Brüssel/Wb. Die Schuldenkrise lässt die EU-Stimmung in der Bevölkerung auf einem Tiefpunkt verharren. Lediglich 31 Prozent der EU-Bürger sehen die EU derzeit, „ganz allgemein gesprochen“, positiv. Das sind ebenso wenige wie im vergangenen Herbst. 28 Prozent bewerten sie negativ, der Rest sieht sie neutral. In Österreich, das zeigen die ersten Ergebnisse der neuesten Eurobarometer-Umfrage, ist die Stimmung noch schlechter. Nur 23 Prozent schätzen hier die derzeitige Situation der EU positiv ein, 36 Prozent bewerten sie negativ.
Trotz dieser Einschätzung erwartet die EU-Bevölkerung gemeinsame europäische Antworten auf die Krise. Eine deutliche Mehrheit von 84 Prozent rechnet mit einer noch engeren Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten. Nur 11 Prozent bewerten dies nicht als Notwendigkeit (5% „weiß nicht“). So befürworten denn auch 76 Prozent der EU-Bürger eine stärkere Abstimmung der Wirtschafts- und Finanzpolitik. 63 Prozent der Befragten treten für die gemeinsame Einführung einer Finanztransaktionssteuer ein. In Österreich liegt die Zustimmung zu einer solchen Tobin-Steuer sogar bei 80 Prozent. Das einzige Land, in dem eine relative Mehrheit der Bevölkerung diese Steuer ablehnt, ist Großbritannien (38% dafür, 47% dagegen). Auch die Vergemeinschaftung von Schulden über Eurobonds wird mehrheitlich positiv bewertet. 41 Prozent sind EU-weit dafür, 29 dagegen (Rest: „weiß nicht“). Auch in Österreich ist eine Mehrheit (48% dafür, 36% dagegen) für das Auflegen gemeinsamer Schuldtitel. Eine klare Ablehnung gibt es dazu in Deutschland (25% dafür, 57% dagegen).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)
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