Wien. Die 227.000 Deutschen, die laut Statistik Austria derzeit in Österreich leben, sind eine Ausnahme. Die meisten sind gekommen, um hier zu arbeiten. Sie haben die Freizügigkeit – eine der Grundfreiheiten der EU – genutzt, um grenzüberschreitend eine Arbeit zu finden. EU-weit aber bleibt die Mobilität trotz der Möglichkeit, sich in jedem anderen EU-Land anzusiedeln und dort zu arbeiten, gering. Gerade einmal 2,5 Prozent der EU-Bürger nutzen diese Möglichkeit. In Österreich liegt der Anteil der EU-Bürger an der Gesamtbevölkerung bei 4,2 Prozent. In dieser Zahl enthalten sind nicht nur Arbeitssuchende, sondern auch Pensionisten, die ihren Lebensabend außerhalb ihres bisherigen Heimatlandes verbringen wollen.
Die EU organisiert mittlerweile sogar Hilfe für Arbeitssuchende, die bereit sind, außerhalb der Grenzen ihrer Heimat einen Job anzunehmen. Denn es wäre nur logisch, wenn ein spezieller Fachkräftemangel in einem Mitgliedsland – z.B. im metallverarbeitenden Gewerbe – durch Fachkräfte aus einem anderen Mitgliedsland behoben würde. Das Mobilitätsprogramm der EU-Kommission „Eures“ bietet derzeit nicht weniger als 1,3 Millionen freie Jobs in der gesamten Union an. Aber viele EU-Bürger bleiben lieber in ihrer Heimat arbeitslos, als dass sie in einem anderen Mitgliedsland eine Beschäftigung annehmen.
Die Krise in südeuropäischen Staaten dürfte die innereuropäische Mobilität erhöhen. Denn immer mehr junge Griechen und Spanier suchen derzeit Arbeit in einem der nördlichen Mitgliedstaaten. So fanden dank einer spanisch-deutschen Kooperation zuletzt 565 Arbeitssuchende aus Spanien in Deutschland einen neuen Job. Im Rahmen dieses von Eures unterstützten Projekts nahm der Online–Händler Amazon 430 Personen auf. Es wurden aber auch Ingenieure, Krankenpfleger und Personal für das Hotel- und Gaststättengewerbe vermittelt.
Trotz solcher Erfolge bleibt in den meisten EU-Ländern mit einem Bedarf an Arbeitskräften die Zahl der eingewanderten EU-Bürgern gering. Frankreich hat mit 2,1 Prozent beispielsweise einen äußerst geringen Anteil an Zuwanderern aus anderen Mitgliedstaaten. Besonders klein ist der Anteil in osteuropäischen Ländern mit 1,3 Prozent in Tschechien und Ungarn oder gar nur 0,1 Prozent in Litauen. Die meisten Zuwanderer aus der EU leben derzeit in Luxemburg. Sie haben dort bereits einen Bevölkerungsanteil von 37,2 Prozent. Das kleine Land ist dabei aber eine Ausnahme, die mit den vielen dort angesiedelten internationalen Organisationen zusammenhängt.
Auch wenn in Österreich die Deutschen mittlerweile sogar die größte Zuwanderungsgruppe bilden, dominiert in fast allen EU-Staaten nach wie vor die Einwanderung aus Drittstaaten. Laut den am Mittwoch veröffentlichten Eurostat-Zahlen leben derzeit 20,5 Millionen Menschen mit einer Staatsbürgerschaft eines Nicht-EU-Landes innerhalb der Gemeinschaft (4,1% der Gesamtbevölkerung). In Österreich haben sie derzeit einen Anteil von 6,6 Prozent. Noch größer ist die Zahl von im Ausland geborenen Menschen, die nun hier leben. In Österreich sind es 9,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Differenz ist durch die Einbürgerung von Zuwanderern zu erklären.
Schweiz hat höheren Ausländeranteil
Das EU-Land mit dem größten Anteil ausländischer Staatsbürger (aus EU und Drittstaaten) ist Luxemburg mit 43,1 Prozent gefolgt von Zypern mit 20 Prozent und Lettland mit 17 Prozent. Österreich kommt auf 10,8 Prozent. Das Nicht-EU-Land Schweiz hat mittlerweile einen doppelt so hohen Ausländeranteil von 22,4 Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

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