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Ägyptische Stichwahl fix: Islamist gegen Mubarak-Mann

28.05.2012 | 19:35 |  Von unserem Korrespondenten KARIM EL-GAWHARY (DiePresse.com)

Der Moslembruder Mursi und Mubaraks Ex-Premier Shafiq kämpfen am 17. Juni in einer Stichwahl um das Amt des ägyptischen Präsidenten.

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[KAIRO] Was so viele ehemalige Revolutionäre befürchtet haben, ist eingetreten: Am 17. Juni findet eine Stichwahl um das Amt des ägyptischen Präsidenten zwischen dem Moslembruder Mohammed Mursi und Ahmed Shafiq, dem letzten Premierminister unter Machthaber Hosni Mubarak, statt. Das bestätigte die oberste Wahlkommission am Montagnachmittag. Kein Kandidat erreichte die 50-Prozent-Hürde. Die Wahlbeteiligung lag nur bei 46 Prozent, deutlich niedriger als bei den Parlamentswahlen im Winter.

Einsprüche gegen die Zählung und das Ergebnis wurden von der Kommission als nicht substanziell abgelehnt. Vor allem der Dritte im Rennen, der Nasserist Hamdeen Sabahi, hatte Einspruch eingelegt, weil angeblich mehrere hunderttausend zusätzliche Wähler in das Wahlregister aufgenommen wurden. Laut offiziellem Ergebnis bekam Mursi 24,7 der abgegebenen Stimmen. Shafiq erreichte 23,8 Prozent. Sabahi kam auf knapp 21 Prozent.
Für etwas mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Ägypter ist das ein enttäuschendes Ergebnis. Diese hatte sich für Kandidaten des Wandels entschieden, aber keiner von ihnen hatte es aufgrund der Aufsplitterung in mehrere Kandidaten in die Stichwahl geschafft. Nun geht es für die beiden Sieger darum, für die Stichwahl genau diese Mehrheit der Ägypter für sich zu gewinnen. Das bedeutet für die Moslembrüder, Ängste zu zerstreuen, sie könnten mit einem Sieg Mursis ihre islamistische Agenda durchsetzen. Shafiq hingegen muss sein Image als der Mann Mubaraks ablegen.

So ist es kein Wunder, dass sich Mursi in den letzten Tagen nach der Wahl immer wieder als der Kandidat der Revolution präsentiert und alle Ägypter aufgerufen hatte, die Revolution weiterzuverfolgen. „Als ein Präsident werde ich versuchen, der Präsident aller Ägypter zu sein", hatte er erklärt.

Bereits seit dem Wochenende laufen Versuche der Moslembruderschaft, ein breites Bündnis für die Stichwahl zu schmieden: Man könnte etwa Präsidentschaftskandidaten der ersten Runde, wie den Nasseristen Hamdeen Sabahi und den liberalen zuvor aus der Moslembruderschaft ausgeschlossenen Abdel Monem Abul Futuh als Vizepräsidenten miteinschließen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob diese Versuche erfolgreich sind. Denn bei vielen liberalen Ägyptern, die in der ersten Runde für Sabahi, Abdel Futuh oder Amr Moussa gestimmt haben, ist das Misstrauen groß, dass die Moslembrüder ihre Macht im Parlament missbrauchen. Denn stellten sie auch noch den Präsidenten, übernähmen sie die volle politische Verantwortung für das Land.

Shafiq verspricht „neue Ära"

Was mit dem Einzug Mursis in die Stichwahl zunächst wie ein Erfolg aussieht, ist bei näherem Hinsehen zumindest teilweise eine Niederlage. Hatten die Moslembrüder bei den Parlamentswahlen noch die Hälfte der Stimmen bekommen, hat es Mursi mit 24,7 Prozent der Stimmen nur in die Stichwahl geschafft.

Bemerkenswert ist auch das schwache Abschneiden der Moslembrüder in ihrer bisherigen Hochburg, der zweitgrößten ägyptischen Stadt Alexandria. Die Moslembrüder haben nach Meinung vieler noch nicht einmal begonnen, die Probleme der Ägypter zu lösen. Dass sie auf die sozialen Fragen offenbar keine Antworten finden, hat die Islamisten spürbar Stimmen gekostet. Entsprechend groß ist die Enttäuschung in der Bevölkerung.

Auch Shafiqs Strategie für die nächsten drei Wochen vor den Wahlen ist klar: Der Ex-Ministerpräsident und Mubarak-Anhänger hat versprochen, das Rad nicht mehr zu den Mubarak-Zeiten zurückzudrehen. „Ich verspreche allen Ägyptern, eine neue Ära zu beginnen", erklärte er. Etwas, das ihm viele Ägypter nicht so einfach abkaufen werden.

(Ag.)

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21 Kommentare
Gast: Sekundant
29.05.2012 16:08
2 0

Die Nordafrikaner werden sich schon bald dafür bedanken

...dass wir ihnen zurück ins Mittelalter geholfen haben! Zu gerne würde ich diese Politiker.....in diesen Hexenkessel verfrachten, den sie selbst angeheizt haben.

Ich wünsche Ägypten

Alles gute für die Zukunft !
Hoffentlich nimmt alles doch ein gutes Ende.

Gast: meiner
29.05.2012 14:36
1 0

siehe,

ein volk das demokratie nie erlernt oder gelebt hat . wer ernsthaft sein geld auf die liberale facebook minderheit gesetzt hatte war genauso gedankenlos wie die mehrheit der westlichen staatsmänner .
dort wird sich genauso wenig eine stabile demokratie entwickelt wie in lybien, tunesien, iraq oder sonst einen fremddemokratisierten staat .

Gast: LegendIn
29.05.2012 14:20
0 0

Der ORF betreibt Propaganda für die Islamisten!

Es ist unerträglich wie Gawhary seine Präferenz für den Kandidaten der Islamisten im öffentlichen Staatsfernsehen Österreichs trommelt.

Die Sicherheitsbehörden sollten sich einschalten.

Man muss kein Prophet sein, um vorauszuasgen, dass jetzt ein düsteres Zeitalter über Nordafrika heranbricht.

Warum uns das interessieren sollte? Na ja, ganz einfach, da die Leute früher od. später den Weg nach Europa finden werden. Mit im Gepäck die Ideologie des Mittelalters.

Re: Man muss kein Prophet sein, um vorauszuasgen, dass jetzt ein düsteres Zeitalter über Nordafrika heranbricht.

Genau so ist es und ich werde mich künftig vermutlich nicht mehr nach Tel Aviv, meine zweite Heimat, trauen....

Re: Re: Man muss kein Prophet sein, um vorauszuasgen, dass jetzt ein düsteres Zeitalter über Nordafrika heranbricht.

Und wen doch ! Fahren sie keinesfalls mit der Mavi Marmara,wäre schade um Sie.

Gast: Unit 731
29.05.2012 13:16
1 0

Something is fishy

Laut orf.at demonstrieren ja ALLE gegen Shafiq, stehen demnach also voll hinter dem Müslimann. Warum kommt es dann zu einer Stichwahl? Mursi müßte ja dann mindestens 95% haben ....

Gast: iggis durchblick
29.05.2012 12:26
0 0

diesmal kapier sogar ich die wahlmathematik

und nachdem der artikel keinerlei inhaltlichen sachhinweise zur situation liefert, hier die crux: die eigentlichen revolutionaeren kraefte waren zu gespalten um einen gemeinsamen siegeskandidaten hervorzubringen, obwohl sie zahlenmaessig die grosse mehrheit besitzen. so kommen nicht die eigentlichen gewinner der revolution zum zug sondern die peripherie... skurill und frustrierend fuer fortschrittliche demokraten.

1 1

das ergebnis beweist nur,

dass die wahlwerber mit der besseren organisation und höheren geldmittel gewinnen.

das volk ist nicht in der lage, den für die mehrheit besseren kandidaten zu wählen.

das ist bei uns ja auch nicht anders!

Re: das ergebnis beweist nur,

Ach ja, und was für die Mehrheit besser ist, wissen wohl Sie?

Das ist eine gute Einstellung. Alle, die nicht das wählen, was ich wähle, sind dumm.

1 1

Re: Re: das ergebnis beweist nur

sie sollten ordentlich lesen!
habe geschrieben, dass wahlwerber mit besserer organisation und höheren geldmittel gewinnen.
habe nirgends geschrieben das wähler die nicht wählen was ich wählen würde dumm sind.
das die beiden übriggebliebenen kandidaten für die mehrheit das optimum sind (ein islamist bzw ein ex-regime-mann) glauben sie ja selbst nicht!

Gast: total crash
29.05.2012 07:50
1 0

Na ja ,

jetzt haben sie (Ägypter)trotz der Revolution nur die "Wahl" zwischen altbekannter autogratischer/autoritärer & neuer religiöser Staatsführung.
Kann mir schwer vorstellen wie die Menschen politisch,gesellschaftlich,sozial,wirtschaftlich denken,wenn sie ohnedies wieder altbekanntes (Unrechts)System wählen,die paar Protestler werden nix ändern können.
Na gut dann halt im Mittelalter stecken bleiben und dahin darben,leider.

Re: Na ja ,

ah ja,
ein autogratischer total crash

wie lange wird sich der ORF noch seinen "unparteiischen" Journalisten

Karim El-Gawhary leisten?

2 0

Der Frühling

Hat sich in diesem Land anders entwickelt als es die Blauäugigen dachten.

Die Entscheidung der Ägypter ist zu akzeptieren.

Rückwärts-Gang eingelegt - und mit Vollgas ins Mittelalter.

Ihre Sache.

Gast: neubeginn
28.05.2012 18:53
0 1

demokratische wahl

Wählermobilisation im Wahlkampf ist überall gefragt. Und wenn sich die Aufstands-bewegung in Ägypten demokratisch für die Muslimbrüder entscheidet, ist das zu respektieren. Und da Ä. immer islamistisch war, wird eine islamistische Gesellschaftsordnung einkehren.
MB und Salafisten gibt es nicht nur in Ä.

Antworten Gast: total crash
29.05.2012 08:42
3 0

Re: demokratische wahl

Islam begann so im 6./7.Jahrhundert.

Die vorherigen Jahrtausende der Ägyptischen Hochkultur war nix mit Islam.

Antworten Gast: Gruftmaus
28.05.2012 20:38
3 1

Re: demokratische wahl

Ä. war immer islamistisch?
NICHT MAL ISLAMISCH!!!

Geschichte ist ein schwieriges Parkett...ja..ja..

Antworten Antworten Gast: parkettneuling
28.05.2012 22:31
0 0

Re: Re: demokratische wahl

Ab dem 10. Jahrhundert hatten die Muslime schon die Mehrheit in Ägypten erlangt (Ibrahim 1996, 6). Koptische Dominanz rückläufig -Migration von Arabern nach Ägypten- weiters Islamisierung + arabische Sprache.
Literaturtipps zur Geschichte werden gerne angenommen