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Volksabstimmung: Fischer warnt vor raschem Ausbau

08.07.2012 | 18:05 |  THOMAS PRIOR (Die Presse)

Der Bundespräsident lehnt automatische Volksabstimmungen ab. Denn damit würde das Parlament "de facto ausgeschaltet". Er kann sich aber vorstellen, dass direktdemokratische Instrumente häufiger zum Einsatz kommen.

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Es war eine Ansage, wie sie für Heinz Fischer nicht gerade typisch ist: Der Bundespräsident warnte die Regierung am Sonntag vor einem überhasteten Ausbau der direkten Demokratie. Konkret sprach sich Fischer gegen die Idee aus, dass Volksbegehren ab einer bestimmten Unterschriftenanzahl verpflichtend zu Volksabstimmungen führen sollen.

Fischer stößt sich an eben diesem „Automatismus“, wie er in der ORF-„Pressestunde“ sagte. Das Problem entstünde dann, wenn eine Gruppe von Menschen – sei es „eine Lobby, eine Zeitung oder irgendwelche Interessenvertreter“ – ein Volksbegehren in die Wege leitete. An der Schnittstelle zur Volksabstimmung könnte das Parlament dann nicht mehr mitbestimmen. Damit wäre der Bundesgesetzgeber „de facto ausgeschaltet“. Und die Qualität der Gesetze würde „entscheidend abnehmen“.

Der Bundespräsident kann sich zwar vorstellen, dass direktdemokratische Instrumente in Zukunft häufiger zum Einsatz kommen. Aber der Nationalrat brauche „ein echtes Mitbestimmungsrecht“. Ein solches ist im Modell der ÖVP jedoch nicht vorgesehen. Ganz im Gegenteil: Wenn ein Volksbegehren von zehn Prozent der Wahlberechtigten – also rund 650.000 Personen – unterstützt wird, soll der Inhalt der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt werden. Mit einfacher Mehrheit würde das Anliegen dann Gesetz werden.

Am Donnerstag wurde erstmals auf Regierungsebene über diesen Vorschlag verhandelt, wobei die SPÖ im Wesentlichen Zustimmung signalisierte: Automatische Volksabstimmungen seien durchaus vorstellbar, sagte Staatssekretär Josef Ostermayer, einmal mehr Chefverhandler, nach einem Gespräch mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. Einig sei man sich auch darüber, dass die Hürde mit zehn Prozent der Wahlberechtigten festgeschrieben werden solle. Zuvor müssten aber noch „die Rahmenbedingungen“ geklärt werden.

 

SPÖ noch unentschlossen

Damit war unter anderem die Frage gemeint, welche Gesetzesmaterien zu heikel sind, um sie einer Volksabstimmung preiszugeben. In der ÖVP werden derzeit völkerrechtliche Verpflichtungen, EU-Primärrecht, Menschenrechts- und Grundrechtsfragen, Budget- und Steuerfragen, vor allem aber die Verfassung genannt. Fischer sieht darin einen „Widerspruch“: Wenn man nämlich der Meinung sei, das Volk sei klüger und die direkte Demokratie besser als die repräsentative, müsse man ihr auch verfassungsrechtliche Fragen überlassen – und sie nicht davor schützen.

Allerdings scheint der Meinungsbildungsprozess in der SPÖ ohnehin noch nicht abgeschlossen zu sein: In der Vorwoche wurde ein Papier des SPÖ-Klubs publik, in dem verpflichtende Volksabstimmungen nicht vorgesehen sind. Nationalratspräsidentin Barbara Prammer präferiert überhaupt ein dreistufiges Modell, das seit einigen Jahren in den deutschen Bundesländern praktiziert wird.

Dabei würde das Parlament nicht seiner Mitspracherechte enthoben: Der Prozess startet mit einer Gesetzesinitiative, die ab einer bestimmten Unterschriftenanzahl im Nationalrat verhandelt wird. Kommt kein Kompromiss zustande, folgt ein Volksbegehren plus neuer Verhandlungsrunde. Am Ende steht eine Volksabstimmung, wobei der Nationalrat einen Gegenvorschlag vorlegen kann.

Auf Fischers und Prammers Seite schlug sich am Sonntag auch der Wirtschaftskammer-Präsident: Er halte automatische Volksabstimmungen ebenso für „äußerst bedenklich“, teilte Christoph Leitl seiner Partei via Aussendung mit. ÖVP-Generalsekretär Hannes Rauch versteht die Bedenken nicht: Niemand brauche sich vor „einem mündigen Volk“ zu fürchten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2012)

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225 Kommentare
 
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Volksabstimmung: Fischer warnt vor raschem Abbau

Meint unser BP wirklich was er so von sich gibt?
1) Als Mann, der den größten Teil seiner Lebenszeit im Parlament verbracht hat, müsste er wissen, dass unsere Gesetze überall, aber nur nicht im Hohen Haus gemacht werden (Parteien, Ministerkanzleien, Lobbies etc). Die parteiabhängigen Abgeordneten dürfen lediglich unter Klubzwang bei Abstimmungen geschlossen aufstehen bzw. sitzenbleiben.

2) Als Mann, der sicherlich den dzt. U-Ausschuss interessiert verfolgt, muss ihm doch klar sein, dass unsere Politiker wahrscheinlich leichter von Zeitungen (Faymann - Dichand) oder Lobbies (Strasser - Telecomm, ÖVP -
Raiffeisen usw) gesteuert werden als 650.000 Bürger.

3) Wann begreift dieser Mann, dass er als Bundespräsident nur mehr dem Bürger und nicht mehr der SPÖ verpflichtet ist? Aber wie sagte einmal einer seiner Parteifreunde: "Ohne Partei bin ich nichts"!

Gast: hannking
10.07.2012 08:25
12 1

Fischer ist für nordkoreanisches Modell


Gast: DerPatriot
10.07.2012 07:27
6 0

fischer? wer ist das den?

wie kann fischer das uboot überhaupt vor irgendetwas warnen wenn er doch nicht den leisesten schimmer davon hat was läuft und was er da unterschreiben wird!?
hätte er einen blassen dunst wurde er dieses papier zum wohle der österreicher umgehend zerreissen und die ganze regierungsbande ins nirvana schicken.
dieser mann erwacht 1-2 mal im jahr aus seinem dornröschenschlaf in seinem elfenbeinturm, verdient sich auf lebzeiten unmengen an geld und privilegien und das ganze OHNE LEISTUNG auf kosten des steuerzahlers!
ich könnt kotzen ohne ende..................

er hat völlig recht!

wieso erkennt das keiner?

in einem land, in dem bisherige basisdemokratische partizipation bei einigen prozenten lag und in dem demagogie und rechtspopulismus die leute glauben lässt, sie wären "experten für eh alles", ist die repräsentative demokratie die einzige handlungslogik.

mir ist und bleibt völlig unbegreifbar, weshalb sich ein österreichisches demokratiesystem in eine diktatur der deppen verwandeln soll.

die entwicklung der blaupopulisten ist ein unwiderlegbarer beweis dafür.

Antworten Gast: Frontschwein (pic)
10.07.2012 06:42
6 1

Politisch sehr korrekt

Das Wort "Populismus" darf nur im Zusammenhang mit "Rechts" verwendet werden.

Gast: Hubertus
09.07.2012 20:59
10 1

Verstehe ich nicht

In der B-VG steht: das Recht geht vom Volk aus. Ob sich das Volk dazu Volksvertreter aussucht oder direkt entscheidet, liegt doch eindeutig beim Volk. Außerdem hat das Volk keineswegs vor jeden Tag eine Volksabstimmung zu initiieren.
Ich sehe übrigens keinen Schaden darin, wenn das Volk auch bei "komplexen" Fragen entscheidet. Die Kompetenz von Volksvertretern habt es allemal, umsomehr als es auch die Folgen tragen muß, was bei den Volksvertretern nicht der Fall ist. Daher ist diese Aussage ein typischer Fischer: Parteisoldat der SPÖ und keineswegs ein Vertreter des Volkes. Seine moralische Autorität ist sowieso schon angeschlagen.

15 0

Ein Volk welches so einen Bundes Präsidenten hat

dem geht es so wie dem Vogelnest mit dem Kuckucksei .

Gast: Ceterum
09.07.2012 16:31
15 0

Filzokratie

Hauptmerkmal der Diskussion über ein Mehr an direkter Demokratie ist, dass ausschließlich darüber gesprochen wird, wie man dieselbe einschränken kann. Argumente wie die "Ausschaltung des Parlaments" sind reine Schutzbehauptungen. Das Ende ist absehbar: Nachdem die Parteien das Volksbegehren abgewirtschaftet haben zu einem Propagandainstrument, das der Steuerzahler bezahlt, wird dasselbe mit der Volksabstimmung passieren.
In Wahrheit würde ein Mehr an vernünftiger direkter Demokratie eine Aufwertung des Parlaments bedeuten. Aber warum sollte der außerparlamentarische Filz, also die Interessenvertretungen, NGOs usw. wohl Macht an das Parlament abgeben?!

Gast: ROTFRONT
09.07.2012 16:23
16 0

Wenn der Kerl

den Mund aufmacht, kann man getrost auf Durchzug schalten.
Der alte Badeisoldat ist in Reformfragen der Letzte der gehört werden sollte.

Wer hätte das jetzt gedacht ?

Wirklich sehr erstaunliche Einstellung für einen Nordkoreafan und Moskauer Bodenküsser.

Und zum Leitl will ich mich der Zensur wegen gar nicht erst äußern...

na? wann genau hat fischer moskauer boden geküsst?

und den freundschaftsverein haben sie halt einfach nicht verstanden. ist nicht schlimm. sie würden ihn auch dann nicht verstehen, wenn sie ihn verstehen wollten.

Gast: BÜRGER DER EU
09.07.2012 15:58
2 16

Kritisieren ist leicht aber ...

Es ist immer leicht zu kritisieren. Besser zu machen ist schwierig.
Uns Österreichern geht es trotz der Krise relativ gut ... Gott sei Dank ...
Direkte Demokratie ist von der Idee her nicht schlecht, kann aber auch sehr gefährlich sein, wie wir aus der Vergangenheit wissen ... Hitler kam durch frien Wahlen an die Macht, der Film "Die Welle" zeigte wie leicht die Massen (bitte nicht abwertend verstehen) zu bewegen sind, Minderheiten würden bei Mehrheitsentscheidungen nicht mehr berücksichtigt werden .... es muss daher im Rahmen eines direkten demokratischen System Grenzen und Regeln geben. Unser Bundespräsident lehnt Direkte Demokratie nicht per se ab, erinnert aber daran, dass dies genau überlegt werden muss und durchdacht werden muss.
Wir haben ein Parlament ... viele schimpfen darüber und drücken ihren Unmut aus ... aber erfahrungsgemäß (mit Blick in die Vergangenheit) gibt es kein besseres System (trotz vieler subjektiv wahrgenommener Nachtteile).
Seien wir doch froh, dass es uns relativ gut geht.

11 1

Re: Sinnlosschwatz

In einer Demokratie entscheidet immer die Mehrheit über die Minderheit, kapiert?

nein, das tut sie eben nicht!

die mehrheit hat den schutz von minderheiten als demokratisches prinzip zu verfolgen - und über ethische dogmen wie menschenrechte gibt es keine entscheidungen nach bürgerwillen.

kapiert?

3 0

Re: Guerilla_der_Kampf

Im obigen Posting geht es aber nicht um Minderheitenrechte, sondern um Mehrheitsentscheidungen. Diese habe ich als Demokrat zur Kenntnis zu nehmen, auch wenn es mir nicht passt.

Aber wenn man sich Guevara nennt, fängt man mit direkter Demokratie natürlich wenig an.

dann formulieren sie präziser. ihr posting kann so oder so verstanden werden.

MIR geht es darum, dass populismus inklusive seiner manipulativen simplifizierung komplexer sachverhalte der standard der österreichischen politik geworden ist. aus diesem grunde ist direkte demokratie nach schweizer vorbild in diesem staat kontraproduktiv weil problemerzeugend.

punkt, basta.

und ihre spekulationen meine person betreffend können sie sich gerne an die häusltür nageln.

Antworten Antworten Gast: fugazi
09.07.2012 23:39
0 1

Re: Re: Sinnlosschwatz

genau das ist meisst der wahnsinn!

Gast: Callisto
09.07.2012 15:53
13 0

Die Angst der Genossen vor dem Volk.

Wen wunderts?

Kein Anwalt der Bürger, Anwalt des Apparats

ein Bundespräsident, der sich vor mehr Demokratie fürchtet - das schaut nach einer klassischen Fehlbesetzung aus.

Parlament aushebeln

Was bitte könnte besseres passieren, als das unser geliebtes, korruptes ahnungsloses Parlament ausgehebelt wird ?

In Zeiten wie diesen wo die "Politiker" welche eigentlich nach dem Willen des Volkes agieren sollten, aber komplett am Willen des Volkes vorbei "regieren" kann nur das Aushebeln des Parlaments die einzige logische Schlussfolgerung sein.

In der Beziehung müssen unsere Politiker froh sein das sie "nur" ausgehebelt werden, in früheren Zeiten hätte sich die Bevölkerung nicht so viel gefallen lassen, da wären schon früher "Köpfe gerollt".

Nun regt sich der Wunsch nach mehr direkter Demokratie um sich nicht mehr jeden Schwachsinn ala ESM von den Politikern aufhalsen lassen zu müssen, und dann schreit der Bundesheinzi mit seiner unwichtigen und ahnungslosen Stimme auf.

12 0

vielleicht soltle man dem Heinzi einen Auszug aus diesem Blog überreichen den er sich dan nauch durchslesen MUSS ?

um etwa das "einfache Volk da unten" samt all seiner Sorgen verstehen zu können, falls diesen das überhaupt interessiert !?


Gast: picturemountaineer
09.07.2012 13:38
9 0

er macht genau das

was ihm seine bilderbergerfreunde befohlen haben.

Gast: Exodus
09.07.2012 13:32
7 0

Das Volk hat sich bei der ersten Volksabstimmung als "klüger" erwiesen als die Mehrheitspartei im Nationalrat

Dies sollte HF zur Kenntnis nehmen und dann braucht er nicht spekulieren, ob es nicht besser ist den Unklügeren "auszuschalten" und durch den Klügeren zu ersetzen.

Allein die Diskussion oder gar dies "Ausschaltung" zu bezeichnen ist pervers, wenn in der Schweiz (oder modifiziert u.a. in Bayern, Baden Würtemberg etc.) tadellos funktioniert.

Wenn HF nicht will, dann wird man eben Parteien wählen müssen, die das wollen und denen eine Verfassungsmehrheit geben, dann kann man ja auch dieses überflüssige, kostenintensive Amt abschaffen bzw. so ändern, dass es von einem anderen Minister miterledigt wird.


Gast: Der Presserat ist nicht zuständig und schon gar nicht die Staatsanwaltschaft
09.07.2012 12:54
19 0

Lieber Herr Bundespräsident !


Solange das Bundeskanzleramt, die Ministerien und gemeindeeigene Unternehmen die Bevölkerung weiterhin so umfassend in ganzseitigen Inseraten informieren,
solange brauchen Sie von uns keinerlei Unterstützung für Volksabstimmungen befürchten.

Mit innigstem Dank

Familien Dichand, Fellner und Jansky

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Und die Qualität der Gesetze würde „entscheidend abnehmen“

welche Qualität denn ????

Etwa die, welche einem Kaugummi gleichen und dafür vorgesehen, immer jenen zur Seite stehen zu müssen welche dieses beschlossen hatten ?!
Siehe dazu bspw Antikorruptionsgesetz...

Sichtlich ist auch in den Augen des BP vor dem Volk die Angst, es nicht mehr weiterhin wie bisher an der Leine halten und führen zu dürfen, während man es sich selbst ständig richten will !

Wir ÖSterreicher wollen NICHT durch die Hintertür ein komunistisches System, an dem der Bundesheinzi samt Anhang, bekanntlich grossen Gefallen fände !!!

Re: Und die Qualität der Gesetze würde „entscheidend abnehmen“

Sehr geehrter Luzius.

Ich habe das Interview (zufälligerweise) im TV mitverfolgt und war - als Schweizer - doch (wiedereinmal) verblüfft über die skeptische Haltung, sowie die (meiner Meinung nach) unzureichenden Begründungen des Herrn Bundespräsidenten. Bezüglich der von Ihnen angesprochenen Thematik "Qualität der Gesetze": Für mich stellt sich ganz grundsätzlich die Frage wie man die Qualität von Erlassen messen soll. Kann man das überhaupt? Liegt sie nicht vielmehr im Auge des (politischen) Betrachters? Meiner Meinung nach ist dieses "Fischersche Argument" nicht zu gebrauchen...

Was jedoch komplett unterschlagen (oder nicht erkannt?) wird: Die Akzeptanz der Erlasse spielt für das Fuktionieren eines Gemeinwesens eine entscheidende Rolle. Gerade hier könnten direktdemokratisch zustande gekommene Gesetze eine äusserst heilsame Wirkung entfalten.

Mit den besten Wünschen für die neue Woche.

 
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