Wien/Brüssel/Aga. Es ist auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches: Wieder einmal ziert eine riesige Baustelle den ohnehin nicht besonders ansehnlichen Schuman-Platz im Zentrum des EU-Viertels in Brüssel. Diesmal ist es das Gelände des Résidence-Palace-Gebäudes, auf dem ein neues Ratsgebäude mit dem findigen Namen „Europa“ entstehen soll. Nun aber wurde bekannt, dass es im Zuge der Bauarbeiten zu erheblichen Komplikationen gekommen ist. Schon jetzt steht fest: Die Errichtung des Gebäudes wird Kosten ungeahnten Ausmaßes verursachen und beträchtliche Verzögerungen nach sich ziehen.
Verzögerung mindestens vier Monate
Der Grund: Auf dem Areal, das auch ein Bürogebäude für Brüssel-Korrespondenten beherbergt, wurde eine erhebliche Ölverunreinigung festgestellt. Offiziell wird sich damit eine Verzögerung der Bauarbeiten, die planmäßig im Dezember 2013 abgeschlossen sein sollten, um 127 Tage ergeben. Vor April 2014 ist an eine Fertigstellung und Übergabe an die EU-Institution also nicht zu denken. Der offizielle Schaden beläuft sich derweil auf 646.000 Euro.
Es könnte aber noch viel schlimmer kommen: Mit Schrecken erinnert sich jetzt nämlich so mancher an den jahrelangen Umbau des direkt gegenüber gelegenen Berlaymont-Gebäudes, in dem ein Großteil der Büros der EU-Kommission untergebracht ist. Im Jahr 1991 wurden dort massive Asbestvorkommen festgestellt, weshalb die gesamte Belegschaft fluchtartig in umliegende Gebäude übersiedeln musste.
„Berlaymonster“ statt Berlaymont
Zunächst hieß es, die 1995 begonnene Sanierung würde im Jahr 2000 abgeschlossen sein. Doch erst im November 2004 konnten die Beamten in das komplett renovierte Gebäude zurückkehren. Die beinahe zehn Jahre dauernden Sanierungsarbeiten und immer wiederkehrende Korruptionsvorwürfe im Zuge des Umbaus trugen der Beamtenburg den Spitznamen „Berlaymonster“ ein. Planungsfehler, Rechtsstreitigkeiten und Baumängel hatten auch die Umbaukosten des sternförmigen Gebäudes explodieren lassen: Ursprünglich waren einige hundert Millionen Euro veranschlagt gewesen, schließlich schlug die Renovierung mit 1,5 Milliarden Euro zu Buche.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2012)
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
