerüstet. In Spezialbunkern des Fliegerhorstes sind die Atomwaffen gelagert. Dieses Jagdbombergeschwader ist auch der einzige Verband der deutschen Luftwaffe, der im Rahmen der „nuklearen Teilhabe“ der Bundeswehr für den Einsatz an Atomwaffen im Ernstfall ausgebildet wird.
Insgesamt lagern derzeit noch ungefähr zwischen 80 und 250 Atomsprengköpfe für Fliegerbomben oder Raketen in Deutschland, genaue Zahlen gibt es nicht, es ist natürlich streng geheim. Zu Zeiten des Kalten Krieges lagerten zwischen 4500 bis 7000 Atomwaffen in Deutschland, auch da gab und gibt es klarerweise keine offiziellen Zahlen.

Antworten Antworten Gast: buechelgaffer
21.05.2012 21:14
0 0


Sie zündeln an allen Ecken und Enden

Was sind das nur für Menschen, frag ich mich, die so etwas umsetzen und beschließen? Was bezwecken diese Leute damit? In wessen Interesse und Auftrag handeln sie, wenn sie Europa in einen neuen Krieg hineinmanövrieren?
Man kann wirklich nur mehr beten, dass diese Fragen einmal von einem Standgericht beantwortet und die Hintermänner samt Lakaien zur Verantwortung gezogen werden.

Standgericht - schön wär's!

Wir haben zwar die Moral auf unserer Seite, aber nicht die Macht.

Antworten Gast: Martin_S
21.05.2012 20:33
0 4

Re: Sie zündeln an allen Ecken und Enden

Blablabla

 
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