Erasmus-Stipendien: Finanzierung am seidenen Faden

03.10.2012 | 19:20 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (DiePresse.com)

Für österreichische Studenten haben die Probleme mit dem EU-Budget zumindest bis Dezember noch keine Folgen.

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Brüssel. Die Europäische Kommission warnt davor, dass die Finanzierung des beliebten Erasmus-Programms zur Förderung des Studentenaustausches an einem seidenen Faden hängt. Grund dafür ist die zu knappe Bemessung des EU-Haushaltes für das Jahr 2012. Die Kommission musste heuer noch ausständige Rechnungen im Umfang von 10,7 Milliarden Euro bezahlen, die schon im Jahr 2011 angefallen waren, aber damals nicht bezahlt werden konnten, weil auch das Budget für 2011 zu klein war. Am 23. Oktober will Budgetkommissar Janusz Lewandowski den Mitgliedstaaten daher einen Vorschlag für einen Nachtragshaushalt vorlegen.

"Könnte schwierig werden"

Dieser finanzielle Engpass trifft auch das Erasmus-Programm, welches Auslandssemester und Berufspraktika mit Stipendien fördert. „Die Finanzierungslage könnte schwierig werden, weil 99 Prozent des dafür vorgesehen EU-Budgets schon an die jeweiligen nationalen Agenturen überwiesen ist", erklärte der Sprecher von Bildungskommissarin Androulla Vassiliou auf „Presse"-Anfrage. „Obwohl die nationalen Agenturen Bargeldreserven haben, werden sie es in den kommenden Monaten zusehends schwierig finden, ohne weitere Finanzierung von der EU Zahlungen an Studenten zu machen."

Die Erasmus-Mittel werden von der Kommission an besagte nationale Agenturen überwiesen, welche die Stipendiaten auswählen und ihnen die Förderungen überweisen. In Österreich ist dafür die „Nationalagentur Lebenslanges Lernen" zuständig. Ihr Leiter Ernst Gesslbauer beruhigt im „Presse"-Gespräch: „In Österreich sind wir völlig liquid. Die Kommission hat uns mitgeteilt, dass ihre nächste Zahlung spätestens im Dezember eintreffen soll. Wir haben derzeit also überhaupt kein Problem."

Erasmus ist bei Österreichs Studenten sehr beliebt. Im Studienjahr 2010/2011 wurden 5371 Auslandsaufenthalte von Studenten österreichischer Hochschulen aus heimischen und EU-Fördertöpfen finanziert.

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2 Kommentare

Sauf und Partysemester

In der gegenwärtigen Form ist es um das Erasmus-Programm definitiv nicht schade... Ich habe selbst studiert und kenne zwar einen ganzen Haufen Studenten die ein Auslandssemester eingelegt haben, aber nur wenige die es Sinnvoll genutzt haben. Meist werden Lehrveranstaltungen nach dem Prinzip des geringsten Aufwandes besucht und auch die Wahl der Destination folgt weniger der Suche nach den besten wissenschaftlichen Bedingungen sondern der nach den besten möglichkeiten um Party zu machen...

Das merkt man auch als Bewohner einer Universitätsstadt - gerade in Graz hört man wenn nächtens von besoffenen auf dem Heimweg herumgegröhlt wird sehr oft spanische Wortfetzen...

Re: Sauf und Partysemester

Was Sie da schreiben, ist nicht mal mehr zynisch, sondern schlichtweg verkürzend und trägt zu nichts anderem bei, als dem Auslandssemester, das hin und wieder wohl auch "missbraucht" wird, einen weiteren stereotypen Stempel aufzudrücken. Hunderttausende Studierende in ganz Europa, die die letzten Jahrzehnte nichts als Alkoholexzesse im Ausland mit EU-Förderung gefeiert haben? Und dann wollen Sie auch noch spanische Wortfetzen auf den Straßen von Graz gehört haben? Ich bitte Sie wirklich, Ihre Aussagen zu überdenken. Wem hilft das, wenn Sie eine wunderbare Initiative, die unglaublich vielen jungen Menschen eine ganz neue Zugangsweise zu einer anderen Kultur gegeben hat, verschreien?

Ich erlebe gerade ein außerordentliches Erasmussemester in Italien und kann versichern, dass die Studierenden, die bloß zum 'Saufen' hier sind, auch an deren Heimatuni nicht anderes tun.
Wissen Sie, dass ein Erasmus-Stipendium nicht ein Vermögen zum Verprassen bedeutet, sondern lediglich eine kleine Aufbesserung für all die Risiken und den Mehraufwand, den man für Umzug, neue Wohnsituation, andere Lebenskosten etc. darstellt?
Der Produktivität wegen macht niemand so ein Auslandssemester, weil es "unproduktiv" ist, gemessen an Aufwand und Kosten. Aber die Bereicherungen dieser Zeit sind mit Geld nicht ufzuwiegen, und kaufen kann man sich so eine Erfahrung nicht einfach an der Heimatuni, ohne so einen radikalen Wechsel auch wirklich zu vollziehen.
Ich hoffe auf den Fortbestand des Stipendiums!

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