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Ökonomen warnen vor gravierenden Lücken bei Transaktionssteuer

09.10.2012 | 18:17 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Elf Euro-Mitglieder sind bereit, eine Transaktionssteuer einzuführen. Doch die wichtigen Finanzzentren Luxemburg, Niederlande, Irland und Zypern machen nicht mit – und schaffen so die Möglichkeit, die Steuer zu umgehen.

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Brüssel. Die Sozialdemokraten frohlockten, die Grünen ebenso, die Globalisierungskritiker von Attac ohnehin, und selbst Wirtschaftskammerpräsident Leitl hat wohl noch nie zuvor so freudig eine neue Unternehmensabgabe begrüßt: Die Befürworter einer Steuer auf Finanztransaktionen hatten am Dienstag Grund zur Freude. Im letzten Moment, und unter offensichtlich großem deutsch-französischen Druck, erklärten sich am Dienstagmorgen doch noch vier weitere Finanzminister bereit, dieses Vorhaben zu unterstützen. Elf EU-Staaten sind nun grundsätzlich bereit für eine verstärkte Zusammenarbeit, an deren Ende eine einheitliche Finanztransaktionssteuer stehen soll. Es sind dies Deutschland, Frankreich, Österreich, Belgien, Portugal, Griechenland und Slowenien sowie Italien, Spanien, Estland und die Slowakei. Letztere vier ließen sich erst Dienstagfrüh umstimmen, was zu einer zweistündigen Verspätung des Ministerrates in Luxemburg führte.

 

Steueroasen in der Eurozone

Doch ein Blick auf die Länder, die keine Lust auf die Transaktionssteuer haben, verdeutlicht das Problem dieses Vorgehens. Denn die Niederlande, Luxemburg, Irland und Zypern machen nicht mit. Sie haben zweierlei gemeinsam: Erstens sind sie Euro-Mitglieder. Zweitens werden sie schon jetzt von zahlreichen Privatpersonen und Konzernen als Steueroasen in der Eurozone genutzt.

Das sei geradezu eine Einladung an alle Wertpapierhändler, Spekulanten und sonstige Finanzakteure aus den elf Teilnehmerstaaten, die künftige Steuer einfach und völlig legal zu umgehen, warnt Guntram Wolff vom Brüsseler Forschungsinstitut Bruegel im „Presse“-Gespräch: „Ich denke, dass wir das sehen werden. Dadurch, dass mehrere Länder aus dem Euroraum nicht teilnehmen, wird das noch leichter als sonst.“

Das Gegenargument der Befürworter der Steuer besagt, dass sie nach einem seit Monaten vorliegenden Vorschlag der Europäischen Kommission am Ursprung der jeweiligen Transaktion ansetzen soll. Wenn also beispielsweise eine österreichische Bank in London ein Wertpapier kauft, soll die Steuer in Österreich anfallen. Dass Britannien nicht teilnimmt, sei daher ohne Bedeutung. Bruegel-Experte Wolff, der früher bei der Deutschen Bundesbank das Team für fiskalpolitische Koordination geleitet hat, hält diese Argumentation für irrig: „Die Vorstellung, dass man hier anfangen kann, die Ursprünge von zig Transaktionen zu messen, ist ziemlich optimistisch.“

 

Gefahr für den Binnenmarkt

Zumal diese Spaltung der Eurozone in elf Länder mit und sechs Länder ohne Transaktionssteuer ein echtes Problem für den gemeinsamen Binnenmarkt darstellen kann. Was soll künftig passieren, wenn zum Beispiel innerhalb des UniCredit-Konzerns Geld von der Bank Austria zu einer Tochtergesellschaft in Luxemburg fließt, die dann von dort aus mit Wertpapieren spekuliert? Soll der konzerninterne Geldfluss besteuert werden? Würde das nicht eine der vier Grundfreiheiten der Union schwer verletzen, nämlich den freien Kapitalverkehr?

Auch Emrah Arbak vom Centre for European Policy Studies in Brüssel kritisiert das unkoordinierte Vorgehen der EU. „Die Steuer spricht die Schlüsselfaktoren nicht an, die zur globalen Finanzkrise beigetragen haben“, schreibt er in einem kürzlich veröffentlichten Papier. „Viele der steuerpflichtigen Transaktionen werden in nicht kooperierende Länder verlagert werden, was die Aussicht auf Einnahmen und die Wirksamkeit der Aufsicht vermindert.“ Die Kommission rechnete ursprünglich vor, dass eine Steuer mit Sätzen von 0,01 Prozent bis 0,1Prozent im Jahr 2020 bis zu 81 Milliarden Euro an Einnahmen bringen könnte. Doch das ist eine Modellrechnung, die alle 27 EU-Staaten umfasst. Sie darf getrost als weltfremd angesehen werden.

 

Begehrlichkeiten allerorten

Auch was die Verwendung der Einnahmen betrifft, sind die elf vorpreschenden Staaten uneins. Manche wollen das Geld für ihre eigenen Budgets; Finanzministerin Maria Fekter plant bekanntlich fest damit. Andere, wie Belgien, können sich vorstellen, die Mittel ins EU-Budget fließen zu lassen. Guntram Wolff fände es sinnvoller, die Einnahmen in einen EU-Fonds zur Bankenabwicklung fließen zu lassen: „Es hat keinen Sinn, eine gemeinsame Steuer zu beschließen, um negative Externalitäten im Finanzsystem zu beseitigen, und dann verwaltet man die Einnahmen national.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2012)

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17 Kommentare
Gast: CCAAT
09.10.2012 21:24
0 5

wer stand schon auf vom Lachen?

Null komma wieviel Prozentchen nochmals als "Steuer"?

Also wirklich grandios diese "Steuer", ja wirklich endlich fair. Diese Steuer betrifft alle jene die die Null komma irgendwas na sowas von jucken werden. Die werden wahrlich ins Schwitzen kommen bei dieser neuen Steuer.

Aber sonst ist das "Steuersystem" ja auch noch sowas von fair. Was gibt es denn da für andere Steuern zu welchen Prozentchen?
5,10,15,20 oder gar bis zu über 50 Prozentchen ernsthaft Steuer ja und was wird denn da besteuert?
Etwa ernsthaft Steuer auf Arbeit und Lebensmittel z.B.? Ja und wie hoch ist jetzt der Anteil im Vergleich zu dieser neuen "Steuer" ?
Kann es ernsthaft möglich sein, dass die neue "Steuer" nur gar ein 1/2000 einer MWST ausmacht!

Ja jetzt heisst es fest die Händchen schütteln und doll in die Linsen lächeln, eine super Leistung der Interessensvertreter.

Mein Gott wie armselig dieser Tiefschlag, Null-Komma hat man den Kapitalisten wahrlich abgeschröpft - jetzt wird wirklich alles besser und finanzierbar. Das Geld ist jetzt nicht mehr Zweck von allem was wir wollen, jetzt ist endlich das Geld nur noch wieder Mittel zum Zweck! Ja wahrhaftig so sprach Z. !


Seit Einführung des Euros

wurde mein Gehalt seitens der Politik mittlerweile soweit abgewertet, dass ich mir um solche Steuern keine Sorgen mehr machen muss.
Stattdessen hoffe ich nicht älter als 6o Jahre alt zu werden, um der Altersarmut zu entgehen.

„Die Steuer spricht die Schlüsselfaktoren nicht an, die zur globalen Finanzkrise beigetragen haben“

Genau! Und welche sind die "Schlüsselfaktoren"?:
Die Politiker, deren Interventionen: Clintens "jeder muss sich ein Haus leisten können, auch wenn er's nicht bezahlen kann" über Bush, Greenspan bis hin zum Faymann. Die Politiker haben uns die Finanzkrise eingebrockt und jetzt wollen sie mit einer solchen Alibiaktion davon ablenken. Nur ATTAC & Co. glauben noch an die "bösen Spekulanten".

Antworten Gast: J.F.
10.10.2012 09:45
0 0

Re: „Die Steuer spricht die Schlüsselfaktoren nicht an, die zur globalen Finanzkrise beigetragen haben“

Auch sehr Schwarz-Weiss oder ned?!

Macht euch mal keine Sorgen

solange das nicht flächendeckend für ganz Europa eingeführt wird, werden die Banken, Spekulanten, Hedgefonds etc. Mittel und Wege finden diese Steuer galant zu umgehen.

Manchmal wünscht man sich da doch glatt das die hohen es für den Otto-Normalo auch so einfach machen sollten. Aber nein nicht mal der freie Warenverkehr ist zu 100% uns Bürger zugänglich.

Re: Macht euch mal keine Sorgen

Die Finanztransaktionssteuer trifft auch nicht die Banken, Spekulaten, etc. sondern die "Kleinen" Fondssparer, Lebensversicherungssparer, die mit privater Altersvorsorge und sogar Urlauber, die im nicht Euroraum mit einer Kreditkartezahlen. Das ist eine typische Steuer zur Ausplünderung der Bürger und Bürgerinnen und die Dummen merken es nicht einmal.

Gast: Halbwissen
09.10.2012 20:07
1 0

Wenn das Geld niemandem fehlt !

Liegt ja nur in der Gegend herum.

Ist natürlich Eigenkapital das abgeführt wird.
War da nicht etwas mit Eigenkapital ?
Ach so, die Banken haben ein negatives und müssen daher gerettet werden. Oder waren es höhere Eigenkapitalanforderungen ? Egal !

Gast: oko
09.10.2012 19:54
1 10

gute idee

da gibts auch mal was gutes in der EU
diese steuer ist besser als jede vermögenssteuer

denn nur wirklich reiche können sich finanztransaktionen leisten

z.b. mafia

Re: gute idee

"denn nur wirklich reiche können sich finanztransaktionen leisten"

Na eh! Wenn sie nämlich ihre Stromrechnung bezahlen ist das keine Finanztransaktion! Und wenn ihr Arbeitgeber Waren im Ausland kauft um produzieren zu können, ist das auch keine Finanztransaktion!

HERR! LASS HIRN VOM HIMMEL REGNEN!!!!

Als wäre die politisch verursachte Schuldenkrise die wir haben noch nicht schlimm genug, demontieren die Sozialisten jetzt auch noch die Wirtschaft.

die Idee ist gut - theoretisch

praktisch ist das ein Sieb mit riesigen Löchern


3 6

HOFFNUNGSSCHIMMER

Ein Lichtblick am Horizont der vom konservativ/neoliberalem Geist geführten EU.

Gast: kritiker2012
09.10.2012 19:28
5 3

schwachsinnig...

Bei jedem Wertpapier, das mit Gewinn verkauft wird, werden automatisch 25% KESt. bzw. bei Unternehmen 25% KÖSt. fällig!

Wozu noch eine Transaktions-Steuer?


Gast: tigerauge
09.10.2012 19:05
0 1

wieso nur für wien?


Ich war sehr pessimistisch

bin jetzt eines besseren belehrt worden! weiter so: Bankenregulierung, Verbot von Hedgefonds oder alternativ keine bankenstützung, bankentrennung in kunden- und investmentbanken, und dann nimmt die regierung wieder das szepter in die hand!

Antworten Gast: kfgnlsnvls
09.10.2012 18:21
11 3

Gelungene Satire

Danke !

Natürlich wird die Finanztransaktionssteuer nach kurzer Einführungsphase aus "Sachzwängen" auf JEDE Überweisung ausgedehnt werden müssen und wieder werden es die Kleinen sein die in der Masse die Spekulanten sanieren dürfen.

Wann schon hat die EU nicht gelogen ? Allerwichtigste Verträge nicht ungeahndet gebrochen ?

Wer glaubt das die Finanztransaktionssteuer nur die Reichen zahlen werden irrt, ein Indiz dafür ist ja schon WER sich auf einmal dafür einsetzt.

Antworten Antworten Gast: Zyni
09.10.2012 19:10
4 1

Nur für die ganz Blöden und für Mitzi

Ausdehnung..eine Frage der Zeit! Steuerträger...wie immer jeder. Steuererhöhung über die Bande.

Iiiiiiiiiih!

"Wie gruselt mich!"