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Ägypten nach Wahl-Chaos am Abgrund

21.06.2012 | 18:13 |  MARTIN GEHLEN (Die Presse)

Machtkampf in Kairo: Die Wahlbehörde will das Ergebnis der ägyptischen Präsidentenwahl nicht veröffentlichen. Die Muslimbrüder wittern Manipulation.

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Kairo. Ägypten hält den Atem an. Gleichsam über Nacht hat sich das Land gewandelt. Überall in Kairo blickt man in ängstliche oder verärgerte Gesichter. „Wir erleben die wichtigsten 48 Stunden unserer Geschichte“, schreibt die staatliche Zeitung „al-Ahram“. Seit die Wahlkommission verlautbarte, die Ergebnisse der Präsidentenwahl würden nicht wie geplant am Donnerstag, sondern erst in einigen Tagen bekannt gegeben, schwirren wilde Gerüchte durch Kairo. Die Kommission brauche mehr Zeit, um die knapp 400 Einwände gegen den Wahlverlauf aus den Lagern der beiden Kandidaten Mohammed Mursi und Ahmed Shafik zu prüfen, hieß es. In Wahrheit aber könnte es darum gehen, mehr Zeit für juristische Manöver hinter den Kulissen zu gewinnen, um Ex-Premier Shafik trotz geringerer Stimmenzahl in den Sattel zu heben.

Generäle sichern ihren Einfluss

Ein Sieg des ehemaligen Mubarak-Mannes Shafik würde Ägypten zunächst einmal schwere innere Turbulenzen bescheren. Gleichzeitig könnte aber der vom Obersten Militärrat betriebene Richtungswechsel nicht mehr rückgängig gemacht werden. In den vergangenen Tagen haben sich die Generäle mit einer Serie von Dekreten die Gesetzgebungskompetenz des zuvor aufgelösten Parlaments, die Hoheit über den Staatshaushalt, die Kontrolle über die Sicherheitskräfte sowie die Kontrolle über die Ausarbeitung der Verfassung verschafft. Damit verlängert sich die Übergangsphase von der Herrschaft der Armee zur Einsetzung einer zivilen Führung auf unbestimmte Zeit, mindestens jedoch bis Ende 2013. Gleichzeitig wurden die Vollmachten des künftigen Präsidenten von vornherein beschnitten.

VIDEO: Steigende Wut nach Wahlchaos in Ägypten

Steigende Wut nach Wahlchaos in Ägypten / Bild: AP

Nach der Präsidentenwahl in Ägypten wächst die Wut. Hunderte Anhänger der Muslimbrüderschaft haben sich auf den Weg zum Tahrir-Platz in Kairo gemacht. Dort geht eine Protestkundgebung gegen den herrschenden Militärrat über die Bühne.

Nach inoffiziellen Ergebnissen in den 27 Verwaltungseinheiten liegt Muslimbruder Mursi mit rund 900.000 Stimmen vor Ex-General Shafik. Doch Shafiks Mitstreiter behaupten, die Muslimbrüder hätten aus der zentralen Druckerei eine Million Wahlzettel beiseitegeschafft, angekreuzt und in die Urnen geschmuggelt. Das Mursi-Lager wiederum will Beweise haben, dass zehntausende Polizisten und Soldaten in Zivil mitgewählt haben, obwohl sie per Gesetz von der Stimmabgabe ausgeschlossen sind. Auffällig jedenfalls ist die in den inoffiziellen Tabellen ausgewiesene relativ hohe Wahlbeteiligung. Bei der ersten Runde vor vier Wochen, als lange Schlangen vor den Wahllokalen warteten, lag sie offiziell bei 43,4 Prozent. Bei der Stichwahl, bei der sich die Menschen nur zögernd einfanden, soll sie nun deutlich über 50 Prozent gelegen sein. Zudem fehlen in den Statistiken die ungültigen Stimmen, obwohl viele Gruppen zu dieser Art des Boykotts aufgerufen haben.

Die Armee jedenfalls habe bereits einen Plan B in der Schublade, berichten ägyptische Medien. Sollte Shafik zum Präsidenten ernannt werden, rechnen die Militärplaner mit einer „Welle schwerer Unruhen“. Alle notwendigen Vorkehrungen würden getroffen, um öffentliche Gebäude und Polizeistationen zu schützen, hieß es. Speziell gesichert werden sollen auch die Kirchen, weil die meisten Kopten aus Angst vor den Islamisten Shafik gewählt haben.

 

Shafik will Ergebnis akzeptieren

Angesichts dieses Nervenkriegs versuchten beide Seiten am Donnerstag, die Lage etwas zu beruhigen. Der abgesetzte Parlamentspräsident der Muslimbruderschaft, Saad al-Katatni, versicherte, man werde im Fall einer Niederlage nicht zu Gewalt greifen und Ägypten nicht in einen Bürgerkrieg wie in Algerien stürzen. Shafik wiederum ließ die ausländische Presse zusammentrommeln, um feierlich zu erklären, er werde das offizielle Ergebnis akzeptieren, „wie auch immer es ausfällt“. Gleichzeitig streuten seine Mitarbeiter jedoch, man sei von den „höchsten Autoritäten des Staates“ informiert worden, dass Shafik gewonnen habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2012)

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17 Kommentare

Was festzuhalten ist

wo sind jetzt die NGOs, AI, wo die Interessengruppen der Menchenrechte. Interessant früher wurde gegen alles gewettert und jetzt?

Es wird bald zugehen wie in Algerien.......

......mit Hunderttausenden Toten !

demografie !

es gibt zuviele ägypter, anders gesagt das bevölkerungswachstum in diesem land ist sehr hoch...zu hoch !

man sollte was "tun", damit in näherer zukunft nicht die gesamte region ins unglück stürzt !

Gast: Imperialist
22.06.2012 08:39
3 0

"Revolution"

Generäle mit ihren Clans dominieren ägyptische Wirtschaft und wollen ihre Profite mit keinem teilen, auch mit ihren Muslimbrüder nicht.

Es war gar keine Revolution, sondern der Sturz eines - nach arabischen Maßstäben gemäßigten - Despoten.

Gast: schlÄchter
22.06.2012 08:29
0 0


Zwei Tatsachen ...

... werden dem Militär die Vorherrschaft sichern: die notwendigen Nahrungsmittelimporte für eine geradezu verbrecherisch wachsende Bevölkerung. Und der durch US-Militärhilfe finanzierte US-Waffenbestand.

Internationaler Strafgerichtshof kann sich vorbereiten


Die Geduld eines Großteils des Volkes wird auf's äußerste angespannt. Führer und Anhänger der Muslimbruderschaft in einem beispiellosen Akt der Provokation vorgeführt. Rechtsbrüche wiederholen sich in Serie. Der Militärrat erweist sich als Meister im Erfinden von Vorwänden und neuen Regeln. Kurzum, der Militärrat inszeniert seine Bühne des kommenden Auftritts. Wo sind die klaren Stimmen aus Europa, die den Generälen sagen, dass die Zellen des Internationalen Strafgerichtshofes auf sie warten?
Wo bleibt die Diplomatie? Korrespondenten können sich schon auf den Weg zum Tahrir-Platz begeben. Oder wollen wir uns wieder nur eine Inszenierung mit Filmschnitten aus Qatar begnügen?

Gast: xxxx
21.06.2012 22:23
5 1

Unglaublich! Der Westen unterwandert und boykottiert die Demokratisierung und Säkularisierung Ägyptens!

Die wollen den Demokraten die Sharia wegnehmen und die Ägypter weiterhin in Dummheit des Militärregimes dahimvegetieren lassen.
Ich finde das absolut indiskutabel und fordere ganz klar alalalalala!

Gast: Hans Pogartl
21.06.2012 22:05
1 0

wenn man eines Tages....

...dieses Desaster verfilmt, dann könnte Jean Reno die "Hauptrolle" des am Bild abgebildeten Rotleibchen übernehmen, wie aus den Gesicht geschnitten..........übrigens Juan Moreno y Herrera Jiménez(Reno) wurde in Casablanca geboren....Marokko und Ägypten sind ja nicht soweit auseinander, vielleicht ein Verwandter!?......ich weiß, das war jetzt genau so wichtig wie der berühmte Reissack,.....aber ich wollte damit auch nur sagen, dass man diese Menschen endlich von der Strasse wegbringen soll/muß......DAUERHAFTES DEMONSTRIEREN KANN AUCH EINE KRANKHEIT WERDEN(da wird man grün davon).....besser wäre, diesen Menschen eine sinnvolle Beschäftigung(vielleicht Schauspielerei) zu geben, als das sie sich dauernd als Demonstranten missbrauchen lassen, geht endlich nach Hause und beginnt ein sinnvolles Leben!
http://www.google.at/imgres?imgurl=http://www.movieactors.com/photos-stars/jean-reno-french59.jpg&imgrefurl=http://www.movieactors.com/actors/jeanreno.htm&usg=__EGlzgyNnGEEx-bdJWT_MoZ6N-fQ=&h=268&w=458&sz=63&hl=de&start=274&zoom=1&tbnid=4dK0wqRST9q_mM:&tbnh=75&tbnw=128&ei=Rn7jT52pNsbPtAbAp_TABg&prev=/images%3Fq%3Djean%2Breno%26start%3D273%26hl%3Dde%26sa%3DN%26gbv%3D2%26tbm%3Disch&itbs=1

... das kommt dabei heraus...

wenn die Teufel und die Satane dieser Welt versuchen, ihre dreckigen Ego-Pläne mit allen Mitteln durchzusetzen .... koste es , was es wolle ..... siehe Libyen .. siehe Syrien ... usw. usw ...

schöne Grüße an die Zitronisten-Zensoristen, die meine Beiträge nicht mehr veröffentlichen ... Aber denkt daran ! Dass ist nicht weiter schlimm, weil IHR KÖNNT DIE WAHRHEIT NICHT EWIG UNTERDRÜCKEN ... ok?

Gast: Martin_S
21.06.2012 19:33
16 3

Hm.. War es nicht doch

unter Mubarek besser?????

15 0

Klar !

Unter Saddham Hussein war es für die Iraker auch besser, Rund 1 Mio. Menschen könnten dort noch leben.
Die Libyer sehnen wohl ebenfalls Gaddafi zurück. Leider gibt es kein Menschenrechtsbüro in London, welches uns über die derzeitigen Rechtsbrüche in diesem Land informiert.


da wirds noch mehrere arabische Frühlinge geben!


Re: da wirds noch mehrere arabische Frühlinge geben!

Ich hab heute Morgen bei Euronews was gehört von Afrikanischer Frühling und heisse Stimmung für Europa.


April, april

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