Orban im Interview: "Wir haben die Linke zertrümmert"

16.06.2012 | 14:38 |  VON MICHAEL FLEISCHHACKER UND CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Ungarns Premier Viktor Orbán hat kein Problem mit Denkmälern für den autoritären Reichsverweser Miklós Horthy, erläutert sein "neues Wirtschaftssystem" und plädiert für ein "Europa der Nationen".

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Am Höhepunkt der Eurokrise bewegt sich die EU in Richtung einer stärkeren Integration, einer Fiskal- und Bankenunion. Mitgliedstaaten werden wohl mehr Souveränitätsrechte an Brüssel abtreten. Begrüßt Ungarn diese Entwicklung?

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Viktor Orbán: Diese Frage berührt Ungarn noch viele Jahre nicht. Wir haben aus der Krise der südlichen Länder eine Lehre gezogen: Der Euro-Gruppe vorschnell beizutreten, führt ins Desaster. Denn dann könnte man gezwungen sein, die Eurozone wieder zu verlassen, was einem Erdbeben gleichkommt. Ungarn wird erst zur Euro-Gruppe stoßen, wenn es dafür perfekt vorbereitet ist. Die Frage, ob sich die EU zu den „Vereinigten Staaten von Europa" entwickelt, geht nicht nur die Euroländer an.
Es gibt zwei Visionen für die Zukunft Europas: ein Europa als Imperium oder ein Europa der Nationen. Ich trete definitiv für ein Europa der Nationen ein. Der größte Vorteil des europäischen Kontinents ist, dass wir unterschiedlich sind. Deshalb müssen wir sehr vorsichtig sein, wenn wir Souveränitätsrechte abgeben. Die Schlüsselentscheidung ist, ob man der Eurozone beitritt. Eine Währungsunion ist ohne politische Union nicht möglich. Länder, die schon in der Zone sind, haben nicht allzu viele Optionen.

Wollen Sie Ungarn in die Eurozone führen?

Wir müssen tun, was im Interesse der Ungarn ist. Wir wissen noch nicht, wie die Eurozone diese Krise übersteht, und ob es besser sein wird, drinnen oder draußen zu sein. Zuletzt waren Länder außerhalb der Eurozone erfolgreicher im Kampf gegen die Finanzkrise.

Damit meinen Sie jetzt aber nicht Ungarn?

Ungarn war sehr erfolgreich im Management der Krise.

Die Zinsen, die Ungarn für seine Anleihen zahlen muss, betragen neun Prozent. Das ist nicht unbedingt ein Zeichen des Erfolgs.

Wenn man von Erfolg spricht, kommt es auf die Ziele an, die man sich gesetzt hat. Bei meinem Regierungsantritt vor zwei Jahren war Ungarn in einer schlimmeren Verfassung als Griechenland. Das erste Projekt, das der Internationale Währungsfonds (IWF) 2008 in Europa startete, diente der Rettung Ungarns. Mittlerweile ist Griechenland zusammengebrochen, Ungarn steht noch immer. Das zweite Ziel war es, die Zahl der Arbeitenden zu erhöhen. Inzwischen haben wir 3,8 Millionen Steuerzahler statt 2,6 Millionen. Ein Zuwachs von 50 Prozent. Drittens ist die Staatsverschuldung niedriger als vor zwei Jahren. Wir können nicht wie Kaiser Franz Joseph sagen, dass alles in Ordnung sei. Wir haben ernste Schwierigkeiten, aber bis jetzt sind wir sehr erfolgreich darin, uns unseren Zielen zu nähern.

2010 haben Sie groß verkündet, dass Sie keine Hilfe mehr vom IWF benötigen. Und jetzt müssen Sie sich wieder um einen 15-Milliarden-Eurokredit anstellen, weil der ungarische Staat offenbar nicht in der Lage ist, sich zu refinanzieren.

Das ist nicht der Fall. Wir sind fähig, den Staat ohne IWF-Kredite zu finanzieren. Doch die Zinsen der Anleihen sind sehr hoch. Die Frage ist nicht, ob wir den Staat finanzieren können. Die Frage ist, zu welchem Preis. Wir befinden uns immer noch im Finanzmarkt und wollen ihn auch nicht verlassen.

Welches Zinsniveau bei Anleihen kann Ungarn verkraften?

Im heurigen Budget haben wir dieses hohe Zinsniveau einberechnet, das nächste Jahr könnten wir auch noch überstehen. Aber wenn wir ein Abkommen mit dem IWF hätten, wären die Zinsen viel niedriger. Wir brauchen eigentlich gar keine Kredite, sondern ergreifen bloß Vorsichtsmaßnahmen. Ungarn hat nicht die Absicht, von IWF-Geld zu leben. Aber wegen der Probleme in Griechenland, Spanien, Italien und anderen Ländern könnten auf den Finanzmärkten Turbulenzen entstehen. Das Geld aus dem Kredit ist nicht zum Ausgeben gedacht, sondern als Polster für ein Wort-Case-Szenario.

Offenbar ist es nicht so leicht für Ungarn, den IWF-Kredit zu erhalten.

Das kann man sagen.

Fühlen Sie sich unfair behandelt, weil für Ungarn andere Bedingungen aufgestellt werden als etwa für Spanien?

Unfair behandelt zu werden ist Teil unseres Lebens. Aber die schlechteste Reaktion wäre es, deshalb beleidigt zu sein. In Banken gibt es zwei Korridore: einen für alle, die Geld einzahlen wollen. In der anderen Schlange stehen Leute, die kein Geld haben und welches ausleihen möchten. Wenn Sie im zweiten Korridor sind, werden Sie manchmal unfair behandelt. In der EU sind doppelte Standards nicht ungewöhnlich. Politiker müssen sich um Fairness bemühen, Bürokraten nicht. Wenn Politiker ihre Wähler oder Wirtschaftsakteure nicht fair behandeln, können sie nicht erfolgreich sein. Für Bürokraten gilt das nicht. Bürokraten wollen ihrer Macht Ausdruck verleihen.

Sprechen Sie jetzt von der EU-Kommission?

Von Generaldirektionen, Abteilungen. Das gilt sogar auch für die Bürokraten der Europäischen Zentralbank. Sie kritisiert Punkte in einzelnen Ländern, die sie anderswo nicht einmal anspricht.

Eine Umfrage hat ergeben, dass sich 80 Prozent der deutschen und österreichischen Unternehmen in Ungarn nicht fair von ihrer Regierung behandelt fühlen. Sie beschweren sich über den Mangel an Berechenbarkeit und Rechtssicherheit in Ungarn.

Ich kenne diese Meinungen, und es gibt auch Gründe dafür. Doch die Gründe liegen anderswo, als sie von österreichischen und deutschen Unternehmen angegeben werden. Denn was wir tun, ist vielleicht für manche unangenehm, aber nicht unvorhersehbar. Ich habe unsere Linie mehrmals öffentlich klar dargelegt. Anstatt zu sagen, dass sie die Linie nicht mögen, sprechen sie von Unberechenbarkeit. Als ich sagte, dass wir die Krise, die wir 2010 geerbt haben, überwinden müssen, kündigte ich Krisensteuern an, und zwar für drei Jahre. Das ist doch berechenbar. Aber ich verstehe, dass die Firmen nicht mehr zahlen wollen.

Ausländische Firmen beklagen, dass sie schlechter gestellt sind als ungarische.

Es gibt modische Arten, in Europa Kritik zu üben. Dazu gehören die Vorwürfe, unberechenbar zu sein, keine Rechtssicherheit zu bieten oder ausländische Firmen zu diskriminieren. Aber das stimmt alles nicht. Ungarische Unternehmen mussten insgesamt viel mehr Krisensteuer einzahlen als ausländische, sowohl im Banken- als auch zum Beispiel im Energiesektor. In Ungarn geht Folgendes vor sich: Wir bauen ein neues Wirtschaftssystem auf. Und manche Sektoren sind auf der Seite der Gewinner, andere verlieren. Die Verlierer beklagen sich über Unberechenbarkeit.

Wer sind die Gewinner?

Die Produktionsfirmen. Wir lernen aus den Fehlern der südlichen Länder. Sie haben sich auf Tourismus, Dienstleistungssektor und Immobilien konzentriert. Wir wollen nicht denselben Fehler machen. Ohne industrielle Produktionskapazitäten können wir nicht erfolgreich sein. Deshalb unterstützen wir alle, die Fabriken eröffnen wollen, egal ob sie aus dem Ausland kommen oder Ungarn sind. Ungarn soll ein Produktionszentrum Europas werden.

Und wer ist in Ihrem neuen Wirtschaftssystem auf der Verliererstraße?

Der Finanzsektor kann nicht so hohe Profite wie in der Vergangenheit haben, auch nicht Monopolisten in der Gas-, Wasser-, Energie- oder Abfallindustrie. In Ungarn beträgt der durchschnittliche Lohn vor Steuerabzug 700 Euro pro Monat. Nicht der Mindestlohn, sondern der Durchschnittslohn. Und die durchschnittliche Pension liegt bei 250 Euro pro Monat. Deshalb können Unternehmen, die Grundbedürfnisse zur Verfügung stellen, im neuen ungarischen Wirtschaftssystem nicht mehr so hohe Profite lukrieren. Energieproduzenten dürften einen gewissen Gewinn machen, doch Energieanbieter nur in sehr beschränktem Ausmaß.

Was ist für Sie eigentlich wichtiger: dass es den Ungarn besser geht oder dass sie auf ihre Nation stolz sind?

Wir sind von Geburt an stolz darauf, zur Gemeinschaft der Ungarn zu gehören. Doch im modernen Europa können Länder, die nicht erfolgreich sind, auch nicht stolz auf sich sein. Erfolg und Stolz liegen sehr nah beieinander.

Warum hat Ihre Regierung dann in den ersten zwei Jahren viel Energie mit Themen wie dem Mediengesetz oder der neuen Verfassung vergeudet, die nicht wirklich wichtig sind für das Wohlergehen der ungarischen Bevölkerung, anstatt sich auf die Wirtschaft zu konzentrieren?

Das Mediensystem in Ungarn war paralysiert, weil die Medienbehörde unter der sozialistischen Regierung ein halbes Jahr vor der Wahl funktionsunfähig wurde. Es gab keinen institutionellen Rahmen für Medien. Wir haben nicht mehr als zwei Monate unserer Energie investiert.

Aber dieses Gesetz, das Ängste vor einer Einschränkung der Pressefreiheit auslöste, hat wahnsinnig viel Staub aufgewirbelt.

Das war nicht unsere Absicht, und es ist auch weiterhin nicht unsere Absicht.

Haben Sie die Kritik nicht vorhergesehen?

Die Kritik war nutzlos und sinnlos. Aber in der Politik gibt es manchmal nutzlose und sinnlose Diskussionen.

Konnten Sie irgendeinen Aspekt der Kritik nachvollziehen?

Ich habe einige technische Details verstanden. Wir haben auch vier oder fünf Änderungswünsche akzeptiert. Die Verfassung ist wichtiger. Alle zentraleuropäischen Staaten schufen zwischen 1990 und 2000 neue Verfassungen. Die einzige Ausnahme war Ungarn. Nach dem kommunistischen Regime haben wir einfach immer nur modifiziert und modifiziert und modifiziert. Alle ungarischen Regierungen wollten nach 1990 eine neue Verfassungen verabschieden. Doch erst wir waren mit unserer Zweidrittelmehrheit in der Lage dazu.

Andere Staaten verabschieden Verfassungen im Konsens. Warum haben Sie die Opposition nicht stärker eingebunden?

Genau das haben wir getan. Im Rahmen einer nationalen Konsultation haben wir alle Ungarn gefragt. Wir errichteten eine parlamentarische Kommission zur Erarbeitung einer neuen Verfassung und alle Parteien waren eingeladen. Doch manche Oppositionsparteien haben eben abgelehnt. Was will man da tun? Eine Frau kann man auch nicht zur Hochzeit zwingen.

Österreichs bekanntester Ungarn-Experte Paul Lendvai wirft Ihrer Regierung, auch wegen der nationalistischen Aspekte in der Verfassung, vor, Ungarn in Richtung einer revisionistischen Autokratie zu führen.

Ich kenne ihn ganz gut. Vor ein paar Monaten traf ich ihn auf einer Tankstelle und fragte ihn, wie es ihm geht. Ich stimme überhaupt nicht mit ihm überein. Es gibt keinen einzigen politischen Punkt, in dem wir einer Meinung sind, außer vielleicht, dass wir beide für den Weltfrieden sind.

Würden Sie einer öffentlichen Diskussion mit ihm zustimmen?

Er hat gesagt, was er denkt. Und ich habe gesagt, was ich denke. Darüber zu diskutieren, führt nirgendwohin.

Lendvais Bücher werden übersetzt. Er beeinflusst die internationale Debatte.

Parteien sind auch auf internationaler Ebene organisiert. Ich bin Vizepräsident der Europäischen Volkspartei, alle Mitte-rechts-Parteien gehören zu dieser Familie. Das intellektuelle politische Leben ist international organisiert. Verstehen Sie mich nicht falsch: Von Lendvai und anderen geht keine Verschwörung aus. Aber es gibt eben internationale Plattformen der Linken und der Konservativen. Lendvai ist kein Freund der jetzigen ungarischen Regierung, er mag unser Wertesystem nicht und versucht dagegen international zu kämpfen. So sieht europäische Politik heute aus.

Ihr erklärtes Ziel ist es, die Linke in Ungarn zu zertrümmern...

Das ist mir gelungen.

In Umfragen liegen die Sozialisten fast wieder gleichauf mit Ihrem Fidesz.

Wir haben alle Zwischenwahlen gewonnen. In der Politik währen Siege oder Niederlagen nie ewig. Wir haben die Linke bei der letzten Wahl zertrümmert, als wir eine Zweidrittelmehrheit errangen.

In Polen ist die Linke nirgendwo, in Ungarn ist sie wieder im Kommen.

Das politische Leben dreht sich um Wettbewerb. Ich gewann die Wahl 1998 und verlor 2002. Jetzt bin ich zurück.

Ihr Zugang zur Vergangenheit löst manchmal Irritationen aus. In Ungarn werden derzeit Plätze nach Miklós Horthy, dem autoritären Reichsverweser der Zwischenkriegszeit (1920 bis 1944), benannt und Denkmäler für ihn errichtet.

Wir sollten die historischen Debatten von politischen Diskussionen trennen. Die Debatten über die Vergangenheit haben keine Relevanz für das gegenwärtige politische Leben Ungarns. Vor 70 Jahren wäre unsere Partei in Opposition gewesen. Den stärksten Bezug, den wir zur Vergangenheit haben, ist die Kleinlandwirtepartei, die in Opposition zu Horthy stand. In Mitteleuropa bestand nach dem Zweiten Weltkrieg eine der großen Missionen der Kommunisten darin, die Geschichte auszulöschen. Die jetzigen Diskussionen über die Vergangenheit sind eine Reaktion darauf.

Was denken Sie denn über die Horthy-Denkmäler?

Diese Entscheidungen obliegen ausschließlich lokalen Gemeinden.

Sie haben keine Meinung dazu? Wenn in Österreich plötzlich Denkmäler zur Verherrlichung von Engelbert Dollfuß errichtet würden, wäre das ganz sicher ein Thema für die Staatsspitze.

Wenn eine ungarische Gemeinde ein solches Denkmal errichten will, liegt das in ihrer eigenen Verantwortung. Das ist nicht der Job der Regierung.

Wenn in Ihrer Gemeinde ein Horthy-Denkmal aufgestellt werden soll und es gäbe eine Umfrage: Wären Sie dafür oder dagegen?

Ich würde die Entscheidung der Wähler respektieren. Wenn sie eine Statue für Lenin, Stalin oder Hitler errichten wollten, wäre ich definitiv dagegen.

Aber Sie haben kein Problem, wenn ein Mann wie Horthy glorifiziert wird, der 1938 Gesetze zur Diskriminierung von Juden unterschrieben hat?

Das ist eine lange, sehr komplizierte Diskussion. Und es ist nicht mein Job als Ministerpräsident, ein abschließendes Urteil zu fällen. Aber ich trete dafür ein, diese Debatte fortzusetzen.

Warum öffnen Sie überhaupt den Raum für solche Diskussionen?

Ungarn ist eine Demokratie. Es ist nicht der Wunsch des Ministerpräsidenten, Diskussionen zu eröffnen oder zu stoppen. Wenn die Leute etwas diskutieren wollen, sollen sie es diskutieren.

Und wenn jemand Denkmäler für Hitler aufstellen wollte?

Dann würde ich mich an der Diskussion beteiligen. Ich würde ein Denkmal ablehnen. Er war ein Diktator, der unser Land besetzt hat.

Aber ein Denkmal für einen inländischen Diktator ist okay?

Nein, nein, nein. Bezeichnet irgendjemand Horthy als Diktator? Ferenc Szálasi (1944-1945) war ein Diktator.

Unlängst wurden die sterblichen Überreste des ungarischen Dichters Jozsef Nyirö in einer sehr umstrittenen Aktion nach Rumänien gebracht, um dort bestattet zu werden. Er war ein Mitglied des nationalsozialistischen Pfeilkreuzler-Parlaments in der Szalasi-Ära. Und Ihr Parteifreund, Parlamentspräsident Laszlo Köver machte sich auf die Reise, um Nyirö umzubetten. Rumäniens Premier erwägt, Köver deshalb zur persona non grata zu erklären. Warum diese Provokationen?

Warum müssen Pietätsfragen mit politischen Fragen verwechselt werden? Wenn man jemanden beerdigen möchte, dann wird er beerdigt. Es ist für mich verwunderlich, dass das in Rumänien eine politische Frage ist.

Natürlich ist das ein hochsymbolischer politischer Akt, wenn Ungarns Parlamentspräsident eine solche Umbettung unterstützt.

Da widerspreche ich heftig. Vor Kurzem fand eine kleine Gedächtnisfeier für den kommunistischen Diktator Janos Kadar statt. Ich war natürlich nicht dort, aber es war ein Akt der Pietät, die Feier nicht zu untersagen. Die Argumentation bringt uns in Richtung homo sovieticus. Ich lehne jeden Diskurs ab, der das Privatleben von Menschen überpolitisieren will.

In China, das Sie um Milliardenkredite bitten, haben Sie kein Problem mit Kommunisten, die ihre Bevölkerung unterdrücken.

Ich bin Christ. Freiheit ist für mich am wichtigsten. Denn Gott hat sie uns gegeben. Ich glaube jedoch nicht, dass Ungarn das Recht hat, anderen Ländern aufzuzwingen, welches politische System und welche Werte sie haben sollen. Das würde nämlich bedeuten, dass die westlichen Länder nur Geschäfte mit sich selbst machen können.

 

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128 Kommentare
 
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Gast: Dr. Mokus
19.06.2012 06:41
1 0

Messen mit zweierlei Maß

Ich erlaube mir noch, aus einer Rede von Jan Mainka (Budapester Zeitung) zu zitieren, die er am 30.März im alten Wiener Rathaus gehalten hat:

......Messen mit zweierlei Maß

Der dritte Vorgang schließlich, der mich sehr nachdenklich gemacht hatte, ist das permanente Messen mit zweierlei Maß. Ganz deutlich wurde dies bei dem Vorgang mit den Kohäsionsgeldern. Sie wurden Ungarn entzogen, weil ein paar EU-Finanzminister der Meinung waren, dass Ungarn die gesetzte Defizitmarke von 3 % im kommenden Jahr um 0,25 % überschreiten werde. Ein minimaler Betrag und auch das nur als Vermutung. Dennoch wurde Ungarn mit brutaler Härte bestraft, während Spanien mit einem deutlich höheren Defizit noch einmal eine Anpassungsfrist zugestanden wurde und während fast gleichzeitig mal wieder ein zweistelliger Eurobetrag nach Griechenland überwiesen wurde.
Wegen dieser irrationalen Dinge, ich könnte noch einige weitere aufzählen, wurde ich nachdenklich. .....

Liebe Österreicher, als Deutscher wurde ich auch sehr nachdenklich, was ich im Zuammenhang mit den österreichischen Banken in Ungarn erlebt habe. Was Eure Banken in Osteuropa verkauft haben, (Devisenkredite) hat die Lebensgrundlagen von über 100000 Menschen zerstört, wie ein schweres Erdbeben. Wundert Euch über nichts! Wir im Westen tragen nicht die Schuld an allen Fehlentwicklungen, haben aber große Verantwortung. Heute wissen viele, wie primitiv, gierig und gewissenlos Banken und ihre Mitarbeiter sind.

Gast: Dr.Mokus
18.06.2012 20:28
1 0

Die Probleme sind nicht vom Himmel gefallen

Die Pressefreiheit oder gar Meinungsfreiheit ist in Ungarn nicht abgeschafft. Es wird jedoch gegängelt und benachteiligt. Das war zuvor unter den ungarischen Sozialsten nicht wesentlich anders. Nach jedem Regierungswechsel wurden hier in Ungarn die Mannschaften ausgetauscht. Orbán bedient sich frecher weise der Gesetze und des gesamten Staatsapparates, den Sozialisten reichten dominante Seilschaften zur Medienhoheit. Orbáns Kampf gegen diese ist daher so unerbittlich. Glauben Sie, dass in allen anderen Ländern der EU die Mediengesetze die wunderbare Freiheit genießen ? Und schon gar nicht handelt es sich bei Klubadio um den letzten oppositionellen oder regierungskritischen Sender, wie überall zu hören war. Ich bin zur Zeit in meiner 2.Heimat Budapest, wo ich Jahre gearbeitet habe und kann nichts anderes behaupten, als dass auf allen Kanälen, nicht nur auf ATV, alle möglichen Stimmen zu Wort kommen, typisch ungarisch-kontrovers diskutiert wird.Was die ungarische Demokratie am meisten gefährdet hat, sind die Schulden, die die Sozialisten hinterlassen haben. Aber das wollen die Sozen in der EU ja nicht hören. Wenn in D und A diese Bedingungen herrschen würden, die die Ungarn ertragen, würden schon überall die Stiefel marschieren. Hajrá Magyarország!

die ungarische Linke ...

zur Info: in Ungarn hat es eine Linke seit 1940 nicht gegeben. Was wir in den letzten Jahren als 'Linke' hatten waren extrem korrupte post-kommunisten. Sehr reiche sogar. Links war für diese Leute nur ein Mittel zur Macht. Das haben endlich auch unsere linken Wähler kapiert und stimmen nicht mehr für diese Parteien. Vielleicht gibt es eines Tages eine richtige Linke in Ungarn.

Gast: Rózsa Sándor
17.06.2012 19:00
10 1

Meinungsfreiheit

Ist das die Meinungsfreiheit auf österreichisch ?
Danke Die Presse. com
Selbst in Ungarn wo angeblich Diktatur herrscht
und angeblich keine Medienfreiheit existiert, darf
man mehr posten wie in D und A.

Gast: CR06
17.06.2012 17:06
0 5

Endlich ein Interview,

in dem auch mal etwas kritischer nachgefragt wird. Schade, dass es hier keinen Fakten-Check gibt, wo alle seine Behauptungen nachträglich mal objektiv aufbereitet werden. (Aber dann würde sich vielleicht kein Politiker mehr interviewen lassen.)

Seine populistische Nationalismus-Strategie, mit der er in Krisenzeiten offene Türen einrennt, ist jedenfalls in erster Linie Ausdruck übergroßer Minderwertigkeit und nicht gesunder Patriotismus.

Was ist eigentlich Ungarns Problem?

Ungarns Weg in die Krise in 10 Schritten: http://www.true-story.at/ungarns-10-schritte-in-den-abgrund/221984/

Ob Orbán ein weiterer Schritt hinein oder einer hinaus aus der Krise ist, kann man - glaube ich - noch nicht sagen. Vieles was er tut sind Maßnahmen gegen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte, die Ungarn kaputt machen. Vieles ist demokratiepolitisch sehr fragwürdig.

Gast: Gardonyi Geza
17.06.2012 16:20
0 4

Time will tell

Vielleicht öffnet Herr Orbán den Menschen im Westen die Augen, wenn er nachweist, dass in Westen die Linken (insbesonders die 68er) die öffentlich publizierten Meinungen dominieren. Andererseits ist diese Links/Rechts Demagogie der Orbanisten Teil ihrer Strategie. Tatsache ist, dass es kluge und dumme, anständige und unanständige, usw Politiker gibt, egal welcher Gesinnung. Horty, Trianon (Friedensvertrag 1919), die Kommunisten usw dienen nur als Ablenkung, um beinhart die eigenen Interessen durchzusetzen. In der öffentl. Verwaltung werden die Expertenpositionen alle mit Fideszianern besetzt. Das führt zu einer Lähmung, da viele von ihnen inkompetent sind. Die durchgeführte Steuerreform war eine Umverteilung zu den Reichen (das erklärt, warum Wachstumsimpulse ausblieben), es gab budgetmäßige Einmaleffekte (de facto Verstaatlichung der privaten Pensionsfonds), und die Fideszianer verlangen bei öffentlichen Aufträgen 25 % für die eigene Tasche, während die Sozis und die Liberalen mit 15 % zufrieden waren. Der einfachen Bevölkerung in Ungarn ist es vor 2010 besser gegangen. Aber vielleicht setzt der von den Orbanisten geförderte Nationalstolz ja ungeahnte Motivationen bei den normalen Ungarn frei und gleicht die Inkompetenz und Korruption der Orbantreuen aus. Ich bin neugierig, was die Geschichtsbücher in 20 Jahren über die heutige Zeit schreiben werden. Hoffentlich wird sie nicht als 'Die Zeit der verlorenen Jahre' bezeichnet werden.

Gast: Wieder etwas gelernt
17.06.2012 16:18
5 1

Nachdem

ich im Rahmen der Festwochen das Camp "Österreicher integriert euch" besucht habe und mit den Leuten die dort agitieren und provozieren disskutiert habe. Verstehe ich nur zu gut was und warum er mit "Linke zertrümmert" meint.Ob Österreich in Strache auch einen Orban hat wird sich zeigen und kann man nur hoffen.

0 0

Re: Nachdem

könnten Sie das näher ausführen?

Antworten Antworten Gast: Wieder etwas gelernt
17.06.2012 19:20
2 0

Re: Re: Nachdem

Ja, unter einer FPÖ Regierungsbeteiligung wären solche Provokationen auf Kosten österreichischer Steuerzahler und unter dem Deckmäntelchen Satire als Festwochen Veranstaltung sicher nicht möglich.

schön, dass es in europa noch solche inseln gibt,

wo die linke weg vom fenster ist!

Antworten Gast: Farbenspieler
17.06.2012 16:42
0 1

Re: schön, dass es in europa noch solche inseln gibt,

in Kärnten waren auch keine Linken an der Macht. Hätte der österr. Staat nicht den blau orangen Selbstbedienungsladen Hypo Alpe Adria gerettet, wäre Kärnten schon längst Pleite. Pech nur für Orban, dass es nicht mehr Österreich-Ungarn gibt. Und Fidesz ist auf dem besten Weg, die Zukunft der kommenden Generation in Ungarn zu verspielen, wenn sie weiterhin nur die eigenen Partikularinteressen verfolgen. Und die Jungen haben keine Interesse, die Dolchstosslegende vom herabgewirtschafteten Ungarn unter den Kommunisten und den Sozis als deren Nachfolger zu glauben. Dafür wird sich der ungarische Staat in Kürze wieder eine Bank zulegen (Takarekbank) und dann werden die haider- und dörflerähnlichen Verhältnisse in Ungarn noch offenkundiger als sie es jetzt schon sind, Traurig nur, dass die stärkste Oppositionspartei, die Jobbik, noch rechter als die deutsche NPD ist.

Gast: Free
17.06.2012 15:04
6 1

Na heut hamma wieder eine linke Zensitant!

:)
Freundschaft Genosse!

Penetrante Reporterfragen bezüglich...

der Denkmäler....

Antworten Gast: rotator
18.06.2012 16:36
0 0

Re: Penetrante Reporterfragen bezüglich...

....und darum wirklich gut!

Gast: Johan C.
17.06.2012 13:33
2 7

Wenn Sie die politische Zukunft der EU ausschaut -

im Gesamten und auch national - na dann Prost.
"Ein nazionales Europa" - sehr leiwand...

Wie soll ein Europa der Nationen funktionieren? In dem dann jedes Land von sich behauptet, es wäre das Gelbe vom Ei und ach so toll? Mir san mir? Aber bissi Eu samma dann doch?

Nationalismus ist eine Krankheit!

Wir Menschen sind alle gleich, es gibt nur dumme Menschen und weniger dumme Menschen. Und das ist vollkommen unabhängig von Nation, Hautfarbe, Religion, Herkunft.

Re: Wenn Sie die politische Zukunft der EU ausschaut -

Bis ins Jahr 2000 hat Europa auch funktioniert und jene Länder die den Euro nicht haben da funktionierts noch immer!

Antworten Gast: Martin_S
17.06.2012 15:44
3 2

Re: Wenn Sie die politische Zukunft der EU ausschaut -

Ein Euopa der Nationen hat schon vor dem Euro funktioniert, also was soll Ihr Geschreibsel? Und warum ist Nationalismus an sich falsch? Lesen'S mal was anderes als das SPÖ-Paddeiblatt, das bildet!

Antworten Antworten Gast: nuet
18.06.2012 00:29
0 0

Re: Re: Wenn Sie die politische Zukunft der EU ausschaut -

Na klar - weil jedes Land nicht über den Tellerrand hinausgeschaut hat.

Gast: der_echteste_ungar
17.06.2012 12:58
2 23

Hoffentlich

bekommt Ungarn bald wieder einen Ministerpräsidenten mit Charakter, der Stellung bezieht, auch ohne Angst, dass es dringend benötigten potentiellen Wählern aus dem extremen rechten Spektrum nicht gefallen könnte. Aber diese Grenze ist für Orbán, Köver und Co. ohnehin sehr fließend.

Wo mit 2/3 Versöhnungsarbeit Balsam für Ungarn (und politisch klug) wäre, bleibt O bei seinem schlichten, ewig gleichen Freud/Feind-Denken. Dann bitte nicht über selbst erfüllte Prophezeiungen wundern.

Antworten Gast: Wiener
17.06.2012 13:33
2 1

Re: Hoffentlich

So einen wie Faymann oder Gusenbauer oder gar der SackerlVranz gell?

Ungarische Erneuerung, abschütteln der sozialistische Vergangenheit...

Verständlich: Die "Qualitäten " der Marxisten und Realsozialisten sind ja bekannt (s. gehuldigte Vorbilder ) und deren polit.Motto: der Einzelne gilt nichts, die Idee/Ideologie alles.
Gebracht hat es nur die Nomenklatura (d.Machtclique) und Kollektivierung/Kollektivierungsversuche wie auch millionenfaches Unglück u.Leid über die Menschen. Eine polit. Idee/Ideologie, die alles verspricht und nichts hält. Nachzulesen im " Schwarzbuch des Kommunismus/Sozialismus" (Bestseller in Frankreich,DBR) abgesehen von anderen historischen wissenschaftl. Belegen.
Realsozialismus bedeutet Verderben, die Geschichte lehrt es uns!

Hände weg von weiteren Sozialimus Experimenten !

Gast: Wolfolfgang
17.06.2012 12:49
23 5

guter Mann

Das nenn ich mal einen Kanzler! Ob Faymann im Ausland auch solche Interviews über Ö geben kann?

linke zertrümmert

das werden wir hoffentlich auch noch erleben dürfen. Ein guter Mann und sehr sympathisch; der Reporter findet das freilich nicht und zeigt seine Meinung ungeniert bei jeder Frage. Das ist der heutuge Journalismus, wertend, meinungsmachend, lenkend und in den jeweiligen Foren dann auch noch zensierend. Jedem das Recht auf seine Meinung war gestern, die Presse als Zeitung in der so angenehm neutral berichtet wurde, dass man sich seine Meinung selber bilden konnte leider auch. Jetzt kriegt man vorgekaut was man gefälligst zu denken hat - wie im Rest der Systempresse. Ach was wünsche ich mir die "vormals freie Presse" zurück.

Antworten Gast: emantsaGa
17.06.2012 14:51
3 0

Re: linke zertrümmert

Fürchterlich, wie zensiert Sie werden...

5 1

Re: linke zertrümmert

Ich kann nicht verstehen wieso man hier immer unter Verfolgungswahn leidet. Ich finde Orban auch Ok (vieles ist richtig, einiges ist falsch, was er macht) und hätte ihn trotzdem auch solch kritische Fragen gestellt. Er kann dann und konnte diese auch überzeugend mit Intelligenz rechtfertigen und widerlegen. Interessant ist dazu ein Vergleich zu Strache. Der Leichtmathrose verplappert sich und raunzt mit seinen Anhängern wie unfair alle gegenüber ihn sind.

Hut ab Herr Orban, ein Staatsmann sinds auf jeden Fall!

 
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