„Frauen für ein Berufsheer“: Wer hinter der Plattform steckt

18.01.2013 | 18:35 |   (Die Presse)

Auf Plakaten, im Radio und TV warb man um die Frauen. Trotzdem gibt es bei diesen (noch) keine Mehrheit für ein Berufsheer.

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Wien/Ib/Uw. Egal, ob im Radio oder Fernsehen: In den letzten 14 Tagen hörte man es immer wieder: „Sie sagt“, gefolgt von einem Argument für ein Berufsheer – und einem etwas mürrisch klingendem „Wo's recht hot, hot's recht.“ Auch auf gelben Plakaten konnte man lesen: „Der Bub soll seine Zeit nützen, nicht absitzen.“ Doch wer ist „sie“ – und wer steckt eigentlich dahinter?

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„Sie“ soll jene Frau und Mutter repräsentieren, die für ein Berufsheer und gegen die allgemeine Wehrpflicht stimmen wird. Unter anderem, um dem Sohn den Grundwehrdienst zu ersparen oder in der Pflege Profis anstatt unterbezahlter Zivildiener zu haben. Hinter der Kampagne steckt allerdings ein Mann – genauer gesagt Mariusz Jan Demner von der Werbeagentur „Demner, Merlicek und Bergmann“. Im Dezember hatte sich die SPÖ an die Agentur gewandt – mit dem Wunsch, eine Pro-Berufsheer-Kampagne zu entwickeln. „Wir waren aber der festen Meinung, dass jede Parteikampagne die Falsche wäre“, meint Demner. Es sollten nicht nur SPÖ-Sympathisanten angesprochen werden, und man hätte einen „kreativen Ansatz gesucht“ – ebenso ein „Spielfeld, auf dem sonst keiner spielt“. So sei die Plattform „Frauen für ein Berufsheer“ entstanden. „Und wir konnten die SPÖ überzeugen, das zu unterstützen.“, erzählt Demner.

Laut SPÖ-Geschäftsführer Günther Kräuter hat die Partei in die Plattform „Frauen für ein Berufsheer“ und das Pro-Berufsheer-Komitee „Unser Heer“ knapp eine Million Euro investiert. Doch wie ist das mit der Wahlkampfkostenbeschränkung der Parteien vereinbar? Es ist fraglich, inwiefern die Komitees Teil der Rechenschaftslegungspflicht der Parteien sind – es kommt auf das Ausmaß der finanziellen Unterstützung durch die Parteien an, erklärt Parteienfinanzexperte Hubert Sickinger. Eine analoge Anwendung der Wahlkampfkostenbeschränkung auf Volksbefragungen ist gesetzlich nicht vorgesehen.

Aber es gibt auch Unterstützer, die sich ehrenamtlich für die Plattform engagieren: Wirtschaftstrainerin Regina Sitnik etwa. Warum eigentlich? „Ich war besorgt, dass Frauen nicht zur Volksbefragung gehen“, erzählt sie. Viele Österreicherinnen hätten zum Militär keinen oder nur wenig Bezug und würden sich daher an der Meinung der Partner orientieren. „So haben wir uns gefragt – wie sprechen wir Frauen am besten an?“

Laut Sophie Karmasin vom gleichnamigen Forschungsinstitut bleibt die Pro-Berufsheer-Wahlkampagne den Menschen auch tatsächlich im Gedächtnis: 46 Prozent der weiblichen Befragten gaben an, sich die Berufsheer-Kampagne gemerkt zu haben. Bei der Wehrpflicht-Kampagne sagten dies hingegen nur 36 Prozent der befragten Frauen. Allerdings fanden die Frauen, die sich die Wehrpflicht-Kampagne gemerkt hatten, diese insgesamt besser. Das bedeutet: Die Berufsheer-Werbung wurde stärker wahrgenommen, die Wehrpflicht-Kampagne war „einen Tick überzeugender“, so Karmasin.

 

Keine Mehrheit Pro-Berufsheer

Doch das Match um die Stimmen der Wählerinnen ist noch offen: Mitte November war laut Sophie Karmasin die Mehrheit der Frauen noch für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht. Nun hält sich der Anteil der weiblichen Berufsheer-Befürworter mit jenen der Wehrpflicht-Fans die Waage. Allerdings ist die Bereitschaft abzustimmen schwächer ausgeprägt als bei den Männern: 34 Prozent der weiblichen Befragten wollen wählen gehen – bei den Männern sind es 37 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2013)

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22 Kommentare

Schade um das viele Geld!

Alleine die Formulierung, Frauen seien ein „Spielfeld, auf dem sonst keiner spielt“, sagt eigentlich alles darüber aus, wie man(n) über die Frauen denkt!
Und man kann nur hoffen, dass die Frauen sich nicht auf diese primitive Weise instrumentalisieren lassen!
Wenn ich nicht ohnehin für die Wehrpflicht gewesen wäre, spätestens nach diesen Werbespots hätte ich zumindest aus Protest für die Wehrpflicht gestimmt!

Profis anstatt unterbezahlter Zivildiener

Ich bin Zivildiener und ich empfinde so eine Aussage als beleidigung und blödsinn!! Wir Zivis haben eine super Rettungsanitäter Ausbildung und sind mit Sicherheit besser als so mancher Freiwillige, da wir jeden tag ununterbroche fahren!

eine Million Euro

..für die ganze Pro-Heer Propaganda.
Jetzt rechne ich schnell mal aus, wieviel Bedürftige Menschen davon in Österreich ein Jahr lang versorgt werden können

Sie sagt: Norbert, schluck das!

Am Sonntag Abend ;-)))

Re: Sie sagt: Norbert, schluck das!

... Actiheer mildert die Abwehrkräfte!

Re: Re: Sie sagt: Norbert, schluck das!

Oder war das doch "Profiheer milder die Abwehrkräfte"? Ich kenn mich nicht mehr aus...

Sie sagt...

Sie sagt: Der Bub nimmt eh keine Drogen, er hat noch nie gelogen.

Sie sagt: Kein Affront, Frauen und Kinder an die Front.

Sie sagt: Frau im Katastrophenschutz ist der Bürger gröster Nutz.

Sehen Sie? Ich kann auch polemisch sein... ohne dabei Millionen an Steuergelder zu verpfeffern.

Re: Sie sagt...

Ich spare sogar bei den Konsonanten ;-)

Warum

versteckt sich die SPÖ hinter den - Frauen für ein Berfufsheer? Sind dann die österreichischen Frauen Schuld wenn die Abstimmung pro Wehrpflicht ausgeht?

Da sind mir die Bürgermeister lieber die mit ihrem Namen und Amt Werbung machen.

Und für 1 Mio. so eine unsachliche Werbung machen ist typisch ROT

Re: Warum

frauen sind laut diesem artikel sowieso schuld am ergebniss
da ca1.2 mil frauen und 1.1 mil männer hingehen

Re: Warum

Vor allem der Häupl, mit seinen Parteipolitische Halbseiten-Inseraten in den Tageszeitungen. Offiziell von der Stadt Wien; die ja eigentlich nichts damit zu tun hat.

Das ist keine Kampagne, das ist Gehirnwäsche.


Re: Das ist keine Kampagne, das ist Gehirnwäsche.

Wäsche klingt zu sauber...

Wieso dürfen Frauen

über eine Sache die (derzeit) nur die Männer betrifft
auch Abstimmen ????

Re: Wieso dürfen Frauen

Warum? Weil auch Frauen "die Gaudi" mitzahlen müssen. Wer zahlt bestimmt mit, wer nicht zahlt sollte davon ausgeschlossen werden.

Re: Re: Wieso dürfen Frauen

Dazu habe ich die Meinung, dass, wenn sie lieber und gerne zum Milität gehen, sich alle noch nicht in der, z.B. Fremdenlegion, gemeldet haben.
Ich weiss es ist ein weiter Weg dorthin. nach Frankreich; den haben aber schon viele Männer die so geil auf Militär sind gegangen.
Ihr Satz: Wer zahlt... - Sie sind der Meinung man kann die Politik kaufen. Nur der zahlt und schafft an?
Oder so

Re: Re: Re: Wieso dürfen Frauen

Wenn die Herren Österreicher sich zu gut für Wehrpflicht und Berufsheer sind, werden wir letztlich auch eine Fremdenarmee bekommen. Weh dem, der in der nächsten Schuldenkrise ihren Sold nicht bezahlt.

widerlich

die berufsheer Kampagne ist widerlich vertrottelt

Re: widerlich

Pardon, das ist politisch inkorrekt:

Besser ist: "gangliensparend verarbeitet worden".

15

logisch


diese frauen wollen ein berufsheer, weil sie befürchten müssen, aufgrund der ideologisch (selbst)aufgezwungenen gleichberechtigungspsychose auch zu irgendeinem dienst eingezogen zu werden.
und soo gleichberechtigt wollen sie ja auch wieder nicht sein ...

Re: logisch

Ich habe schon vor zehn Jahren gesagt, dass die Forderung nach einer umfassenden, gleichberechtigten Gleichverpflichtung von Mann und Frau zur letztlich Abschaffung der Wehrpflicht führen wird.

Trotzdem bin ich letztlich für Beides,nämlich die umfassende und gleiche Wehrpflicht für Mann und Frau.

Warum Wehrpflicht: Weil sie eine für das Leben junger Menschen wichtige soziale und gruppendynamische Erfahrung darstellt. Ich selbst wäre heute der Obrigkeit und ihren Anordnungen wohl um einiges ergebener, hätte ich nicht gedient.

Und zur Gleichberechtigung: weil das Argument, dass Frauen die Kinder bekommen zwar faktisch -mit Ausnahme einer medienpolemisch forciertern Behauptung- noch nicht unrichtig ist. Fakt ist aber auch, dass wenn Frauen vermehrt ins Berufsleben eintreten (die roten Frauen kritisieren ja die Armut der Frauen aufgrund der vielen Teilzeitbeschäftigungen) und eben ihrer biologisch Fortpflanzungsobliegenheit gerade nicht nachkommen, dies dem Gleichheitsgebot widerspricht, mag es auch im Moment in der ohnedies sonst ausgehöhlten Verfassung noch anders festgehalten sein.

Ein Berufsheer würde meiner Meinung nach letztlich nur dem dienen, der es bezahlt... es ist mit Sicherheit käuflich und dient der Sicherheit der Herrscher, nicht den Beherrschten.

Re: Re: logisch

Vor allem der letzte Absatz ist ein ganz wichtiger Punkt in der Entscheidung, der aber von vielen leider nicht wahrgenommen, weil absichtlich überall verschwiegen wurde!

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