Norbert Darabos: Der Einzelkämpfer

26.05.2012 | 17:46 |  von iris bonavida undrainer nowak (Die Presse)

Der Verteidigungsminister erntete für seine Aussage zu Lieberman Kritik - nicht zuletzt von der SPÖ. Es ist nicht das erste Mal, dass Darabos von der Parteilinie abweicht. Planänderungen musste auch er hinnehmen.

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Seit Norbert Darabos Verteidigungsminister ist, verteidigt er vor allem eines: sich selbst. Denn er ist jemand, der gern provoziert – sich aber nur ungern provozieren lässt: Erst vergangene Woche hatte Darabos in der „Presse am Sonntag“ Israels Außenminister Avigdor Lieberman als „unerträglich“ bezeichnet – und so eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum forderte etwa seinen Rücktritt, Shimon Samuels, Direktor für internationale Angelegenheiten des Zentrums, warf ihm „modernen Antisemitismus“ vor – für den erklärten Antifaschisten Darabos ein herber Schlag. Und trotzdem: „Ich stehe zu all meinen Aussagen“, sagte der Minister. Damit steht er allerdings allein da – denn die Regierung hat sich offiziell von Darabos' Aussage distanziert.

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Es ist nicht das erste Mal, dass der Minister voreilig handelt und (unfreiwillig) einen Rückzieher machen muss: Erst im Jänner vergangenen Jahres berief er Edmund Entacher als Generalstabschef ab, weil er sich für die Beibehaltung der Wehrpflicht ausgesprochen hatte. Im November durfte der widerspenstige General allerdings zurückkehren – die Berufungskommission im Bundeskanzleramt hob den Versetzungsbescheid ersatzlos auf. Seitdem betonen die beiden (gezwungenermaßen) bei Interviews immer wieder, ein „korrektes Arbeitsverhältnis“ zu haben. Und, wie so häufig, wenn eine von Darabos' Entscheidungen auf Kritik stößt, erklärte der Minister, die Aufregung nicht zu verstehen.


Unguided Missile. Für die Regierung ist Darabos wohl eine „unguided Missile“ – ein Einzelkämpfer, der schwer zu kontrollieren ist. Die Lieberman-Attacke etwa ist im Kanzleramt auf Unmut gestoßen. Der Grund für seine Aussagen könnte sein, dass der Historiker eine Rolle spielt, in die er nie schlüpfen wollte – und in der er seine eigene Position nur selten vertreten kann: Als ihm 2007 der damalige SP-Chef Alfred Gusenbauer den Posten als Sport- und Verteidigungsminister anbot, hatte er sich eigentlich den im Innenressort erwartet. Dennoch nahm er das Alternativangebot an – und wurde zum ersten ehemaligen Zivildiener an der Spitze des österreichischen Bundesheeres. Das brachte ihm einiges an Kritik ein – immer wieder musste der Minister erklären, dass er „ein Herz fürs österreichische Bundesheer“ habe.

Leicht war sein Anfang beim Heer tatsächlich nicht. Zu diesen Startschwierigkeiten kam die Causa Eurofighter hinzu: Mit seinem Antritt als Minister hatte Darabos auch den Auftrag erhalten, einen Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag zu organisieren – oder zumindest Einsparungen zu erzielen. Es gelang ihm nur zum Teil.

Parteischwenk. Im Jahr 2010 stand der Burgenland-Kroate vor der nächsten Herausforderung, als die „in Stein gemeißelte“ Wehrpflicht-Linie der SPÖ quasi über Nacht zur Berufsheer-Linie umgewandelt und vom Wiener Bürgermeister Michael Häupl verkündet wurde. Darabos machte gute Miene zum bösen Spiel und nahm den Schwenk seiner Partei hin.

Dabei war es nicht immer so: Es gab Zeiten, da gab Darabos den Ton an, galt als SP-Zukunftshoffnung. Der ehemalige SP-Bundesgeschäftsführer managte den Wahlkampf für Gusenbauer, Heinz Fischer und Hans Niessl. Die Belohnung dafür blieb aus.

Fünf Jahre nach seinem Amtsantritt in der Rossauer Kaserne scheint sich Darabos immer noch nicht wohlzufühlen. Selbst wenn er gern betont, einer der am längsten dienenden Verteidigungsminister in Europa zu sein – richtig stolz wirkt er dabei nicht. Journalisten befragten ihn am Donnerstag zum Thema Wehrpflicht. In dieser Legislaturperiode werde es keine Einigung geben, meinte Darabos. Erst in der nächsten könne man über eine Volksbefragung sprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2012)

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    Er forderte die Todesstrafe für arabische Abgeordnete, die mit »Feinden« reden, und drohte, den Gazastreifen dem Erdboden gleichzumachen. Außenminister Avigdor Lieberman zählt in seiner Heimat Israel zu den umstrittensten Politikern. Für »unerträglich« hält ihn nicht nur Österreichs Verteidigungsminister Darabos.

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35 Kommentare
 
12
Gast: freindalwirtschaft
28.05.2012 18:37
0

na ja

wer als verteidigungsminister die meinung gebirt, dass die atom-bomben gefahr aus dem iran wider israel schnöde polemik sei hat kein wissen bezüglich der gegenwärtigen realpolitik. insofern ist das milch-partei-bubi als linker antisemit entbehrlich.

Gast: meiner
28.05.2012 12:54
6

man

kann dem berti einiges vorwerfen aber lieberman ist schon jemand der weder lobgesang noch rosen verdient hat .
als faschistioder aussenminster auch für israel kein glücksgriff sondern eine bedrohung !
selbst israelische medien bezeichnen ihn als einen rechsradikalen, rassitischen faschisten dessen eigene aussagen an menschenverachtung wohl kaum zu überbieten sind !
das der norbert mit der hässlichen brille keine lasergehirn ist mag sein aber nur weil wiedermal eine israelische institution antisemetismus ortet brauchen wir uns nicht vorbeugend verbeugen .

Antworten Gast: freindalwirtschaft
28.05.2012 18:40
0

na ja

alle linken antisemiten schwören stein und bein antifaschisten zu sein - um gleichzeigit ihren antisemitismus a la UdSSR in die welt zu setzen. was liebermann in diesem kontext macht ist nichtig.

Gast: freier sozialist
28.05.2012 08:15
6

raus mit diesem minister

es ist doch eine schande wenn der norbert immer wieder sagt er ist der dienstälteste VM und dabei nur daran denkt das bundesheer abzuschaffen. natürlich ist er ein PARTEISOLDAT, mach daher alles was ihm der Faymann über kammerhofer ausrichten läßt. ich sehe auf das ÖBH keine rosige zukunft zukommen. da wird der reichsbestatter "Commenda" wieder ins rennen geschickt und wir haben ja alle gesehen was mit seiner "immerlaufenden Trasnformation" passiert ist. er musste zurückstcken und zugeben das sie gescheitert ist. die wahl ist auch nicht mehr fern und die spö um darabos braucht wahlkampfschlager und das bundesheer wird wieder mal herhalten müssen. zukunft des ÖBH!
auflösung, Auslandsteile zum Aussenministerium und die anderen Elemente zur Justiz, dem Innenministerium und ... aus ist es mit des Bundesheer. das wars!! nur was machen wir dann mit 22.000 Bedienstete? das wird noch interessant. verstärkung der weissen elefanten. es ist eine schande das immer nur zahlen zählen aber nicht mehr der mensch. wo sind da die sozialisten sozial??

Mir tun die Burgenländer leid

sollte er den Häuptling dort schaffen.

Gast: SicherlichkeinFan
27.05.2012 21:18
2

Das ist wohl für viele unerträglich: der Darabos macht es beser als alle seine Vorgänger

Und damit ist er sicherlich auf dem besseren Weg als irgendein Verteidigungsminister der letzten 20 Jahre.

Natürlich kann man ihm einiges vorwerfen, allerdings schafft er es, dass dieser Sauhaufen von Bundesherr endlich reformiert wird.

Und die Geschichte um die bereits vor ihn gekauften Eurofighter hätte er vielleicht für die Republik besser lösen können. Aber den Kauf der sinnlosen Eurofighter haben ganz andere mit Penthousern in der Innenstadt zu verantworten.

Darabos, magst unsympatisch sein, nur lass Dich von den Reformblockieren, Wichtigtuern, unnötigen Offizieren und Sesselpicker nichts sagen!

keine feindbilder schaffen

bitte differenzieren sie zb zwischen offiziersgesellschaft und berufsoffizieren - letztere arbeiten sehr wohl gut mit darabos zusammen, erstere vertritt die milizoffiziere und hat oft zu wenig praxisbezug. es war nie darabos, der mit entacher wickel hatte, immer nur kabinettschef kammerhofer.
sie haben aber recht, dass darabos immer noch von vielen unterschätzt wird.
wobei es von missachtung des heeres zeugt, wenn personen wie faymann, ostermayer und rudas ein berufsheer wollen - und darabos soll das dann umsetzen. so geht man mit dem bundesheer nicht um. wobei darabos geschickt genug ist, mit pilotprojekten erkenntnisse gewinnen zu wollen (diese findet man auch im heer gut, weil es dann um praktische erfahrungen geht und nicht mehr um theoretische modelle).

Gast: nick
27.05.2012 20:15
9

warum

ich versteh's nicht: warum gebt ihr diesem Typ noch eine Bühne ...

Gast: Schmelzer
27.05.2012 16:33
8

Kreisky schau oba

Seit Kreisky der erste Sozi, der sich vor den Juden nicht fürchtet.

Re: Kreisky schau oba

Nun ja, die "neuen" Wähler möchten ja auch umschmeichelt werden ;-)

Re: Kreisky schau oba

her schmelzer, das war unter der gürtellinie.

Re: Re: Kreisky schau oba

wessen Gürtel?

Gast: andi007
27.05.2012 11:45
2

tja

""Selbst wenn er gern betont, einer der am längsten dienenden Verteidigungsminister in Europa zu sein – richtig stolz wirkt er dabei nicht.""

nicht "einer der", er ist tatsächlich der am längsten amtierende Verteidigungsminister in der EU! der job ist europaweit ein schleudersitz

Re: tja

nur bei uns leider nicht..

Gast: surprise
27.05.2012 11:20
8

surprise

hätte ich vom Darabos nicht erwartet.
Kritik an Kriegshetzern wird ja noch erlaubt sein!
Ich finde nicht dass er sich Entschuldigen soll.Jetzt zeigt er zum ersten mal, dass er Eier hat und jetzt werden sie ihm gleich wieder abgeschnitten.China sollte er auch gleich noch was ausrichten bezüglich der Mahnung an Ö. wegen des Dalai Lama.

er hat eier

es ist, wie sie richtig sagen, ein tendenziöser artikel. er verkennt, dass nie darabos probleme mit jemandem hatte - er ist nett, nachdenklich, sensibel, vielleicht etwas zu introvertiert. probleme macht kammerhofer, der von der partei eingesetzte kabinettschef - ob general entacher, dem bunkermuseum und oberst scherer, darabos selbst und vielen anderen.
darabos ist weder feige noch ist er allein - er muss sich wie einige andere in einer aussergewöhnlichen und gefährlichen situation bewähren, da kammerhofer alle register zieht. und die parteispitze wegsieht und darabos nicht zu hilfe kommt. (dafür tun es andere).

Re: surprise

nonsense
aussenpolitik gehört ins aussenministerium und private meinung ins privatum
norberti ist ein stümper

Dem Ex-Zivi ist wohl einiges durcheinandergekommen.


Antworten Gast: 39j. Wiener
27.05.2012 19:18
1

Re: Dem Ex-Zivi ist wohl einiges durcheinandergekommen.

Oh nein, er hat völlig Recht!

Gast: b754
27.05.2012 08:53
6

da haben schwarz blau natürlich einen großen neid weil sie selbst nur flaschen haben

bravo darabos weiter so

Re: da haben schwarz blau natürlich einen großen neid weil sie selbst nur flaschen haben

die schwarz-blauen flaschen heissen SCHLUMBERGER
die rote flasche ist leeeeer

...wenn es die Wahrheit ist,


ist es aus meiner Sicht auch ok.
Es gibt ja kaum Politiker, welche diese auch an der richtigen Stelle zum Ausdruck bringen.

Die meisten sind leider nur angepasste Lämmlinge...

es ist unsinn

die autoren des artikels haben nicht recherchiert, sondern käuen klischees wieder.
sie verkennen, dass darabos und entacher sehr wohl zusammenarbeiten, dass jedes problem im bmlvs den namen kammerhofer trägt.
und da ist der minister auch nicht allein in der gegenwehr, das muss er als befehlshaber des heeres ja auch nicht sein.
allerdings ist er in der spö allein, denn da interessiert niemanden, dass kammerhofer nur unheil anrichtet und absolut skrupellos vorgeht.

Gast: DasGlaubIchNicht, Tim
26.05.2012 21:37
14

Darabos unguided? Im Gegenteil!

Auf einen simplen Wahlkampfspruch änderte Norbsi von heute auf morgen seine Meinung zur Wehrpflicht von "Ihn Stein gemeisselt" zu "Abschaffen, aber rasch!".

Ganz offensichtlich ist ein Wr. Bürgermeister Vorgesetzter des Verteidigungsministers...

war nicht häupl

fragen sie general entacher - es wäre unsinnig zu erwarten, dass eine ankündigung kurz vor der wahl diese noch beeinflusst.
faymann, ostermayer, rudas wollten die abschaffung der wehrpflicht - leute, denen das bundesheer sicher sonstwo vorbeigeht, die denken, dass sie mit jedem dummen trick wählerstimmen keilen. die uns wähler für ziemlich d**** und leicht zu beeinflussen halten.
darabos hatte damals keine so guten karten, sich dagegen zur wehr zu setzen - jetzt aber bieten die pilotprojekte wirkliche erkenntnisse - das sagt auch general entacher. dh es wird (hoffentlich) das geschehen, was den aufgaben des bundesheers gerecht wird.

Gast: parteibuch
26.05.2012 21:17
8

als Zivildiener

ist Darabos doch Einzelnichtkämpfer.

 
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