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Die Einsamkeit des David Cameron

19.10.2012 | 18:30 |  MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Der britische Premierminister verspricht für die kommenden Monate einen Kampf bis aufs Blut, um die budgetären (und sonstigen) Privilegien seines Landes zu verteidigen – und um neue Zugeständnisse zu erzwingen.

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Brüssel. Dass die Prioritäten der um ihr Überleben kämpfenden Eurozone und Großbritanniens anders gelagert sind, stand schon vor dem Beginn des jüngsten EU-Gipfels außer Frage. Dass diese Spaltung bereits weit fortgeschritten ist, war gestern Nachmittag in aller Deutlichkeit zu beobachten, als die europäischen Spitzenpolitiker die in Brüssel versammelten Journalisten über die Ergebnisse der Verhandlungen unterrichteten. Während die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bemühungen zur Stabilisierung der Währungsunion in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen rückte und EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy von der Suche nach Auswegen aus der Wirtschaftskrise sprach, nahm sich David Cameron eines gänzlich anderen Themas an: des Freihandelsabkommens zwischen EU und Japan, das, so die Hoffnung des britischen Premierministers, im Laufe der kommenden Monate fix ausverhandelt werden könne. Und wie war der Gipfel aus seiner Sicht? „Nützlich, aber nicht bahnbrechend.“

 

Repatriierung von Kompetenzen

Spätestens seit dem Sieg der Tories bei der Parlamentswahl 2010 steht das Kriterium der Nützlichkeit im Mittelpunkt der Beziehungen Großbritanniens zu Kontinentaleuropa. Angefeuert von EU-skeptischen Hinterbänklern arbeitet Cameron daran, den Abstand zwischen London und Brüssel zu vergrößern. Das Instrument dazu wurde im Juli 2012 von Außenminister William Hague ins Leben gerufen und heißt auf Amtsenglisch „Review of the Balance of Competences“. Demnach sollen sich alle Ministerien bis Ende 2014 überlegen, welche EU-Befugnisse besser in London aufgehoben wären – es geht also um die Repatriierung von Kompetenzen. Was mit dem Endprodukt dieser Überlegungen passieren soll, ist noch nicht klar. Cameron schließt jedenfalls ein Referendum über die Zukunft (bzw. den Verbleib) Großbritanniens in der EU nicht explizit aus – dieses Votum könnte aber genauso gut im Rahmen der Parlamentswahl 2015 erfolgen.

Einen Vorgeschmack bietet die jüngste Kontroverse um den europäischen Haftbefehl, den London nicht mehr anerkennen möchte. Um dies zu bewerkstelligen, will sich die Regierung aus der EU-Zusammenarbeit in Rechts- und Polizeifragen zurückziehen, die rund 130 Positionen umfasst. Im Anschluss an den Ausstieg (ein im Rahmen des Lissabon-Vertrags fixiertes Zugeständnis) sollen jene Bereiche, die im Interesse der Briten liegen, wieder einzeln übernommen werden – was angesichts der Tatsache, dass Großbritanniens EU-Partner dem zustimmen müssten, problematisch sein könnte.

Insofern kommen die Bemühungen um die Rettung der Währungsunion für Cameron zur rechten Zeit. „Die Union braucht einen neuen Rahmen. Für Großbritannien ist das eine Chance“, sagte der Premier. Das Wichtigste sei es, in den kommenden Verhandlungen einen guten Deal für Großbritannien herauszuschlagen.

 

„Heftiger Streit“ beim Abendessen

Dass dieser Deal nicht einfach sein wird, liegt auf der Hand. Offiziell sprachen gestern zwar alle Beteiligten von konstruktiven Gesprächen über die Bankenunion, aus dem polnischen Verhandlungsteam hieß es allerdings, man habe am Donnerstagabend zwei Stunden lang mit den Briten gestritten – und zwar „heftig“. Cameron, der eine europäische Bankenaufsicht „begrüßt“, will sicherstellen, dass Großbritannien als Euro-Outsider mit am Tisch sitzt – und im Idealfall nicht überstimmt werden kann.

Für den nächsten europäischen Rat, bei dem es um die Finanzplanung gehen soll, ist der Frontverlauf bereits klar: Aus Camerons Sicht darf das EU-Budget nicht erhöht werden, der britische Rabatt ist ebenfalls tabu. Der Premier versprach, im November bis zum Äußersten zu gehen: „Ich bin bereit, ein Veto einzulegen, falls das Ergebnis nicht unseren Vorstellungen entspricht.“ Und kann er sich mit einem separaten Haushalt für die Eurozone anfreunden? „Eine interessante Idee, doch längerfristig müsste sich das Eurobudget auf den Haushalt der EU auswirken.“ Im Klartext: Cameron will, dass die EU im Gegenzug ihre Ausgaben zurückfährt. Die nächste Schlacht kündigt sich an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.10.2012)

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33 Kommentare
 
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Cameron hat recht ?

Ich frage mich allen ernstes, wo die meisten in den letzten 40 Jahre gelebt haben, hatten diese noch kein TV ? Denn bereits in der EG hatten England das was sie eingezahlt haben ,doppelt und dreifach wieder heraus geholt ! War es nicht Die Merkel, die den Streit zwischen Frankreich und England schlichtete , in dem sie England "mal eben" Millionen gab, aus der deutschen Staatskasse ? Und England als Friedensstifter ,seit wann ? Ich erinnere an die Lügen , um im Irak einen Krieg zu entfesseln, und ist dort etwas besser geworden ? England hat keine Exportschlager , sondern bezieht das meiste Kapital durch ihre Banken !

Gast: Gast 2012
20.10.2012 23:36
0 0

ein schöner Artikel eines braven EU-Systemschreibers

spätestens wenn die Linken Europas mit ihrem Latein am Ende sind und nicht einmal die Reichen den Schuldenberg der Wohlfahrtsstaaten abtragen können wird man sehen wer die "Hinterbänkler" sind.

"Angefeuert von EU-skeptischen Hinterbänklern arbeitet Cameron daran, ..."

"Demnach sollen sich alle Ministerien bis Ende 2014 überlegen, welche EU-Befugnisse besser in London aufgehoben wären...."
Unsere Vorderbänkler haben uns grinsend an Brüssel ausgeliefert und treten ihre Befugnisse nur allzu gerne ab,
1. um weniger denken und arbeiten zu müssen
2. im Fall des EU-Scheiterns jede Verantwortung ablehnen zu können

Und wieder ...

... wird letztendlich Kontinental-Europa für den 51. US Bundesstaat zahlen! Kennen wir ja schon ...

Den Kampf bis aufs Blut könnte man doch dem armen Cameron ersparen

Indem man Großbritannien kurz und bündig aus der EU wirft.

Wer in Europa braucht Großbritannien? Wer soll sich in Großbritannien eine goldene Nase verdient haben? Also die deutschen Autofirmen müssen eher immer die maroden Briten über Wasser halten.

Abgesehen davon, dass Großbritannien für den Friedensnobelpreis bzw. die "Friedensunion" überhaupt nichts bringt. Die Stärke liegt eher auf lügnerischer Kriegstreiberei und notorischer Kriegsführung.

Antworten Gast: Fprester
22.10.2012 13:29
1 0

Re: Den Kampf bis aufs Blut könnte man doch dem armen Cameron ersparen

Eigentlich komisch: Griechenland kann man nicht aus dem Euro oder der EU hinauswerfen, weil sonst die Weltwirtschaft zusammenbrechen würde. Beim fünfmal grösseren Grossbritannien hingegen fordert man einen solchen Hinauswurf. Offensichtlich würde dies bei der Weltwirtschaft keine negativen Spuren hinterlassen.

Antworten Gast: roti345
20.10.2012 10:27
0 5

Re: Den Kampf bis aufs Blut könnte man doch dem armen Cameron ersparen

alles klar und den Beitrag des Nettozahlers Großbritanniens von 2.865 Millionen Euro übernimmst du dann, gell.

Ja, so schauen die Briten aus. Dass sie bei etwas mitmachen würden, wo sie draufzahlen.

Dass die Briten etwa das Doppelte zahlen müßten, ist Ihnen wahrscheinlich entgangen oder völlig wurscht.

Hat man sich den ursprünglichen Beitrag für Großbritannien vielleicht nur aus den Fingern gesaugt? Oder vielleicht doch nach bestimmten Berechnungen festgelegt?

Gast: tomturbo243
20.10.2012 09:21
0 3

Weiter so!

Der Mann ist ein Held! Endlich einer der nicht hirnlos der Herde hintennachläuft.

1 1

was für ein Schwachsinn.......

Leute, bevor ihr hier schreibt, schaut euch doch mal die Historie Europas an, was alles in den letzten 200Jahren so passiert ist und
die Rolle welche England in der Kolonialzeit gespielt hat!
Dann Lebt und Arbeitet Ihr mal 5 Jahre in England............
erst dann werdet Ihr fest stellen, wie falsch Herr C......liegt.
Europa braucht Frieden und wir brauchen Europa mit all seinen
Unannehmlichkeiten, aber jeder kann dazu Beitragen das es besser wird und die Fehler korrigiert werden.
so is Life .......

Antworten Gast: tomturbo345
20.10.2012 09:26
1 2

Re: was für ein Schwachsinn.......

Wenn du dich in Geschichte ein wenig auskennen würdest wüsstest du auch dass es schon hunderte von Bündnisse in europa gab und die nie Krieg verhindert konnten.

Einzige

Der Einzige mit Rückgrat.

Gast: barra
20.10.2012 02:45
1 4

einsam?

ha.
ich wünschte wir hätten auch so einen als staatschef.

3 9

Und Cameron hat in allen Punkten recht.

Ich beneide einen Kollegen aus Deutschland, der schon lange in GB wohnt und vor zwei Wochen die britische Staatsbürgerschaft bekommen hat.

18 4

Was haben die Briten eigentlich noch in der EU zu suchen???

Anscheinend besteht deren "Mitgliedschaft" nur darin sich die Rosinen aus dem EU-Kuchen zu picken.

Oder nicht??

Antworten Gast: HB4242
19.10.2012 21:35
8 11

Re: Was haben die Briten eigentlich noch in der EU zu suchen???

Also ich halte die Briten für die Einzigen, die uns noch noch von den Vereinigten Staaten von Europa "retten" können.

(VSE heisst für die Bürger totale Überwachung, Enteignung und Versklavung ......)

Antworten Antworten Gast: DER ADVOCAT
20.10.2012 09:38
1 1

Re: Re: Was haben die Briten eigentlich noch in der EU zu suchen???

In aller Höflichkeit-Sie reden non sense!
Die Briten sind die einzige EU-Industrienation, die-NICHT EINMAL EINE WETTBEWERBSFÄHIGE AUTOINDUSTRIE AUFBAUEN KONNTEN! Das haben Ihnen vorsorglich "die Deutschen Handwerker" abgenommen!
Jetzt kaufen die Britts Cars-made in Germany,und-REISSEN DAS MAUL AUF!
Die Zukunft dieser insularen Grössenwahnsinnigen-IST IHRE VERGANGENHEIT-Punkt!

Antworten Antworten Antworten Gast: HB4242
20.10.2012 12:29
1 0

Re: Re: Re: Was haben die Briten eigentlich noch in der EU zu suchen???

Es geht doch nicht um Autos !

Wenn die Vereinigten Staaten von Europa den Vollbetrieb aufgenommen haben, wird sich eh kaum einer mehr ein Auto leisten können ....

Antworten Antworten Gast: Fiona Pferdovsky
20.10.2012 07:15
5 0

Re: Re: Was haben die Briten eigentlich noch in der EU zu suchen???

Die vorteile Großbritanniens liegen sicher nicht in weniger Überwachung. Im Gegenteil.

Gast: jö-schau
19.10.2012 20:49
4 8

Man, you made my day!!

Thanks Mr. Cameron

Gast: HB4242
19.10.2012 20:08
6 4

Warum haben wir nicht in AT so einen einsamen Premier ....

Haben wir uns das wirklich nicht verdient ???

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Re: Warum haben wir nicht in AT so einen einsamen Premier ....

Wer den Krieg gewonnen hat, ist eben in der besseren Position oder zumindest wird ihm mehr Freiheit gelassen.

Antworten Antworten Gast: HB4242
19.10.2012 21:22
8 2

Re: Re: Warum haben wir nicht in AT so einen einsamen Premier ....

Antwort: Leopold Figl; Der hat keinen Krieg gewonnen und gewusst was gut ist für Österreich ....

2 0

Re: Re: Re: Warum haben wir nicht in AT so einen einsamen Premier ....

Antwort: Leopold Figl; Der hat keinen Krieg gewonnen und gewusst was gut ist für Österreich ....

Außerdem wußte vor allem der Marshall-Plan was gut ist für Österreich.

5 1

Re: Re: Re: Warum haben wir nicht in AT so einen einsamen Premier ....

Aber Figl ist lange tot. Heute ist das, was gut für Österreich wäre, tabu.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: HB4242
19.10.2012 22:24
1 0

Re: Re: Re: Re: Warum haben wir nicht in AT so einen einsamen Premier ....

OK, JFK ist auch schon lange tod; Aber deswegen sind seinen Ideen nicht schlecht ....

 
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