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Warum die EU den Friedensnobelpreis bekommt

12.10.2012 | 18:36 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Die Europäische Union hat der Welt gezeigt, dass man Erzfeinde in einem System aus Kompromissen versöhnen kann. Das hat den Frieden gebracht – aber auch neue Zwietracht.

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Mit der Wirtschaft hat es begonnen. Mit der Wirtschaft könnte es enden. An der Wiege der Europäischen Union, die am Freitag mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden ist, stand die Einsicht eines Kaufmannssohnes aus Cognac, der sein Vaterland gleich zweimal in Krieg und Flammen hatte untergehen sehen: „Kohle und Stahl sind sowohl Schlüssel zu wirtschaftlicher Macht als auch die Rohstoffe, um die Waffen des Krieges zu schmieden“, schrieb Jean Monnet, einer der Gründerväter des europäischen Einigungswerks.

So ist die heutige EU das Ergebnis eines großen Kompromisses zwischen den blutigsten Erzfeinden, die sich in Europa im 19. und 20. Jahrhundert gegenüberstanden: Deutschland gab die Kontrolle über seine mächtige Kohle- und Stahlindustrie an eine staatenübergreifende Gemeinschaft ab. Frankreich erlaubte es den Deutschen dafür, wieder als gleichberechtigte Europäer am Aufbau eines friedlichen, demokratischen Europas teilzunehmen – und das, obwohl die Deutschen beide Weltkriege ausgelöst hatten.

--> Umfrage: Hat sich die EU den Friedensnobelpreis verdient?

Nichts mehr von Auschwitz hören

Die Wirtschaftskraft Deutschlands zu beschneiden, um neue Kriege zu vermeiden: Das war eine reine Entscheidung von Eliten. Hätte man das deutsche Volk 1951 gefragt, ob es die Gemeinschaft für Kohle und Stahl möchte, hätte es mit Sicherheit ebenso Nein gesagt wie 1957, als in Rom die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet wurde. Dass die Deutschen ihre schwere Schuld nicht einsehen wollten, zeigen Umfragen wie jene aus dem Dezember 1951. Damals erklärten nur fünf Prozent der Befragten, sich gegenüber den Juden schuldig zu fühlen. Hingegen meinten 21 Prozent der Deutschen, dass die Juden „zum Teil selbst verantwortlich sind für das, was ihnen im Dritten Reich angetan wurde“. „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen“, konnte noch im Jahr 1969 CSU-Chef Franz Josef Strauß öffentlich erklären – und viele applaudierten dem bayerischen Kraftmenschen.

Doch das von oben oktroyierte System der Kompromisse funktionierte – paradoxerweise zum großen wirtschaftlichen Nutzen Deutschlands. Europas Völker fanden zueinander, bauten Grenzen ab, schufen einen gemeinsamen Binnenmarkt und damit die Voraussetzungen für jene „Economies of scale“, die der tüchtigen und erfindungsreichen deutschen Industrie einen beeindruckenden Siegeszug bis hin zur Weltmeisterschaft im Export ermöglichten.

 

Das Wunder von 1989

Der Zwang zum Kompromiss, den die damalige Europäische Gemeinschaft auf die wachsende Zahl ihrer Mitglieder ausübte, die mäßigende Kraft des „Acquis communautaire“, also des gemeinsamen Bestandes verbindlicher Regeln, ermöglichte es, postfaschistische Gesellschaften (Portugal, Griechenland, Spanien) ebenso aufzunehmen wie postsowjetische. Und der Geist des Kompromisses ermöglichte auch das größte europäische Friedenswunder seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges: die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands.

Das war nur möglich, weil Deutschlands Kanzler Helmut Kohl zu einem weiteren Akt der Selbstentmachtung bereit war: Die D-Mark war als Vektor deutscher Wirtschaftskraft an die Stelle von Kohlegruben und Stahlwerken getreten. Man wird nie endgültig klären, ob der Verzicht auf die Mark der Preis für die deutsche Einheit war oder nur die Hintergrundmusik. Jedenfalls hat der Euro ein Band um seine heute 17 Mitglieder gelegt, das sie so eng aneinanderfesselt, dass das europäische Einigungswerk erstmals zu zerfallen droht. Ein „Kerneuropa“ schält sich heraus, tüftelt an einem eigenen Eurozonen-Budget mit einem Euro-Finanzminister. Ob das gelingt, steht in den Sternen. Doch ohne den Geist des Kompromisses, ohne die Einsicht, dass man in Verhandlungen immer etwas abgeben muss, damit man sich einigen kann, wird die EU scheitern.

 

Von Sarajewo nach Damaskus

Und noch etwas lehrt der Blick auf die Geschichte des Friedensnobelpreisträgers: Als Mechanismus, mit sich selbst Frieden zu schließen, taugt die EU hervorragend. Kriege in der Welt kann sie nicht beenden. Nach innen ist Konsens eine Stärke, nach außen schwächt er: Das zeigte die beschämende Erfahrung der Jugoslawien-Kriege, als Briten und Franzosen jegliches Eingreifen blockierten. Und es erklärt, warum die EU heute dem syrischen Blutbad tatenlos zusieht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

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246 Kommentare
 
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Gast: Maischberger
15.10.2012 22:48
0 0

Und bei welchen Versagern versickert dass Geld?

Warum spendet man dass Geld nich für kranke Kinder und alte Menschen?

Gast: EU-Bilanzierer
14.10.2012 13:21
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EU(RO) NO(BEL) Praise ?

Der Euro ist schon eine super Sache!

Er garantiert Banken Zocken ohne Risiko, die EU-Bürger zahlen alles.

Das bringt enomen Wohlstand und Frieden für die virtuelle Finanzwirtschaft aufkosten arbeitender EU-Bürger.

Bitte noch einen Nobelpreis für den ESM, die Bankrenrettung und Absicherung Deutscher Rüstungsgeschäfte für Griechenland!

3 3

...weil die EU die grenzüberschreitende Krimialität gesenkt hat und

kriminelle Banker auf keinen Fall unterstützt werden. Wenn das nicht sowas von wahr ist........

Gast: DMDGS
14.10.2012 07:41
0 4

Ich habe gerade den Pressetext des Nobelkomittees gelesen.

Mir scheint, die Norweger schleimen sich bei der EU ein, weil sie selbst so gerne beitreten und damit die Segnungen des Friedens und Wohlstandes genießen möchten.

Gast: <<<<<<<<<<<
13.10.2012 22:50
0 0

Na innen Konsens

is klar

Wahrscheinlich ohne EU auch

Wahrscheinlich hätte wir ohne EU genauso den Frieden in Europa, aber etwas günstiger. Für mich ist der EU Friedensnobelpreis ein Scherz, aber kein guter.

Gast: eine Million Milliarden
13.10.2012 18:33
0 0

es wirkt

Mai jo!, und ab morgen nur mehr alle mit Skateboard!

Gast: schonwiedereingast (dauerzensuriert)
13.10.2012 18:14
7 8

in der Zeitung

wird 10siert, dass einer S.. graust

rein sachliche Kommentare, deren einziger Fehler ist, nicht in die Blattlinie zu passen


Gast: eine Million Milliarden
13.10.2012 17:56
3 7

age

Mai, und die schreiben heut a nu nix über hunderttausenfach personalisierte Friedenslichterkette am brüssler Hauptplatz.
oder: stell´Dir vor es herrscht Frieden und Keiner geht hin

Gast: Der Witz des Jahrzehntes
13.10.2012 17:42
10 10

Die EU krieg den Friedensnobelpreis

Unterdessen weiss man dass die EU, zusammen mit den Amis und der NATO, an verschiedenen Orten Krieg führt.

Gratuliere!

"Krieg ist Frieden" und
"Frieden ist Krieg"....

Orwellscher Newspeak :(

Re: Die EU krieg den Friedensnobelpreis

da die eu kein staat ist, kann sie auch nicht krieg führen. mir fällt auch nichts ein, dass sie einmal zum krieg aufgerufen hätte.

Antworten Gast: youamuseme
13.10.2012 23:09
1 3

Re: Die EU krieg den Friedensnobelpreis

Du amüsierst mich.

Gast: freund?
13.10.2012 17:26
1 2

Forum zu, oder Moderatorenwechsel?


Was ist los? Kein Beitrag mehr ?

Mutige mut Bürgerinnen feiern ihre Gewinnerin EU!

Die Spannung war groß. Der Moment der Verkündung kaum noch aushaltbar. Die Nadeln unter den Popo wurden immer spitzer. Monatelang duschelte die Bürgerin darüber, wer wohl den Friedensnobelpreis bekommen würde. Es war Thema überall. Egal wo. Ob unsere mutigen Mut Bürgerinnen einkaufen gingen oder zur Gesundheitsvorsorge - überall wurde heftig darüber diskutiert wer wohl Friedensnobelpreisträgerin sein kann.

Favorit dabei war stets Werner Fayman - unser gemeinsamer Gerechtigkeitskanzler. Er sorgte für Frieden und wieß Abschaum in die Grenzen! Rassismus hat bei ihm keine Chance.

Und schlußendlich kam es auch dazu. Werner Faymann ist ein wichtiger Bestandteil von Europa. Somit ist er auch Teilhaberin des Friedensnobelpreis.

Europa steht für Frieden und Wohlstand. Dort, wo keine Kriesen geführt werden und Menschen sich verstehen. Dort, wo Faymann für Gerechtigkeit kämpft und Gier und Böses den totalen Krieg erklärt hat.

"Für mich bedeutet Europa Frieden", so eine mutige Mut Bürgerin die jeden Tag froh ist, in der Union sein zu dürfen. Die Vorteile liegen auf der Hand: "Wenn ich morgens aufstehe, so muss ich keine Angst haben, dass ein Tiefflieger mein Haus mit einer Kranade bombatiert. Deswegen wählte ich Europa, denn da bin ich jetzt sicherer", so eine Bürgerin die genau weiß, warum Sie auf Elitäres vertraut.

Europa. Gut für Dich - gut für den Frieden. Europa ist dort, wo ich bin. Und: Wo ich bin, ist Europa.

Antworten Gast: Hellmesberger
13.10.2012 17:50
7 7

Re: Mutige mut Bürgerinnen feiern ihre Gewinnerin EU!

Endlich! Sie sind unbezahlbar! Wie Sie wegen Ihrer Nadeln im Popo zur Gesundheitsvorsorge gingen, vorher aber sauber geduschelt haben, und wie Faymann, der die Kriese, die Gier und den Abschaum in die Grenze wieß, per politisch korrekter Geschlechtsumwandlung Teilhaberin wird: Sie sind eine Kranade, ich bewundere Sie hemmungslos.

Re: Re: Mutige mut Bürgerinnen feiern ihre Gewinnerin EU!

es klingt sarkastisch aber ich befürchte Michi_Austria meint das ernst. :)

Antworten Antworten Antworten Gast: Hellmesberger
13.10.2012 19:15
1 5

Re: Re: Re: Mutige mut Bürgerinnen feiern ihre Gewinnerin EU!

Ich weiß wirklich nicht. Das sind tolle Texte, entweder komplett naiv, als könnte ein mit Parteipropaganda und „Österreich'" vollgestopftes Hirn die Last nicht mehr halten; andererseits so unheimlich auf dem Punkt ... die Stilblüten und scheinbar unfreiwilligen Pointen sitzen mir einfach zu perfekt. Da stimmt etwas nicht. Ich tippe, wie gesagt, auf Rubinowitz.

Antworten Antworten Antworten Gast: Hellmesberger
13.10.2012 18:45
1 3

Re: Re: Re: Mutige mut Bürgerinnen feiern ihre Gewinnerin EU!

Ich bin da nicht so sicher. Vielleicht erscheint das gesammelte OEuvre irgendwann als Internetroman zur Zeitgeschichte und der Verfasser ist Rubinowitz?

Antworten Gast: freund?
13.10.2012 17:31
0 6

Re: Mutige mut Bürgerinnen feiern ihre Gewinnerin EU!



GENAU, Michi !

L'etat, c'est moi !

Gast: freund?
13.10.2012 17:10
4 5

Wo ist denn der Hinweis auf Mr.Keiser hin?


Das war ja nun einmal wirklich informativ !

Gast: freund?
13.10.2012 17:05
10 8

Die EU ist als Ganzes ein einziger FEHLER !


Die Organisation, die Zielsetzungen, die viel zu vielen, und zu verschiedenen Beteiligten, die unmöglich hoch angesetzte 'Integration,'die feindselige Haltung zu Demokratie und den Menschen überhaupt, die grottenschlechte Qualität der Leute, ob als Beamte, Kommissare oder EU-Parlamentler .....

NICHTS davon positiv, ausbaufähig , ein Müllhaufen um den Preis des Friedens und des Wohlstands der Europäer .

Gast: Urknall
13.10.2012 15:52
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Friede?


http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/10/13/ex-westlb-banker-euro-kartenhaus-wird-mit-riesigem-knall-in-sich-zusammenfallen/

Vielleicht findet der "Urknall" ja mit der Preisverleihung statt. Oder vorher. Realität kann boshaft sein.

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Den ersten Weltkrieg...

... haben die Deutschen aber nicht ausgelöst.

1. Ermordung von Franz Ferdinand in Sarajevo
2. Kriegserklärung Österreichs an Serbien
3. Mobilmachung in Russland
4. Mobilmachung in A und D

Nachdem Russland mobil machte, MUSSTE Deutschland nachziehen und die Russen haben tatsächlich auch die Aggressionen gegen Deutschland begonnen. Die Deustchen haben dann halt die Engländer und Franzosen durch das Überlaufen Belgiens ins Spiel gebracht, aber F und GB brauchten nur einen Vorwand um gegen D loszuschlagen. F und GB wollten sich so an ihrem Erzfeind rächen und in einem zwei Fronten Krieg aufreiben. Die Österreicher waren leider keine allzu starken Verbündeten für Deutschland und wären ohne deutsche Hilfe an den Russen gescheitert. Jedenfalls ist es schlichtweg falsch zu sagen, dass D den ersten Weltkrieg auslöste.

"Lernen Sie Geschichte", wie einst Sonnenkönig Kreisky sagte

Re: Den ersten Weltkrieg...


Außerdem, wenn man einen örtlich beschränkten Krieg führt, hat man noch immer keinen Weltkrieg ausgelöst!

Wegen WK1 und 2 sollten wir vielleicht doch einmal die Briten fragen?


Antworten Gast: WK
13.10.2012 16:57
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Re: Den ersten Weltkrieg...

letztlich ging es um die kontrolle der energiewege.
stichwort berlin-bagdad-bahnlinie.
genau wie heute übrigens.

Antworten Gast: B7F
13.10.2012 16:47
3 2

Re: Den ersten Weltkrieg...

So stand es aber noch in den farnzösischen Schulbüchern von 1925 :-))

 
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