Kopenhagen/Gam. Bisher waren die Dänen ja gemeinhin für ihre große Europaskepsis bekannt. Umso überraschender ist es, dass sich die Autofahrer des nördlichen EU-Landes offenbar gerne als Anhänger eines geeinten europäischen Kontinents zu erkennen geben, wie jüngst bekannt wurde: Seit dem Jahr 2009 muss nämlich jeder dänische Autokäufer vor der Registrierung seines Vehikels auf einem Formular ankreuzen, ob er das Euro-Nummernschild mit dem blau-gelben Emblem wünscht oder eine neutrale Tafel nur mit Lettern und Ziffern bevorzugt.
Nach drei Jahren mit dem neuen System gibt es nun erste Zahlen: Nur 15 Prozent wählen den dänischen Purismus, 85 Prozent aber das Europakennzeichen mit den zwölf Sternen. Auch jetzt, da die EU in der Schuldenkrise wankt, deutet nichts auf eine Trendwende hin. Noch 2009 war die rechte Dänische Volkspartei davon überzeugt, dass die Mehrheit auf die Sterne verzichten würde.
Dänemark hatte sich einst unter allen EU-Staaten am längsten gegen die Einführung der gemeinsamen Kennzeichen gesträubt. Als selbst EU-Neulinge wie Slowaken und Litauer ihre nationalen Nummernschilder gegen die europäischen getauscht hatten, fuhren die Dänen weiter mit ihren weißen Platten mit rotem Rand. Bis schließlich 2009 die alten Serien bei der Buchstabenkombination „ZZ“ angelangt waren und ein neues System aufgelegt werden musste.
Volkspartei gegen Einheitstafeln
Da hätte die dänische Verkehrsbehörde einfach zu den Euro-Kennzeichen übergehen können. Das aber hätte zu Protesten der lautstarken EU-Gegner geführt und zu einem Aufschrei, dass man die Dänen hinter ihrem Rücken in den Einheitsstaat führen wolle. Vor allem die Volkspartei verwahrte sich dagegen, dass die Automobilisten eine Idee propagieren sollten, die ihnen zuwider ist. So kam es zu dem Kompromiss, dass jeder Autofahrer selbst wählen darf – und der Erkenntnis, dass die Dänen wohl doch nicht so europaskeptisch sind wie angenommen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2012)
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