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Rumänien ab sofort unter EU-Kuratel

18.07.2012 | 18:37 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Krise des Rechtsstaates: Die Europäische Kommission sieht ihr Vertrauen in die rumänische Regierung erschüttert und wird bis Jahresende regelmäßig Prüfer nach Bukarest schicken.

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Brüssel. Rumäniens sozialdemokratische Übergangsregierung steht ab sofort unter dauerhafter Überwachung der Europäischen Kommission. Am Mittwoch erklärte Kommissionspräsident José Manuel Barroso, die jüngsten Ereignisse in Rumänien hätten „unser Vertrauen erschüttert. Parteipolitischer Zwist kann die Ausschaltung von Grundprinzipien der Demokratie nicht rechtfertigen.“ Die Missachtung des Verfassungsgerichts, das Aufheben bewährter Verfahren und die Entfernung wichtiger Elemente der Gewaltenteilung hätten „die Verpflichtung der Regierung, die Rechtsstaatlichkeit zu respektieren, infrage gestellt“, warnte Barroso.

Darum werde die Kommission „angesichts der gegenwärtigen Unwägbarkeiten“ noch Ende 2012 einen weiteren Bericht über die Justizreform und die Korruptionsbekämpfung erstellen. „Im Rahmen regelmäßiger Besuche vor Ort sowie häufiger Unterredungen mit Vertretern der rumänischen Behörden“ werde die Brüsseler Behörde „die Fortschritte genau überwachen“, hieß es im aktuellen, am Mittwoch vorgestellten Bericht der Kommission.

 

Schuld sind immer die anderen

So streng ist bisher kein EU-Staat wegen seiner rechtsstaatlichen Versäumnisse kontrolliert worden. Zum Vergleich: Bulgarien, das ebenso wie Rumänien weiterhin kein wirklich europareifes Justizwesen hat und regelmäßig von Korruptionsskandalen erschüttert wird, hat bis Ende 2013 Zeit, gegenüber Brüssel seinen Reformeifer unter Beweis zu stellen.

Doch das strenge Vorgehen der Kommission gegenüber Bukarest scheint angesichts der jüngsten Ereignisse gerechtfertigt. So teilte der amtsführende Regierungschef, Victor Ponta, am Mittwoch per Twitter mit, Rumänien brauche die Berichte der Kommission, denn „das ist ein Mechanismus, der uns helfen wird, die Probleme hinter uns zu bringen, die in den Jahren des Basescu-Regimes geschaffen wurden.“

Schuld sind also stets die anderen, im Fall des Sozialdemokraten Ponta der vorläufig seines Amtes enthobene Präsident Traian Basescu, sein politischer Erzfeind. Und tatsächlich ist in den fast acht Jahren der Amtszeit des konservativen Basescu zumeist nur auf dem Papier etwas in Rumänien weitergegangen. Egal, auf welcher Seite man den 28-seitigen Kommissionsbericht aufschlägt, man stößt überall auf dasselbe Muster: Reformorientierte Gesetze werden erlassen, aber nicht ordentlich angewendet; Staatsanwälte und Anti-Korruptions-Jäger nehmen hohe politische Amtsträger aufs Korn, doch die Gericht trödeln so lange, bis die vorgeworfenen Straftaten verjährt sind. Zumindest in einem hochrangigen Fall hat Rumäniens Justiz Biss bewiesen: Adrian Nastase, einst rumänischer Regierungschef sowie Pontas Zieh- und Doktorvater, ist rechtskräftig wegen illegaler Parteienfinanzierung zu zwei Jahren Haft verurteilt.

 

„EU-Erweiterung wird kritischer“

Doch die Probleme sind nicht auf die beiden Länder beschränkt. Ihre Probleme haben vielmehr zu einer deutlichen Verschärfung der Beitrittskriterien für die Länder des Westbalkans geführt. „Klar, dass der Erweiterungsprozess kritischer geworden ist“, sagte ein EU-Diplomat am Mittwoch zur „Presse“.

Bestes Beispiel dafür ist Montenegro. Seit Ende Juni laufen zwar die Beitrittsverhandlungen, doch sie beginnen mit den härtesten Nüssen, nämlich den Kapiteln 23 (Judikative und Grundrechte) und 24 (Justiz, Freiheit und Sicherheit). Kroatien wiederum, das 2013 beitritt, ist nur haarscharf einem Überwachungsmechanismus entgangen. Detail am Rande: Es war die Regierung in Bukarest, die bis zuletzt auf eine möglichst harte Behandlung Zagrebs drängte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2012)

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22 Kommentare
Gast: einrumäne
09.08.2012 22:19
0 0

Rumänien, mach endlich die grenze zu

...und lass alle EU länder für tranzit und transaktionen aller Art kräftig zahlen. Rumänien wird in EU gebraucht, ja, aber nur aus wirtschaftliche grunde, für die Wirtschaftsgroßen aus EU damit die Zoll und Steuern sparen können.
Rumänien kann auf EU, verlogene Politik und Moralprädiger mit zwei gesichter like Niederlande&Frankreich und (T)Euro gut verzichten.


Gast: werbistdu
21.07.2012 23:17
0 0

Warum jetzt der Aufschrei

... der super gescheiten EU Politiker?
Man hat doch vor 10 Jahren gesehen, daß diese Ostblockstaaten absolut EU untauglich sind.
Und sie werden in weiteren 10 Jahren noch immer nicht weiter sein.
Man spricht von Versäumnissen in der Justiz und Verwaltung dieser Länder. Besser wäre es, von schwerwiegenden Fehlentscheidungen der Politik und Betrug an den EU Bürger zu sprechen.
Manchmal denke ich, jeder Stammtischprolet hat mehr Hausverstand als das ganze EU Parlament zusammen.

Ein ehemaliger spanischer Regierungschef

sagte zu Rumänien vor deren Beitritt: Jetzt unterschreibt alles, wenn ihr drinnen seid macht was ihr wollt. Mancher EU-Befürworter kann für das Projekt gefährlicher sein als mancher Gegner. Noch eine Frage: Immer weniger Nettozahler stehen immer mehr Nettoempfängern gegenüber, trotzdem wird der Beitritt von Problemländern vorangetrieben, das ist mathematisch ein Problem, und politisch erst recht.

Rumänien ist EU - Nettozahler! 66% würden gegen Basescu bei der Volksbefragung abstimmen!

Das EU - Land Rumänien ist ein Rechtsstaat! Eine CURS - Meinungsinstitut Umfrage von heute, zwischen 11. - 16.07.2012 durchgeführt: 61 % der Befragten sind der Meinung, dass sie am 29. Juli sicher zur Volksbefragung gehen werden. Über ihre Wahlabsichten sagen 66 % der Befragten, dass sie mit Ja für die Absetzung von Traian Basescu stimmen werden, 34 Prozent sagen dazu Nein. Dies bedeutet, dass gegenwärtig zwei von drei Wählern für die Absetzung des Staatschefs sind. Was die Validierung des Referendums betrifft, sind 31 Prozent der Meinung, dass diese nur dann erfolgen kann, wenn sich 50 Prozent plus einer Stimme der auf den Wählerlisten Eingetragenen daran beteiligen, 41 Prozent sagen, dass das Referendum unabhängig von der Wahlbeteiligung validiert werden muss und 28 Prozent antworten auf die Frage nicht. Fehlermarge: +/- 3% (siehe mehr dazu unter www.adz.ro)

Antworten Antworten Gast: commedia dei ciarlatani
20.07.2012 09:39
0 1

Re: Rumänien ist EU - Nettozahler!


Das ist nun wahrlich kein Ruhmesblatt, wenn ein Land Fördergelder aufsaugen sollte wie ein ausgetrockneter Schwamm und dazu nicht fähig ist. Rumänien hält, nebst vielen, auch in der Disziplin Nicht-Absorption der Kohäsionsmittel den wenig ehrenvollen ersten Platz und hat berechtigte Aussichten sich vom Pulk der Verfolger noch weiter abzusetzen falls die 40% Manipulierten ihren Willen bekommen.
Die nichteingeweihten Interessierten sollten von dem recht weisen rumänischen Spruch Kenntnis erhalten demzufolge man sich hinlegen sollte sobald drei Personen einem sagen man sei betrunken. Andernfalls liegt eine weite, mit allerlei Gefahren gespickte Strecke des Torkelns bevor.

Gast: Selectiv
19.07.2012 09:35
1 0

Selektive Wahrnehmung in Österreich: Viktor oder Victor


Bei Viktor Orban in Ungarn regt sich sofort jeder über seine 2/3 Mehrheit und die daraus resultierende Machtfülle auf.

Die beispiellose Säuberungsaktion des linken Victor Ponta in Rumänien, die die EU schockiert und die durch Verfassungsbruch selbst vor dem Staatspräsidenten nicht Halt macht störte in unserem Land vorerst niemanden. Viel zu spät erhielten die Zustände eine gewisse publizität - offensichtlich hat seine Weltanschauung viele Freunde in unseren Medien.

Gast: konradilp
19.07.2012 07:35
3 0

schuldige

die eu-erweiterungskommissäre verheugen und rehn müssten zur verantwortung gezogen werden,da sie diese länder viel zu früh in die eu hinein gedrückt haben ohne wenn und aber. jetzt steht die eu vor einem scherbenhaufen, wie so oft.

klingen die im zweiten absatz

"schuld sind immer die anderen" angeführten rumänischen missstände des kommissionsberichtes dem politisch interessierten österreicher nicht irgendwie vertraut ?
den eu strategen - wer immer sich dafür hält - kommt es durchaus gelegen, einmal zeigen zu können, wo es lang gehen sollte. denn im eigenen bereich hat man sich ja oft verirrt.
aber vielleicht gehört es zur strategie, rumänien demonstrativ hart anzufassen - obwohl ich für weitere beobachtung und blockierung schengen bin- um ponta die rutsche zu legen, damit er basescu endgiltig los wird.
teufel mit beelzebub austreiben nennt man das.

Wer hat Monti, Ashton, Rompuy oder Barroso je gewählt?

Wie war das mit Rechtsstaatlichkeit und Verfassungsprinzipien und dem ESM?
Stellt hier der Blinde den Einäugigen unter Kuratell? Sollten wir uns nicht endlich einmal mit dem Gedanken tragen, sie alle unter Kuratell oder noch besser an eine Wand zu stellen?

Re: Wer hat Monti, Ashton, Rompuy oder Barroso je gewählt?

Die Frage ist berechtigt, der letzte Halbsatz zeigt jedoch leider auch die ganze intellektuelle Dürftigkeit mit der diese Debatte geführt wird.

Antworten Gast: sisisi
19.07.2012 12:23
1 0

Re: Wer hat Monti, Ashton, Rompuy oder Barroso je gewählt?

Brüssel nach der Wahl von Rompuy
http://www.youtube.com/watch?v=uNXGmBVazZ8

Gast: enderow
18.07.2012 20:34
0 0

Rumänen: Werft die Besatzer hinaus!

Nach Ceaucescu müsst Ihr wieder einmal eine Diktatur abschütteln!

Antworten Gast: Hans im Glück
19.07.2012 08:31
0 0

Re: Rumänen: Werft die Besatzer hinaus!

Mit dem Wohlstand aus einer längst vergangenen Zeit wurde der Ostblock in die EU geködert.

Mit dem ESM verlieren die Staaten mit solidem Staatshaushalt die Motivation dies so bei zu behalten. Die im Süden werden nie Sparen. So wird unser Wohlstand verspielt. So wird die derzeitige Scheindemokratie in die Diktatur geführt.

Danke an die grüneSPÖVP.

Gast: commedia dei ciarlatani
17.07.2012 21:03
2 0

sir winston kannte die "originelle" demokratie à la roumaine nicht


Der Interims-Präsident, Antonescu, machte bei der parlamentarischen Farce, die mit der Suspendierung des gewählten Präsidenten endete, ein unwiderstehliches Angebot: sollte Băsescu auch diese zweite Amtsenthebung überstehen, wolle er sich aus der Politik ganz und gar zurückziehen. Es wär' net an der Dâmboviţa (der Wienfluß, der durch Bukarest fließt und zuwenig Wasser führt, um all den Dreck fortzuspülen) würde er einige Tage später nicht Wenns und Abers aus dem Ärmel hervorzaubern. Das Versprechen bleibt indes so attraktiv, daß man ihm alle Bedingungen erfüllen sollte damit er und sein Pollux, der Plagiator und andere gewohnheitsmäßige Lügner ("il dottore"), von der Bühne verschwinden.
Băsescu hat sich in den acht Jahren seiner Amtsführung zwar als der Kohabitation (im unverfänglichen Sinn des Wortes) unfähig erwiesen und er würde bis 2014 auch nicht zum großen Mediator mutieren, doch nach all dem was diese zwei in 14 Tagen angestellt haben wäre es dem Wahlvolk dringend anzuraten sie nicht weiter an den Schalthebeln der Macht zu belassen. Die malignen Strippenzieher hinter den hilflosen Paladinen gehören einfach geschaßt.

Re: sir winston kannte die "originelle" demokratie à la roumaine nicht

ihr nick bringt`s eigentlich schon auf den punkt !

und

was ist mit Griechenland? Sind die wirklich rechtsstaatlich und vertragsmäßig unterwegs? Glaub ich nicht. Aber in Brussel wurde von jeher mit zweierlei Maß gemessen. Die kennen nämlich selbst kein Recht und keinen Vertrag. Die sind dort nur dazu da gebrochen zu werden. Aber über einzelne Mitglieder regen sie sich wegen Kleinigkeiten auf. Doofer Verein.

Re: und

Ich vermisse in der EU-Debatte die "konstruktiven Skeptiker". Einerseits jene Anhänger der "Alternativlosigkeit" jedes Handelns, andrerseits die populistischen EU-Phobiker. Es gäbe jede Menge berechtigter Fragen die zivilisiert thematisiert werden sollten.

3 0

Was faseln irgendwelche EU-Politruks von "Rechtsstaatlichkeit"?

Das ist ja wohl das letzte, das die gebrauchen können. Um Unterwerfung geht es denen, nichts sonst.

Der interimistische Präsident Antonescu hat das Referendumsgesetz unterzeichnet.

Der interimistische Präsident Antonescu hat das Referendumsgesetz unterzeichnet. Das Verfassungsgericht hatte vorige Woche entschieden, dass dieses Gesetz verfassungsgemäß ist, wenn sich am Referendum die Hälfte plus einer der auf den Wählerlisten Eingetragenen beteiligen.
Der interimistische Präsident äußerte dazu, dass die Bestimmungen der Venedig-Kommission zwar keine Mindestgrenze für die Beteiligung an einer Volksbefragung empfehlen, auch er halte diese Ansicht für richtig. Es sei jedoch im „nationalen Interesse“ gewesen, dass er das Referendumsgesetz mit dem vorgeschriebenen Quorum unterzeichnet, denn dadurch würde ein „heiß diskutiertes Thema“ aus der Welt geschafft.
Rumänien ist also ein demokratisches Land wo EU - Empfehlungen auch respektiert werden. Am 29.07.2012 werden die Rumänen per Volksabstimmung entscheiden können. Vox populi, vox dei!

Gast: Winston C.
17.07.2012 17:32
2 0

keine Panik!

Sehr geehrte Damen und Herren, es ist ein rein politischer Kampf, keine Panik! Rumänien war und ist ein demokratisches Land und wie Sie wissen „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen“.

Winston Churchill

Gast: Hubert Bürger
17.07.2012 17:14
0 2

Bei Ungarn wird geschwiegen, bei Rumänien gebasht.

Schöne, faire EU. Und völlig blind auf dem rechtsextremen Auge.

Gast: STAVKA
17.07.2012 17:06
3 1

Na Hauptsache ...

... wir haben alle diese Länder in die Spenden-Union der EU aufgenommen. Und jetzt noch die Ukraine, Belorußland, Serbien, Georgien und die Türkei. Wir haben's ja, bzw. unsere reichen Steuerzahler.
Die EUdSSR ist gescheitert, so wie das große Vorbild!