Bei einem Angriff radikaler Islamisten auf ein bei Ausländern beliebtes Hotel nahe Kabul sind mehr als 20 Menschen getötet worden. Nach Angaben der Nato und der afghanischen Polizei stürmten mehrere bewaffnete Aufständische in der Nacht auf Freitag das Hotel "Spozmai" am Kargha-See. Sie verschanzten sich dort mit Dutzenden von Geiseln. Die Belagerung konnte erst nach zwölfstündigen Kämpfen beendet werden. Dabei seien mindestens 23 Menschen ums Leben gekommen, darunter alle vier Angreifer, sagte Kabuls Polizeichef Ayoub Salangi.
Laut Polizei attackierten die Kämpfer kurz vor Mitternacht das Hotel am Kargha-See, der rund zehn Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt. Mindestens einer der Angreifer habe eine Sprengstoffweste gezündet. Nach der Stürmung des Hotels hätten sich die Kämpfer mit den Gästen des Hotels im Inneren des Gebäudes verschanzt. Zwei Hubschrauber der Nato überflogen das Hotel.
Der "unausgesprochen brutale" Angriff trage die Handschrift des islamistischen Haqqani-Netzwerkes, sagte der Kommandeur der NATO-geführten Truppe in Afghanistan, John Allen. Das Netzwerk, das seine Verstecke in der unzugänglichen Grenzregion zu Pakistan hat, würde immer wieder "unschuldige Afghanen" töten und dadurch die afghanische Souveränität angreifen.
Rechtfertigung: "Wilde Partys" mit Alkohol
Nach Darstellung der afghanischen Regierung konnten etwa acht Stunden nach Beginn des Angriffs bis zu 40 Geiseln in Sicherheit gebracht werden, darunter auch Frauen und Kinder. Nach vier weiteren Stunden war der Angriff dann beendet. Unter den Opfern seien zwölf Zivilisten, drei Wachleute des Hotels und ein Polizist.
Ein Taliban-Sprecher erklärte, in dem Hotel würden ranghohe Mitarbeiter ausländischer Botschaften, ISAF-Vertreter und Mitarbeiter der Kabuler Verwaltungsbehörden "wilde Partys" mit Alkohol und Prostituierten feiern. Deshalb sei der Angriff verübt worden.
Ausflugsziel am Wochenende
Der Kargha-See ist ein beliebtes Ausflugsziel in der Nähe von Kabul. Der See ist umgeben von Hotels, Restaurants und Hochzeitssälen. Das Spozmai-Hotel ist bei Ausländern und der afghanischen Elite angesagt - vor allem jeden Donnerstagabend, zum Beginn des Wochenendes in Afghanistan. In dem Hotel halten sich dann für gewöhnlich viele wohlhabende Familien aus Kabul auf.
Hotels, Regierungsgebäude, Botschaften und Militärstützpunkte in Kabul sind regelmäßig Ziel von stundenlangen Kommando-Angriffen, obwohl die Hauptstadt der am strengsten bewachte Ort des Landes ist. Die Belagerung des Spozmai-Hotels nährte die Befürchtungen, dass die Gewalt mit dem Abzug der internationalen Truppen bis Ende 2014 weiter zunehmen könnte.
(Ag.)
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