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Ägypten: Muslimbrüder erklären sich zum Wahlsieger

18.06.2012 | 11:54 |   (DiePresse.com)

Die Islamisten feiern ihren Sieg bei der Präsidentenstichwahl, obwohl noch keine offiziellen Zahlen vorliegen. Gegenkandidat Shafik will das Ergebnis nicht anerkennen.

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Die Präsidentenstichwahl in Ägypten ging am Sonntag in die Verlängerung. Die Wahllokale blieben bis 22 Uhr statt wie geplant bis 20 Uhr geöffnet, um auch den Wählern die Stimmabgabe zu ermöglichen, die während des Tages wegen hoher Temperaturen den Urnen ferngeblieben waren. Wenige Stunden nach Wahlende hat die Muslimbruderschaft ihren Kandidaten Mohammed Mursi zum Sieger erklärt. Mursi habe aus 12.793 der 13.000 Wahllokale bei mehr als eine Million Stimmen mehr erhalten als sein Konkurrent, der frühere Ministerpräsident Ahmed Shafik. Das teilte die Muslimbruderschaft nach Berichten des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera am frühen Montagmorgen mit.

Demnach soll Mursi mit rund 52,5 Prozent der Stimmen in Führung liegen, Shafik soll 47,5 Prozent erhalten haben. Nach Angaben des Senders kommt er damit auf knapp 7,9 Millionen Stimmen, während für Shafik 7,15 Millionen Wähler gestimmt hätten. "Doktor Mohammed Mursi ist der erste vom Volk gewählte Präsident der Republik", verkündeten die Islamisten über den Kurznachrichtendienst Twitter. Eine offizielle Bestätigung der Zahlen gibt es nicht. Die Wahlkommission will erst Mitte der Woche Ergebnisse bekanntgeben.

"Geiselnahme des Wahlergebnisses"

Das Lager um den früheren Premierminister Shafik bestritt das inoffizielle Ergebnis am Montag vehement. Ein Wahlhelfer zeigte sich über die Siegeserklärung "erstaunt". Es handle sich bei dem Vorstoß um eine Verletzung der Regelungen der Wahlkommission, sagte Mahmoud Baraka. Er sprach von einer "Geiselnahme des Wahlergebnisses". Die Wahlkommission sei das einzige Gremium, das Wahlergebnisse herausgeben dürfe.

Davon unbeeindruckt schlugen Mursi-Anhänger am Montag auf dem Tahrir-Platz die Trommel und sangen Jubelparolen. Im palästinensischen Gazastreifen rief die radikalislamische Bewegung Hamas, die sich aus der Muslimbruderschaft entwickelt hatte, zu Feiern auf öffentlichen Plätzen auf. In Gaza-Stadt versammelten sich Tausende Hamas-Anhänger, um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen.

Präsident für alle Ägypter

Mursi kündigte dem Bericht zufolge vor jubelnden Anhängern die Schaffung eines Rechtsstaates in Ägypten an. Der Minderheit der koptischen Christen versprach er demnach, dass jeder im Land "Teil der Familie" sein werde. Er wolle für einen "zivilen, demokratischen, verfassungsgemäßen und modernen Staat" arbeiten. Er wolle Präsident für alle Ägypter sein. 

Nach Informationen der Wahlkommission verlief der Urnengang am Sonntag weitgehend ordnungsgemäß und friedlich. Unabhängige Beobachter registrierten hingegen zahlreiche Verstöße gegen die Wahlordnung durch Mursis Wahlhelfer.

Ägypten: Zwischen Islamisten und ''Mubarak-Überbleibsel''

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Militärrat klammert sich an Macht

Die Wahl fand allerdings in einer turbulenten politischen Situation statt. Der neue Präsident wird sein Amt antreten, ohne dass es eine Verfassung gibt, die seine Aufgaben und seine Rolle im Staat definiert. Außerdem existiert kein Parlament, denn in der Vorwoche annullierte das Verfassungsgericht das Ergebnis der Parlamentswahl und ordnete die Auflösung der Volksvertretung an. In einem während der Stimmenauszählung am Sonntag veröffentlichten Dekret des regierenden Militärrats werden dem neuen Staatsoberhaupt nur eingeschränkte Machtbefugnisse zugestanden. Der Militärrat werde solange die gesetzgeberischen Aufgaben übernehmen, bis ein neues Parlament gewählt sei.

Zudem würden die Militärs ermächtigt, eine Kommission einzusetzen, die einen Verfassungsentwurf erarbeiten solle, berichtete das staatliche Fernsehen am Montag. Über die neue Verfassung müsse dann in einem Referendum abgestimmt werden. Binnen eines Monats nach deren Annahme würden Parlamentswahlen stattfinden.

Andere ägyptische Medien berichteten, dass der künftige Präsident außerdem nicht mehr Oberbefehlshaber der Streitkräfte sein solle. So müsse er laut Dekret etwa vor einer Kriegserklärung das Einverständnis des Militärrates einholen.

(Ag./Red.)

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28 Kommentare
 
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richtig so, eigentlich.

das ist natürlich alles andere als demokratisch, was der militärrat veranstaltet. aber verglichen mit der alternative, dem gewählten(!) radikal-islam, ist ersteres noch alle mal besser. zumindest aus meiner entfernten sicht.

Gast: Hanibal L.
19.06.2012 06:59
5 3

glueck fuer uns , glueck fuer die region, glueck fuer israel

in aegypten ist das militaer die beste loesung

Militä vs. Salafisten

Nüchtern betrachtet hat es für mich den Anschein, dass das ägyptische Militär keine Islambruderschaft will und den islamischen, radikalen Fundamentalismus verhindern will. Für mich ist das in Ordnung, schaue ich mir die Verhältnisse östlich des Mittelmeeres bis zur asiatischen Grenze an.

Re: Militä vs. Salafisten

Ich finds auch besser so - die Islambrüder wollen ein zweites Teheran in Ägypten.

Gast: EFF EFF
19.06.2012 01:23
2 2

Demokratie unter Aufsicht

Vermutlich haben die USA mit dem Argument der Militärhilfe ihren Einfluss geltend gemacht.
Geld, Geld, Geld - nichts geht mehr über Nummern auf dem Computerbildschirm.

Um Syrien ist's still geworden

... nur mal so am Rande

Gast: keterum kenseo
18.06.2012 23:20
1 3

rd. 5000 Jahre Kultur

geben Hoffnung, dass sich Aegypten nicht der primitiven Eroberungspolitik eines Räuberhäuptlings aus dem 7. nachchristl. Jhdt. unterwirft, sondern einen eigenen (friedlichen)Weg im Umgang mit seinem Nachbarn und seiner Bevölkerung findet.

Militär versaut wieder mal alles.


Das können sie, kaputtmachen. Aber zu sonst nicht zu brauchen.

Da sind die I*lamverharmloser aber ungeduldig.


Gast: loulou
18.06.2012 15:44
5 13

muslimbrueder erklaeren sich zum wahlsieger

Lasst Aegypten doch den Aegyptern und kuemmert euch um eure eigene Politik!!!

Antworten Gast: netter gast
18.06.2012 20:55
4 2

Re: muslimbrueder erklaeren sich zum wahlsieger

Vollkommend richtig .

Die hier anderen Kulturen
mit allen Mitteln ihre eigene (meist sehr beschränkte )
Sicht der Welt aufdrücken wollen .

Aber das hat eine lange , auch sehr blutige
europäische Tradition

Naja...

"So müsse er laut Dekret etwa vor einer Kriegserklärung das Einverständnis des Militärrates einholen."

Das klingt eigentlich ganz vernünftig, angesichts dessen, was sich da in Nahost wieder auftut...

Gast: Ägypter
18.06.2012 14:47
4 17

Ihr habt alle keine Ahnung

Ich bitte euch, wenn ihr keine Ahnung habt von Ägypten, dann BITTE schreibt nicht so viel Schei**. Es ist noch nicht fix, dass Morsi (der Moslem Bruder) Präsident ist, weil das Militär seine Hände noch im Spiel hat. Ich wette, dass die meisten von euch nicht mal wissen wo Ägypten liegt und was für ein schweres Leben die meisten hatten unter der Herrschaft von Mubarak. Wer nicht nach Ägypten reisen will, weil ein Moslem Bruder höchstwahrscheinlich Präsident wird, braucht auch nicht kommen.

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Re: Ihr habt alle keine Ahnung

bzgl. der bildungssituation muss man schon aufpassen. immerhin wird die analphabetenrate in ägypten der unseren durchaus nicht ähneln, beispielsweise. aber gut, davon leben ja die radikalen.

unabhängig davon haben Sie offenbar von unserem land sehr profitiert, also bitte nicht gleich unappetitlich werden.
die meisten hier in dem forum wissen über ägypten wohl mehr als der durchschnittliche ägypter selbst, wage ich zu behaupten.
wie radikale islamisten die bildungssituation (und damit die gesamtsituation) verbessern, ist mir schleierhaft. noch mehr christen vertreiben? noch mehr frauen unterdrücken als dies in vergleichbaren muslimischen ländern der fall ist? da wollen Sie hin? - dann lieber das militär.

Ich bezweifle dass das schwere Leben

Eine Folge der Ära Mubarak war, sondern eher eine Folge der Ägyptischen Lebenskultur - das sage ich aus Erfahrung.
Unter Mubarak jedenfalls stieg der formale Bildungsgrad der Bürger und es war Frieden. Das sollte man nicht vergessen. Wenn die Muslimbrüder dieses Land übernehmen, wird geistige Enge und Rückschritt herrschen - das erzeugt weder Wohlstand, noch macht es das Leben für die Menschen erträglicher.
Trotz allem - das Elend und die Probleme im gesamten arabischen Raum sind nicht den jeweiligen Machthabern sondern der dort herrschenden Mentalität geschuldet.

Antworten Gast: flieger1961
19.06.2012 07:08
0 1

Re: Ihr habt alle keine Ahnung

Einverstanden, komme nicht.

Sie sind mit Ihrem Asylgesuch aber noch immer willkommen, sobald die politische Entwicklung in Ihrem Land genau den Weg nimmt, den die Pessimisten hier im Forum vorzeichnen.

Antworten Gast: bhdsynjy
18.06.2012 18:10
9 2

Re: Ihr habt alle keine Ahnung

"Ich wette, dass die meisten von euch nicht mal wissen wo Ägypten liegt..."

Man sollte die eigenen Bildungsdefizite nicht auf andere übertragen. Leider wissen viele Ägypter nicht, dass ihr Land in N-Afrika liegt. Zumindest hat jeder Ägypter, der mir bislang begegnet ist, vehement dementiert, ein Afrikaner zu sein bzw. aus Afrika zu stammen...

Antworten Gast: 3465
18.06.2012 17:29
8 0

Re: Ihr habt alle keine Ahnung

Kein Problem damit nicht nach Ägypten zu reisen.

Die Frage ist aber was Ägypten dann macht sollten sich das viele Leute denken.

Wird sicher ein besseres Leben für die Ägypter, in einem Land welches sehr von Tourismus abhängig ist und "keiner" mehr kommt.

Gast: GiordanoBruno
18.06.2012 14:00
11 1

Zweckehe

Für die Muslimbruderschaft ist die Demokratie nur eine Zweckehe die akkurat dann geschieden wird, wenn sie erst einmal an der Macht sind. Solche fragwürdigen Vorstöße wie die inoffizielle Bekanntmachung des eigenen Sieges von Seiten der Bruderschaft, sind ein Symptom dieses Vorgehens!

Und wenn nicht?

Interessant wird es wenn die offizielle Wahlkommission zu einem anderem Ergebnis kommt.

Ob dann die ganzen Brüder, welche sich schon zum Sieger erklärt haben, das Ergebnis akzeptieren halte ich für Zweifelhaft.

Und dann Bürgerkrieg oder Neuwahlen?
Man wird sehen.

19 0

Tja das wars dann!

Gut das ich Ägypten schon bereist habe. Muslimische Länder werde ich wohl in Zukunft mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr bereisen!

Gast: gasti
18.06.2012 12:37
17 0

wahlsieg, juhuuu

free burkas for everyone

Der Westen...

...wird Ghaddafi, Saddam Hussein, Mubarak und Ben Ali noch zurückbeten!
Herzlich willkommen im islamischen Maghreb!

Re: Der Westen...

der arabische frühling wandelt sich offenbar in eine eiszeit der freiheit der frauen und der freien meinungen , aber wie gesag,t es wurde ja von außen so gewollt.

Gast: mir reichts
18.06.2012 09:40
18 0

xxx

muslimbrüder sind genau solche demokratien wie hunde vegetarier.

na wie sehr

haben sich die linken idi ot en gefreut, dass der "arabische frühling" ausgebrochen ist. weil dann finden ja demokratie, freiheit, gleichberechtigung, eierkuchen und religionsfreiheit einzug in dieses land.
weil die bevölkerung will ja im endefekt auch wie ein kleiner sozialistischer europäer sein ! nichts arbeiten, alles reglementieren, und nur die linken haben recht....

jetzt hört man unsere linken nicht mehr.....dafür jubeln sie über frankreich....weil dort wird jetzt alles besser....nichts arbeiten, alles reglementieren,...........

 
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