Abfuhr für Darabos: Österreicher stimmen für Wehrpflicht

20.01.2013 | 22:02 |  Maria Kronbichler (DiePresse.com)

Volksbefragung: 60 Prozent haben sich für die von der ÖVP beworbene Beibehaltung von Wehrpflicht samt Zivildienst entschieden - und damit gegen das rote Berufsheer-Modell. Ältere und Männer setzten sich durch. Minister Darabos betont: "Ich bleibe im Amt."

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„Jeder männliche Staatsbürger ist wehrpflichtig." So wird es auch künftig in der Bundesverfassung stehen. Die Österreicher haben bei der Volksbefragung am Sonntag einem Berufsheer eine deutliche Absage erteilt. Laut dem vorläufigem Endergebnis stimmten 60 Prozent für die Beibehaltung von Wehrpflicht und Zivildienst, 40 Prozent für die Einführung eines Berufsheeres und eines freiwilligen Sozialjahres.

Die Beteiligung an der ersten bundesweiten Volksbefragung der Republik war höher als im Vorfeld befürchtet: 49 Prozent der Wahlberechtigten entschieden über die Zukunft des Bundesheeres mit.

Eine SORA-Wählerstromanalyse zeigt: Der ÖVP gelang es am besten, ihre Wähler zu mobilisieren und von ihrer Pro-Wehrpflicht-Linie zu überzeugen. 86 Prozent ihrer Wähler des Jahres 2008 nahmen an der Volksbefragung teil, 80 Prozent davon stimmten für die Wehrpflicht. Von den SPÖ-Wählern gingen hingegen nur 68 Prozent zu den Urnen, und davon entschieden sich nur 63 Prozent für das von der Partei beworbene Berufsheer.

Die Wahltagsbefragung ergab auch, dass sich die Älteren und die Männer bei der Befragung durchgesetzt haben. 16- bis 29-Jährige stimmten zu 63 Prozent für ein Berufsheer. Bei den über 60-Jährigen waren es nur 29 Prozent. Männer waren zu 64 Prozent für die Wehrpflicht, Frauen nur zu 55 Prozent. Wer für die Wehrpflicht stimmte, tat das vor allem, um den Zivildienst zu erhalten. Die Berufsheer-Befürworter sagten in der SORA-Befragung mehrheitlich, dass der Präsenzdienst junge Männer unnötig Zeit koste.

--> Die SORA-Befragungen im Detail

Anders als alle anderen Bundesländer stimmte übrigens Wien ab: Hier waren 54,2 Prozent für ein Berufsheer. Am anderen Ende Österreichs findet sich das Land mit der stärksten Wehrpflicht-Unterstützung: Vorarlberg mit 66,4 Prozent.

--> Alle Ergebnisse der Bezirke und Gemeinden

ÖVP: Wehrpflicht-Reform bis zum Sommer

Das bundesweite Votum für die Wehrpflicht fällt noch deutlicher aus, als es die letzten Umfragen vermuten ließen. Die ÖVP kann sich damit über einen Triumph in der Werbe-Schlacht der Koalitionsparteien um das Bundesheer freuen. Generalsekretär Hannes Rauch lobte das Ergebnis als "Entscheidung für Sicherheit und gegen ein teures Experiment".APA

APA

--> Weitere Reaktionen

Seit Wochen hatte die Volkspartei davor gewarnt, dass ohne Grundwehrdiener die Opfer von Naturkatastrophen leiden und ohne Zivildiener die Rettung zu spät kommen würde. Die Volkspartei will die Wehrpflicht nun reformieren und die Zahl der „Systemerhalter" reduzieren. Ein konkretes Konzept dafür hat sie aber noch nicht vorgelegt. VP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner forderte am Abend der Befragung im Interview mit der "Presse", die Reform müsse bis zum Sommer unter Dach und Fach sein. Den Zivildienst will sie auf freiwilliger Basis für Frauen öffnen. Schon am Montag will Mikl-Leitner Gespräche mit der SPÖ beginnen.

Großer Verlierer der Befragung ist SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos, der wochenlang durch das Land tingelte, um für sein Modell eines Berufsheeres zu werben. Die Partei ließ ihren Minister bis 14 Tage vor der Volksbefragung weitgehend alleine kämpfen. Erst dann warf sich SP-Bundeskanzler Werner Faymann mit in die Werbeschlacht. Auch ihm gelang es aber nicht, seine Partei geschlossen auf Kurs zu bringen. Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller etwa kündigte offen an, für die Wehrpflicht zu stimmen.

Sogar "Krone"-Leser für Wehrpflicht

Auch aus dem eigenen Haus bekam Darabos nicht viel Schützenhilfe - im Gegenteil. Mehrere Führungskräfte im Heer, allen voran Generalstabschef Edmund Entacher, warnten vor höheren Kosten und eingeschränkter Einsatzfähigkeit eines Berufsheeres.

Was ihm an Unterstützung aus dem eigenen Haus fehlte, bekam Darabos vom Boulevard. Vor allem die „Kronen Zeitung", die die Debatte 2010 ausgelöst hatte, trommelte unermüdlich gegen die „absurde" Wehrpflicht. Das Ergebnis der Volksbefragung ist auch ein Beweis dafür, dass die Kampagnenfähigkeit der Zeitung nicht mehr das ist, was sie einmal war. Eine Nachwahlbefragung von Hajek Public Opinion ergab, dass auch die „Krone"-Leser mehrheitlich (zu 65 Prozent) für die Beibehaltung der Wehrpflicht stimmten.

Darabos: "Ich bleibe im Amt"

Darabos zeigte sich am Sonntagabend enttäuscht über das Ergebnis, aber: "Ich bleibe im Amt." Auch Parteichef Faymann war im Vorfeld der Befragung nicht müde geworden zu betonen, dass er den Minister jedenfalls halten wolle. Dennoch sitzt Darabos nun auf einem wackeligen Posten. Er machte wiederholt klar, dass er die Wehrpflicht nicht für reformierbar hält, muss jetzt aber genau das umsetzen. Dafür werde er mehr Geld brauchen, sagte er am Sonntag. VP-Finanzministerin Maria Fekter hatte das zuvor bereits abgelehnt.

Für die SPÖ käme eine Personalrochade vor der Nationalratswahl jedenfalls schon deshalb gelegen, weil Darabos zu den in der Bevölkerung unbeliebtesten Regierungsmitgliedern zählt.

--> Norbert Darabos im Porträt

Mit oder ohne Darabos - das ohnehin nicht gerade rosige Klima in der Koalition dürfte nach der teils erbittert geführten Werbeschlacht und dem klaren ÖVP-Erfolg nun noch frostiger werden.

Die Wehrpflicht in Österreich
Die allgemeine Wehrpflicht gibt es in Österreich - mit Unterbrechungen - seit 143 Jahren. Der Präsenzdienst wurde immer wieder verkürzt, seit 2006 dauert er sechs Monate. Immer mehr junge Männer entscheiden sich für den Zivildienst, der 2006 auf neun Monate verkürzt wurde.

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1721 Kommentare
 
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Das ist sicher Lüge !!

Ich bin mir sicher, dass wenn ich jetzt auf die Strasse gehe ... 300 Leute befrage .. ich mit ziemlicher Sicherheit darunter nicht mehr als 30 Befürworter des Zivildienstes finden werde. Das ist entweder manipuliertes Wahlergebniss .. so wie ich dies auch schon dem Wahlmanagement zur Abstimmung zur EU damals unterstelle ... oder wirklich die Mobilisierung der dümmsten Wähler ..

Genial

ÖVP setzt sich über Nacht für die Wehrpflicht ein und für Reformen, damit sie bleiben kann.

Durch die erfolgreiche Angstmacher-Kampagne ist es ihnen gelungen die "richtigen" Wähler zur Urne zu führen. Wenn es darum geht "ihr" Konzept umzusetzen (was ja praktisch keins war, sondern ein Überraschugnspaket) - verlangen sie, das noch ganz ohne zusätzlichem Geld zu tun.

Wow, grandios. Vielleicht findet sich ja doch wo eine Wunderlampe ;)

Unmöglich.

Die Bürokratie will weiter gemästet werden. Wenn's sein muss, auch durch eine neue "Luftschnappsteuer", für die der Bürger zur Kasse gebeten wird.

Meinunhsumfrage

Strache ist der lachende Dritte. Die 2 Großparteien
werden bei der nächsten Wahl verlieren.
Stronach wird sicherlich nicht das "Zünglein an der
Waage sein" er hat sich selbst abgewählt,mit seinen Aussagen.
Wenn es so weiter geht wird STRACHE BK
da kann sich auch Fischer nicht wehren.

ein roter reflex: reform = mehr geld!

@ genossen: wie wärs mal mit einsparen und umstrukturieren?

leerläufe beseitigen und die organisation ein bisserl straffen?

dann braucht man nicht mehr mehr geld - unser steuergeld, wohlgemerkt!

Primat der Politik

Mit seinen bsiher unentdeckt gebliebenen Managementfähigkeiten hat Darabos höchstens als Ortsvorsteher von Kroatisch-Minihof eine Chance seine Vorstelllungen durchzusetzen.

11 6

Darabos braucht mehr Hirn


sollte die Überschrift lauten

1 0

Re: Darabos braucht mehr Hirn

Wir brauchen mehr Hirn!

alleine schon

dass aus vielen Weicheiern und Warmduschern (was der "Chef" noch immer ist und bleibt) richtige Männer werden. Doch das BH ist in letzter Zeit viel zu weich geworden, dies gehört reformiert!!!

0 0

Re: alleine schon

Schwachmat

Re: alleine schon

„Richtige Männer“!??
Die Zeit der Lendenschurze, Keulenschwinger und der Urlaute ist wohl schon lange vorbei. Hirn ist heute in einer Hightech-Armee gefragt, nicht Muskeln!

Re: Re: alleine schon

Hirn und know how etwa wie Darabos?


Mehr Geld für Bundesheer

Woher hat Aigunger den Blödsinn her?
Für die Eurofither geht schon sehr viel auf.
Die Kasernen müssen renoviert werden.
Ausrüstung wird für ein modernes Heer einige
Millionen mehr kosten.
Ich sehe da nicht die 500 Millionen Einsparungen.
Das Heer wurde bis jetzt schon ausgehungert.
Hier muß einiges draufgelegt werden,damit das System einwandfrei funktioniert.
Taggeld für die Wehrpflichtigen muß erhöht
werden.
Wo kann manda 500 Millionen einsparen,
Aigunger hat keine Ahnung,redet nur Blödsinn,
habe mir die Pressestunde angehört.

bah mir wird schlechter und schlechter

dieses ergebnis ist unverständlich.
dieses gewinner/verlierer geplänkel ist noch unverständlicher.
das övp konzept erst jetzt rauszuholen is megaunverständlich.

das klügste wär, darabos gibt sein amt sofort irgendeinem övp-hansi und dann werden sich die hapsis anschaun.

das leider das stimmverhalten auf reinen ÄNGSTEN basiert und eines der traurigen sachen. aber wundert echt nicht, denn die leute wurden in ein unaufgearbeitetes kollektives trauma der (nach)kriegszeit hineingeboren.

positiv ist einzig, das doch recht viele hingegangen sind!

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darabos,burgstaller

keiner der sozis hat den mumm abzutreten....lauter feiglinge und sesselklebende looser

4 2

Nichts wird sich ändern!

Das österreichische Bundesheer wurde seit Jahrzehnten kaputtgespart (im europäischen Vergleich geben nur noch 2!!!!! Staaten weniger für das Heer aus). Das Milizsystem wurde ebenfalls seitens der SPÖ zertrümmert (seit Jahren keine verpflichtenden Übungen mehr. Der Wehrdienst wurde immer mehr verkürzt. Wie soll man da auch eine vernünftige Ausbildung erhalten. Systemerhalter ohne Ende, weil billig (Küche, Schreibstube etc.). Unterbelichtetes Stammpersonal (Chargen Unteroffiziere, tw. noch im Beamtendienstrecht (!!!!) u. somit unkündbar und teuer. Offiziere denen solche "Stammpersonalaffen" vorgesetzt werden. Hauptschuldiger: Erraten, die SPÖ. Mitschuldig: die ÖVP, welche trotz das sie des öfteren den Verteidigungsminister gestellt hat, munter mitgewurstelt hat. Ach ja die österreichische Neutralitätslüge nicht zu vergessen! All das ist ein Cocktail, der schwer verdaulich ist und kaum Besserung erwarten läßt. War selbst GWD und weiß von was ich rede. Ich persönlich würde einen baldigen NATO Beitritt für am vernünftigsten halten. So wäre wenigsten die Chance gegeben sich im Verbund auf gewisse Bereiche zu spezialisieren und den Laden sinnvoll umzukrempeln. Wahrscheinlich käme dies auch billiger!

mehr Geld!


da haben die meisten am Sonntag gesagt wir möchten unser Heer behalten, um sich dann zu wundern das wir Geld brauchen um diesen Zustand zu sanieren.
deswegen war ja die Umfrage, hätte man vorher überlegen müssen !

Re: mehr Geld!

Das Bundesheer wird sicherlich nicht saniert und modernisiert. Das würde ein Vermögen kosten. Es bleibt also alles beim Alten. Hauptsache billig ist ist's, kosten soll's nix, weder das Militär noch die Zivildiener. Und das haben wir jetzt und dabei bleibt es. Mitreden im Bereich Militär und Sicherheit brauchen wir in Europa also nicht mehr, in dieser Sparte sind wir draußen, da bestimmen nun andere auch für uns mit.

Was muss noch passieren das Hr. Darabos geht

Wie kann wer Verteidigungsminister sein der aus Gewissensgründen keine Waffe bedienen kann, aber lt. seiner gestrigen Aussage ja die Abfangjäger so gut im Griff hat? Immerhin muss der Vertiedigungsminister im Ernstfall den Abschussbefehl für ein entführtes Flugzeug geben. Das geht scheinbar dann ohne gewissensgründe...?
Ein wirklich kompetenter Minister, der alles so im griff hat. Wir werden ja jetzt schon von zb der Schweiz belächelt wie man den derzeit besten Abfangjäger mit der schlechteste Ausstattung haben kann. Ist so wie BMW x6 mit Käfer Ausstattung. Bitte endlich einen Fachmann ans Werk lassen. Danke!


Re: Was muss noch passieren das Hr. Darabos geht

Als Abfangjäger reichen die Dinger vollkommen aus, weil wir eh von Natostaaten umgeben sind.
Eine Hightech-Luftabwehr werden wir jetzt sowieso nicht mehr bekommen die nächsten 50 Jahre, weil das hat die ÖVP zu verhindern gewusst.
Und am Boden, naja, da haben wir gegen unsere Bedrohungen (Schnee und Hochwasser) eh die Wehrdienstler und Zivildiener. Das Bundesheer ist und bleibt nun die schwächste Armee in Europa.

die ÖVP hasst veränderung

was da für ein geheimhaltungstheater um das reformpapier gemacht wird ist sagenhaft.
was wird denn schon drinstehen?
wie viele schwarze und blau-orange minister haben gelegenheit gehabt den wehrdienst zu reformieren und haben nichts gemacht, außer beschaffungen, die wir nicht brauchten und -oder nicht leisten konnten, wie raketenpanzer, flieger und vermutlich einiges ,was nicht öffentlich diskutiert wurde.
bessere uniformen, moderne gewehre oder sanierte unterkünfte bringen halt nicht so viel prestige für die diversen kommandanten.
ich habe die scheiße hinter mir, aber die jungen tun mir leid und als steuerzahler bin ich auch betroffen.
auf alle fälle ist der graben zwischen stadt und land sichtbar geworden.vielleicht bestimmen doch noch die dorfhonoratioren und der pfarrer wie zu wählen ist-ein feuchter traum der schwarzen.

15 4

Man

kann diesen Herren nur durch die Wahl abschieben, da die Roten nur mehr kraftlos sind.

0 1

Re: Man

...da die Roten nur mehr kraftlos sind,
dies trotz der gigantischen medialen Vergewaltigung durch den Rotfunk und der Kronenzeitung.
Ein Teil des "Erfolges" kommt vielleicht von Protestwählern, die trotz besseren Wissens für die Wehrpflicht stimmten?? nur um zu zeigen, dass sie sich nicht dem Diktat der roten Medien beugen.

3 3

welcher sieg

der schaden den die övp dem land zugefügt hat

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wir fassen zusammen:

nur die wehrpflicht garantiert, dass man die streif weiterhin gratis präparieren kann (wie organisieren eigentlich andere länder sportveranstaltungen?)

nur die wehrpflicht garantiert, dass bei überschwemmungen und lawinenabgängen die bevölkerung freigeschaufelt wird (wie organisieren eigentlich andere länder katastrophenschutz und sagen wir mal technisches hilfswerk?)

nur die wegpflicht garantiert, dass derart viele diesen schas nicht machen wollen, so dass es sie in die einzige alternative zwingt: den zivildienst, billige hilfsarbeiter im rettungs- und pflegewesen (man muss sich echt wundern, dass in anderen ländern kranke und alte menschen nicht einfach an ort und stelle tot umfallen, so ganz ohne zivis)

es soll also alles so bleiben wie es war: sinnlos, ineffizient und ein sammelplatz von individuen, die ohne uniform sagen wir mal leicht verhaltensauffällig wären. schön, dass wir ein land sind, das sich so ein hobby leisten kann!

 
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