23.05.2013 20:25 Merkliste 0

Warum Berlin bei der Bankenunion bremst

19.10.2012 | 18:29 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Spaniens faule Kredite würden ein Drittel des ESM-Fonds ausschöpfen: Vor der Bundestagswahl ist das für Angela Merkel tabu.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Brüssel. Qualität vor Schnelligkeit: Dieses Leitmotiv lässt Angela Merkel stets ertönen, wenn sie auf die neue Aufsicht über rund 6000 Banken in der Eurozone angesprochen wird. „Es ist nicht richtig, dass man um ein paar Tage oder Monate feilscht, sondern es geht um die richtige Reihenfolge“, erklärte sie zum Beispiel am Freitag nach dem EU-Gipfeltreffen in Brüssel. Darum werde „es am 1. Jänner 2013 noch keine arbeitsfähige neue Bankenaufsicht geben“ – aber dafür den rechtlichen Rahmen. Denn wenn 200 bis 400 neue Mitarbeiter in die neue Organisation kommen, brauchten sie Zeit, um sich zurechtzufinden. Und das, schloss Merkel, sei doch wohl „so klar wie Kloßbrühe“.

Was allerdings ebenso offensichtlich ist: Die Bundestagswahl im September 2013 bestimmt entscheidend das politische Handeln der Kanzlerin. Denn die neue Aufsichtsstruktur mit der zentralen, aber noch undefinierten Rolle der EZB ist gleichsam die Schwelle, hinter der sich eine Bankenunion aufzubauen beginnt. Also ein Rahmen von Vorschriften und Geld, in dem marode Banken rekapitalisiert, abgewickelt und die Einlagen ihrer Sparer garantiert werden.

Kurzum: Die Bankenunion wird zu finanziellen Transfers innerhalb der Eurozone führen. Das ist ihr Zweck. Wenn Banken in einer Ecke von Euroland schwächeln, sollen sie rasch vom Währungsfonds ESM verarztet werden, bevor sie die Stabilität des gesamten Eurosystems gefährden.

Doch bevor noch der ESM dazu befähigt ist, Banken direkt mit frischem Kapital zu stützen, stellen sich schon die ersten Kunden bei ihm an: Irland, aber vor allem Spanien hätten gern zumindest einen Gutteil ihrer Staatsschulden, die sie für die Rettung ihrer entgleisten Bankensektoren ausgeben mussten, vom ESM erstattet.

Dabei geht es aber um so riesige Summen, dass die bis zu 500 Milliarden Euro an verfügbaren Mitteln des ESM rasch aufgezehrt wären. Am Donnerstag zum Beispiel gab die spanische Zentralbank bekannt, dass Spaniens Banken faule Kredite im Ausmaß von mindestens 178 Milliarden Euro in ihren Büchern herumschleppen. 178 Milliarden Euro: Das würde gut ein Drittel der ESM-Feuerkraft aufbrauchen. Dazu kommt das zweite Griechenland-Paket, das in Summe auch nicht viel kleiner ausfallen wird.

 

Es geht um das AAA des Eurofonds ESM

Das würde rasch finstere Wolken über der Kreditwürdigkeit des ESM aufziehen lassen, wie EZB-Präsident Mario Draghi die Gipfelteilnehmer am Donnerstag warnte. Direkte Bankenrekapitalisierungen könnten das AAA-Kreditrating des ESM gefährden, warnt die EZB in einem Papier, das „Spiegel Online“ zugespielt wurde. Sinkt die Bonität, wird es für den ESM teurer, sich auf den Märkten Geld zu leihen. Dann müssen die Haftungen der Euroländer steigen – und die „Eurorettung“ würde schlagartig teurer: eine Botschaft, die Merkel ihren Bürgern vor der Wahl nicht zumuten will.

Die Kanzlerin hat schon einmal gezeigt, wie innenpolitisches Kalkül ihr Handeln bei der Stabilisierung der Währungsunion treibt. Sie erreichte, dass das ESM-Kapital von 80 Milliarden Euro bis 2017 in fünf gleichen Raten eingezahlt wird. Ursprünglich hätten die Euroländer einen Großteil davon vorab im Jahr 2013 zahlen sollen. Doch das hätte die Nettokreditaufnahme der Bundesrepublik für dieses Jahr schlagartig erhöht. Wegen der „Schuldenbremse“ im Grundgesetz hätte Merkel vor der Wahl weniger Wahlzuckerln verteilen können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

29 Kommentare
 
12
Gast: bremser
22.10.2012 12:02
0 0

bremst bei der Bankenunion!?

weil man in die Unterhose der Anderen schon hineinschauen möchte. Die eigene Unterhose aber nicht herzeigen will.

Gast: Lukas
21.10.2012 13:34
0 0

Österreichs Politiker reden da nicht mit

sie haben auch nichts zu sagen, sie sind brave EU-Marionetten. Sie verschenken ja auch nur das Geld der österreichischen Steuerzahler. Die eigenen Taschen füllen sie sich ohnedies immer mehr...

Ich als Dritter.

Ich finde die Südeuropaer viel sympathischer als die Nordeuropaer. Südeuropaer haben Temperament und sind menschlich. Nordeuropar sind kühl und grenzen an der Tierwelt!
Daher halte ich die Südeuropaer für Rettungswürdig. Die Menschheit würde ohne die Nordeuropaer an nicht an Existenzberechtigung verlieren!

Antworten Gast: Goldhamsterer
20.10.2012 22:40
0 0

Re: Ich als Dritter.

Nun ja - ohne Nordeuropäer würden wie heute noch auf Kamelen reiten und die Türkei hätte keine Leopard-Panzer...

Antworten Gast: PÖHSE
20.10.2012 15:49
0 0

Re: Ich als Dritter.



Grüße in die Türkei !

Ein Nordeuropäer .

Deutschland und die vorletzte Wirtschaftskrise

1945 bis 1948 lag die deutsche Wirtschaft völlig darnieder. Durch internationale Einbindung Deutschlands wurde das Wirtschaftswunder erst möglich.
Was für die deutsche Exportwirtschaft notwendig ist, ist der Zugang zu allen Märkten.
Dadurch ist Deutschland reich geworden, und zwar so reich, wie nie zuvor in seiner ganzen Geschichte.
Die Deutschen wären gut beraten, diese Fakten im Blickfeld zu behalten.

Antworten Gast: nix weißt du. guckst du, kapierst du:
20.10.2012 22:42
0 0


Gast: eischa
20.10.2012 08:09
0 0

frau merkel

Österreich hat halt nichts zu sagen!unsere Politiker sind nur steigbügel Halter.

www.theotacheles.at

bitte im Juni und Juli lesen, z.B. Wachstum forever!
Wir brauchen ein neues Wirtschaftssystem und die Politiker verstehen es nicht!

...

am Anfang benötigen Spaniens Banken 70 Milliarden, dann 100, jetzt sind es 175...
Fortsetzung folgt...
immer derselbe Ablauf...

Typische CDU-Politik. Typisch hilflose Merkel!

Da wird schon seit Jahren(!!!) verlangt, SOFORT etwas gegen die kriminellen oder unsittlichen Bank- und Finanzgeschäfte zu tun. Und was haben die Merkel-Regierungen getan, außer ohne Wenn und Aber die Großpleitiers und Großversager (Ackermänner & Co) mit Steuergeldern förmlich zuzuschütten? Die neben den eigenen großen Pleiten noch wie kein Zweiter auf der Welt(!) wertlosen US-Finanzschrott gekauft haben. Tüchtig! Tüchtig!

Aber vielleicht brauchen die Banken auch etwas Zeit, bevor die Kontrollen kommen, um anständig schreddern zu können.

So wie auch vom Verfassungsschutz auf Teufel komm raus Akten über rechtsextreme Verbrechen geschreddert wurden.

Übrigens nicht zum ersten Mal. Auch bezüglich des größten Anschlages in Deutschland auf zivile Einrichtungen, nämlich auf das Münchner Oktoberfest, der von extremrechter Seite durchgeführt wurde, haben die bewährten Schredder alle Akten vernichtet.

Während man bei politischen Gegnern noch bis in de fernste Vergangenheit zurückforscht und rekonstruiert. Und auch in der gewohnt "objektiven" Weise künstlerisch frei interpretiert.

Gast: waltarius 33
20.10.2012 07:47
0 0

ABWARTEN ist sinnvoll -

RETTE sich wer kann.
Es dürfte nicht mehr lange dauern, dann stürzt das ganze Kartenhaus zusammen.

Obwohl die Lage an den Finanzmärkten derzeit ruhig erscheint, handelt es sich hierbei keineswegs um ein Ende der Krise, sondern vielmehr um die Ruhe vor dem großen Sturm – dem letzten vor der Neuen Weltordnung samt neuer, goldgedeckter Weltwährung. Wer immer noch glaubt, Hyperinflation gäbe es heute bei uns doch gar nicht mehr, der wird eines nahen Morgens ein äußerst böses Erwachen haben.

Von den vier durch Lindsey Williams angekündigten Schritten bis zum Crash haben sich bereits alle bis auf den letzten genau wie vorhergesagt ereignet. Einzig die Zinserhöhung der Fed steht noch aus. Durch diese letzte Maßnahme wird der Derivatemarkt kollabieren und damit das weltweite Finanzsystem sprichwörtlich über Nacht in Schutt und Asche legen. Wann dieser rote Knopf gedrückt wird, wissen wir nicht, aber wenn es passiert, ist es zu spät, um noch zu reagieren.

Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht realisiert hat, welchen “Wert” Papiergeld, Sparguthaben, Lebensversicherungen und ähnliche “Anlagen” tatsächlich besitzen, wird alles verlieren – bis auf seine Schulden. Noch besteht die Möglichkeit, vorzusorgen, aber die Zeit läuft ab. Rette sich, wer kann.

Banken und Politik

Wer hat die Milliarden ausgegeben?
Nun, die Politiker für den Filz, die Freunderln und die Wahlzuckerln.
Woher haben sie das Geld?
Nun, von den Banken.

Und deswegen müssen jetzt die Banken gerettet werden. Die Schulden von den Pleiteländern müssen von den weniger maroden Ländern bezahlt werden. Und das Beste ist freilich, dass die Sozialisten, welche allüberall die größten Schuldenjunkies sind - auch privat verstehen sie es, mit dem Geld der anderen auf besonders großem Fuß zu leben - sich jetzt auch noch aufpudeln, dass die Gläubiger gerettet werden. Dabei macht man das ja eh nur deshalb, damit sich die Politiker wieder Geld von ihnen borgen können.

Es darf in diesem Zusammenhang auch gar nicht sonderlich verwundern, weshalb es so viele parteinahe Banken gibt (auf der Bank ist ja schließlich das Geld) - Bawag, P.S.K, Bank Austria, Bank Burgenland...

Die Sozialisten leben auf großem Fuße?

Und die anderen leben auf kleinem Fuße?

Haben Sie ausgeprägte Wahrnehmungsprobleme?

In welchen Ländern, wo es sehr wenige oder gar keine Sozialdemokraten gibt, herrscht denn eitel Wonne? Welche dieser Länder wurden von der Krise verschont?

Stehen solche Länder ohne Sozialdemokraten und Gewerkschaften
jetzt nicht noch viel schrecklicher da als Länder mit starken Sozialdemokraten und Gewerkschaften?

Also - zählen Sie doch die tollen Länder auf, in denen es keine Sozialdemokraten und Gewerkschaften gibt. Oder nur bedeutungslose.

Gast: Tourist
20.10.2012 01:27
0 0

Merkel 2008

"Ihre Guthaben sind sicher."

Gast: PÖHSE
20.10.2012 00:53
2 0

Vor der Wahl-tabu, nach der Wahl- sch..egal,


diese Merkel schert sich einen Dreck um das Wohl und den Willen der Deutschen- DDR pur !

Gast: Fauler Kredit
19.10.2012 23:42
1 0

Faule Kredit abschreiben


Sollen sie ihre faulen Kredite halt abschreiben

http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/453406/182-Billionen-Euro-faule-Werte-vergiften-europaeische-Banken

Sind eh alles nur Zahlen am PC. Geld entsteht durch Kredit, aus dem Nichts, also befördert es auch wieder dorthin, wo es hergekommen ist.

Nehmt es aus der Bilanz, und fertig. Wir sind nicht eure Sklaven.

Schnell schnell die Zeit eilt sprach der Hase ...

... Es geht alles viel zu schnell in der EU, die übersehen die wichtigen Dinge und vor allem wird die EU-Bevölkerung ignoriert. Ursprünglich war die EU sicher mal eine gute Idee, jedoch wollne sich die Staaten nicht komplett ausliefern.

In Ungarn ist das beste Beispiel, es würde mich nicht wundern wenn die nach der geplanten "Zwangsenteignung" audländischer Investoren den Austritt bekannt geben.

Die Zeichen stehen schlechter denn je für die EU.

Re: Schnell schnell die Zeit eilt sprach der Hase ...

die Zeichen für Ungarn stehen noch schlechter...

Re: Re: Schnell schnell die Zeit eilt sprach der Hase ...

Naja, die Bilderberger werden ihre Daumenschrauben schon ansetzen, wollen Sie das damit sagen?

12 0

Ich sehe es schon kommen

noch bevor irgendein Staat mit dem ESM gerettet wird, ist er schon von den Banken des Club-Med ausgesaugt und verlangt nach Verdoppelung oder Verdreifachung, selbstverständlich verbunden mit 2 oder 3fachen Haftungssumme für jeden Teilnehmer.

die reiten uns immer tiefer rein und merken es nicht mal oder wollen es einfach nicht merken.

das wird ein Böses Ende nehmen.

Gast: jö-schau
19.10.2012 22:28
7 0

ESM Feuerkraft??

Bei unseren Experten und deren Abschätzungen ist der ESM binnen Jahresfrist (2013) aufgebraucht.

Wenn ein größeres Land unter den ESM schlüpft, ist Schluss mit lustig.......dann schicken wir eben einen weiteren Troika-Urlaubs-Rentnerclub durch die Gegend und spielen auf hart und wichtig.......


Gast: bankenmrd.stattfrieden
19.10.2012 22:24
4 0

europas untergang ist leider durch die banken u.finanzmärkte u ihrer eu-eurolobbypolitiker besiegelt.


Re: europas untergang ist leider durch die banken u.finanzmärkte u ihrer eu-eurolobbypolitiker besiegelt.

Leider? Der Tag wo die EU Diktatoren verschwinden wird ein Freudentag für alle Länder und dessen Bürgern werden.

Gast: h775
19.10.2012 21:20
3 13

wie lange müssen wir uns das neue deutsche reich unter merkel noch gefallen lasssen


Re: wie lange müssen wir uns das neue deutsche reich unter merkel noch gefallen lasssen

viel besser als faynachtsmann und Hallodrihollande ist sie allemal.

sie verteilt keine Frühpensionierung mit 60 oder die 35h Woche, wie ihre stimmenkaufenden "Sozialisten"

 
12