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Mangelhafte EU-Kommunikation in der Krise

21.08.2012 | 17:41 |  Von Anna Gabriel (Die Presse)

Insbesondere die EU-Kommission hat in den vergangenen vier Krisenjahren häufig durch Unsichtbarkeit geglänzt. Doch auch die Staats- und Regierungschefs „erklären“ die Krise nur unzureichend.

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Wien. Die Krisenfeuerwehr der EU ist derzeit mit dem Löschen so vieler Brände beschäftigt, dass der Durchschnittsbürger längst den Überblick verloren hat. Uneinigkeit zwischen den Regierungschefs der großen Euroländer und weithin geschwächte Institutionen tragen wenig zur Klärung der Lage bei; die Bevölkerung bleibt verstört zurück. Ist die Krisenkommunikation der EU gescheitert?

„Ja“, sagt der deutsche Kommunikationswissenschaftler Michael Brüggemann vom „Institute of Mass Communication and Media Research“ an der Universität Zürich. „Die verschiedenen Akteure haben kollektiv versagt – und zwar in allen drei Bereichen gelungener Krisenkommunikation: Schnelligkeit, Offenheit und Konsistenz.“

Insbesondere die EU-Kommission sei in den vergangenen vier Jahren kaum sichtbar gewesen, weil „Ratlosigkeit und Unsicherheit“ die Situation beherrscht hätten. „Viele Politiker und andere Entscheidungsträger wollen Probleme, für die sie noch keine Lösung haben, aus Angst nicht zugeben“, resümiert Brüggemann. Oft habe sich die Kommission daher um die Beantwortung wichtiger Fragen gewunden. Die Konsequenz: stark erhöhte Verunsicherung in der Bevölkerung.

Barrosos verspäteter Besuch in Athen

Die Unsichtbarkeit der Kommission in der Krise manifestiert sich indes an einem aktuellen Beispiel: Erst Ende Juli dieses Jahres besuchte Präsident José Manuel Barroso Athen zum ersten Mal seit Ausbruch der Eurokrise, um beim konservativen Staatschef Antonis Samaras Druck zu machen, die dringend nötigen Sparmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Kritiker bemängeln, der Besuch hätte viel früher stattfinden müssen, hängt die Mitgliedschaft Griechenlands in der Eurozone wegen verabsäumter Reformprogramme doch schon seit geraumer Zeit am seidenen Faden. Doch nun sei selbst die verspätete Visite Barrosos lediglich „ein rein symbolischer Akt“ ohne konkrete Ergebnisse gewesen, kritisiert Brüggemann.

Auch ein Mangel an eigenen Ideen sei wohl daran schuld, dass die Kommission sich in der Krise nicht als Impulsgeber behaupten konnte und Barroso sich – zerrieben zwischen den Interessen der einzelnen Mitgliedstaaten – zunehmend in einer defensiven Position wiederfand.

„Durch das Schweigen der EU-Institutionen ist ein gefährliches Machtvakuum entstanden, das andere Akteure wie die Ratingagenturen auf den Plan gerufen hat“, erklärt der Kommunikationswissenschaftler. „Diese Akteure schaffen zusätzliche Unsicherheit – auf den Märkten und in der Bevölkerung – und bedeuten deshalb eine Gefahr.“

Richard Kühnel, Leiter der Kommissionsvertretung in Österreich, sieht das naturgemäß ein wenig anders: „Die Kommission versucht permanent, offensiv mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten und an neue Zielgruppen heranzukommen – insbesondere jene, die nicht unbedingt europafreundlich gesinnt sind“, versichert er. Aber: Allein sei das schwer möglich; vermehrt müssten auch Akteure der Zivilgesellschaft mobilisiert werden. Jedoch räumt Kühnel ein, dass man auf „negative Meldungen über Einzelaspekte der Krise“ nicht immer gleich reagieren könne.

„Unwille, Europa zu kommunizieren“

Auch Brüggemann glaubt nicht, dass die Schuld an der mangelhaften Krisenkommunikation die Kommission allein trifft. So seien die deutsche Kanzlerin, Angela Merkel, und Frankreichs ehemaliger Präsident Nicolas Sarkozy es schließlich erst gewesen, die die Institutionen geschwächt hätten, kritisiert er – und zwar nicht zuletzt durch die Installierung relativ farbloser Führungspersonen wie Barroso oder Ratspräsident Herman Van Rompuy an deren Spitze.

Kühnel nimmt die Staats- und Regierungschefs auch auf anderer Ebene in die Pflicht: Deren Aufgabe sei es, schon im Vorfeld von wichtigen Entscheidungen – also etwa vor einem EU-Gipfel – im Heimatland die Diskussion mit den Bürgern zu suchen und die eigene Position klar darzulegen. „Es geht in der Eurokrise um äußerst komplexe Themen – umso wichtiger wäre es auch, diese ausreichend zu erklären“, fordert er. Brüggemann geht noch einen Schritt weiter: Er ortet unter einigen Staatschefs sogar einen „Unwillen, Europa zu kommunizieren“.

Wie eine erfolgreiche Krisenkommunikation funktionieren könnte, dafür gibt es freilich kein Patentrezept. Oft werden die positiven Nachrichten von drohenden Untergangsszenarien überdeckt. Wichtig sei die Zusammenarbeit verschiedener Akteure der Zivilgesellschaft wie Wirtschaft, Politik, Kulturschaffenden und Intellektuellen, die sich für eine europäische Diskussion einsetzen, so Kühnel. Aber: „Wundermittel gibt es natürlich keines.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2012)

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6 Kommentare

Nur Lügen durch die griechische Reg.

In Athens Kassa klafft ein neues MilliardenlochSchuldenschnitt und zwei Rettungspakete reichen nicht. Die Finanzierungslücke ist größer, als von der neuen Regierung angenommen. Es fehlen bis zum Jahr 2014 nicht 11,5 Milliarden, sondern 14 Milliarden Euro.

hier eine neue Nachricht ! und ich behaupte das es keine 14 sondern da kann man noch mindestens 500 Milliarden anhängen !

Griechenland ist wirklich ein Fass ohne Boden!
Ich bitte euch ich hatte mich schon damals gewundert wie dieses arme Griechenland jemals die Kriterien erfüllt hat um in Euro-Zone aufgenommen werden zu können. Heute weiß ich es, es war eine große Lüge den Leuten von damals kann es egal sein sind eh alle samt entweder tot oder mit deftiger Pension irgendwo auf einer griechischen Insel!

Mir bekannt von sicheren Quellen haben die Griechen noch Strom-Rechnung Schulden an die Türkei der letzten 3 Jahre !

Auch mir bekannt haben sie Aufträge abgegeben für Kampf-Jets und andere Militär-ausgaben in zwei stelliger Milliarden höhe!

und es summiert sich und summiert sich wenn wollen die Griechen noch belügen ?

Griechenland raus aus der EU aber ganz raus nicht nur aus der EU-Wirtschaftszone ganz raus!

Die sollen ihre Drachmen wieder einführen und jede Menge davon drucken anders werden sie Ihre Schulden nicht loswerden ! Sie hatten ein Chaos Verweilen und da sollen sie wieder hin. Niemand in Griechenland glaubt und will die Kriterien von der EU auch erfüllen!

Wollen sie nicht kommunizieren oder können sie es gar nicht?

So ein wichtiges Thema, aber anscheinend für die LeserInnen im Forum nicht interessant genug. Meiner Ansicht nach ein großer Fehler.

Wer diese meine Ansicht teilt, dem empfehle ich den Kommentar von PETER MUZIK vom 29.08.2012 für die EU-INFOTHEK unter http://www.eu-infothek.com/article/die-krise-der-eu-kommunikation .

MUZIK liefert tiefe Einblicke in den EU-PR-Apparat und zeigt auf, warum das alles auch nicht funktionieren kann!

Kein Problem!

Ich denke, es gab und gibt kein Kommunikationsproblem. Der Inhalt des ESM ist dem politisch interessierten Bürger hinlänglich bekannt, die Auswirkungen einer Politischen Union ebenfalls und wenn Fr. Merkel von einer " marktkonformen Demokratie" spricht, ist man im Bilde. Ein Bedarf an Kommunikation ist also nicht gegeben. . Ich verstehe aber die Sorge der EU Politiker.

Gast: Wie denn.
22.08.2012 14:43
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Versagen auf allen Linien.

Nicht nur die Kommunikation hat versagt, viel wichtiger, man hat in der Sache mit Bomben und Granaten einen Bauchfleck hingelegt.

Am Ergebnis lässt sich ablesen, dass die EU im Grunde niemand was gebracht hat. Die PIGS in Dauerkrise, Rechts- und Vertragsbrüche serienweise, Idiotien wie die Verordnung quecksilberhältiger Energiesparlampen, Bespitzelung der Bürger, und als Sahnehäubchen ein sämtliche demokratischen Grundrechte tretender ESM.

Spätesten beim ESM hätte die Regierung sagen müssen: Stopp, keinen Schritt weiter.
Es kann wohl keiner mehr sagen, wie viele Milliarden unseres Geldes an die EU, diverse Hilfen, etc. in schwarzen Löchern verschwunden sind.

Mittlerweile vertieft sich der Eindruck, dass hier mit untauglichen Mitteln der EU - Superstaat durchgedrückt werden soll, oder vertraut noch irgend jemand den EU - "Eliten"?

Man sollte umgehend Schadensbegrenzung betreiben, und mit dem "alternativlos" - Geblöke aufhören.

Nichts leichteres als das!

Die Krise wurde von der EU eingeführt, um alle Länder schrittweise zu entmachten und um an das Geld der noch reicheren Länder zu gelangen.

Deswegen haben wir die wirtschaftlich nicht so stabilen Länder in die Eurozone aufgenommen, um somit argumentieren zu können. Die Ratingargenturen übernehmen den wissenschaftlichen Teil.

So kommt der Europäische Realsozialismus Schritt für Schritt. Die Überwachung wurde mit Erfolg umgesetzt und Militärs sind bereits außer Dienst - und dort wo nicht, arbeiten "unsere Kollegen" mit "Nachdruck".

Tja, eigentlich ganz einfach zum erklären.

Nichts leichter als das!

Die Krise wurde von der EU eingeführt, um alle Länder schrittweise zu entmachten und um an das Geld der noch reicheren Länder zu gelangen.

Deswegen haben wir die wirtschaftlich nicht so stabilen Länder in die Eurozone aufgenommen, um somit argumentieren zu können. Die Ratingargenturen übernehmen den wissenschaftlichen Teil.

So kommt der Europäische Realsozialismus Schritt für Schritt. Die Überwachung wurde mit Erfolg umgesetzt und Militärs sind bereits außer Dienst - und dort wo nicht, arbeiten "unsere Kollegen" mit "Nachdruck".

Tja, eigentlich ganz einfach zum erklären.