Katastrophenhilfe: Ein Randthema entscheidet

10.01.2013 | 17:28 |  Von Martin Fritzl und Iris Bonavida (Die Presse)

12.000 Soldaten waren beim Jahrhunderthochwasser 2002 im Einsatz. In anderen Jahren spielt das Thema aber nur eine untergeordnete Rolle. Jedoch: Schafft das Berufsheer auch Katastrophen wie jene des Jahres 2002?

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Wien. Warum lieben die Österreicher ihr Bundesheer? Nicht, weil sie sich vor militärischen Bedrohungen beschützt fühlen, sondern weil die Soldaten – und da vor allem die Grundwehrdiener – in der Vergangenheit immer wieder bei Katastrophen im Einsatz standen. Ein Randthema der militärischen Sicherheit könnte so zu einem entscheidenden Faktor für den Ausgang der Volksbefragung am 20. Jänner werden. Kein Wunder also, dass die ÖVP ihren Umweltminister, Nikolaus Berlakovich, am Donnerstag in die Schlacht schickte, um vor einer Abschaffung der Wehrpflicht zu warnen. Diese sei im Fall von Naturkatastrophen unverzichtbar, so der Minister. Doch die Frage, wie wichtig das Bundesheer im Katastropheneinsatz ist, ist durchaus umstritten. Zuständig bei Naturkatastrophen sind zunächst einmal die Feuerwehren. Erst wenn diese von den Aufgaben überfordert sind, fordern die Länder das Heer für Assistenzleistungen an. Das passiert vor allem dann, wenn die Einsätze länger dauern: Die Freiwilligen Feuerwehren sind rasch und mit hohem Einsatz zur Stelle – können den aber nicht lange durchhalten. Spätestens nach drei Tagen müssen die freiwilligen Helfer wieder an ihre Arbeitsplätze zurück, dann übernimmt das Heer.

12.000 Soldaten sollen für den Katastrophenschutz zur Verfügung stehen. Das ist allerdings ein Notfallszenario, das recht selten eintritt: Erst ein einziges Mal, beim Donauhochwasser im August 2012, war ein derartiger Aufwand überhaupt notwendig. Im Normalfall spielt die Katastrophenhilfe eine deutlich geringere Rolle. In den vergangenen fünf Jahren waren 400 bis 2900 Rekruten pro Jahr im Katastropheneinsatz – das waren zwischen 1,8 und 13,2 Prozent der eingezogenen Grundwehrdiener.

Entacher äußert Zweifel

Ein Ausmaß, das ein Berufsheer mit 7000 Zeitsoldaten durchaus auch zustande bringen sollte. Umstritten sind zwei andere Fragen: Stehen in einer Übergangsphase genügend Pionierkapazitäten zur Verfügung? Und: Schafft das Berufsheer auch Mega-Katastrophen wie jene des Jahres 2002? Laut Planungen des Verteidigungsministeriums wird das Berufsheer 2400 Pioniere einsetzen können. Zweifel daran äußert Generalstabschef Edmund Entacher: Derzeit würden hauptsächlich Grundwehrdiener eingesetzt, neue Pionierkapazitäten müssten erst aufgebaut werden. Für eine Übergangszeit von mindestens fünf Jahren würden die Pioniere dadurch die Fähigkeiten für bestimmte Einsätze verlieren. Das Ministerium kontert mit der „Profimiliz“: 5000 Milizsoldaten – sie bekommen eine Prämie von 5000 Euro pro Jahr – sollen sofort zur Verfügung stehen.

Skeptisch ist Entacher übrigens auch, ob ein Profiheer in dem Bereich professioneller ist als die derzeitige Wehrpflichtigenarmee: „Wenn ich jetzt einen Zimmermann bei den Pionieren habe, dann ist das ein Profi. Wen ich bei einem Berufsheer bekomme, weiß ich noch nicht.“

Auch was die Mannstärken bei einem neuerlichen Jahrhunderthochwasser betrifft, gehen die Meinungen auseinander. Wehrpflicht-Befürworter sehen das Berufsheer in so einem Fall überfordert. Minister Darabos dagegen glaubt, 13.700 Hilfskräfte im Notfall sofort aufbieten zu können. Das sind sämtliche Soldaten mit Ausnahme jener, die im Auslandseinsatz oder bei der Luftraumüberwachung sind – also auch jene, die derzeit einen Bürojob haben. Berufsheerkritiker bezweifeln das: Maximal 4000 der derzeitigen Soldaten seien überhaupt einsatztauglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2013)

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10 Kommentare

Ausbildung zum österr. Beamten

Beim Bundesheer wird man zum perfekten Beamten ausgebildet (vielleicht ist deshalb die ÖVP plötzlich dafür):

a) richtiges Ansprechen mit dem Richtigen Titel / akad. Grad

b) Dienstplan, Essenszeiten, Dienstschluss etc. genau einhalten

c) sinnlose Bürokratie ohne Ende (jeder "Kanzleischreiber" weiß es)

d) lernen, wie man einen 8 Stunden Tag mit Aufgaben für 1 h mit Nichtstun so ausfüllt, dass man nach 1 Woche noch immer bei Verstand ist

e) Benützung von Veraltetem Gerät durch chronischen Geldmangel

"Rechengenies" der "Wirtschaftspartei" ÖVP (sic)

Bei der gesamten Debatte werden die wahren Kosten des Grundwehr- bzw. Zivildienerst vollkommen ausgeklammert! Die Kosten bestehen nämlich nicht nur ein einem "Sklavensold" sondern aus:

a) Vergütung (Bezahlung kann man das nicht Nennen)

b) Essen / Verpflegsgeld Fahrtkosten

c) Entgangene Einkommenssteuer-Einnahmen (für bis zu 1 Jahr)

d) entgangene Sozialversicherungsbeiträge (für bis zu 1 Jahr)

e) Personalkosten für die Einschulungen bzw. alle folgeprobleme, die aus nicht vorhandener Motivation rühren

f) Vernichtung von Arbeitsplätzen durch Zivildiener (und Auszahlung von Arbeitslosengeld)

g) Lohn- und Sozialdumping in der Gesundheitsbranche und dadurch geringere Kaufkraft und Konsumausgaben (MWST) etc.

Würde man ehrlich die Volkswirtschaftlichen Kosten von Wehrpflicht und Zivildienst darstellen, käme man wohl schnell zum Ergebnis, dass eine Berufsarmee und höhere Löähne im Geundheitsbereich bzw. bezahlte Pfegearbeit volkswirtschaft am Besten wäre.

und Außerdem zum Schluss, dass was andere Industrienationen vormachenn auch für Österreich eine bessere Lösung sein könnte.

Gleichberechtigung heißt Wehrpflicht für Frauen

Das Argument der Wehrpflicht nur für Männer kommt von folgendender Denkweise:

a) Männer (die Starken) kämpfen, verteidigen Heim und Land
b) Frauen (die Schwachen) bekommen Kinder und versorgen Heim, Mann und Kind

Aus dieser Denkweise kommt auch die Argumentation Frauen an der Herd <--> Männer in die Fabrik, Frauen haben kein Wahlrecht (der starke Mann wählt ja für die Frau mit)

--
Wenn die Argumentation für eine Wehrpflicht nunmehr lautet, "das tut den Burschen gut", "die leute sollen was für ihr Land tun", wir brauchen Menschen für die Pflege und den Katastrophenschutz, dann muss es - wenn eine Wehrpflicht zwingend notwendig erscheint - eine Wehrpflicht für ALLE geben!

GLEICHE RECHTE bedeutet GLEICHE PFLICHTEN!

Der Verschwender

2002 waren rund 11.500 SoldatInnen im Einsatz beim Jahrhunderthochwasser.
Seither wurden und werden über 600 Mio. Euro für Hochwasserschutzmaßnahmen allein in NÖ verbaut.
Das nächste Jahrhunderthochwasser kommt statistisch gesehen irgendwann zwischen 2012 und 2102.
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht ...
Die Auswirkungen und Schäden werden jedenfalls deutlich geringer sein (siehe Hochwasserschutzmaßnahmen um hunderte Millionen Euro)!
Und dafür will Herr Entacher Jahr für Jahr gut 20.000 Grundwehrdiener Sandsäcke Schaufeln üben lassen !
????????

50% der personalstärke

Beim hochwasser 2002 waren berufssoldaten.

Das BMLV wird es wohl am besten wissen - und berichtet genau das Gegenteil:

"Seit 8. August 2002 leistete das Österreichische Bundesheer insgesamt mehr als 105.000 Manntage Katastropheneinsatz. Zu Spitzenzeiten halfen mehr als 11.000 Soldaten. Zwei Drittel der Männer und Frauen waren Grundwehrdiener."
http://www.bundesheer.gv.at/archiv/a2002/hw_01/artikel.php?id=202

Das BMLV wird es wohl am besten wissen - und schreibt genau das Gegenteil:

"Seit 8. August 2002 leistete das Österreichische Bundesheer insgesamt mehr als 105.000 Manntage Katastropheneinsatz. Zu Spitzenzeiten halfen mehr als 11.000 Soldaten. Zwei Drittel der Männer und Frauen waren Grundwehrdiener."
http://www.bundesheer.gv.at/archiv/a2002/hw_01/artikel.php?id=202

Katastrophenhilfe braucht kein Militär

Wenn es nur um Katastrophenhilfe geht, benötigt man sicherlich kein Bundesheer.
In Deutschland gibt es das Technische Hilfswerk in Italien gibt es den Zivilschutz "Protezione Civile" ... beides sind Organsiationen, die sich dem Katastrophenschutz widmen und professionel Hilfe leisten können.
Ein Bundesheer ist dafür nicht oder nur schlecht geeignet.
Katastrophenhelfer brauchen keinen Ausbildung an der Waffe oder für den Kampf, Soldaten müssen sehr gut ausgebildet, besonders in der heutigen Zeit (Computer, Englisch, Französisch und die militärischen Kernfähigkeiten).

Für Soldaten ist eine 6-monatige Ausbildung genauso ungeignet, wie Soldaten für professionelle Katastrophenhilfe a la Feuerwehr.

In Österreich sollte man einmal über den Zaun blicken, die Verantwortlichen Enstcheidungsträger sollten Fremdsprachen lernen und sich informieren wie andere Staaten die Aufgaben lösen.

6-Monate Wehrpflicht ist verschleudertes Steuergeld. Nach 6 Monaten sind unsere Wehrpflichtigen weder Soldaten noch gut ausgebildet. Wären unsere Wehrpflichtigen gut ausgebildet, würde dies bedeuten, dass noch nocht mehr Steuergeld verschwendet wurde.
Welche Firma ist so dumm und bildet Leute aus, damit sie nach 6 Monate neuerdings neue Leute ausbildet um wieder keine Nutzen daraus ziehen zu können.

50% der grundwehrdiener sind maturanten

Die wissen nicht einmal wo bei einem sandsack oben ist, geschweige denn wie man eine schaufel bedient.

Katats


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