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Frankreich: Absolute Mehrheit für Sozialisten

17.06.2012 | 21:23 |  Von unserem Korrespondenten Rudolf Balmer (Die Presse)

Der Machtwechsel ist perfekt. François Hollande kann mit seiner Partei alleine regieren und ist nicht auf die Linksfront oder die mit ihm verbündeten Grünen angewiesen.

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[Paris] Als Sonntagabend die Wahllokale schlossen, endete mit der zweiten Runde der Wahl zur Nationalversammlung in Frankreich ein langer Wahlmarathon: Begonnen hatte er im Herbst 2011 mit der Nominierung des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten François Hollande, der dann Anfang Mai über Amtsinhaber Nicolas Sarkozy triumphierte.

Die Wählerschaft ist konsequent geblieben und hat dem linken Staatsoberhaupt nun auch eine eindrucksvolle Parlamentsmehrheit gegeben, die er für das Durchregieren braucht: Bei der Stichwahl am Sonntag schafften die Sozialisten eine absolute Mehrheit. Dies zeichnete sich ab, noch bevor alle Resultatealler 541 Wahlkreise bekannt waren, in denen es zu einem Stichentscheid gekommen war. In einigen Wahlkreisen traten wegen des komplizierten Wahlrechts sogar drei Kandidaten gegeneinander an.

Die Sozialisten werden laut zwei Hochrechnungen in der großen Kammer über mehr als 300 von 577 Sitzen verfügen, und sind damit nicht einmal auf die Hilfe ihrer Koalitionspartner von „Europe Ecologie Les Verts" (Grüne) angewiesen sind. Unter Einschluss der übrigen Alliierten und den Vertretern der radikalen Linksfront soll die Linksmehrheit laut diesen Schätzungen sogar 330 bis 340 Mandate ausmachen. Der Linkstrend hielt somit auch im zweiten Durchgang der Parlamentswahl an, bei der die Beteiligung auf für französische Verhältnisse tiefe 56 Prozent gesunken war.

Marine Le Pen schaffte es nicht

Besonders gespannt war man auf das Abschneiden zahlreicher Prominenter. Von den Regierungsmitgliedern, die ihre Kandidatur als Test ihrer Wählergunst benutzten, wurden trotz einer riskanten Ausgangslage sowohl Kulturministerin Aurélie Filippetti in Lothringen wie auch Wirtschafts- und Finanzminister Pierre Moscovici in Besançon gewählt. Auch die Ministerin für Behinderte, Marie-Arlette Carlotti, der gegen den UMP-Spitzenpolitiker Renaud Muselier in Marseille nur wenig Chancen eingeräumt worden waren, setzte sich dank dieser rosaroten Welle durch.

Dagegen unterlag Ségolène Royal, die ehemalige sozialistische Präsidentschaftskandidatin von 2007, im Wahlduell gegen einen Parteikollegen, Olivier Falorni, mit rund 45 zu 55 Prozent der abgegebenen Stimmen. Statt wie geplant in Paris den Vorsitz der Nationalversammlung zu übernehmen, muss sich Royal künftig darauf beschränken, ihr Amt als Präsidentin der Region Poitou-Charentes auszuüben. Falorni hatte gegen den ausdrücklichen Willen der Parteileitung seine Kandidatur gegen sie aufrecht erhalten. Diese Niederlage ist für Royal besonders bitter, weil ihr Gegner per Twitter von der Lebensgefährtin ihres Ex-Partners, von François Hollande, ermutigt worden war.

Keine Freude dürfte dieser daran haben, dass höchstwahrscheinlich mit der erst 22-jährigen Marion Maréchal-Le Pen mindestens eine Kandidatin des rechstextremen Front National ins Parlament gewählt wurde. Parteichefin Marine Le Pen soll dagegen ihre Wahl in Hénin-Beaumint knapp verpasst haben. Die Umfrageinstitute rechneten gestern Abend mit zwei bis maximal vier Sitzen für den Front National.

UMP vermied schwere Schlappe

Während diese Erfolge der Rechtspopulisten die einen schockieren, finden es andere in Frankreich nur normal, dass eine Partei, die am vergangenen Sonntag im Landesdurchschnitt 13,6 Prozent und bei der Präsidentschaftswahl mit ihrer Kandidatin Marine Le Pen 17,9 Prozent der Stimmen erhalten hatten, auch in der Volksvertretung mit Abgeordneten repräsentiert ist.
Die konservative UMP und ihre Verbündeten haben rund 230 Sitze ihrer früheren Rechtsmehrheit von 345 verteidigt und damit zumindest eine schwere Schlappe vermeiden können. Wie die ehemaligen Minister Nadine Morano oder Frédéric Lefebvre haben aber mehrere einstige Regierungsmitglieder ihre Wahl verpasst.

Sozialisten dankten Hilfe nicht

Einen schalen Nachgeschmack hinterlässt die Niederlage beim Zentrumsdemokraten François Bayrou in Pau im Französischen Baskenland. Er hatte zuletzt am 6. Mai für den Sozialisten Hollande Partei ergriffen. Die Sozialisten danken es ihm, indem sie eine Kandidatin gegen ihn aufstellten, die nun an seiner Stelle gewählt wurde.
Eine Gefahr besteht für die Sozialisten freilich: Nach der Wahl könnten die Flügelkämpfe unter den Abgeordneten wieder aufflackern. Hollande hat zwar angekündigt, sich sich aus den Parteiangelegenheiten weitgehend heraushalten zu wollen, damit wird aber auch seine Autorität als „politischer Familienvater" fehlen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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35 Kommentare
 
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Gast: Bänkster
18.06.2012 19:08
1 0

sehr gut

jetzt hindert ja niemand mehr Hollande und die französischen Sozialisten ihre Ideen zur Förderung des Wirtschaftswachstums umzusetzen....

...sofern es noch andere Ideen zur Ankurbelung des Wachstums gibt ausser die EZB-Druckerpresse und die Vergemeinschaftung der Schulden mit EURO-Bonds...

Gast: Gruftmaus
18.06.2012 13:02
0 0

exit

Südfrankreich hat gewählt.
Div. Seperationsbestrebungen lassen wohl nun nicht mehr lange auf sich warten.

ab jetzt gibts gratis schnecken fuer alle in frankreich

jeder bekommt 2 schnecken pro tag fuer seine mittags-mahlzeit zugewiesen, fuer diejenigen mit parteibuch, gibts an samstagen sogar eine extra.

wenn ich frankreich-anleihen haette, die wuerde ich schnellstens verkaufen

wenn man die sozialisten in die sahara setzen wuerde, wuerde dort nach ein paar jahren sogar der sand knapp werden ...

der euro ist dem untergang geweiht

Gast: GNessmann
18.06.2012 05:31
1 0

Jetzt geht die Party richtig los ...

Wenigstens braucht man sich nicht mehr um Griechenland sorgen machen ...

Gast: E.T.
17.06.2012 23:37
1 0

Europa wird zur 5-ten Welt

Ich kann nur hoffen, dass künftig China, Australien, USA auch Entwicklungshilfe nach Europa schicken werden.

Wie sich die Europäer aus dieser Eurokrise wurschteln wollen, kann ich beim besten Willen nicht sehen. Ein starres Festhalten am Euro in der jetzigen Form ist ein Höllenfahrtskommando.

Schade, dass unsere Politiker das nicht sehen wollen oder zu feig sind, fürs eigene Land einzutreten. Hier opfern Politiker ganze Völker zugunsten einer nicht gut genug durchdachten Gemeinschaftswährung.

Hollande versucht gerade noch für sein Volk zu retten, was zu retten ist und in den Topf der Gemeinschaft zu greifen. Aber ein paar Länder werden das schon zahlen........... Man kann raten, wer das sein wird.

Gast: pariserschnitzerl
17.06.2012 23:11
1 0

Jetzt können Hollande u. die Sozialisten zeigen, ob sie ihre volksnahe Politik auch nach der Wahl einhalten- Faymann und die SPÖ haben die soziale Glaubwürdigkeit bereits verloren.


577 Sitze!!!

Das ist eine unglaubliche Anzahl an Sitzen in der franz. Nationalversammlung der "Grande Nation"! Ein Wahnsinn, diese Anzahl muss radikal gekürzt werden!

... und das ist gut so.


Gast: globetrotterneu
17.06.2012 21:25
0 1

Die Fpö-Parteisoldaten sehen den Untergang

Also kann es nur positiv für Frankreich sein

Hollande hat seinen Kreisky gut studiert:

Zerscht müß ma die Wahl gwinnen, dann sehn ma weiter.....

Gast: francenoel
17.06.2012 20:44
3 8

Hollande macht Politik für das volk u gewinnt; Faymann(SPÖ) besucht lieber die Bilderberger Geldeliten und holt sich dort seine Sozialabbau-Vorgaben


Antworten Gast: globetrotterneu
18.06.2012 01:37
0 0

Re: Hollande macht Politik für das volk u gewinnt; Faymann(SPÖ) besucht lieber die Bilderberger Geldeliten und holt sich dort seine Sozialabbau-Vorgaben

da gibt es keinen unterschied sie werden sehen sozi bleibt sozi.

Gast: machmuss verschiebnix
17.06.2012 20:43
19 4

Unpackbar, wie kann man über den dekretierten Untergang des eigenen Landes Jubeln ?


Gast: hunter666
17.06.2012 20:32
7 12

Hurra!

Die totale Niederlage für die Konservativen!!

Re: Hurra!

Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien sind im Vormarsch!

Hurra!

Gast: b754
17.06.2012 19:56
4 11

merkel ist endlich entmachtet


Gast: bergziege
17.06.2012 18:40
18 5

Europas karge Zeiten

La grande nation könnte nach diesen Wahlen sehr bald zur petite nation werden und Europa vorerst gemeinsam mit Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien in Bedrängnis bringen. Ganz Europa ist am besten Weg sich von seinem Wohlstand verabschieden zu müssen. Es knarrt unüberhörbar im Gebälk.

Antworten Gast: zuwenig
18.06.2012 00:55
0 0

Re: Europas karge Zeiten

Ich bitte um nähere und genauere Ausführung - nur Polemik ist zu wenig.

Antworten Gast: A.B.C.
17.06.2012 23:29
0 0

Re: Europas karge Zeiten

Ich glaube eher die Länder wie Frankreich, Spanien, etc... werden sich schnell holen was zu holen ist und Deutschland, Österreich, Niederlande, Luxemburg wird mal brav zahlen und dann selbst nur mehr mit Schulden dastehen und Sozialabbau betrieben haben. Hollande weiß schon, warum er Eurobonds will.

Gast: hunter666
17.06.2012 16:38
9 18

gut so


Gast: Ranmahani
17.06.2012 15:51
24 8

Sozialistische Träumereien

Frankreich darf sich bald neben die Tachinierer in Griechenland stellen.


Re: Sozialistische Träumereien

Wie heißt es in einem Absatz darunter:

Gute Nacht, Frankreich!

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Gute Nacht, Frankreich!


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Re: Gute Nacht, Frankreich!

Im Gegenteil: Guten Morgen für eine sozial-gerechte Politik. Aber davon wolken die " Blauen" ja nichts wissen, obwohl sie so tun als ob sie für den "kleinen Mann" da wären.

Re: Re: Gute Nacht, Frankreich!

Die Blauen sind Kaffee-Trinker!

Am liebsten den kleinen Braunen.

Gast: badbanksmacht
17.06.2012 11:46
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FR sozialisten u. hollande auf dem weg zum sieg - aber faymann und die SPÖ sind unbeirrt auf dem weg zur wahlniederlage 2013

hollande und die französischen sozialisten haben die unsozialen pensionsreformen von sarkozy zurückgenommen. wer 41 jahre gearbeitet hat, kann in zukunft wieder mit 60 in pension gehen. und dies ohne abschläge. also- das gilt nur für diejenigen die lange beiträge geleistet haben(41jahre). natürlich regen sich wie immer, auch bei uns nur diejenigen auf, die ein langes studium absolviert haben mit 27 oder noch später angefangen haben zu arbeiten und dann bis 65 arbeiten gehen müssen- das ist ja auch gerecht. denn mit so wenigen versicherungsjahren kann man eben nicht mit 60 in pension gehen - diese regel 41-60 gilt eben nur für die - die eben lange versicherungszeiten haben. und dass die mit 60 gehen können, ist mehr als gerecht.aber faymann und die SPÖ sind von einer sozialen und gerechten pensionsreform für die asvg langzeitversicherten lichtjahre weg. die SPÖ schützt weiter nur die bauern, OenB, ORF,ÖBB oder wiener beamten, die können sogar schon mit 55 gehen. usw.also was für frankreich gut und recht ist, sollte auch für österreich gut u.recht sein- die SPö und faymann werden wohl nach der verlorenen wahl 2013 draufkommen, dass ihre unsoziale politik gegen die asvg arbeitnehmer/asvgpensionen keine lösung für die eu finanz/bankenprobleme ist. die asvg versicherten arbeitnehmer u. asvg pensionen werden von Faymann und der SPÖ nur zu sündenböcken für die banken- u. finanzwirtschaft gemacht. und dafür wird die SPÖ 2013 von den asvg versicherten abgewählt werden.

 
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