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Absolute für Frankreichs Sozialisten: "Nichts wird einfach sein"

18.06.2012 | 11:51 |   (DiePresse.com)

Frankreichs Präsident Hollande hat nun freie Hand für seine Reformpolitik. Die Front National ist künftig mit zwei Abgeordneten in der Nationalversammlung vertreten.

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Der neue französische Präsident Francois Hollande wird künftig als erster sozialistischer Staatschef mit Mehrheiten in beiden Kammern des Parlaments regieren können. Er hat nun freie Hand für seine Reformpolitik. Sechs Wochen nach seiner Wahl ging seine Parti Socialiste (PS) am Sonntag auch als große Siegerin aus dem zweiten Durchgang der Wahlen zur Nationalversammlung hervor. Laut dem offiziellen Ergebnis, das in der Nacht auf Montag vom Innenministerium in Paris veröffentlicht wurde, errangen die PS und ihre engen Verbündeten 314 der insgesamt 577 Sitze im Parlament. Im Senat, der zweiten Parlamentskammer, stellt die französische Linke bereits seit dem Vorjahr die Mehrheit.

Die konservative UMP (Union für eine Volksbewegung) und ihre Verbündeten, die bei der Parlamentswahl 2007 noch über 300 Sitze errungen hatten, stellen künftig nur noch 229 Abgeordnete. Einen Erfolg erzielte die rechtsextreme Front National (FN): Sie entsendet zwei Abgeordnete in die Nationalversammlung.

Am Montagvormittag folgte der nächste Schritt: Entsprechend der Tradition hat die französische Regierung ihren Rücktritt eingereicht und Hollande Premierminister Jean-Marc Ayrault umgehend mit der Bildung einer neuen Regierung betraut. Es wird erwartet, dass die neue Mannschaft auch der alten entspricht. Möglicherweise gibt es kleinere Veränderungen, die voraussichtlich am Donnerstag bekanntgegeben werden.

Auftrag zum Bruch mit konservativer Politik

PS-Parteichefin Martine Aubry interpretierte den Wahlsieg am Abend als klaren Auftrag zum Bruch mit der Politik des konservativen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy. Premierminister Jean-Marc Ayrault warnte dagegen: "Nichts wird einfach sein." Die Arbeitslosenquote in Frankreich stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit Ende der 90er Jahre. Das Haushaltsdefizit lag 2011 über dem EU-Grenzwert von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Ein Wermutstropfen für die PS bei der Parlaments-Stichwahl war die Niederlage der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin und Spitzenpolitikerin Segolene Royal, Hollandes frühere Lebensgefährtin. Die 58-Jährige verlor in ihrem Wahlkreis gegen Partei-Dissident Olivier Falorni. Dieser war zum Entsetzen vieler Genossen ausgerechnet von Hollandes jetziger Lebensgefährtin Valerie Trierweiler öffentlich unterstützt worden. Royal nannte ihren Gegenkandidaten einen "Mann der Rechten" und sprach von "politischem Verrat". Auch ihr langjähriger Weggefährte und Ex-Kulturminister Jack Lang verlor sein Mandat.

Le Pen die jüngste Parlamentarierin

Die Union für eine Volksbewegung (UMP) stürzte erdrutschartig ab und wechselt erstmals seit 2002 wieder auf die Oppositionsbank. Der Zentrumspolitiker Francois Bayrou steht vor dem Aus. Die rechtsextreme Front National (FN) wird dagegen erstmals seit 1998 wieder im Parlament vertreten sein. Trotz eines zweistelligen Prozentergebnisses auf Landesebene lag sie am späten Abend aber nur bei zwei Abgeordneten. Hintergrund ist das Mehrheitswahlrecht in Frankreich, das kleine Parteien ohne Bündnispartner stark benachteiligt.

FN-Parteichefin Marine Le Pen musste eine knappe Niederlage einstecken. Sie verlor in ihrem Wahlkreis gegen den sozialistischen Gegenkandidaten. Ihre 22 Jahre alte Nichte Marion Marechal-Le Pen wird dagegen Frankreichs jüngste Parlamentarierin. Marine Le Pen würdigt den Einzug der FN in die Nationalversammlung als Erfolg. Zweiter FN-Abgeordneter wird Staranwalt Gilbert Collard, der umstrittene Prominente - unter anderem den Auschwitz-Leugner Bernard Notin - verteidigte.

Das extrem linke Wahlbündnis Front de Gauche um Jean-Luc Melenchon konnte mit dem Ergebnis hingegen nicht zufrieden sein. Es hätte sich Fraktionsstärke mit 15 Sitzen erhofft, wurde aber in Hochrechnungen nur bei zehn Mandaten gesehen.

Reform gegen die Wahlmüdigkeit

Hollande hat bereits eine Reform des Wahlrechts angekündigt, das für die große Wahlmüdigkeit mit verantwortlich gemacht wird. Die Beteiligung lag Hochrechnungen zufolge bei 56 Prozent und damit etwa 24 Prozentpunkte unter dem Wert der Präsidentenwahl am 6. Mai.

Österreichs SP-Bundeskanzler Werner Faymann zeigte sich am Montag in einer Aussendung erfreut über den "großartigen Erfolg" der Sozialisten. Das Ergebnis sei eine Bestätigung der Politik von Hollande und dessen Premierministers Jean-Marc Ayrault. FP-Obmann Heinz-Christian Strache gratulierte indes der rechtsextremen FN zu ihrem Einzug in die Nationalversammlung. Der Erfolg habe einmal mehr den europäischen Trend hin zu "patriotischen Parteien" bewiesen.

(Ag./Red.)

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45 Kommentare
 
12
Gast: Almdudeltrenker
18.06.2012 22:25
2 1

Hollande geht nach Triumph nüchtern zu Tagesordnung über

War leicht vorher "siegestrunken", besoffen sozusagen?

Gast: L.W.
18.06.2012 18:45
4 2

freie Hand für seine Reformpolitik

Seine erste Großtat besteht schon einmal darin, 120 Mrd. fremdes Geld einzufordern.

Mir solls recht sein. Umso schneller geht dieses Irrsinnsprojeklt EU den Bach runter.

Nur mehr eine Zeitfrage, bis der große Knall kommt.

Gast: Hardliner 1
18.06.2012 18:20
2 2

Demokratisch?

Demokratisches Wahlsystem? Wohl kaum! Die Front National erzielte 13,6 Prozent und erhält dafür gerade mal zwei von 577 Sitzen in der Nationalversammlung. So kann man als große Partei leicht auf eine absolute Mehrheit kommen.

Gast: Freytag V
18.06.2012 18:05
0 1

Die Türkei kann jubeln

Hollande wird den EU Beitritt der Türkei, der von vielen Ländern abgelehnt wird, wieder vorantreiben.

Hoffentlich sind sich die Sozialisten auch der Folgen bewusst.

Hope the best

prepared for the worst!!!

2 0

Die Überschrift hat schon der Sinowatz geprägt...


4 3

Die Ähnlichkeit

im Erscheinungsbild, als auch...
mit unserem amtierenden Kanzler...

( das Jenseits verspricht ein himmlisches Dessert nach einer unverträglichen Mahlzeit )

Gast: EFF EFF
18.06.2012 15:26
5 2

Nichts wird einfach sein.

Darauf läuft es dann auch für alle hinaus, auf das große Nichts.

Er hat nun freie Hand für seine Reformpolitik

Zum Schulden machen oder was?

Re: Er hat nun freie Hand für seine Reformpolitik

spätestens in zwei jahren, werden die märkte die franzosen zwicken, und zwar ordentlich!

die einzige lösung für die sozialistischen franzosen, das geld der anderen zu bekommen, AUT, GER, et al!

Re: Re: Er hat nun freie Hand für seine Reformpolitik

Unser Grinser wird Ihm schon etwas leihen!

Antworten Antworten Antworten Gast: bergziege
18.06.2012 19:40
2 0

Re: Re: Re: Er hat nun freie Hand für seine Reformpolitik

So er noch in der Regierung ist.

Re: Re: Re: Re: Er hat nun freie Hand für seine Reformpolitik

:)

na fesch

es beginnt ja schon recht heiter das französische linke neue zeitalter, mit einer handfesten eifersüchtelei der hollande gespielinnen, ex und aktuell, hinter dem vorhang der politischen macht.

"Nichts wird einfach sein"

Diese Banalität reiht sich nahtlos in die legendäre Aussage Herrn Sinovatz ein: "Es ist alles ist sehr kompliziert!"

Gast: adiosch
18.06.2012 13:34
6 2

Das "Friedensprojekt" EU wird weiter Unfrieden stiften, denn wenn die Franzosen das Pensionsalter auf 60 und die Deutschen auf 67 anheben wollen, dann wird das Auswirkung auf die Kosten und damit auf Wirtschaft haben

und Frankreich ins selbst gewählte Abseits führen. Die EU war, ist und bleibt eine Fehlkonstruktion.

Gast: Planungsunsicherheit
18.06.2012 13:28
8 2

Tja

dank "EU" und dank "Rettungsschirmen" sind die roten Umverteiler fein raus. Da wird munter das Geld der Anderen verklappt. Wenn nicht direkt, dann eben über erhöhte Abgaben, neue Steuern, neue Bestimmungen, neue Vorschriften, "Konjunkturpakete", "Nachhaltigkeiten" und Co. Herzlichen Dank. Diese Zone ist schon ein ganz ein großer Coup! Das Erwachen wird kommen, wie immer, aber so gar nicht schön werden. Allerdings tangiert das die Verursacher nur "peripher".

0 1

Re: Tja, in Griechenland

waren es abwechselnd die roten und schwarzen Umverteiler.

Und die Deutschen werden es zahlen

Schönes neues Europa.

Leider haben wir nicht so gute Politiker wie die Engländer, die früh genug erkannt haben dass eine Wirtschaftunion gut ist eine Finanz- und politische aber ein Katastrophe.

Achtung

Im Schatten der Glriechenland Wahl tuermen sich in Frankreich Gewitterwolken auf. Sollte Hollande auch nur einen Teil seines Programms durchbringen, dann kann das sehr teuer werden, fuer Frankreich und fuer die EU. Kein Wunder, wenn eine seiner ersten Forderungen Eurobonds waren. Geld hat er ja nicht um auch nur ansatzweise sein vorgestriges Programm durchzuziehen. Den Finanzier dafuerglaubt er aber schon gefunden zu haben. Melkkuh EU.
Das Problem dabei: Diese Kuh liegt bereits im Koma, was Herrn Praesident noch nicht bewusst zu sein scheint. So ist das eben, wenn man nur nach rueckwaerts blickt und Gegenwart und vor allem die Zukunft negiert.

Gast: WienerGast
18.06.2012 12:25
9 0

Ich ahne böses !

Es hat sich leider viel zu oft bewahrheitet das die meisten Linksregierungen wahre Luxusregierungen sind, d.h. sie stehen für Zuckerln verteilen auf Kosten jeglicher Vernunft und der Zukunft. Ich hoffe ich irre mich in diesem Fall aber ich habe doch eher ein schlechtes Gefühl !

Gast: Gast 2012
18.06.2012 11:58
10 0

arme französiche Sozialisten

sie werden recht schnell aus ihren Träumen erwachen...

Re: arme französiche Sozialisten

glaube ich nicht ...bei dieser Wählerschaft !
(u.a. bei der Präsidentschaftswahl hatte F.H. den Stimmenüberhang den Moslems zu verdanken lt.Analysen)

Antworten Antworten Gast: WienerGast
18.06.2012 19:11
0 0

Re: Re: arme französiche Sozialisten

... und ROT-GRÜN in Wien, und ...

Antworten Antworten Gast: WienerGast
18.06.2012 19:09
0 0

Re: Re: arme französiche Sozialisten

Natürlich, was glauben sie von welcher Wählerschicht ROT-GRÜN in Berlin herkommt !

Gast: wider die vernunft
18.06.2012 11:07
14 1

bravo, die sozialisten leben hoch, hoch, hoch!!!

jetzt hat feigmann endlich einen kongenialen partner auf europ. ebene gefunden u. miterleben können, wie leicht es ist stimmen zu kaufen, indem man zuckerl auf kosten der nachfolgenden generationen verspricht ;-)


 
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