Venezuela: Krebskranker Chávez tritt erneut bei Präsidentenwahl an

12.06.2012 | 17:20 |  Von unserem Korrespondenten ANDREAS FINK (Die Presse)

Vor einer Million Anhängern ließ sich der krebskranke Hugo Chávez als Kandidat für Venezuelas Präsidentenwahl registrieren. Der Comandante verströmte Optimismus. Er sang, tanzte und sprach ein paar ernste Worte.

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Buenos Aires. Er hat sich Zeit gelassen, bis zum letzten Moment. Am Montag endete die Einschreibefrist für die Kandidaten, die an Venezuelas Präsidentenwahl teilnehmen wollen. Und Hugo Chávez, der im Oktober seinen 14 Regierungsjahren weitere sechs folgen lassen möchte, war der letzte Bewerber, der sich registrieren ließ. Er leistete seine Unterschrift in einem Buch mit rotem Leineneinband, das er selbst mitbrachte. Bei diesem Routineakt zählten alle Details, denn es war Chávez' erster Massenauftritt seit Februar, live übertragen ins ganze Land.

Eine Million Anhänger, viele davon in dem typischen Rot gekleidet, grüßten ihren Comandante, der die wenigen Blocks vom Präsidentenpalast zu dem Zelt der Wahlbehörde auf einem Lastwagen zurücklegte. Chávez, angetan mit dem roten Barett aus seiner Fallschirmjägerzeit und Trainingsjacke, ließ sich Zeit beim Abstieg von dem Gefährt, aber seine Bewegungen waren sicher. Der Comandante wusste, dass er darauf besonders achten musste, denn jedes Zeichen körperlicher Schwäche kann am 7. Oktober wahlentscheidend sein.

Ist Ex-Fallschirmjäger fit genug?

Ein großes Fragezeichen hing über der Plaza Caracas: Ist Hugo Chávez Frías physisch noch in der Lage, die bolivarianische Republik zu regieren? Vor etwas mehr als einem Jahr vollzogen Ärzte auf Kuba an ihm eine erste Krebsoperation, die zweite folgte drei Wochen später. Doch trotz Chemotherapie bekam Chávez das Leiden nicht in den Griff. Im Februar musste er wieder unters Messer, darauf folgte eine Strahlentherapie. Wochenlang blieb der einst omnipräsente Vielredner verschwunden und beschränkte seine Teilnahme am öffentlichen Geschehen auf 180-Zeichen-Botschaften in Twitter. Nun, nach geleisteter Unterschrift, verströmte Chávez Optimismus. Er sang, tanzte ein bisschen und sprach ein paar ernste Worte: „Das Überleben des Vaterlands steht auf dem Spiel.“ Seine Anhänger antworteten: „Es lebe Chávez!“ Tatsächlich ergeben aktuelle Umfragen,  dass über 60 Prozent der Venezolaner an eine Heilung glauben. Die Wahlchancen des Amtsinhabers liegen bei etwas über 50 Prozent.

Herausforderer Henrique Capriles rangiert, je nach Couleur der Meinungsforscher, bei 35 bis 45 Prozent. Doch der Ex-Gouverneur des Bundesstaates Miranda lässt sich davon nicht beirren. Er leistete seine Unterschrift beim Wahlrat im Trikot der venezolanischen Fußball-Nationalmannschaft. Auch ihm folgten eine Million Menschen auf die Plaza Caracas, nach einem zehn Kilometer langen Marsch. Zumindest physisch hat der 39-Jährige klare Vorteile.

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12 Kommentare
Gast: viajera
17.06.2012 16:25
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Alle Venezolaner profitieren vom Ölreichtum (?)


Gast: Trude Huber
13.06.2012 10:27
0

Erfolgreicher Chavez

Natürlich ist er fit genug. Man denke nur an G.W.Bush: Niemand stellte bei ihm die Frage ob er mental fit war...
Chavez verteidigt die Demokratie gegen schädlichen US Einfluß, bringt die Basisdemokratie in Schwung und stellt sicher, dass alle Venezolaner vom Ölreichtum profitieren, nicht nur die Oligarchen, die den Großteil der Medien kontrollieren und Hugo schlecht machen...

Re: Erfolgreicher Chavez

Er stellt sicher, dass ALLE Venezolaner vom Oelreichtum profitieren ???? Also, ich meine ueber dieses Statement wuerde sich selbst der gute Hugo den Buckel volllachen....

Gast: Unrumpf
13.06.2012 07:14
0

Physisch vielleicht, mental ?

Venezuela hat er in der Welt bekannt gemacht aber nicht vorangebracht. Sein Glück ist der Rohstoffreichtum Venezuelas, seine Politik aber nicht nachhaltig. Was passiert, wenn dieser Reichtum eines Tages versiegt. Wieviel des Reichtums landet wirklich beim Volk und wie viel bei Korrupten und Opportunisten? Wie vielen Oppositionellen wird das Maul verboten, werden unterdrückt? Südamerika hat seine eigene Geschichte mit Rechts-Diktaturen, politischer Einflussnahme durch westliche Geheimdienste. Die Macht der Linksextremen heute ist die berechenbare Reflexreaktion. Die Lösung ist es jedoch nicht wie bereits im Osten Deutschlands bewiesen worden ist. Eine Linke Diktatur ist nicht das Gegenteil einer Diktatur vom Rechten Rand! Politische Einflussnahme in anderen Ländern wie z.B. Kuba ist nicht besser wenn es von einem linken Diktator kommt.

Gast: Der der es weis
12.06.2012 20:29
2

Armes Land

Schlimm wenn man hier immer wieder Kommentare sieht von Leuten die keine Ahnung haben was in Venezuela los ist. Wirklich schlimm armes Venezuela, oder sollte man sagen armes Österreich ?
Nichts gegen Rot oder Sozialdemokratie aber Chavez ist das schlimmste was dem Land jemals passiert ist.

AMEN

Re: Armes Land

der der es nicht weiss, sollte ihr nick lauten- oder woher nehmen sie ihr wissen, Urlaub auf isla de margarita? Chavez ist das beste was venezuela je passiert ist!!

Antworten Antworten Gast: Gast0815
13.06.2012 07:12
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Re: Re: Armes Land

Ach so? Dann erklären Sie uns bitte wieso Venezuela eine der höchsten Mordraten der Welt hat. Weil es den Venezolanern so gut geht?

Aus Wikipedia:
Während der Amtszeit von Hugo Chávez hat sich die allgemeine Kriminalität und Gewalt, welche schon vor dessen Amtszeit auf vergleichsweise hohem Niveau lag, weiter stark verstärkt. Gemäß einer Studie des Nationalen Instituts für Statistik gab es im Jahr 2009 rund 75 Morde auf 100.000 Einwohner.

Mittlerweile liegt die Mordrate bei 108 Morde pro 100.000 Einwohner.

Re: Re: Re: Armes Land

das problem ist nicht Hugo, das Problem sind die alteingesessnen, die wegen Hugos Politik Angst um ihr vermögen haben, daher die mordrate!! chavezito hat den Menschen Bildung gegeben, Schulen, grundlegende Versorgung usw...

Antworten Antworten Antworten Gast: Panzerknacker3
13.06.2012 09:54
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Re: Re: Re: Armes Land

Auftragsmorde vielleicht? Auf die Kubanische Ärzte ist zum Teil Kopfgeld ausgesetzt. Nicht das die allzu viele Jobs den venezolanischen Ärzten wegnehmen würden, den diese interessiert das Karies der Unterschicht, oder ob ein Indigena krank ist? Was Chavez nicht geschafft hat, ist die Privatwirtschaft zu überzeugen. Aber auch kein Wunder immerhin gingen die alten Netzwerke sofort auf ihn los und führte unweigerlich zum Klassenkampf reich gegen arm. Seine Amtsperiode konnte einiges ausgleichen, allerdings ob es nachhaltig war ist zu bezweifeln. Die Bildung der ärmeren ist sicher der Schlüssel, aber selbst das hätte die Oberschicht verneint, schwächt es doch ihre Machtbasis. Kurzum eine weitere Periode mit El Presidente ist sicher besser als ein Wechsel und danach muss er sowieso abtreten.

Re: Armes Land

Wird es eine ehrliche Wahl geben?

Re: Re: Armes Land

NEIN !

Gast: ROTFRONT
12.06.2012 20:01
0

Guter Mann! Wie der Werner Faymann in Österreich

Bringt dem land was.
Schwarz bringt nur Schulden.

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