Rekrutierung: Auf der Suche nach Anti-Rambos

15.01.2013 | 18:20 |  MARTIN FRITZL (Die Presse)

Wer wird in Zukunft Berufssoldat? Berufsheergegner bezweifeln, dass sich ausreichend qualifiziertes Personal finden wird. Verteidigungsminister Norbert Darabos lockt mit Prämien und Berufsausbildung.

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Wien. Wer wird in Zukunft Berufssoldat? Wenn die Grundwehrdiener wegfallen sollten, muss sich das Heer seine Beschäftigten am Arbeitsmarkt holen – und das wird nicht ganz so einfach, wie selbst die Befürworter eines Berufsheers zugeben. Und wie auch an ausländischen Beispielen zu sehen ist: Die USA locken mit einer Krankenversicherung und sozialem Aufstieg, Spanien stellt Zuwanderern eine rasche Einbürgerung in Aussicht, und andere Länder sollen gar in Gefängnissen mit Strafnachlass werben (was aber offiziell bestritten wird).

Und Österreich? Da werden wohl andere Argumente greifen müssen. Schließlich soll das Heer ja nicht aus Rambos und sozialen Randgruppen gebildet werden. Bisher gab es dieses Problem nicht. Interessenten für den Soldatenjob fanden aber auch ein attraktives Angebot vor: Wer zum Heer ging, konnte damit rechnen, einen lebenslangen Job als Beamter zu ergattern. Die wird es weiterhin geben, 8500 an der Zahl. Kern des Profiheers soll aber eine junge Einsatztruppe mit 7000 Mann (und Frau) sein – und die können sich nur auf drei bis maximal neun Jahre verpflichten.

 

84.000 „High Potentials“

Wer so etwas macht? Interessenten gibt es genug, sagt Verteidigungsminister Norbert Darabos. Laut einer Ifes-Umfrage unter den 16- bis 30-Jährigen wären 576.000 Personen prinzipiell interessiert. 84.000 davon haben die Meinungsforscher als „High Potentials“ herausgefiltert – Personen also, die nicht nur interessiert, sondern auch bestens geeignet für den Job wären. Darunter wären 64.000 Männer und 20.000 Frauen – Letztere laut Ifes überdurchschnittlich gut gebildet.

Um in dieser Gruppe erfolgreich anwerben zu können, muss aber auch etwas geboten werden. Der Verteidigungsminister verweist auf attraktive finanzielle Konditionen: Zeitsoldaten sollen ein Einstiegsgehalt von 1450 bis 1800 Euro netto im Monat bekommen, dazu eine Prämie von 7200 Euro im Jahr, wenn man für Auslandseinsätze bereitsteht. Wer tatsächlich ins Ausland geht, kann mit einer wirklich attraktiven Entlohnung rechnen: Für einen Einsatz gibt es dann einen Zuschlag von 1600 bis 2700 Euro netto im Monat.

Ausbildung für die Zeit danach

Auch der Wiedereinstieg ins zivile Erwerbsleben wird gefördert: Bis zu einem Drittel des Verpflichtungszeitraumes kann für eine Ausbildung verwendet werden, das Verteidigungsministerium übernimmt Ausbildungskosten von bis zu 32.000 Euro. Minister Darabos will sich darum bemühen, dass ein Umstieg in andere Ministerien erleichtert wird. Anbieten würde sich vor allem der Polizeidienst – der allerdings eine härtere Aufnahmeprüfung hat als das Militär.

Für die Profimiliz ist auch ein finanzielles Zuckerl vorgesehen: Wer sich verpflichtet, erhält eine jährliche Prämie von 5000 Euro, zusätzlich werden Übungen von zwei bis drei Wochen im Jahr und etwaige Einsätze abgegolten. Ein attraktives Angebot beispielsweise für Studenten, sollte man meinen.

Dass es nicht ganz so leicht sein wird, Freiwillige für ein Berufsheer zu bekommen, zeigt aber das Pilotprojekt, das Darabos vergangenes Jahr gestartet hat: Zwei Milizkompanien mit jeweils 115 Soldaten sollten aufgestellt werden. Es fanden sich aber selbst für dieses Prestigeprojekt nur 177 geeignete Bewerber.


Pro Wehrpflicht

Die Rekrutierung von Zeitsoldaten wird nicht ganz einfach, das zeigen auch internationale Beispiele. Vor allem, wenn man nicht vorrangig soziale Randgruppen ansprechen will. Speziell in Zeiten geringer Arbeitslosigkeit muss viel bezahlt werden, um entsprechend qualifizierte Kandidaten zu bekommen. Bei der Beibehaltung der Wehrpflicht ist dagegen automatisch eine Durchmischung der Truppe mit Angehörigen aus allen Bevölkerungsschichten gegeben.

Pro Berufsheer

Profis gesucht. Wenn die Wehrpflicht abgeschafft wird, stehen die jungen Männer früher dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und tragen zu einem höheren Wirtschaftswachstum bei. Beim Heer dienen dann jene, die sich wirklich dafür interessieren. Davon gibt es genug, wie Studien zeigen: Mehr als eine halbe Million junger Österreicher ist prinzipiell ansprechbar. Attraktive Gehälter und Ausbildungsmöglichkeiten für die Zeit danach sollen genügend potenzielle Soldaten ansprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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77 Kommentare
 
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Fazit

die Politik will eine hohe Beteiligung.

Wir sind gefordert ein klares Zeichen an DIESE Politik zu setzen:

HINGEHEN und UNGÜLTIG stimmen...

Ein Wahnsinn!

Wenn die Netto Gehälter € 1450 - 1800.- und die Prämie €7200.- die zukünftigen Berufsoldaten bekommen, dann bekommen wir NIE genug Berufsoldaten!!

Die Gehälter und die Prämie entsprechen den Gehältern der jetztigen KPE-Soldaten (KPE=KaderPräsenzEinheiten)! ["Profi-Soldaten oder im Bundesheer-Slang AMS-Soldaten]

Seit Jahren versucht das Vundesheer endlich über 80% alle KPE-Soldaten Arbeitsplatze zu besetzten. Die schaffen das einfach NICHT!

Daraus folgere ich, dass Hr Darabos es NIE schaffen wird genug "Profil" für sein Berufsarmee zu bekommen!!

zahlen-daten-fakten

http://berufsheer.diefakten.at/category/zahlen-daten-fakten/
... eine Seite, die sich emotionslos damit beschäftigt.

Ich bin für die allgemeine Wehrpflicht!

Falls sich der arabische Frühling auf unsere schöne Wiener Ringstraße ausbreitet möchte ich unsere Jungs sehen die für Recht und Ordnung sorgen!

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Wie wird dass denn mit Überstunden zb im Wachdienst gehandelt?

Es gibt so viele offene Fragen zum Thema Berufsheer, dass einem nur überbleibt für die Wehrpflicht zu stimmen, sie rennt zwar nicht gut aber wenigstens weiß man, dass sie rennt.

Re: Wie wird dass denn mit Überstunden zb im Wachdienst gehandelt?

Ich denke der Wachdienst wird (großteils) durch eine elektronische Überwachung ersetzt werden. Also keine Wachen mehr, dafür Chipkarte.

Re: Re: Wie wird dass denn mit Überstunden zb im Wachdienst gehandelt?

Militärische Einrichtungen, Waffen usw. mit Chipkarten überwachen?
Was für ein Schwachsinn!

Re: Re: Re: Wie wird dass denn mit Überstunden zb im Wachdienst gehandelt?

Der Wegfall der sogenannten Funktionssoldaten (Grundwehrdiener) soll etwa bei der Kasernenbewachung durch vermehrte elektronische Überwachung ersetzt werden.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/631075/Im-Generalstab-regt-sich-neuer-Widerstand
Können Sie gerne nachlesen.


Re: Re: Re: Re: Wie wird dass denn mit Überstunden zb im Wachdienst gehandelt?

Ist ja auch kein Problem heutzutage, wenn man sich auskennt damit oder die richtigen Leute kennt, die sich auskennen damit.....
Manchmal hat man schon das Gefühl, alle die den Wehrdienst geleistet haben - und das ist die absolute Mehrheit der Kommentatoren hier! - denen hat man nur beigebracht wie man mit dem Sturmgewehr und einem Jausenmesser umgeht.
Technisch alle null Ahnung!

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Re: Re: Re: Re: Re: Wie wird dass denn mit Überstunden zb im Wachdienst gehandelt?

Scharfe Munition nur mit Chip-Karten sichern ist schon grob fahrlässig und sicher nicht zulässig.

Ist es möglich? Klar! Is es gscheit? Gerade wenn man die heutige Technik kenn, nicht unbedingt.

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Wirklich?

Die Presse glaubt unserem "Verteidigungsminister" seine Zahlen tatsächlich? Da muss jemand schon sehr große Ambitionen haben, mit der rone zu konkurrieren...

Re: Wirklich?

"... unserem Verteidigungsminister seine Zahlen..." Willkommen im Böhmerland!

"rechengenies" der sogen. "Wirtschaftspartei" ÖVP

Bei der gesamten Debatte werden die wahren Kosten des Grundwehr- bzw. Zivildienerst vollkommen ausgeklammert! Die Kosten bestehen nämlich nicht nur ein einem "Sklavensold" sondern aus:

a) Vergütung (Bezahlung kann man das nicht Nennen)

b) Essen / Verpflegsgeld Fahrtkosten

c) Entgangene Einkommenssteuer-Einnahmen (für bis zu 1 Jahr)

d) entgangene Sozialversicherungsbeiträge (für bis zu 1 Jahr)

e) Personalkosten für die Einschulungen bzw. alle folgeprobleme, die aus nicht vorhandener Motivation rühren

f) Vernichtung von Arbeitsplätzen durch Zivildiener (und Auszahlung von Arbeitslosengeld)

g) Lohn- und Sozialdumping in der Gesundheitsbranche und dadurch geringere Kaufkraft und Konsumausgaben (MWST) etc.

h) Kosten für Betriebe, weil sie den Arbeitsplatz während des GWD bzw. ZDs erhalten müssen (wie bei Karenz) und trotzdem Personal einschulen müssen

i) Kosten für Familienbetrieb und Bauern, die Arbeitskräfte verlieren

Würde man ehrlich die Volkswirtschaftlichen Kosten von Wehrpflicht und Zivildienst darstellen, käme man wohl schnell zum Ergebnis, dass eine Berufsarmee und höhere Löhne im Gesundheitsbereich bzw. bezahlte Pflegearbeit volkswirtschaft am Besten wäre.

und Außerdem zum Schluss kommen, dass was andere Industrienationen vormachen auch für Österreich eine bessere Lösung sein könnte.


Re: "rechengenies" der sogen. "Wirtschaftspartei" ÖVP

Es geht doch nur darum, dass die Wehrdienstbefürworter Zivildiener brauchen, die quasi nix kosten.
Es geht überhaupt nicht um die Landesverteidigung, darüber wurde bisher nirgendwo ernsthaft diskutiert, weil die Wehrdienstbefürworter damit total überfordert sind, weil man ihnen nur die ewige Neutralität und das Herumballern mit einem Sturmgewehr beigebracht hat. Die leben wirklich alle auf einer "Insel der Seligen". Aber nur einer vermeintlichen. Das begreifen sie auch alle nicht.

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Re: "rechengenies" der sogen. "Wirtschaftspartei" ÖVP

Berufsheer:

a)Reizender Sold und Gehälter für ALLE Positionen

b)Moderne Ausrüstung für 8000 Mann

c)Erhaltungskosten der Ausrüstung

d)Auslands-Friedenskriege in Mali/Iran,usw.

e)Helden-Begräbniskosten + Trauerparade

f)Werbekosten für Anwerbung

g) Kosten für die zivilen Firmen die
Systemerhaltung betreiben werden.
(Putzen/Kehren/Wäsche waschen usw.)

h)Kosten für das bezahlte "freiwillige" Jahr (aka AMS Programm)

i)Kosten für nicht vorhandenen Katastrophenschutz in den nächsten Jahren

Re: Re: "rechengenies" der sogen. "Wirtschaftspartei" ÖVP

ad a) Alle Positionen bedeutet aber insgesamt über tausend weniger als bisher mit Wehrpflicht.
ad b/c )Benötigt eine Wehrpflichtigenarmee keine moderne Ausrüstung? Müsste hier nicht noch wesentlich mehr Ausrüstung angeschafft werden? Sind die Erhaltungskosten bei einer Wehrpflichtigenarmee nicht wesentlich teurer, weil die Rekruten nicht so sorgsam damit umgehen?

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Re: Re: Re: "rechengenies" der sogen. "Wirtschaftspartei" ÖVP

a) Ja nur das ein reizendes Gehalt soviel kostet wie 10 Grundwehrdiener. Und natürlich werden es dann weniger Soldaten sein aber dafür kommen mehr Zivilbeschäftigte für die Systemerhaltung.

b)Schreiber/Köche/Fahrer brauchen aber keine Kevlarhelme oder Nachtsichtgeräte.
Entweder hat man eine Masse an "ok" Ausrüstung oder eine kleine elitäre Truppe mit dem besten, dass zu haben ist.

Berufsheer kann niemals billiger sein, außer es ist 100 Mann groß.


Re: Re: Re: Re: "rechengenies" der sogen. "Wirtschaftspartei" ÖVP

ad a) Nein es soll statt ~9000 nur noch 6500 Zivilbedienstete geben. Da deutlich weniger Personen verwaltet werden müssen.

Ein Berufsheer mit derselben Leistung, wie ein Wehrpflichtigenheer kann, volkswirtschaftlich gesehen durchaus billiger kommen. Der reine Budgetposten Bundesheer wird realistisch gesehen, vorallem da wir budgetär am untersten Limit sind, wahrscheinlich nicht billiger.
Die tatsächlich Kosten wird man ohnehin erst nach ein paar Jahren sehen.
Wenn man die Daten der Länder, die bereits umgestellt haben ansieht, dann sieht man, dass keine nennenswerten Mehrkosten eingetreten sind.

Wehrpflicht für Frauen!

Das Argument der Wehrpflicht nur für Männer kommt von folgendender Denkweise:

a) Männer (die Starken) kämpfen, verteidigen Heim und Land
b) Frauen (die Schwachen) bekommen Kinder und versorgen Heim, Mann und Kind

Aus dieser Denkweise kommt auch die Argumentation Frauen an der Herd <--> Männer in die Fabrik, Frauen haben kein Wahlrecht (der starke Mann wählt ja für die Frau mit)

--
Wenn die Argumentation für eine Wehrpflicht nunmehr lautet, "das tut den Burschen gut", "die leute sollen was für ihr Land tun", wir brauchen Menschen für die Pflege und den Katastrophenschutz, dann muss es - wenn eine Wehrpflicht zwingend notwendig erscheint - eine Wehrpflicht für ALLE geben!

GLEICHE RECHTE bedeutet GLEICHE PFLICHTEN!


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da ist kein Argument zu dämlich, bravo, weiter so


und heute?

Auch heute sind doch die Kader in großer Zahl Berufs- und Zeitsoldaten. Und ja, da ist eine zT ungustiöse Mischung von Rambos und nur physisch (und das nur zeitweise) anwesenden am Werk. Aber wieso hat das die letzten Jarzehnte keinen gekümmert und bedeutete jetzt plötzlich den Untergang?

Berufsheer

Sie haben uns in die EU gelogen, sie werden uns auch das Berufsheer auflügen. Das Volk ist zu deppert.

Re: Berufsheer

Die Volksbefragung ist pro Wehrpflicht ausgegangen und ich löse her meine Ankündiging ein, mich beim Volk zu entschuldigen. Es hat bewiesen, daß es trotz heftigster Kampagnen der linken Medien für ein Berufsheer das Hirn eingeschaltet hat und überlauert hat, was die Groten im Schilde führen. Nämlich die Abschaffung der Österr. Autonomie.

Re: Berufsheer

... und statusquo ist ja ein Teil des Volkes :-)) ...

Re: Re: Berufsheer

Sie glauben dem ORF, Der Krone, der ganzen Kampagne, anstatt selber die Folgen azuwägen. Leider.
Sollte es aber trotz dieser teuren Kampagnen gegen das Berufsheer ausgehen, werde ich mich entschuldigen.

WARUM ?

WARUM ist die Industriellenvereinigung (Veit SORGER) FÜR PREKÄRE Arbeitsverhältnisse (rechtlos, unter Zwang, unterbezahlt).

WARUM kommen Argumente aus der Völkerwanderungszeit ?

WARUM werden die Argumente PRO ZWANG (nicht die Argumentierenden - Unschuldsvermutung) immer DÜMMER ?

WARUM ???

 
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