Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Russland wegen eines Bombenangriffs in Tschetschenien verurteilt. Moskau habe mit dem Angriff eine Mutter und fünf ihrer Kinder getötet, stellte das Gericht am Dienstag fest. Die Straßburger Richter wiesen Moskau an, dem 52 Jahre alten Vater der Kinder 300.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.
Das Urteil bezieht sich auf einen Angriff der russischen Armee auf das tschetschenische Dorf Rigachoj. Im April 2004 wurden die Frau und die fünf Kinder in ihrem Haus von der Bombe getroffen. Das jüngste der Kinder war erst vier Jahre alt. Der Vater und der älteste Sohn waren zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause. Nach russischer Darstellung explodierte in dem Haus ein Sprengsatz.
EGMR glaubt die russische Version nicht
Diese Version bezeichnete der Gerichtshof für Menschenrechte als unglaubwürdig. Die Straßburger Richter warfen Moskau außerdem vor, keine effizienten Ermittlungen über den Vorfall vorgenommen zu haben. Zudem hätten die russischen Behörden dem Gerichtshof nicht alle Unterlagen zur Verfügung gestellt, wie dies die Europäische Menschenrechtskonvention vorschreibe.
Russland gehört mit der Türkei zu den Ländern, die in Straßburg am häufigsten verurteilt werden. Im vergangenen Jahr stellte der Gerichtshof 121 Menschenrechtsverletzungen durch Moskau fest. Zahlreiche Fälle betrafen die Verschleppung und Tötung von Zivilisten in Tschetschenien.
(Ag.)
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