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Bill Clinton: »Erinnert ihr euch an mich?«

09.06.2012 | 18:01 |  von THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Das Dasein als Polit-Rentner in den USA: vom Golferemiten bis zum Demokratiemissionar.

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„Zwei Präsidenten zum Preis von einem.“ Im Gespann mit Bill Clinton wirbt Barack Obama bei Spendengalas unter diesem Motto für seine Wiederwahl. In New York mussten Anhänger neulich dennoch tief in die Tasche greifen. Bis zu 40.000 Dollar war ihnen der Auftritt des ungleichen Paares wert. In der Manier eines Polit-Stars streute Clinton ein paar Scherze unters Volk: „Erinnert ihr euch an mich? Ich war der Kerl, der viermal einen Budgetüberschuss produziert hat.“

Dafür lässt sich Clinton jetzt fürstlich entlohnen. Wer den umtriebigen Ex-Präsidenten für eine Rede engagieren will, muss einen Scheck von rund 150.000 Dollar ausstellen. Für die gute Sache oder das Renommee tut es Clinton auch gratis – unter der Bedingung, dass für seine Stiftung, die Clinton Foundation, etwas abfällt. So jettet der seit seiner Wandlung zum Veganer ranke Polit-Rentner um die Welt – vom hochkarätigen Weltwirtschaftstreffen in Davos zum glitzernden Life Ball in Wien. Parteifreunden steht das „politische Tier“, ein Vollblutpolitiker und gewiefter Stratege, im Wahlkampf dagegen ganz uneigennützig zur Seite.

Sein gleichaltriger Nachfolger George W. Bush personifiziert das Kontrastprogramm. Er folgte zwar dem lukrativen Drehbuch für aus dem Amt geschiedene Präsidenten: Er verfasste Memoiren, er absolvierte ein paar hochdotierte Vorträge. Doch abgesehen von einer Stippvisite jüngst im Weißen Haus und der symbolischen Rolle als Sonderbotschafter für die Erdbebenopfer Haitis an der Seite Clintons gibt Bush junior im texanischen Dallas den Privatier und Eremiten. Bei einem Mountainbike-Rennen sammelte er dort unlängst Spenden für Soldatenfamilien, zu aktuellen politischen Fragen lässt er sich indes keinen Kommentar entlocken – ganz im Gegensatz zu seinen Ex-Ministern und Ex-Beratern.

Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Condoleezza Rice, Colin Powell oder Ex-Sprecher Ari Fleischer sind begehrte Gäste und Kommentatoren im Reigen der Talkshows. Auch sie haben ihre Erinnerungen an ihre Polit-Karriere versilbert: In den USA gehört dies zur guten Tradition. Manche gehen als Professoren zurück an ihre Stamm-Uni wie Rice (Stanford), Clintons Arbeitsminister Robert Reich (Berkeley) oder Ex-Finanzminister Larry Summers (Harvard). Viele scheffeln vorübergehend an der Wall Street ein kleines Vermögen, sie lassen ihre Kontakte als Lobbyisten in Washington und New York spielen. Einige bekamen gar eine eigene Talkshow: Ex-Präsidentschaftskandidat Mike Huckabee oder New Yorks Ex-Gouverneur Eliot Spitzer.

Niemand schlug indes so viel Kapital aus einer zweieinhalbjährigen Polit-Karriere wie Sarah Palin. Und keiner schuf aus seinen 31 Jahren als Ex-Präsident ein Lebenswerk als Demokratiemissionar wie Jimmy Carter. Mit Golfen à la Dwight D. Eisenhower wollte sich der Erdnussfarmer und Baptistenprediger aus Georgia nie begnügen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.06.2012)

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