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Silvio Berlusconi taktiert mit dem Euro-Austritt Italiens

01.08.2012 | 18:16 |  SUSANNA BASTAROLI (Die Presse)

Der Medienmagnat und Ex-Premier von Italien, möchte mit einem euroskeptischen Kurs bei den kommenden Parlamentswahlen wieder punkten. In Italien könnte sich ein Anti-Euro-Kurs bei den Wählern bezahlt machen.

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Wien/Rom. Monatelang war es ruhig um Silvio Berlusconi. Und dann, kurz vor dem EU-Krisengipfel Ende Juni, katapultierte sich Italiens Ex-Premier wieder in die Schlagzeilen: „Einen Euro-Austritt? Man muss es sich überlegen dürfen. Das ist keine Gotteslästerung.“ Wenige Wochen später kündigte Berlusconi seine Kandidatur für das Amt des Regierungschefs offiziell an.

Ist die Attacke gegen die Gemeinschaftswährung nur die übliche taktische Provokation? Der Politologe Ilvo Diamanti ist anderer Meinung: Berlusconi ebne bereits seine Machtbasis für die Post-Euro-Ära, schreibt er in der „Repubblica“. Laut Tageszeitung „La Stampa“ war es gar der mögliche Euro-Austritt Italiens, der Berlusconi Mitte Juli zu seiner insgesamt sechsten Premierskandidatur bewegte. Davor habe der Marketingexperte Umfragen und Zukunftsprognosen zum Thema genau studiert. Er sei zu folgendem Schluss gekommen: Im krisengebeutelten, zunehmend reformmüden Italien könnte sich ein Anti-Euro-Kurs bei den Wählern bezahlt machen.

Überzeugt könnte den Cavaliere unter anderem eine Studie der Bank of America Merrill Lynch haben. Darin wird behauptet, dass „Italien und Irland die beiden Länder sind, die am meisten vom Euro-Austritt profitieren würden“. Ein Rückkehr zur Lira, oder einer anderen „billigen“ Währung, würde Italiens Exportwirtschaft antreiben und seine hohen Schulden verringern. Voraussetzung sei allerdings ein langfristig vorbereiteter, „geordneter“ Rückzug, auf den sich die Märkte einstellen können.

Giuseppe Ferraguto, Ökonom an der renommierten Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi, hält nichts von dieser Prognose: „Ein Euro-Austritt wäre für Italien eine Katastrophe.“ Langfristig wäre das Land ohne Euro nicht konkurrenzfähig, sagt er der „Presse“. Unausweichlich wäre etwa der Zusammenbruch mehrerer Banken, die mit einer abgewerteten Währung ihre „teuren“ Euro-Schulden nicht mehr zurückzahlen könnten – mit dramatischen Folgen auch für andere EU-Staaten. „Kein Politiker mit gesundem Hausverstand kann ernsthaft einen Euro-Austritt erwägen.“

 

Skepsis in den eigenen Reihen

Berlusconi offenbar schon. Mitte Juli hat der Ex-Premier dazu zehn internationale Wirtschaftsexperten in seine Luxusvilla bei Mailand geladen. Mit dabei war sein einstiger Außenminister, der Wirtschaftsprofessor Antonio Martino, von Anfang an lautstarker Gegner des Euro-Beitritts Italiens.

Noch muss der Cavaliere harte Überzeugungsarbeit leisten, sogar innerhalb seiner eigenen Partei: Gerüchten zufolge halten die Moderaten rund um den 41-jährigen Angelino Alfano wenig von der neuen euroskeptischen Linie. Auch die Italiener muss Berlusconi für sich gewinnen. Jeder Zweite vertritt die Meinung, der Cavaliere habe dem Land geschadet. Noch stehen sie hinter den harten Sparplänen ihres Übergangspremiers Mario Monti: Laut einer Umfrage von Juli unterstützen 45Prozent den eisernen Reformkurs des Wirtschaftsprofessors aus Mailand. Doch die Beliebtheit Montis und seiner Austerity-Politik nimmt ab: Im April waren noch 50 Prozent, im März gar 60 Prozent der Italiener für die Linie des Premiers.

Berlusconi hat zwar versichert, weiterhin Montis Reformen unterstützen zu wollen. Seine Kritik am harten Sparkurs nimmt aber auffallend zu.

Der Medienmagnat jedenfalls will den Sommer nützen, um sich auf den Wahlkampf vorzubereiten. Und der könnte kürzer und intensiver sein als erwartet: Parlamentswahlen sollen zwar erst im Frühjahr stattfinden, in Rom kursieren aber bereits Gerüchte über vorgezogenen Wahlen im Herbst. Mario Monti, das hat er mehrmals betont, will nicht kandidieren.

Es wäre nicht erstaunlich, würde Berlusconi sein Anti-Euro-Programm schnell und professionell aufstellen. Das Überreden und Verkaufen gehört zu seinen größten Talenten. Die Mittel, um seine Botschaft zu verbreiten, hat er: Der Medienmagnat besitzt weiterhin Zeitungen, Zeitschriften, die wichtigsten privaten TV-Kanäle und hat großen Einfluss auf den öffentlichen Sender RAI. Man munkelt, dass er diesmal auch massiv das bisher vernachlässigte Internet einsetzen werde. Zudem wird er die besten Berater und Experten anheuern: Der Multimilliardär kann sie sich leisten.

Auf einen Blick

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi hat im Juli angekündigt, für seine Mitte-rechts-Partei erneut als Premier kandidieren zu wollen. Derzeit regiert in Italien eine technische Übergangsregierung unter dem Wirtschaftsprofessor Mario Monti, Parlamentswahlen sollen im Frühjahr 2013 stattfinden. Gerüchte verdichten sich, dass Berlusconi im Wahlkampf mit einem Euro-Austritt des Landes punkten will.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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49 Kommentare
 
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Gast: Wegen Urlaub geschlossen
03.08.2012 13:18
0 0

Fekter: "Italien-Austritt wird derzeit nicht diskutiert"


warum sitzt der nicht?

.

Antworten Gast: Junge Frau
12.08.2012 19:37
0 0

Re: warum sitzt der nicht?

Alter Mann.

Gast: Italobeobachter
02.08.2012 14:26
3 0

Nach dem Putsch der Illuminaten.. doch wieder Wahlen?

Ich dachte, der Italo-Premier wird ab sofort von Bruessel eingesetzt?

3 2

Ein typisch italienisches Schlitzohr, dieser Berlusconi -

als er noch als Premierminister im Amt war, versuchte er in punkto Euro-Stabilität alle rechts zu überholen. Jetzt, wo er weg vom Fenster ist, dreht er sich um 180° und macht auf Opposition zum Euro. Ich glaube allerdings, er verkalkuliert sich: die Mehrheit der Italiener wissen, dass sie ohne Euro und EU sehr rasch auf Griechenland-Niveau absaufen würden.

Re: Ein typisch italienisches Schlitzohr, dieser Berlusconi -

Warum sollten sie absaufen?

Antworten Gast: "Ohne Euro absaufen"??
02.08.2012 15:32
4 1

Re: Ein typisch italienisches Schlitzohr, dieser Berlusconi -

So wie Norwegen und Schweden??LOL

Re: Re: Ein typisch italienisches Schlitzohr, dieser Berlusconi -

Norwegen hat genug Öl, schweden seine Krise schon hinter sich und hat keine Wählerstimme auf Schulden gekauft wie die SPÖ, Griechenland, Italien...

Gast: Bänk$tr
02.08.2012 12:36
2 2

Also wenn er auf eine der amerikanischen Pleitebanken hört

Ist wohl endgültig der letzte Rest seines Hirns im Suff verflüssigt worden

4 3

Nicht lustig machen, bitte!

Es wäre fehl am Platz sich über Berlusconi lustig zu machen. Gute Gründe sprechen für einen Euro-Austritt, an vorderster Stelle Konkurrenzfähigkeit und Exportsteigerung. Nicht zuletzt ist es auch eine Frage der politischen Anständigkeit: als Land Verantwortung zu übernehmen anstatt sich von den Fleißigen und Sparern Europas aushalten zu lassen.

Antworten Gast: 007erl
02.08.2012 17:44
2 3

Re: Nicht lustig machen, bitte!

Sie haben recht - über DEN kann man nur weinen. Aber unerheblich: Er kann noch soviel Schaum schlagen, das wird nichts mehr, die Italiener haben überwiegend genug von ihm, bei Wahlen würde es höchstens für 5 - 10% reichen. Ciao!

Antworten Gast: MIsex
02.08.2012 12:53
2 0

Re: Nicht lustig machen, bitte!

Tut uns Leid, geht nicht.
So kurz ist unser Gedächtnis noch nicht.

Spanien, Portugal, Irland, Griechenland, Kreta sind bereits pleite, womit im ESM überhaupt gar kein Geld für Hilfen für Italien vorhanden sind.

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/475558_Milliardengrab-Eurorettung.html

Re: Spanien, Portugal, Irland, Griechenland, Kreta sind bereits pleite, womit im ESM überhaupt gar kein Geld für Hilfen für Italien vorhanden sind.

wienerteitung, welch zitierwürdiges Medium.

gestern war auch in der Bild, dass aliens bei Olympia waren

Antworten Gast: xxxyyyzzz
02.08.2012 15:33
1 0

Re: Spanien, Portugal, Irland, Griechenland, Kreta sind bereits pleite, womit im ESM überhaupt gar kein Geld für Hilfen für Italien vorhanden sind.

... und zum 1001. Mal derselbe, seichte Link ...

Schön langsam ist das wirklich Stalking der Presse-Community.

P.S. Kreta ist Teil Griechenlands. Weshalb erwähnen Sie die Insel dann separat?

Gast: Angelina Merkelowitsch
02.08.2012 11:29
5 2

Der bekannte italienische Implantatträger und Viagra Tortenbäcker Silvio Berlusconi

versucht politisch wieder einen hochzukriegen.

Bravo

Silvio hat's verstanden der Euro schadet seinem Land nur !!!

Antworten Gast: asu
02.08.2012 11:35
5 1

Re: Bravo

und ich behaupte, silvio braucht nur die politische immunität

5 3

„Einen Euro-Austritt? Man muss es sich überlegen dürfen. Das ist keine Gotteslästerung.“

Na bitte. An dem Mann ist offensichtlich doch was dran!

italien in ein souveraener staat

der nicht besetzt ist und sich an shaef gesetze halten muss wie deutschland - die ersatzwaehrung liegt bereits in den bunkern von italiens banken- die koennen jederzeit den stecker ziehen

dasselbe schiefe und verschlagene grinsen wie haider hat er ja.

da ist es nur konsequent, auch die bocksprünge dieses messias abzupausen und je nach tagesaktuellen umfragen grundsätze über bord zu werfen, andere ins boot zu holen, um sie einen tag später schon wieder auszutauschen.

so wie die fpö ist auch berlusconi nichts anderes als ein rattenfänger, der sich auf lumpen spezialisiert hat!

ahhhn ja es gibt ihn also

den Austritt aus dem Euro ohne das dieser in einen Weltuntergang mündet.

Und warum erzählt man dann dem Bürger das eine Austritt irgendeines Landes automatisch im Weltuntergang endet, und deshalb aberMRD Euros verbrannt werden müssen ?????

Wird es am Ende so sein, das der Club-Med sich jetzt schön durchfüttern lässt um langfristig seinen Austritt zu planen um dannach sehr gut dazustehen während die Retter im Chaos versinken und es den Club-Med überhaupt nicht kümmert ?????

Den Verdacht könnte man langsam bekommen.

Re: ahhhn ja es gibt ihn also

"Und warum erzählt man dann dem Bürger das eine Austritt irgendeines Landes automatisch im Weltuntergang endet, und deshalb aberMRD Euros verbrannt werden müssen ?????"

Die Antwort steht im Artikel.

Gast: karl schnitzel
02.08.2012 08:05
1 0

der zug der lemminge


Gast: TT1
02.08.2012 07:48
4 3

Wäre B. ein Österreicher

wäre er in der FPÖ.

Re: Wäre B. ein Österreicher

oder SPÖ

 
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