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Paraguays Präsident Lugo des Amtes enthoben

23.06.2012 | 09:28 |   (DiePresse.com)

Der frühere Bischof sieht sich als Opfer eines Putsches konservativer Kräfte. Südamerikanische Staatschefs erkennen die Absetzung nicht an. In Paraguay kam es zu heftigen Protesten.

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Paraguays Präsident Fernando Lugo ist am Freitag vom Parlament in Asuncion seines Amtes enthoben worden. Der Linkspolitiker wurde offiziell für Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Landbesetzern verantwortlich gemacht, bei denen in der vergangenen Woche 17 Menschen starben. Lugo akzeptierte die Entscheidung, sprach aber von einem "getarnten Putsch" der konservativen Kräfte in seinem Land.

Der Senat stimmte am Freitag in Asunción für die Absetzung des 61-jährigen katholischen Ex-Bischofs, nachdem sich am Donnerstag bereits das Unterhaus des Parlaments für die Absetzung ausgesprochen hatte.

"Ich unterwerfe mich der Entscheidung des Kongresses", sagte Lugo in einer Erklärung im Präsidentenpalast. Anschließend verließ er das Gebäude in einer Fahrzeugkolonne mit unbekanntem Ziel. Der bisherige Vizepräsident des lateinamerikanischen Landes, Federico Franco, wurde kurz darauf zum Präsidenten vereidigt. Der 49-Jährige legte im Parlament seinen Amtseid ab.

Vorwurf: Schlechte Ausübung des Amtes

Vor der Abstimmung im Senat, bei der 39 von 43 anwesenden Senatoren für die Absetzung des Staatschefs stimmten, hatte Lugo noch vergeblich beim Obersten Gerichtshof Beschwerde gegen das Amtsenthebungsverfahren eingelegt. Lugo wird eine "schlechte Ausübung" seines Amtes im Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz bei Protesten landloser Bauern Mitte Juni vorgeworfen.

Nach der Senats-Abstimmung kam es vor dem Parlamentsgebäude zu Ausschreitungen. Einige Demonstranten warfen Absperrgitter um und griffen Polizisten an. Die Beamten setzten Knüppel, Tränengas und Wasserwerfer ein und trieben die Demonstranten auseinander.

Etwa 5000 Anhänger Lugos hatten sich auf dem Platz vor dem Kongress versammelt, während im Senat die Abstimmung lief. Auch Gegner des Präsidenten versammelten sich, eine Polizeikette trennte beide Lager voneinander. Lugo hatte im Vorfeld die Bevölkerung zur Ruhe aufgerufen und angekündigt.

Staatschefs erkennen Absetzung nicht an

Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner und andere südamerikanische Staatschefs haben die Absetzung als nicht hinnehmbar verurteilt. "Es besteht kein Zweifel, dass es einen Staatsstreich gegeben hat", sage Kirchner am Freitag. "Das ist inakzeptabel."

Zuvor hatten bereits mehrere linksgerichtete südamerikanische Staatschefs die Ereignisse verurteilt. Der ecuadorianische Präsident Rafael Correa und Venezuelas Staatschef Hugo Chavez nannten die Absetzung Lugos durch das Parlament in Asunción "illegitim". Correa sagte, sein Land werde keinen anderen Staatschef als Lugo anerkennen. Ähnlich äußerte sich Chavez. Der bolivianische Präsident Evo Morales sprach von einem "parlamentarischen Putsch" und kündigte ebenfalls an, keinen neuen Präsidenten anzuerkennen.

(Ag.)

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6 Kommentare

Bin schon gespannt, an wie vielen Fronten gleichzeitig die USA Weltpolizei spielen können,

ohne selbst bankrott zu gehen.
Wie viele Leute arbeiten eigentlich bei der CIA? Hat da wer nähere Informationen?

Gast: Thomas Weigand
24.06.2012 05:59
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Ex-Präsident Lugo und seine Linkskoalition

Schon Ihre Überschrift ist falsch. Lugo ist kein konservativer Politiker. er stützte sich auf eine Linkskoalition, die mal gerade 2% der Stimmen erhielt. Nur durch Hilfe der stärksten Fraktion, den Liberalen (40%) kam er an die Macht. Die von Ihnen als stärkste Fraktion genannten Colorados erhielten 27%. Das Regieren (Bereichern) überließ er weitgehend dem Führer der Kommunisten, Soarez. Er beschäftigte sich mehr mit der "Vermehrung " des parag. Volkes mit jungen, teilw. wohl auch sehr sehr jungen Frauen. Seine Unterstützer, die sogen. "Landlosen" sind ein Haufen bewaffneter Revoluzzer unter straffer Führung, denen Niemand im Dunkeln begegnen möchte.
Sie sollten sich besser informieren: Nach der para. Verfassung darf ein Präsident nur EINE Amtszeit (5 Jahre) regieren. Ferner lohnt es sich, mal zu prüfen, wieviele Minister Lugo in seiner 4 jährigen Amtszeit entlassen hat. Damit könnte man 3 Regierungen bilden.
Ein Artikel, der auf Halbwissen und wohl gezielter Desinformation hinausläuft ist eine einzige Verdummung!

Antworten Gast: guaraní
24.06.2012 17:34
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Re: Ex-Präsident Lugo und seine Linkskoalition

Sie kritisieren Textsellen, die überhaupt nicht vorhanden sind! nirgends im Text steht das Wort Linkskoalition, schon gar nicht im Titel. An keiner Textstelle wird behauptet, dass Lugo sich hätte wiederwählen lassen können. Die von Ihnen angesprochene Vermehrung des paraguayischen Volkes datiert aus den Jahren vor Lugos Amtszeit, der Junge, dessen Vaterschaft er kürzlich akzeptierte, ist zehn Jahre alt. Und die Charakterisierung von Lugos Unterstützern als Haufen straff organisierter Revoluzzer ist angesichts der über 40 Prozent bei den vergangenen Wahlen bösartig. Recht haben sie bei den Mehrheitsverhältnissen im Parlament, die Colorados sind tatsächlich zweitstärkste Kraft, fraglos ist gleichwohl ihr schmutziges Spiel bei der Amtsenthebung. Ich persönlich denke, der Autor hätte ruhig auch noch erwähnen können, dass Wiki-Leaks-kabel der US-Botschaft den Colorado-Kandidaten Cartes mit Geldwäsche und Drogenhandel in Verbindung bringen. Und auch das hätte noch gesagt werden dürfen: "Mehr als drei Viertel des urbaren Landes im Westen Paraguays gehören einem Prozent der Bevölkerung"
http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-06/paraguay-lugo-franco.

Gast: Paraguayer 17
23.06.2012 23:39
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Deutsche wissen nix ueber paraguaysche Verfassung

Nach der Paraguayschen Verfassung darf ein President seines Amtes enthoben werden wenn die Mehrheit der Representanten den Politischen Process bewilligen. Danach muss zwei drittel der Senatoren fuer der Absetzung zustimmen. In diesem Fall waren 79 von 80 Representanten und 39 von 45 Senatoren die ihn abgewaehlt haben. Nur weil unsere Verfassung anders ist als eure muesst ihr nicht gleich Putsch schreiben.

Gast: in-Py-Lebende
23.06.2012 20:12
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Der Wille des Volkes

wurde hier gestern völlig ignoriert. Die korrupten Machtstrukturen siegten (vorerst). Aber das Volk läßt sich das nicht so einfach mehr gefallen. Angefangen von tausenden Lugo-Anhängern auf dem Senatsplatz gestern abend über weitere Aktionen, die für die nächsten Tage geplant sind, wehrt sich das Volk gegen die neuerliche Unterdrückung seines Willens. Sehr gut ist dies heute auch in der ABC Color (http://www.abc.com.py/" target="_blank">http://www.abc.com.py/ ) nachzulesen. Bei dem Votum, ob die Aussage Lugos richtig sei, daß die Demokratie massiv beschädigt wurde, antowrteten (bisher) 62,23% mit Ja, und 37,77% mit Nein, wobei zu bedenken ist, daß die Mehrheit der Landbewohner keinen Zugang zum Internet hat. Und dort- auf dem Land- ist die Unterstützung für Lugo am stärksten.
Fuerze Paraguay!

Gast: LugoundTrugobeobachter
23.06.2012 18:07
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Kommunisten koennen nicht verlieren....

Denn nur sie sind "demokratisch". So ist jede Abwahl solcher ein "Putsch".