Koalitions-Streit: Sozialjahr teurer als Zivildienst?

11.01.2013 | 12:45 |   (DiePresse.com)

Innenministerin Mikl-Leitner präsentiert eine Studie, wonach das freiwillige Sozialjahr das Doppelte des Zivildienstes kosten würde. Die SPÖ widerspricht der Berechnung.

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VP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner hat am Freitag erneut für die Beibehaltung des Zivildienstes geworben. Laut einer von ihr beauftragten Expertise der Uni Wien würde das von der SPÖ geforderte freiwillige Sozialjahr fast das Doppelte kosten wie der Zivildienst.

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Die Berechnungen von Arbeitsrechtler Wolfgang Mazal und seinem Uni-Kollegen Andreas Baierl basieren laut eigenen Angaben auf den Unterlagen des SP-geführten Sozialministeriums. Dort gehe man von 211 Millionen Euro für das freiwillige Sozialjahr und 208 Millionen für den Zivildienst aus, erklärte Baierl. Die Berechnungen in der Expertise weisen hingegen - bei gleichbleibender Leistung - direkte und indirekte Kosten von 330 Mio. Euro für das Sozialjahr und 172 Mio. für den Zivildienst aus.

Der Grund: Laut Mazal und Baierl rechnete das Sozialministerium mit einer falschen Basis und berücksichtigte einiges nicht. So seien etwa die Zivildienerzahlen, die für den gesamten Kostenvergleich und die Berechnung der indirekten Kosten herangezogen wurden, zu hoch. Das Sozialministerium gehe für das freiwillige Sozialjahr von 8000 Teilnehmern und beim Zivildienst von 9600 "Jahresäquivalenten" aus, obwohl der Schwerpunkt beim Sozialjahr auf dem Gesundheits- und Sozialbereich liege und damit der derzeitige Aufgabenbereich des Zivildienstes eingeschränkt würde. Man müsste von jeweils 8000 ausgehen, erläuterte Baierl.

Die Frage, ob das Sozialressort absichtlich falsch gerechnet habe oder es sich um mangelnde Kompetenz handle, wollte die Ministerin nicht beantworten. Ihr gehe es mit der "Richtigstellung" um "ehrliche Information" vor der Volksbefragung am 20. Jänner.

Hundstorfer: "Wir rechnen's vor"

SP-Sozialminister Rudolf Hundstorfer wies Mikl-Leitners Darstellung zurück. Er lade all jene, die meinen, er hantiere mit falschen Zahlen, in sein Ministerium ein: "Wir rechnen's vor." Konkret müsse man bei einer realistischen Kosteneinschätzung etwa auch die Bemessungsgrundlage für die Pension mit einberechnen. Die Innenministerin würde hingegen lediglich die in ihrem Budget vorhandenen Kosten berücksichtigen. Bisher hätten ihm noch alle Kritiker "seriöse" Berechnungen attestiert. Hundstorfer bleibt dabei: Das Sozialjahr kostet 211 Mio. Euro und damit in etwa so viel wie derzeit der Zivildienst.

SP-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek lobte das freiwillige Sozialjahr unterdessen als Beitrag für mehr Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen. Das Sozialjahr mit gerechter Entlohnung solle für beide Geschlechter eine attraktive Möglichkeit zur beruflichen Neuorientierung bringen - ebenso wie das Berufsheer.

 

Vehement sprachen sich Heinisch-Hosek und Hundstorfer gegen den "grotesken" Vorschlag Mikl-Leitners aus, der eine Öffnung des Zivildienstes auch für Frauen vorsieht. Heinisch-Hosek plädierte viel eher für eine "angemessene Bezahlung". Man dürfe Menschen nicht als "billige Arbeitskräfte ausnutzen".

 

 

(APA)

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81 Kommentare
 
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Spekulationsverluste vs. Zivi-Kosten

Wochenlang wird hier über Peanuts gestritten, während gleichzeitig in Bund, Ländern, Gemeinden sowie staatsnahen Betrieben und Banken Milliarden verspekuliert werden und im Korruptionssumpf versinken.

Ich empfehle der Politik, mit dem gleichen Elan die Korruptionsbekämpfung und Geldverschwendung anzugehen wie das Thema Zivildienstkosten.

Aber leider ist das ganze Thema eine politische Farce. Hier geht es nicht um das Thema sondern um Wahlkampf.

Re: Spekulationsverluste vs. Zivi-Kosten

Da haben sie schon recht.

Nur sollen die Knallköpfe endlich den Taschenrechner anwerfen und nicht die schwachsinnigen Zahlen irgendwelcher 'Experten' nachbeten.

DAS ist das ärgerliche.

Re: Re: Spekulationsverluste vs. Zivi-Kosten

Um die tatsächlich volkswirtschaftlich sinnvollste Variante zu ermitteln, reicht es bei weitem nicht, irgendwelche Kosten zu ermitteln.

Ich brauche keinen Taschenrechner, um festzustellen, daß die Leistung von tatsächlicher Arbeit volkswirtschaftlich immer güntiger ist als das Absitzen von Zeit.

Re: Re: Re: Spekulationsverluste vs. Zivi-Kosten

Das ist schon klar, nur wollte ich damit aufzeigen welche Nettokosten das mit sich bringt.

Volkswirtschaftliche Rechnung schaut natürlich anders aus.

Allein an SV Beiträgen werden 18 Mio ind die Kassen fließen.

Wohlfahrtsbeitrag

Um die Kosten des Zivildienstes richtig einzuschätzen hilft es, diesen von der Werhrpflicht losgelöst zu betrachten. Wenn man die Kosten und Folgen der Verwerfungen der Arbeitsallokation einbezieht, dann zeigt sich recht deutlich, dass planwirtschaftlich zugeteilte Arbeitsdienste nicht wirtschaftlich sind. Die besten Intentionen guter und fähiger Menschen können großen Schaden anrichten, wenn diese zu den falschen Instrumenten greifen. Planwirtschaft hat immer unabsehbare Kosten, auch dann, wenn man diese vielleicht nicht auf den erste Blick sehen kann und der Grund ehrbar ist.
Zu den volkswirtschaftlichen Kosten: Www.arbeitsdienst.at

Da braucht man keinen Doktor-Titel

Um drauf zu kommen, dass wenn Leute statt ~600-700€ ca. 1400€ verdienen, das Ganze etwas mehr kosten dürfte.

Nicht dass die SPÖ Argumentiert, ja kostet mehr dafür bessere Leistung (oder whatever), nein sie erzählen einfach einen Scheiß. Menschen mit Rückgrat geben wenigstens zu, wenn sie beim Lügen erwischt worden sind, nicht so unsere lieben Politiker...

Re: Da braucht man keinen Doktor-Titel

Nach Ihrer Argumentationslinie wäre ein verpflichtender Arbeitsdienst für alle sozialen Arbeiten am billigsten für den Staat. Das wurde in der DDR bis zum Kolaps des Staates probiert.. was für ein Erfolg!

Seminar von Prof. Dr. Johanna Mikl-Leitner



1. eine Beamten-Null-Lohnrunde ist billig.

2. Kollektivverträge-Null-Lohnrunde ist billiger.

3. Teilzeitbeschäftigte unter KV sind noch billiger.

4. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind noch billiger.

5. ERKENNTNIS Prof. Dr. Mikl-Leitner

UNBEZAHLTE ARBEIT IST AM BILLIGSTEN

Whow --- wie viele Seiten hat die "Studie" ?

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Re: Seminar von Prof. Dr. Johanna Mikl-Leitner

ERGÄNZUNG : Her mit dem Zaster ! ( Gilt nur vor der ÖAAB-Wahl)

Re: Seminar von Prof. Dr. Johanna Mikl-Leitner

Bedenklich ist eher, dass Hundstorfer und Co genau vom Gegenteil ausgehen.

kosten:

. wird beides etwa gleich kosten. beim zivi sind die kosten versteckt in beguenstigungen und ermaessigungen unterschiedlicher art. wird alles quer und subventioniert.sozialbeitraege usw. mit der umstellung auf berufsheer und freiwilliges soziales jahr sollte mehr kostenwahrheit moeglich sein.

Re: kosten:

ein zivi bekommt derzeit 300,- im monat. dazu noch angemessene verpflegung.
das freiwillige sozialjahr wird 1400,- bringen - und das 14x für vermutlich weniger als 11 leistungsmonate (urlaubsanspruch).

da müssten die begünstigungen der zivis schon über 1000,-/monat sein, um diesen unterschied auch nur annähernd zu kompensieren

Re: Re: kosten:

ja. lesen Sie bitte selbst nach. beginnt mit wohnbeihilfe und hört bei GIS auf. sollte der zivi bereits gut im leben stehen wird ihm dies auch bezahlt. und das ist auch richtig so. mit 1300€ haben sie keinen ansruch auf zuwendungen. wenns passt bleiben vll 300 uebrig fuer den taeglichen bedarf...

Re: Re: kosten:

ja. dem ist so. lesen Sie selbst nach.

und?

Wenn wir uns bei der steuerlast, sich das soziale jahr nicht leisten können, dann sollten wir wo anders einsparen oder die alten und krankenpflege einstellen.

kann mir

irgend jemand eine sozialistische berechnung vorlegen, die sich als richtig erwiesen hat ?

Re: kann mir

Egal.
Ist uns arbeit und pflege etwas wert?

Markt der Expertisen....

Wie ich schon oft postet: für jede Expertise gibt's eine Gegenexpertise. Und : wer zahlt besser?

simple rechnung

... es wird nie soviele feiwillige geben wie es errechnet wird... da liegt der rechenfehler meine guten herrschaften!!!!!!!!!!!!!!

Re: simple rechnung

Schon einmal etwas von anrechnung und aufnahmevoraussetzungen für den sozialdienst gehöhrt?!

der Gebrauch des Taschenrechners sagt mir

allein die Nettolöhne kosten bei angenommenen 1200.- nto ca. 134 Mio jährlich.

Re: der Gebrauch des Taschenrechners sagt mir

Genau. Brutto sind das dann in etwa 200 mio.
Genau das was der zivildienst kostet.
Die lohnnebenkosten von weiteren 106% trägt heute schon der staat für die zivildiener.

Re: Re: der Gebrauch des Taschenrechners sagt mir

8000 Sozialdiensleistende mit Monatsnetto 1200.- kosten etwa

268 Mio. jährlich.

Es kann schon sein dass sich der Staat durch Kunstkniffe dor und da was ersparen möchte. Trotzdem fehlt es dann letztendlich in der Rechnung und der Kasse.

"Wir rechnen's vor"

Auf welcher Grundlage? Anwesenheitsliste oder Haftung? ;-)

sozial...

wer wird wenn es soweit kommt sozial Jahre leisten oder zum (berufs)Heer gehen. nur finanziell schwache. nein es muss verpflichtend bleiben. nur so können auch zukünftige Generationen lernen. und wer sagt dass er beim zivi oder heer nix gelernt hat, der versteht den nutzen nicht oder weigert sich dagegen über haupt was zu lernen.

auch wenn dass derzeitige system Fehler hat ist es noch lange nicht falsch.

daher ist es notwendig für die Beibehaltung zu stimmen. uns und unserer Zukunft zu liebe.

einzig der Druck auf die Parteien zur Reform muss geschaffen und gehalten werden.

Re: sozial...

Die Frage ist nicht, ob man was gelehrt hat, sondern ob man ohne Dienstpflicht mehr gelernt hätte. Das Konzept nennt sich Opportunitätskosten.
Weiters stellt sich die Frage, ob es schlecht ist, wenn Menschen mit einem geringen Einkommen einen staatlich subventionierten Einstieg in den sozialen Dienstleistubgssektor bekommen...
Landesverteidigung ist ein Thema, aber einen Wehrersatzdienst, welcher für sich genommen das gleiche Leiden hat wie jede planwirtschaftliche Arbeitseinteilung, als Argument für die Beibehaltung der Wehrpflicht anzuführen ist nicht sinnvoll.

 
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