Junge vermissen Sachinformation und wollen kürzeren Zivildienst

18.01.2013 | 18:35 |   (Die Presse)

Die Bundesjugendvertretung liefert auf Online-Portal www.abstimmungshilfe.at Auskünfte. Beim Wehrersatzdienst gibt es die Befürchtung, dass „Zivis“ nur als „billige Arbeitskräfte“ ausgenützt werden.

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Wien/Ett/Ib. Er singt nicht nur „A Liad für di“, sondern ist auch einer der prominentesten jüngeren Österreicher, der morgen Sonntag – vermutlich anders als die Mehrheit der 6,3 Millionen stimmberechtigten Österreicher – an der Volksbefragung über Wehrpflicht oder Berufsheer teilnehmen will. Der Volksmusiksänger und Chartstürmer Andreas Gabalier macht jedenfalls kein Hehl aus seiner Meinung: Der 28-Jährige wirbt für die Beibehaltung der Wehrpflicht. Er halte sie für sinnvoll, weil diese jungen Männern die Möglichkeit biete, „miteinander auszukommen“.

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Stimmberechtigt sind am Sonntag Mädchen und Burschen, die vor dem 21.Jänner 1997 geboren wurden. Damit sind auch Tausende darunter, für die nicht nur wie für alle Österreicher eine bundesweite Volksbefragung eine Premiere ist, sondern für die es überhaupt das erste Mal ist, dass sie in einem Wahllokal auch ihre Stimme abgeben dürfen. Ein paar von ihnen sind auch von der Entscheidung unmittelbar betroffen – müssen sie im Jahr 2014 noch einrücken?

Umso mehr schmerzt die Bundesjugendvertretung, in der rund 50 Jugendorganisationen unter einem Dach zusammengefasst sind, dass die Republik viel zu wenig objektive Information über die Volksbefragung bietet. Die Bundesjugendvertretung hat deswegen das Portal www.abstimmungshilfe.at online gestellt, das Antworten auf einfache Frage liefert – bis hin zu konkreten Fragestellungen für Sonntag.

 

Hoffnung auf 40 Prozent Beteiligung

„Es gibt von der Regierung nur Wahlkampfgeplänkel, aber keine wirkliche Sachinformation“, beklagt die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Johanna Zauner. Sie hofft, dass zumindest 40 Prozent der Jungen tatsächlich an der Volksbefragung teilnehmen. Das ist sehr optimistisch – zumindest nach den Ergebnissen einer Befragung von Karmasin Motivforschung: Demnach wollen nur 30 Prozent der 16- bis 30-Jährigen an der Volksbefragung sicher teilnehmen. Bei der Altersgruppe ab 50 Jahren hingegen sind es immerhin 43 Prozent. Doch das Schneechaos dürfte eher ältere Menschen zum Zuhausebleiben bewegen als die jüngere Wählerschaft. Bei den jungen Wählern ist ein klarer Trend zu beobachten: 55 Prozent sind für die Einführung eines Berufsheeres, 40 Prozent für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht.

Johanna Zauner wartet jedenfalls für die Zeit nach der Abstimmung mit einer konkreten Forderung auf: Der Zivildienst soll, wenn sich eine Mehrheit gemeinsam mit der Wehrpflicht am Sonntag dafür ausspricht, von derzeit neun Monate auf sechs Monate verkürzt und damit der Dauer des Präsenzdienstes angeglichen werden. Ihre Begründung: Der Zivildienst dürfe nicht als „Bestrafung“ gesehen werden. Außerdem sollten Zivildiener „nicht irgendwie billig Arbeitsplätze füllen“, sie dürften also nicht anstatt regulärer Arbeitskräfte im Sozial- und Pflegebereich eingesetzt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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6 Kommentare

Zivildienst = Die Hölle

Es ist wirklich unglaublich wie Arrogant die Wehr und Zivildienstbefürworter sein können. Niemand scheint auch nur ansatzweise zu wissen wie Zivildienst wirklich aussieht.

Die meisten "Hilfs"organisationen sind keineswegs so selbstlos, wie es sich so mancher vorstellt.

Die wenig wirklich wohltätigen Tätigkeiten sind nichts weiter als Imageplege. (der Organisation und dessen politisch Schwarzen Führung) Man stellt vielleicht einigen behinderten oder alten Menschen einen Raum zur Verfügung und verteilt Spenden, die wirklich wohltätige Menschen (meist aber nur Lebensmittelgeschäfte, die schlicht keine Verwendung für alte Waren haben) hergaben. Auf der anderen Seite verkauft man aber auch Orthopediebedarf, Kinder, Alten und Behindertenbetreung zum doppelten Preis.

Und vor allem nutzt man die Privilegien die man als "Hilfs"organisation erhält schamlos aus.

Als Zivildiener arbeitete ich immer wieder 60 Stunden die Woche für nur 280€ pro Monat (und eine Mahlzeit). Einen freien Tag bekam ich nicht selten erst nach zweiten Wochen. Essen auf Räder auszuliefern war lebensgefährlich. Die alten Leute leben oft am Arsch der Welt. So fährt man völlig erschöpft über schmale Bergwege.
Ich dachte einige Male daran einfach das Steuer loszulassen, aufzugeben...

Die zuständigen Behörden sind auch ziemlich fähig. Sie klopfen der "Hilfs"organisation auf die Finger, so dass sie zwei Wochen warten, bis sie unmenschlichen Behandlung fortfahren.

So wird Gutmütigkeit belohnt ... Aber dass scheint Österreich ja egal zu sein.

Privatisierung des Heeres sowie Ersatzdienst?

In den USA und auch in Deutschland gehen junge Leute oft zum Heer, wenn sie anders keine berufliche Perspektive finden, weil sie dort einigermaßen gut bezahlt werden, als professionelle Söldner.

In einem Vertrag von 1-5 Jahren werden sie ausgebildet und zu Auslandseinsätzen gesendet, wie Söldner.

Im staatlich angebotenen freiwilligen sozialen Jahr werden die Kräfte in sozialen Projekten eingesetzt und unterdurchschnittlich dafür vergütet.
Das Budget ist dennoch begrenzt und nicht alle, die sich dafür entschieden haben, können es absolvieren.

Zivildiener fehlen in kirchlichen Einrichtungen sowie Rettungsdiensten.
Die Mehrarbeit muss von weniger Angestellten geleistet werden- ob die zu Betreuunenden noch angemessen gepflegt werden können, bleibt die große Frage.


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Sachinformationen?

Na, das wäre ja ganz was Neues.

SPÖ = SozialEGOISTISCHE Partei Österreichs


Zivis als Caritas-Sklaven

Ach wo, habe ich ja überhaupt nicht erlebt. Da geht es nur um die gute Sache, und nicht um Profit!

Ironie Ende

Und außerdem sehe ich Rettung und Feuerwehr als Pflichtleistung des Staates, aber da braucht man Ehrenamtliche und Zivlldiener, damit man andernorts die Steuergelder in den Säckeln verschwinden lassen kann.

So stimmen die direkt Betroffenen:

"Bei den jungen Wählern ist ein klarer Trend zu beobachten: 55 Prozent sind für die Einführung eines Berufsheeres."

Dann ist ja alles klar!

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