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Nach dem Debakel: Führungskrise in der SPD

28.09.2009 | 19:02 |  Aus Berlin berichtet HELMAR DUMBS (Die Presse)

SPD-Chef Müntefering dürfte abtreten, beerben könnte ihn Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier, der als Oppositionsführer bereits feststeht.

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"Opposition ist Mist", hatte SPD-Chef Frank Müntefering vor der Wahl gesagt. Der scheidende Fraktionschef Peter Struck hat dann noch eins draufgelegt und gemeint, Opposition sei „Mist hoch drei“. Nach dieser Definition sitzt die SPD nach der verlorenen Bundestagswahl vom Sonntag also auf einem ziemlich großen Misthaufen.

Und sie steht vor einer peinlichen Frage: Wie stark darf man schrumpfen, ohne den Status als Volkspartei zu verlieren? Bei den 23 Prozent ist von der einstigen Volkspartei nur mehr der Anspruch geblieben, eine zu sein.

Und das wird personelle Konsequenzen haben: Müntefering wird zwar nicht sofort zurücktreten, aber noch während am Montag im Berliner Willy-Brandt-Haus der Parteivorstand tagte, machte er vor Journalisten deutlich, dass er nach dem Parteitag im November wohl nicht mehr SPD-Chef sein wird. Im Parteivorstand habe es zwei Rücktrittsaufforderungen an ihn gegeben. In spätestens zwei Wochen wolle die SPD-Spitze präsentieren, wer die Partei aus ihrer ärgsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik führen soll.

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>>Mehrheit für Schwarz-Gelb, Debakel für SPD

Der erfahrene Partei-Manager Müntefering versuchte den Eindruck zu vermitteln er habe das Heft noch in der Hand. Die Hofübergabe an einen Nachfolger soll zumindest geordnet erfolgen. Und geht es nach „Münte“ könnte dieser Nachfolger ausgerechnet Frank-Walter Steinmeier heißen, der schon am Dienstag zum Fraktionschef gewählt werden soll.

In der Not schart sich die SPD um ihren gescheiterten Spitzenkandidaten. Dass Steinmeier Oppositionsführer wird, falls die SPD aus der Regierung fliegt, war beschlossene Sache. Doch bei einem Debakel wollte er eigentlich nicht zur Verfügung stehen. Das hat sich rasch geändert, und die Parteispitze dürfte, was den Fraktionsvorsitz betrifft, hinter ihm stehen. Auch Andrea Nahles, Vertreterin der Partei-Linken und selbst auf höhere Weihen spekulierend, sprach sich Montagmorgen dafür aus.

Frank-Walter Steinmeier: Das Scheitern des Schröderianers

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„Keine Revolutionstribunale“

Finanzminister Peer Steinbrück warnte schon vor „Revolutionstribunalen“, denn in der Partei rumort es gewaltig, vor allem im linken Flügel und bei den Jusos. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit forderte neben einer „Schärfung des sozialen Profils“ personelle Konsequenzen: „Die SPD wird einen Erneuerungs- und Verjüngungsprozess machen müssen.“ Und sie müsse ihre Tabuisierung der Linkspartei aufgeben.

Fabian Löffler, Juso-Chef in Rheinland-Pfalz, forderte gar den Kopf des Chefs: „Franz Müntefering kann nicht Parteivorsitzender bleiben.“ Damit spricht er der Partei-Linken aus der Seele, steht doch Müntefering für jene Politik der letzten elf Regierungsjahre, die offenbar auch von sehr vielen Wählern als unsozial empfunden wurde. Doch das gilt auch für Steinmeier, die „Graue Effizienz“ von Exkanzler Gerhard Schröder .

Auch wenn er sich bisher zurückgehalten hat: In der zweiten Reihe steht schon Sigmar Gabriel bereit: Der beliebte Umweltminister schaffte – wie Steinmeier auch – ein Direktmandat und hat mehrfach signalisiert, dass er sich auch die höchsten Ämter zutraue.

 

SPD-Wähler blieben daheim

Vor allem muss die Partei eine Antwort auf die Frage finden: Warum sind mindestens 1,6 Mio. Wähler aus dem SPD-Lager in das der Nichtwähler gewechselt? Der einzige Trost: Sie sind wohl leichter wiederzugewinnen als jene, die sich gleich für eine andere Partei entschieden haben. Verloren hat die SPD durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen, besonders stark aber bei Jüngeren und der Arbeiterschaft. Müntefering führt das Debakel vor allem auf „Kommunikationsdefizite“ zurück.

 

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Viel Zeit hat die Partei nicht, denn im Mai 2010 stehen bereits Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen an, dem SPD-Kernland schlechthin. Oder besser: einstigem Kernland. Denn die 28,5 Prozent, die die SPD dort am Sonntag erreicht hat, wirken auch nur positiv, wenn man sie mit dem bundesweiten Ergebnis vergleicht. Immerhin hat die Partei hier keine Macht zu verlieren – es regiert bereits ein CDU-Ministerpräsident.

AUF EINEN BLICK

Das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl seit 1949 fuhr die SPD am Wochenende ein. Bisher waren die 28,8 Prozent von 1953 der absolute Tiefpunkt für die Sozialdemokraten gewesen.

Nur 18 Prozent der männlichen Erstwähler konnte die SPD für sich gewinnen (die Union 23 Prozent). 1,6 Millionen Menschen, die 2005 für die SPD gestimmt hatten, blieben diesmal der Wahl fern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2009)

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6 Kommentare
Gast: Oskar
29.09.2009 11:52
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SPD ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen

Demnächst muß sie darum zittern, hinter Die Linke zu fallen. Außer für Funktionäre gibt es kaum jemanden, der sich durch diese Partei Vorteile versprechen kann.

15%, das ist die Zielmarke für die nächsten Jahre, selbst bei massenweiser Verteilung der deutschen Staatsbürgerschaft. Und das ist gut so.

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"Für offenen Umgang mit der Linkspartei"

Keine Überraschung.

Offen zu sein für alles mögliche Grausliche ist man von Pobereit ja gewohnt.

roooster16
29.09.2009 08:38
0 0

Außer

ihnen (Die Presse),erkennt doch eigentlich niemand Steinmeier als Oppositionsführer an,er sollte seinen Hut nehmen und gehen.

SPD - Niedergang einer Volkspartei Teil2

Die Herren von der SPD muessen sich da schon an die eigene Nase fassen. Das Spielchen was in Thueringen gespielt wird, wo man mit 15-20% gar einen Ministerpraesidenten stellen moechte ist etwas was weiter an der eigenen Staerke saegen wird. Offenbar moechte man es soweit treiben bis die Linken eine absolute Mehrheit irgendwo erreichen und eine Regierung ohne die SPD bilden koennen. Die SPD hat leider Gottes keine anderen potenziellen Partner als die Linken und die Gruenen und eine Nichtzusammenarbeit mit diesen Parteien wird die SPD fuer Jahre fern halten von der Macht und das widerum wird die Partei weiter schrumpfen lassen. Man sollte mit Lafontaine zusammenarbeiten solange man noch der groessere Partner ist, denn schwere Zeiten stehen uns bevor und die Linke duerfte weiter wachsen, wenn die SPD alles beim alten belaesst und weiter macht wie bisher. Die SPD sollte wieder mehr nach links schauen anstatt zu einer zweiten FDP zu werden, wenn sie als Partei ueberleben will. Es ist naemlich sehr zu bedenken, dass eine so Schwache CDU noch nie Regierungspartei war, dann wird einem erst richtig bewusst wie schwach die SPD ist und wann sie wohl wieder an die Regierung zurueckkommen wird, als Partei die den Kanzler stellt. Also liebe Genossen von der SPD, kaempft um Veraenderungen, kaempft ums politische Ueberleben, kaempft um Eure Partei und nicht um die Ideen der Unionsparteien, die jetzt sehr fest im Sattel sind und wohl laenger staerkste Partei und Regierungspartei bleiben werde

Antworten Gast: Freiheit
29.09.2009 00:40
1 0

Re: SPD - Niedergang einer Volkspartei Teil2

Ich weiss nicht ob ich ihr Kommentar richtig verstehe aber sich Stimme der Vernunft zu nennen empfinde ich sarkastisch. Die Linksparteien in Deutschland (nicht die SPD unbedingt) sind eine Gefahr fuer Europa und gehoeren genauso politisch betrachtet wie die extremen Rechten in Deutschland. Beide haben bis jetzt extrem viel unheil ueber Europa gebracht.

SPD - Der Niedergang einer alten Volkspartei

Man koennte sagen alles falsch gemacht und man musste hier landen, bei den mickrigen 23%. Von der einst maechtigen Volkspartei scheint nicht mehr viel uebrig zu bleiben, die SPD hat ihre linke Seite verloren, das woran man sie Jahrzehnte lang erkannt und als rot bezeichnet hat. Heute bleibt nur noch die Farbe, aber richtig rot ist die SPD schon seit Schroeder nicht mehr. Zu sehr hat man darauf geschaut nicht Anhaenger vom rechten Fluegel zu verlieren und man hat es geschafft, allerdings hat die SPD heute ihren ganzen linken Fluegel verloren, der befindet sich bei der Linkspartei 12% und den Gruenen 10,5%. Rechts hinzugewinnen konnte man nichts. Die Union hat es da wesentlich einfacher, als einzige Vertretung auf der rechten Seite mit einer etwas erstaerkten FDP aus der politischen Mitte, zusammen kommen sie wie immer auf die ueblichen 40-55%. Die SPD muss was aendern, sonst droht sie ganz abzustuerzen, man darf die Linke nicht mehr ausschliessen als gleichberechtigten Koalitionspartner, tut man es doch staerkt man die Linke immer mehr auf kosten der SPD und der SPD bleibt dann nur die Moeglichkeit zu grossen Koalitionen mit der CDU, die aber gar nicht mehr so gorss sein werden. Eigentlich eine tolle Situation fuer die CDU, man hat die FDP und die SPD fuer den Fall das es nicht reicht fuer schwarz-gelb, und somit eine nahezu garantierte Regierungsfuehrung. Aber der Union kann man auch keinen Vorwurf machen.

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