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EU-Erweiterung: Beitrittstermin für Kroatien wackelt

10.10.2012 | 17:47 |  OLIVER GRIMM UND ANNA GABRIEL (Die Presse)

Zagreb muss laut der Europäischen Kommission noch eine Reihe von Hausaufgaben erfüllen, wenn es wie geplant im kommenden Juli das 28. EU-Mitglied werden will.

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Brüssel. Keine neun Monate vor dem geplanten Beitrittstermin ist Kroatien weit davon entfernt, alle Bedingungen für die Mitgliedschaft in der EU zu erfüllen. Doch obwohl sogar die Europäische Kommission selbst den Kroaten eine neue Zehn-Punkte-Liste mit Hausaufgaben vorsetzt, von denen manche spätestens bis Weihnachten zu erfüllen sind, hält Erweiterungskommissar Štefan Füle weiterhin am Beitrittsdatum 1.Juli 2013 fest. „Ich habe absolut keinen Grund, auch nur eine Sekunde daran zu denken, dass Kroatien nicht sein Bestes geben wird“, sagte er am Mittwoch bei der Vorstellung seines Berichts über die kroatischen Fortschritte.

 

Slowenien droht mit Veto

Das ist umso erstaunlicher, weil die Kommission in ihrem Bericht das größte Hindernis für den Beitritt mit keinem Wort erwähnt: den Streit mit Slowenien um die Altlasten der Ljubljanska Banka aus gemeinsamen jugoslawischen Zeiten. Bei diesem seit Jahren schwelenden Zwist geht es um die Frage, wer für die Spareinlagen kroatischer Bürger bei der damaligen Zagreber Niederlassung dieses Kreditinstituts haftet. Kroatien hat zwar fast alle Sparer, die damals ihre Einlagen in harten Fremdwährungen verloren hatten, mittlerweile entschädigt. Dafür hat die Zagreber Regierung aber zwei kroatische Banken (Privredna Banka und Zagrebačka banka) dazu ermächtigt, vor kroatischen Gerichten gegen die Rechtsnachfolgerin der Ljubljanska Banka zu klagen. Das hat zur Folge, dass der kroatische Markt für slowenische Banken verschlossen ist – und auch für westliche Banken: So kann zum Beispiel die belgische KBC keine Niederlassung in Kroatien eröffnen, weil sie an der Nova Ljubljanska Banka beteiligt ist, der Rechtsnachfolgerin des alten Instituts.

Parallel dazu verhandeln Slowenien und Kroatien zwar seit Jahren erfolglos über die Rechtsnachfolge vor der Bank für internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Doch eben diese Parallelität erzürnt die Slowenen; das Parlament in Ljubljana hat einstimmig beschlossen, die Ratifizierung des Beitritts Kroatiens so lange zu blockieren, bis Zagreb die Klagen der beiden Banken einstellen lässt. „Gleichzeitig verhandeln und klagen: Das geht nicht“, sagte ein slowenischer Diplomat neulich im Gespräch mit der „Presse“.

Im Vergleich zu anderen Westbalkan-Staaten hat Kroatien freilich schon große Fortschritte erzielt. Denn bei Durchsicht des Erweiterungsberichts wird deutlich, dass in den kommenden Jahren kein weiteres Land auf einen konkreten Beitrittstermin hoffen darf.

Besonders verheerend fällt das Zeugnis für Bosnien-Herzegowina aus, wo die Kommission „eingeschränkte Fortschritte im Bemühen um koordinierte institutionelle Strukturen“ bemängelt. Im Bereich der Korruption und der organisierten Kriminalität, aber auch bei der Durchführung der Verwaltungsreform müssten endlich weitere Anstrengungen unternommen werden, fordert die Behörde. Im Falle Serbiens liegt der größte Stolperstein für eine Annäherung an die EU in den schlechten Beziehungen des Landes zum Kosovo. Diese müssten „sichtbar und langfristig“ verbessert werden, appelliert Erweiterungskommissar Füle. Dagegen sollten die Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien, die wegen des ungelösten Namensstreits mit Griechenland auf Eis liegen, nach dem Wunsch der Kommission wieder aufgenommen werden. Einen Fortschritt in den Beziehungen zur EU kann auch Albanien verbuchen. Bei Erfüllung bestimmter Kriterien wie dem Kampf gegen Korruption solle das Land Kandidatenstatus erhalten, empfiehlt die Kommission.

 

Verhandlungen mit Türkei auf Eis

Dagegen liegen die Verhandlungen mit der Türkei derzeit völlig auf Eis. Die Kommission bemängelt eine Reihe an Missständen; besonders die Achtung der Grundrechte sei Anlass für „ernsthafte Besorgnis“.

Als von „beiderseitigem Nutzen“ bezeichnete Füle indes einen baldigen Beitritt Islands. Mehr als die Hälfte aller Verhandlungskapitel sind bereits eröffnet.

Auf einen Blick

Die EU-Kommission legte am Mittwoch in Brüssel ihren jährlichen Erweiterungsbericht vor. Darin bewertet Erweiterungskommissar Štefan Füle, ob Politik und Wirtschaft von derzeit neun beitrittswilligen Staaten EU-Standards entsprechen. Für die meisten dieser Länder fällt der heurige Bericht sehr kritisch aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2012)

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18 Kommentare
Gast: Peatr
12.10.2012 13:58
1 0

Beitrittstermin Kroatien

Beitrittstermin für Kroatin wir in Frage gestellt. Schauen Sie mal in EU Länder wie das Recht, wie die Gerechtigkeits- funktioniert. In Bayern dauert ein Prozess um ein schlecht gebautes Haus 22 Jahre, in Süd Italien funktioniert weder Recht noch Ordnung. In Griechenland funktioniert gar nichts.
An Kroatien zeigt sich EU als schlechte Stiefmutter gegenüber Kroatien. Es stimmt in Kroatien Funktioniert manches noch nicht so gut, aber wenn EU und die USA den Krieg gegen Kroatien verhindert hätten, statt Serbien zu ermuntern den Krieg zu entfesseln, dann hätten wir sicherlich weniger Probleme. Können Sie mir zu stimmen, haben Sie Courage dafür?

Der Vorwurf Kroatien sei nicht fähig ein Problem mit slowenischer Bank zu lösen, ist oberflächlich und unrichtig.
Es handelt sich dabei um Privatvermögen der ehemaligen Sparer, die der slowenischen Bank das Geld zu sparen anvertraut haben. Die slowenische Bank lehnt ab, diese Privatsparguthaben auszuzahlen, sondern versucht Staatliche Aufteilungswerte mit zu verbünden, dann aufzuteilen. Ich bitte Sie antworten Sie mir mit welchen Recht behält Slowenien die Ersparnisse der Menschen 20 Jahren nach der Republiken Trennung, um zu umgehen die summen auszuzahlen, die mit der Güteraufteilung von ehemaligen Jugoslawien? Warum sollte a

Raus und dann?

Dieses planlose „Raus-Aus-Der-EU“-Gerede geht mir schon so auf die Nerven!
Keiner weiß, was passieren würde, wenn ein Mitgliedsland wie Österreich aussteigen sollte. Für so ein kleines Land wie Österreich, welches jahrelang sehr gut von der Mittgliedschaft gelebt hatte, wäre das mMn eine Katastrophe!
Wir wären ein Spielball für die Märkte. Vergleiche mit der Schweiz sind mehr als obsolet! Die Schweiz geniest einen Ruf als stabiles Bankenland. Keine Kriege, keine Krisen. Wir haben diesen Ruf freilich nicht!
Das es Probleme gibt ist aber offensichtlich. Daran ist aber nicht die „Idee EU“ schuld sondern die unfähigen PolitikerInnen, welche selbst keine wirkliche Ahnung mehr davon haben was die EU ist und wofür diese steht und es folglich auch den WählerInnen nicht vermitteln können.

Gast: Hans im Glück
12.10.2012 08:19
0 0

Die Kroaten, ein sympathisches Volk.

Eins kann ich immer noch nicht verstehen:

Sie haben hart für ihre Unabhängigkeit gekämpft.
Sie vertrauen iherer eigenen Währung nicht und springen bereitwillig in eine neue Abhängigkeit.

Dieses Verhalten kenn ich von Frauen die von einer schlechten Beziehung sofort in die Nächste sich reinstürzen.

Warum können sie sich keine Pause gönnen und erst einmal sich selbst finden.

Kroaten eure Kuna wird den Euro überleben.
Steht zu euch selbst sonst seid ihr verloren.

Gast: metternich12
11.10.2012 19:39
0 0

na das war mir wieder

richtige Forumsfreiheit nach dem Geschmack der Eigentümer.

Gast: Matilda
11.10.2012 17:43
0 0

Dilettantisch und vermurkst wie eh und je.

So kann das nichts werden was irgendwer, der nicht auf Almosen angewiesen ist, haben will.

Aber auch das spielt keine Rolle mehr.
Nach der heutigen EU-Sitzung im Parlament ist klarer denn je :
Wir müssen raus aus dieser unheilvollen Union. Lieber heute als morgen.
Es pressiert!
Deren Ziele sind nicht die Ziele von Österreich und den Österreichern.
Wir können mit dieser Union nur verlieren und untergehen.

Gast: NPT
11.10.2012 15:07
3 0

Die...

...Unverschämtheiten der EU-Kommission sind unerträglich! In Rumänien und Bulgarien herrschen noch heute Zustände, wie vor dem Fall des "Eisernen Vorhangs" - diese Staaten wurden ohne zu Hinterfragen mit offenen Armen empfangen! Der "Vorteil" für Europa? Ungehinderter Kriminellenimport z.B. aus Moldawien mit rumänischen (!) Pässen - aber das ist Eu- konform! Wäre interessant zu wissen, welche Gaunereien und Geldflüsse da wohl dahinter steckten....

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ist echt lustig

das sind alle Städten mit Korruption und wo sich keiner Leiden kann . aber das heißt ich muss harter und länger arbeiten für wenig Geld! echt beste Motivation gibt's nicht . danke Eu mein leben hat ein sin. Stadt für meine Familie zu arbeiten arbeite ich für Pleiten Städten und korrupte Politika !

... laut der Europäischen Kommission noch eine Reihe von Hausaufgaben erfüllen?

Eine dreiste Anmaßung der "Europäischen Kommission": Sitzt auf einem Karren, der sich festgefahren hat - keine Hoffnung in Sicht und wollen den letzten souveränen Staaten in Europa drohen. Kroatien sollte sich hüten!

Gast: tzutzu
11.10.2012 11:26
3 0

Schengen

Interessant ist auch wenn man von Kroatien in die EU einreist. Die Kontrolle ist praktisch nicht vorhanden. Der Grenzbeamte auf Slowenischer Seite hat nur geschaut ob man einen Pass in der Hand hält und schon wurde man durchgewunken. Bei so einer laxen Kontrolle, sollte man Slowenien sofort aus Schengen rausschmeißen.

Gast: Preitler Z
11.10.2012 10:21
1 0

Brauchen wir noch mehr?

Oliven, Orangen und einen Hasel Nuss Staat?

*Die Türkei trägt über 60% zur Welternte bei. Die türkischen Haselnüsse haben eine wesentlich dünnere Schale als die Nüsse der anderen Anbauländer, ...

Die EU

9 Zahler und 18 Empfänger mit Kroatien sind es halt 19 Empfänger. Und den Löwenanteil kassiert unter den Empfängern kassiert das reiche Luxenbourg

Am Volk vorbei regiert!!

Ich wünsche mir eine EU-weite Abstimmung zu solch aberwitzigen weiteren Beitrittsverhandlungen. Die EU-Wähler würden diese Diskussion stoppen. Und diesen Willen sollten die Schönredner aus der Politik berücksichtigen. Derzeit möchte niemand einen wachsenden EU und Euro Raum. Diese Party ist vorbei, und hinterlässt einen RIESENKATER für die nächsten Generartionen.

Gast: Baldachini H
11.10.2012 09:10
4 0

Hat die EU vielleicht doch aus Griechenland, Spanien, Zypern, ..gelernt?

Spanien und Zypern Ramschstatus, Slowenien schwer angeschlagen, Portugal und Italien an der Kippe!!

Was brauchen wir also noch solche Unsicheheitsfaktoren wie Kroatien und die Türkei, die nicht einmal so weit ist, die Menschenrechte einzuhalten.

So ein Staat mit wäre eine Katastrophe für die EU!

Bitte die Verhandlungen im Grönlandeis vergraben!

Mit dem ESM fühlen sich jetzt alle Bankrott-Staaten eingeladen.

Die blinde Erweiterungspolitik der EU hat die Krise verursacht. Die Folgen sind klar sichtbar. Ein sofortiger Aufnahmestopp ist dringend anzuraten.

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Re: Mit dem ESM fühlen sich jetzt alle Bankrott-Staaten eingeladen.

ein auge zudrücken bei rumänien, kosovo und bulgarien?!?!? und jetzt sich über die ausweitung aufregen? zum glück gibt es politiker und regierungen welche im eu interesse handeln und für solche aufgaben verantwortlich sind und nicht das dumme volk!!!

Re: Re: Mit dem ESM fühlen sich jetzt alle Bankrott-Staaten eingeladen.

Das Volk muss aber den durch die Politiker angerichteten Schaden bezahlen!

Gast: EU-Pyramidenspiel-Betrachterin
10.10.2012 20:30
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Einem sinkenden Dampfer beitreten?

- können nur Profiteure wie Banken fordern- denen ist das Volk egal- hauptsache der eigen Bonus und der digitale Zins (ein paar Nummern am Screen- toll!) über ein EU-Beitritts-Pyramidenspiel stimmt.

Aber ja- ewig wachsen.

Verhandlungen mit Türkei auf Eis

Die Verhandlungen sollten in den Gefrierfach kommen! Die Türkei sollte besseres zu tun haben als sich mit den Pleitegeiern in der EU anzulegen!