Das UN-Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) hat den Prozess gegen Ratko Mladic für unbestimmte Zeit unterbrochen. Damit wurde zum zweiten Mal der Beginn des Beweisverfahrens in der Verhandlung gegen den einstigen Militärchef der bosnischen Serben verschoben. Zur Verschiebung am Montag kam es, weil die Ankläger der Verteidigung von Mladic die Beweisunterlagen mit Verspätung zugestellt hätten, teilte das Tribunal mit. Ein neuer Termin für die Fortsetzung des Verfahrens wurde vorerst nicht festgelegt. Der Fortgang ist offen.
Der Prozess gegen Mladic hatte am 16. Mai mit den einleitenden Worten der Ankläger begonnen. Der erste Zeuge der Anklage war ursprünglich für den 26. Mai eingeladen worden. Die Fortsetzung des Prozesses wurde allerdings wegen eines Fehlers der Ankläger bei der Zustellung von Unterlagen an die Verteidigung von Mladic auf den 25. Juni verschoben. Laut früheren Medienberichten sollen mehr als 4.000 Seiten diverser Unterlagen übermittelt werden, in welche die Verteidigung vor der Fortsetzung des Verfahrens Einblick bekommen soll.
Mladic hat sich in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes in Srebrenica und in weiteren sieben bosnischen Gemeinden, der Beschießung von Sarajevo, der Geiselnahme von UNO-Soldaten und weiterer Kriegsverbrechen zu verteidigen. Die "Handschrift von Mladic" sei in allen Verbrechen sichtbar, die seine Truppen an der Zivilbevölkerung in Bosnien verübt hätten, sagte der Ankläger Dermot Groome beim Prozessauftakt. Der Angeklagte war im Mai 2011 in Serbien nach langjähriger Flucht festgenommen worden.
(Ag.)
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