Mali: Tuareg und Islamisten einigen sich auf Staat

27.05.2012 | 11:07 |   (DiePresse.com)

Die Tuareg-Rebellen und die Islamistengruppe Ansar gründen die Islamische Republik Azawad.

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In Mali haben sich die Tuareg-Rebellen und die Islamistengruppe Ansar Dine nach Angaben des britischen Senders BBC zusammengeschlossen und auf die Errichtung eines islamischen Staates im Norden des Landes geeinigt. "Es stimmt, dass ein Abkommen unterzeichnet worden ist", sagte ein Kommandant der "Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad" (MNLA) in Timbuktu der BBC. Oberst Bouna Ag Attayoub erklärte: "Die Islamische Republik Azawad ist nun ein unabhängiger, souveräner Staat."

Die Vereinbarung wurde den Angaben zufolge in der Stadt Gao getroffen, die die Rebellen Anfang April gemeinsam mit den beiden anderen strategisch wichtigen Städten Kidal und Timbuktu eingenommen hatten. Schon wenige Tage später hatten die Islamisten angekündigt, in den eroberten Gebieten die Scharia einführen zu wollen. Dagegen hatte sich die MNLA bisher gesträubt. Was die jetzt getroffene Vereinbarung genau vorsieht, war zunächst unklar.

Islamisches Recht gilt

Flüchtlinge aus Gao hatten bereits im April der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärt, dass nun im Norden Malis das islamische Recht gelte. Frauen dürften sich nicht mehr kleiden, wie sie wollten, und müssten ihren Kopf bedecken. Bars und Nachtclubs in Gao seien dem Erdboden gleichgemacht worden, erklärten Malier, die in Niger Zuflucht gesucht hatten. Insgesamt sind bereits 300.000 Menschen aus der Region geflohen.

Der Separatistengruppe Ansar Dine werden Verbindungen zur Terrororganisation "Al-Kaida im islamischen Maghreb" nachgesagt. Die Islamisten hatten die MNLA nach dem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako am 22. März bei der Eroberung von Nord-Mali unterstützt. Das Gebiet, das die Rebellen für sich beanspruchen und das sie "Azawad" nennen, reicht von den Grenzen zu Algerien und Niger bis zum Fluss Niger, der außerhalb von Timbuktu verläuft.

 

(APA)

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16 Kommentare

wieder etwas

für den Mülleimer der Geschichte

Gast: qwe rtz
28.05.2012 13:12
1

Bevor der arabische Frühling auch in Mali beginnen kann..


..muss Mali natürlich erst einmal arabisiert werden.

Die Abspaltung Nord-Malis ist nur eine der vielfältigen Nebenwirkungen der unbedachten militärischen Intervention in Libyen.


Wurde auch die Bevölkerung gefragt`


Re: Wurde auch die Bevölkerung gefragt`

Sorry, dummes Touchpad. Ich wollte die Frage stellen, ob auch die Bevölkerung gefragt wurde.

Was nützt eine friedliche Einigung, wenn danach massenweise Menschen hingerichtet werden, weil sie irgendeine Kleinigkeit gemacht wurden?

Für sowas wie die Sharia benötigt man - meines Erachtens - Wahlen, und da zumindest eine 2/3-Mehrheit, weil ja Grundrechte davon betroffen sind.

Da haben sich die Tuaregs gewaltig über den Tisch ziehen lassen.

Als ich 2009 in Timbuktu und Gao war konnte man noch jede Menge unverschleierter Frauen beobachten. Auch gab es so etwas wie aufkeimenden Tourismus. So konnte man in kleinen Cafes am Straßenrand auch mal ein kühles Bier trinken, was in anderen moslemischen Ländern undenkbar ist. Das die Tuaregs einen eigenen Staat wollen leuchtet einem schnell ein wenn man mitbekommt wie mit ihrer Kultur umgegangen wird. So wird Tamaschek die (Tuareg-Sprache) nicht an Schulen unterrichtet. Tuaregs bekommen keine Posten in der Regierung (nicht mal in der Regional-Verwaltung), usw.
Ihre Verbrüderung mit den "Ansar Dine" wird ihnen noch weniger Freiheit bringen als unter dem Präsidenten A.T.T. hatten.

Alles ohne Blutvergießen

Ist ein Erfolg der Vernunft !

Re: Alles ohne Blutvergießen

ich hoffe das ist sarkastisch gemeint

Re: Re: Alles ohne Blutvergießen

Ich bin selbstverständlich gegen zwang,
und und Gewalt,jedoch ist jede Einigung ein Schritt in die richtige Richtung ! leider ist es so,ohne Geld keine Wohlstand,ohne Wohlstand keine Bildung ohne Bildung,keine Einsicht !
Leider ist der dort gelebte Islam,ein Ergebnis der Hoffnungslosigkeit.

Da werden wohl in Zukunft...

...noch ein paar Gottesstaaten dazukommen!

Re: Da werden wohl in Zukunft...

ganz sicher - wenn die westlichen demokratien bereits in die knie gehen, haben die dritteweltländer noch weniger chancen.

Re: Da werden wohl in Zukunft...

hoff ich^^

Sie hoffen das also...

Dann hätte ich ein paar Fragen. Wie schaut das dann aus. Wird Musik verboten sein? Müssen Frauen verschleiert das Haus verlassen (sofern sie denn überhaupt dürfen?). Werden "Ungläubige" verfolgt und getötet?

Gast: hmm
27.05.2012 16:28
6

etwas eigen ...

Bei den "blauen Rittern der Wüste" wie die Tuaregs auch genannt werden sind traditionell die Männer verschleiert und die Frauen unverschleiert!

Mag sein, dass sich sehr viel im Sozialgefüge dieses bedrohten Volkes geändert haben mag. Die Familien dürften jedoch - wie z.B. auch bei gläubigen Juden - unverändert matrilineal ausgerichtet sein.

Tuaregs werden wohl die Letzten dieser Region sein die für einen "streng ausgelegten Islam" geeignet sind.

Da wird ganz offensichtlich mit gezinkten Karten gespielt!

Re: etwas eigen ...

die Tuareg sind den Islamisten in die Hände gelaufen. Vom Regen in die Traufe.
Sie bleiben arme Hunde, ein Joch schütteln sie ab, ein anderes kommt hinzu.

Gast: Demokierkratie
27.05.2012 13:55
0

Hier mal Infos direkt aus dem deutschen Außenminsterium über die deutsche und französische Geostrategie in der Sahelzone:

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58301

Re: Hier mal Infos direkt aus dem deutschen Außenminsterium über die deutsche und französische Geostrategie in der Sahelzone:

Direkt aus dem deutschen Außenministerium ?

Haben Sie die Seite wirklich aufmerksam gelesen ? Auch das Impressum ?

Linker geht ´s doch nimmer (wenn auch im speziellen Fall auf die seriöse Tour) !

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