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Literarische Stimmen der „Ukrainen"

25.07.2012 | 15:50 |  von Jutta Sommerbauer (DiePresse.com)

Zhadan, Andruchowytsch und Kurkow sind die bekanntesten Gegenwartsautoren des Landes, aber längst nicht alle, die auf Deutsch gelesen werden können.

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Wien. Über die Ukraine als „gespaltenes Land" ist viel geschrieben worden. Würde man analog dazu ihre Gegenwartsliteratur zweiteilen wollen, könnte man dies anhand der Person von Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch tun.


Juri Andruchowytsch lebt in der Stadt Iwano-Frankiwsk im Karpatenvorland. Er beschäftigt sich in seinen Romanen und Essays ausführlich mit der kulturellen Topografie der Westukraine, mit ihrer historischen Zugehörigkeit zum Westen und was davon geblieben ist. Serhij Zhadan wiederum ist in der östlichen Industriemetropole Charkiw zu Hause, die in der frühen Sowjetzeit einmal Hauptstadt der Ukraine war. Seine Protagonisten wandern ziellos durch die abgewrackte Industrielandschaft des Ostens. Dass das Sowjetreich in Ruinen liegt, bekümmert seine jugendlichen Helden nicht besonders: Sie sind auf der Suche nach Liebe und nach Dope. Auch wenn diese beiden Schriftsteller tatsächlich zwei sehr gegensätzliche „Ukrainen" in ihrem Werk verarbeiten, so sehr ist diese Sichtweise auf ihre Literatur doch verkürzt. Andruchowytsch und Zhadan sind in unterschiedlichen sozialen Geografien zu Hause, doch sie eint auch viel: Beide Autoren schreiben auf Ukrainisch, beide sind sie davon überzeugt, dass ihr Land sich noch nicht dort befindet, wo es sein sollte. Und schließlich sind beide Fußballfans, was in Zhadans unlängst herausgegebenem Buch „Totalniy Futbol" (Suhrkamp 2012) ausgiebig bezeugt wird.

Postsowjetische Politiksatiren

Jenseits der beiden Vielübersetzten gibt es eine ganze Reihe anderer Autoren, die auch auf Deutsch gelesen werden können. Sie kommen aus Kiew, Odessa, Ternopil, Lemberg, und das Thema des emotional und sprachlich „geteilten Landes" stellt für sie nur bedingt Bezugspunkte dar. Es sind eigenwillige Stimmen darunter, wie etwa Oksana Sabuschko, die mit ihren „Feldstudien über ukrainischen Sex" (Droschl 2006) im deutschen Sprachraum bekannt wurde und unlängst eine Essaysammlung mit dem schönen Titel „Planet Wehmut" (Droschl 2012) veröffentlicht hat. Nicht zu vergessen auch der kommerziell sehr erfolgreiche Andrej Kurkow, der in seinen Büchern genüsslich die postsowjetische Ära und Politik auf die Schippe nimmt. Ljubko Deresch ist wiederum ein junger Autor, dessen Romane auch ganz woanders spielen könnten. Tanja Maljartschuk und die in Mainz lebende Marjana Gaponenko haben beide ihre Erstlinge auf Deutsch bei Residenz veröffentlicht.
Gaponenkos zweiter Roman „Wer ist Martha?" wird in Kürze erscheinen, diesmal bei Suhrkamp. Wien, die imperiale Hauptstadt des einstigen Kronlandes Galizien, ist übrigens Ort der Handlung.

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